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November 2020


Oktober 2020

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Montag, 23. November 2020 19:43

Race to the Bottom

So nannte es ein Heise-Forist, wenn BWLer bei der Produktion von Waren immer mehr den Rotstift ansetzen, um die Produkte billiger und billiger und billiger zu machen. Und es ist doch tatsächlich so, dass man das Gefühl nicht los wird, dass es nur noch Schrott zu kaufen gibt. Die Waschmaschine meiner Eltern hat bestimmt 20 Jahre, wenn nicht noch länger gehalten. Ich kann mich mit 48 Jahren gar nicht mehr erinnern, wieviele Waschmaschinen ich überhaupt bisher besessen habe. Angeblich gibt es keine geplante Obsoleszenz, aber die Qualität wird so weit herabgesenkt, dass es vom Verbraucher gerade so noch akzeptiert wird.

Und wenn die Reparatur teurer ist, als sich ein neues Gerät anzuschaffen, dann landen die Dinger halt auf dem Sperrmüll. Dabei müsste hier doch ein Umdenken stattfinden. Reparaturen sollten sich lohnen, nicht nur für die Umwelt, sondern überhaupt. Wenn man die Geräte so baut, dass sie nach zwei Jahren zwar prinzipiell noch funktionieren, sich der Akku aber nicht tauschen lässt oder es keine Updates mehr gibt, der gehört so massiv besteuert, dass sich dieser Trend wieder umkehrt.

Ich sehe es auch als großes Problem, wenn die Produktion immer mehr ins Ausland verlagert wird. Billige Arbeitskräfte dort, die ohne soziale Absicherung schuften... Damit können wir eben nicht wirklich konkurrieren, auch wenn Hartz IV sein Bestes getan hat die letzen Jahrzehnte. Aber es wandert auch das Know-How aus. Die brauchen doch gar keine Industriespionage mehr zu betreiben, wenn ihnen alles frei Haus geliefert wird. Und was passiert im Westen? Wir verlernen die Innovation. Aber vielleicht ändert sich das langsam. Ich würde es begrüßen, wenn die Produktion wieder mehr ins Inland verlegt würde. Die kann man auch durch Automation und Innovation billiger machen.

Aber es sind auch die Verbraucher schuld. Ich meine jetzt nicht diejenigen, bei denen am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig ist, die haben keine Wahl. Aber es gibt auch Leute, die eigentlich ganz gut Geld haben, und trotzdem in Kaufrausch verfallen, wenn es irgendwo Angebote gibt. Ich sage nur "Black Friday". Ich meine, ich bin schon sehr lange Konsumverweigerer. Ich hasse es zu shoppen und für mich ist es kein Vergnügen, durch irgendwelche Malls zu schlendern und Sachen zu kaufen, die ich gar nicht brauche. Wenn etwas im Angebot ist, und ich es nicht brauche, werde ich es also trotzdem nicht kaufen. Und ich kaufe auch nichts mehr auf Vorrat, denn wer braucht schon zig Glühbirnen im Keller, die in die neuen Lampen dann gar nicht mehr reinpassen, weil jedes Modell ein anderes Leuchtmittel braucht. Oder Knopfzellsortimente. Ich brauche fu***ing zwei verschiedene Sorten, maximal, der Rest kann mir gestohlen bleiben. Doch dafür muss ich regelmäßig mehr Geld ausgeben, als für diese Riesenblister mit zig Batterien.

Und dann noch Leute, die das Wort "preiswert" inflationär benutzen. Eine Sache ist ihren Preis wert, auch wenn sie eventuell teuer war. Wenn etwas aber billig war und nach einmaligem Gebrauch schon zerbröselt, dann war das zum Kuckuck nicht "preiswert", sondern "billig"!!!

Und jedes Mal, wenn ich jemanden mit einer Primark-Tasche rumlaufen sehe, in der sich vermutlich Wegwerfklamotten befinden, dann denke ich nur seufzend: "Da geht er dahin, unser Planet..."

Also lasst mich mit dem Black Friday in Frieden!

Thema: Schöne neue Welt
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Sonntag, 22. November 2020 20:03

Sandra schaut, hört und liest...

