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Dienstag, 26. September 2017 22:46

Gedanken zur Bundestagswahl

Ja, schockierend mag das Wahlergebnis sein. Aber nicht überraschend. Auf dieser Interaktiven Karte kann man gut sehen, dass die AfD die meisten Stimmen wohl den Sachsen zu verdanken hat. Ausgerechnet das Bundesland, in dem vor einer Generation noch die Jugend in den Schulen massiv indoktriniert wurde (klappt wohl nicht, was?) und kein Westfernsehen empfangbar war. Wo die vietnamesischen Gastarbeiter in eigenen Vierteln lebten und als "Fitschis" beschimpft wurden, obwohl niemand auch nur einen einzigen persönlich kannte. Die Linke hat auch in Ostdeutschland mehr Prozentpunkte bekommen. Vielleicht weil die Wähler dort nicht so abgeschreckt sind, dass es die Nachfolgepartei der SED ist. War ja nicht alles schlecht in der DDR, oder? Trauen sich im Westen weniger, da ein Kreuz zu machen. Da hat das Schlechtreden funktioniert.

Schauen wir uns mal die Ergebnisse der Bundestagswahl 2017 genauer an. Warum hat Schwarz so viele Stimmen verloren? Wieso haben so viele Leute die AfD gewählt? Die Zeit hat nachgefragt: Warum haben Sie die AfD gewählt? CXU gilt gemeinhin als konservative Partei. Aber durch die GroKo sind sie wohl für einige Wähler zu weit nach links gerutscht, was ihnen nicht gefällt. Geht CXU jetzt den Weg der SPD seit Gerhard Schröder ab 1998? Denen ist die SPD nämlich zu weit nach rechts gerutscht. Und seit Schröder und der Einführung der Dumpinglohnförderung von Hartz IV geht es steil bergab. Wer hat uns verraten? Die Sozialdemokraten.

Halte ich die AfD für wählbar? Für mich nicht. Wenn ich ihr Wahlprogramm so ansehe, dann sehe ich einige Dinge, mit denen ich übereinstimme. Sie sind gegen TTIP etc., möchten den Rundfunkbeitrag abschaffen, das Bargeld erhalten, Lobbyismus eindämmen, Wasserversorgung gehört in die öffentliche Hand... Da war ich selbst überrascht. Aber ein großer Punkt, den ich nicht akzeptieren kann, ist die Einstellung zu Flüchtlingen. Diese Menschen werden auf ihren wirtschaftlichen Nutzen reduziert. Dass sie aus fürchterlichen Verhältnissen, sei es Krieg, korrupte und gewalttätige Regierungen oder bitterer Armut fliehen, interessiert den empathiebefreiten AfD-Wähler nicht. Da kommt mir doch das Kotzen. Die einzigen Parteien, die auch die Fluchtursachen bekämpfen wollen, sind die SPD, Grünen und die Linke. Es ist immer die bessere Wahl, die Ursachen zu bekämpfen statt die Symptome.

Und wenn ich dann lese, dass Kleingärtner einen Beitrag für die Krisenvorsorge leisten sollen, Frauen bitte dem alten Klischee am Herd entsprechen und gefälligst mehr Kinder bekommen sollen und die Wehrpflicht wieder eingeführt werden soll, der Erwerb des Waffenscheins für gesetzestreue Bürger ist zu erleichtern.... Bin es nur ich, oder lese ich hier tatsächlich Kriegsvorbereitungen heraus? Danke! Hatten wir schon. Kann im Geschichtsbuch nachgelesen werden. War Scheiße!

Trotzdem finde ich das Ergebnis nicht unbedingt schlecht. Wie bitte? Ja, richtig gelesen. Ich finde es gut, dass hier mal die Politik aufgemischt wird. Genau wie beim Brexit und durch Donald Trump. Finde ich gut. Diese Dinge mag nämlich auch die Elite nicht, die uns regiert. Ich weiß zwar nicht, wieviele Denkzettel die noch brauchen, aber so geht es nicht weiter mit Europa, nicht mit der Welt. Wir haben nunmal unterschiedliche Mentalitäten und es funktioniert einfach nicht, wenn man mehrere Völker zwangsweise zusammensteckt. Siehe UdSSR, siehe Jugoslawien, siehe auch Irak. Die Menschen möchten sich auch im Frieden mit ihrer eigenen Nationalität identifizieren. Sie möchten einen gewissen Grad an Autonomie. Deshalb dürfen nationale Interessen nicht einfach ignoriert werden.

Und die Menschen möchten gerne glücklich und zufrieden sein. Ich kenne viele Leute, die in den letzten 20 Jahren ihren Job verloren und nur einen schlechter bezahlten gefunden haben. Eine Freundin sagte auch einmal, dass sie es als Frechheit empfindet, dass sie 40 Stunden in der Woche arbeitet und gerade mal so über die Runden kommt. Da bleibt nichts mehr übrig für private Altersvorsorge. Das sind die Menschen, die abgehängt wurden. Die nicht mehr teilhaben dürfen am Wohlstand.

Natürlich sind die Menschen immer irgendwie unzufrieden. Aber es ist ein Unterschied, ob man sich über einen abgebrochenen Fingernagel aufregt, oder wenn man nicht weiß, wie man die Miete aufbringen soll. Mal sehen, ob unsere Regierungselite nun endlich aufwacht und wieder Politik für ihre Bürger macht, nicht für die Wirtschaft. Wünschenswert wäre es. Dann wären die auch wieder wählbar.

Thema: News [ Senf dazugeben ]

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Last Update: 09.01.2012 13:04
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