Twitch, Audible und Interviews

Twitch Wildmics #Zeitverschreib mit Mháire Stritter

Diesmal ging es um Reden auf der Bühne. Nicht, dass ich dazu irgendwelche Ambitionen hätte, aber es war wie immer schön, den beiden zuzuhören. Und wie man sich vorbereitet, das gilt auch für Präsentationen in Büromeetings. Oder wie man mit Lampenfieber umgeht. Mháire kann ich sowieso stundenlang zuhören.

Bei muxmäuschenwild gibt es ein nettes Interview mit Tommy, zu dem ich nur eine Anmerkung habe: Wenn man Moscow Mule kocht, dann geht doch der ganze Alkohol raus eins11elf!!!

Und bei Bücherkaffee gibt es ein Interview zum neuen Hörspiel "Kohlrabenschwarz", das bei Audible sogar kurzzeitig auf Platz 1 vor Barack Obamas "A Promised Land" war. Allerdings ist das nicht so mein Geschmack, wegen dem Horroranteil. Ich steh total auf Ghostsitter und Bill Bo und seine Bande mag ich auch sehr gerne. Wir haben Staffel 8 von Ghostsitter schon runtergeladen, aber da wir derzeit auf keine Cons fahren (können), machen wir keine gemeinsamen Roadtrips, auf denen wir dann Hörspiele reinziehen könnten. Ich hatte schon den Vorschlag gemacht, dass wir ein paar Mal um den Block fahren könnten, aber das wäre ja umweltsaumäßig.

Twitch Wildmics #Ferngespräch "QAnon ohne Trump"

Die Folge QAnon ohne Trump war wieder sehr aufschlussreich. Und die Community war wirklich super. Ich kann dem Chat normalerweise nicht zeitgleich folgen, weil ich so absolut gar nicht multitaskingfähig bin. Also Zuhören und Lesen gleichzeitig geht null. Deshalb konzentriere ich mich immer in erster Linie auf das, was die Expertenrunde sagt. Aber da war eine Frau im Chat, die erst ein wenig wie ein Troll wirkte und von den anderen angegangen wurde. Doch als sich herausstellte, dass sie wohl tatsächlich vor Dingen Angst hatte, die in diversen Telegram-Gruppen wahrsagsschwurbelmäßig angekündigt werden, hat sich die Community entschuldigt und es gab Links und Telefonnummern zu diversen Anlaufstellen wie die Telefonseelsorge. Und sie wurde ermuntert, sich dort auch wirklich Hilfe zu holen und auf die Angstmacherei auf Telegram nicht zu hören. Wenn auf diese Weise hin und wieder jemand aus den Fängen der Schwurbler geholt werden kann, dann freue ich mich.

Twitch Wildmics #AlleBekloppt "Ihr fragt, Psychologen antworten"

Das Format #AlleBekloppt fand zum ersten Mal statt und Alexander Waschkau und Sophia Krappweis haben versucht, so viele Fragen wie möglich aus dem Chat zu beantworten. Was natürlich in der kurzen Zeit immer nur ein Anstoß sein kann, um sich im realen Leben Hilfe zu holen. Und es ist auch schön zu sehen, dass man mit seinem Problem nicht alleine da steht und dass die Stigmatisierung von psychischen Erkrankungen immer weniger wird. Dass es äußerst schwierig ist, einen (passenden) Psychologen zu finden, bis man endlich eine Therapie beginnen kann, steht auf einem anderen Blatt.

Netflix Discovery

Die Serienmacher haben anscheinend die Kritiken der Fanbase ernst genommen und es kommen immer mehr Star-Trek-Momente vor. Ob es die Serie retten wird, glaube ich trotzdem nicht. Das kommt jetzt ganz drauf an, was bei der Untersuchung des "Brandes" herauskommt, ob das mystischer Kurtzman-Quatsch ist, oder ob das annähernd eine realistische, nachvollziehbare, physikalisch-wissenschaftlich einigermaßen korrekte Ursache hatte.

Themen: Tommy Krappweis | Mháire Stritter | Star Trek
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Sonntag, 15. November 2020 19:53

Pumuckl

Als Kind mochte ich die Hörspiele von Pumuckl am Liebsten. "Das Schlossgespenst" hatte ich auf Schallplatte und auch "Pumuckl macht Ferien" und "Der Geist des Wassers". Die meisten Geschichten habe ich aber im Fernsehen gesehen. Inzwischen habe ich alle Geschichten als MP3 und auf meinen Autostick gepackt, so dass ich beim Autofahren Pumuckl hören konnte. Dabei gefällt mir die Stimme von Gustl Bayrhammer besser, weil ich die eben gewöhnt bin. Alfred Pongratz, der anfangs die Hörspiele sprach, hat meiner Meinung nach nicht den gleichen Ausdruck wie Gustl Bayrhammer. Viele verschiedene Figuren werden von den gleichen Sprechern gesprochen, was manchmal etwas komisch wirkt.

Die Geschichten hat Ellis Kaut ab 1962 geschrieben. Deshalb gibt es viele Dinge, die heute so in den Geschichten wohl nicht mehr vorkommen würden, z.B. dass Meister Eder Zigaretten holen geht, auf den Schreck ein Schnapserl trinkt oder dass es immer die Frauen sind, die kochen und waschen. Auch Kindern würde man heute keine "Watsch'n" mehr androhen, schon gar nicht den Nachbarskindern. Die Geschichten sind eben auch eine Art Zeitzeugen.

Gedreht wurde seinerzeit in der Widenmayerstraße 2 in München nahe der Praterinsel. Leider ist das Gebäude abgerissen worden, kurz bevor es unter Denkmalschutz gestellt wurde. Das ist natürlich sehr schade. Vielleicht wäre das heute eine kleine Touristenattraktion.

Trotzdem mag ich die Geschichten noch immer. Im Laufe der Zeit wird Pumuckl immer einsichtiger und braver, während Meister Eder immer seltener in Verlegenheit gerät, wenn der unsichtbare Pumuckl mal wieder seine Späße treibt und zumindest seiner Nichte Bärbel und seinen Freunden vom Stammtisch, allen voran dem Bernbacher Schorsch, erklärt er am Ende unverblümt, dass dies auf das Konto seines Kobolds geht. In einer Geschichte treffen Pumuckl und Meister Eder sogar auf einen anderen Kobold, dem blauen Klabauter. Der kam in der Serie nie vor, aber es gibt einen Kinofilm davon, den ich noch gar nicht gesehen habe. Darin wurde Gustl Bayrhammer von Wolf Euba synchronisiert, da er kurz nach den Dreharbeiten verstarb. Auch Hans Clarin, der Sprecher von Pumuckl, und Ellis Kaut sind mittlerweile nicht mehr am Leben.

Den Film "Pumuckl und sein Zirkusabenteuer" hatten wir damals 2003 im Kino gesehen. Da war Meister Eder bereits tot und Pumuckl war dann bei dessen Verwandten Ferdinand Eder, gespielt von Hans Clarin. Gesprochen wurde Pumuckl damals von Kai Taschner. Alles Umstände, die ich damals sehr traurig fand und kein Pumuckl-Feeling aufkommen wollte.

Was mir an Pumuckl besonders gefällt, ist der Sprachwitz. Ich selbst verhaspel mich auch gerne, wenn ich Fremdwörter aussprechen möchte, aber für Pumuckl sind jede Menge Wörter, die Meister Eder gebraucht, vollkommen neu, so dass er daraus witzige Eigenkreationen erfindet. Und ich frage mich die ganze Zeit, ob es das Wort "kurzweilig" schon vor Pumuckl gegeben hat, oder ob es aus dem Hörbuch heraus den Sprung in den allgemeinen Sprachgebrauch geschafft hat.

Außerdem fand ich es witzig, wenn ich das Autofenster runtergekurbelt hatte, und die vorbeigehenden Passanten bemerkten, dass ich ohne Kinder an Bord Pumuckl hörte. Das entlockte Vielen ein Lächeln.

Und überhaupt, wer will schon erwachsen sein?

Thema: Blick in die Vergangenheit
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Freitag, 13. November 2020 19:55

Bürgerpflicht erfüllen

Heute haben wir auf sehr angenehme Art unsere Bürgerpflicht erfüllt. Wir haben wieder - genau wie letzten Freitag schon - unser Abendessen von unserem Lieblingsrestaurant Zur Landlust in Vaterstetten geholt. Natürlich schmeckt es besser, wenn man es frisch aus der Küche genießen kann, aber das Essen dort ist so lecker, dass es die 13 Minuten Heimfahrt gut übersteht.

Letzten Freitag hatte ich Lachsfilet mit Rahm-Spinat-Nudeln und Apfelstrudel mit Vanillesauce zum Nachtisch. Vom Apfel-Birnen-Tiramisu habe ich nichts abbekommen :D

Lachsfilet mit Rahm-Spinat-Nudeln

Apfelstrudel mit Vanillesauce

Heute hatten wir Schnitzel mit Pommes und Nudeln mit Spinat-Gorgonzolasoße, zum Nachtisch wieder den leckeren Apfelstrudel und Schokomousse im Glas.

Nudeln mit Spinat und Gorgonzolasoße

Natürlich wird so viel Müll produziert. Aber im Moment ist einfach wichtiger, dass die Landlust durchhalten kann, damit wir auch nach Corona noch unser Lieblingsrestaurant und -biergarten haben. Zumindest die Gläser mit Schraubverschluss bringe ich immer wieder zurück.

Ähnliches gilt übrigens für unsere Lieblingskünstler. Wie man die unterstützen kann, darüber hat mein Schatz Florian in seinem Artikel Kreative unterstützen geschrieben. Da sind wir im Moment auch sehr aktiv. In diesem Zusammenhang möchte ich auch nochmal auf das Bündnis #AlarmstufeRot der Veranstaltungsbranche hinweisen.

Im Übrigen möchte ich einmal sagen, dass ich vor allen, die sich in Deutschland selbständig machen, einen Riesenrespekt habe. Schon allein die Steuergesetze finde ich dermaßen abschreckend, dass mir das nie einfallen würde. Aber auch sonst ist Deutschland wohl das Land mit der meisten Bürokratie. Diese Überregulierung geht so weit, dass wir sogar ein eigenes Gesetz zum Bürokratieabbau haben. Dafür gibt es einen Witzig-Stempel!

Und deshalb finde ich es absolut richtig, dass jetzt ordentlich Geld in die Hand genommen wird, um Selbständigen und Leidtragenden der Krise finanziell zu helfen, wo es nur geht. Dafür kann man ja die Reichen stärker besteuern, die leiden ja auch nicht unter der Krise, sondern werden unverschämterweise noch reicher und haben zum Teil auch gar nichts dagegen, höher besteuert zu werden. Also los!

Themen: Corona | Fotografie
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Donnerstag, 12. November 2020 20:30

Viren und UV-Licht

UV-Licht im Kapf gegen Corona wurde häufig diskutiert. Letztendlich hatte ich von Anfang an die Rolle von natürlichem UV-Licht eher als gering eingeschätzt, schon allein deshalb, weil sich SARS-CoV-2 in warmen Ländern wie Italien und im Iran mit mehr Sonneneinstrahlung auch super ausbreiten konnte. Das allein konnte also nicht die Lösung sein.

Gleichwohl kann man mit UV-Licht aber Viren gezielt abtöten, sozusagen Desinfektion ohne Chemie.


Updates

Spektrum (16.04.2020): Was das Wetter für die Epidemie bedeutet

ntv (30.04.2020): Wärme und viel UV-Licht: Besiegt der Sommer das Coronavirus?

ntv (29.05.2020): Mehr Hygiene im Reiseverkehr: UV-Licht soll Viren an Bahnhöfen töten

Galileo.tv (11.08.2020): Mit Licht gegen Corona: Wo UV-Strahlung schon Keime und Viren vernichtet - inkl. Video (47 Minuten)

ÄrzteZeitung (09.11.2020): Mit UV-C-Licht und Ozon gegen Corona – bringt das etwas? - Podcast (15 Minuten)

Heise (18.11.2020): Signify und Edeka desinfizieren Supermarkt mit UV-Lampen



Universität Duisburg-Essen (01.09.2020): Mit UV-Licht gegen Corona - Link zur Studie: Susceptibility of SARS-CoV-2 to UV irradiation

Thema: Corona
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Mittwoch, 11. November 2020 21:28

Hoffnung auf Impfstoff

Der Impfstoff kommt langsam in greifbare Nähe. Deshalb ist es auch - wie von Wissenschaftlern vorausgesagt - absehbar, dass die Menschheit die Pandemie 2021 langsam in den Griff bekommt. Eine Freundin (Mikrobiologin, die in der Medikamenten- und Impfstoffzulassung arbeitet) sieht das genauso. Und passend zu dem Thema gab es gestern auf Twitch WildMics das #Ferngespräch Aber über Impfen schimpfen, wo nicht nur über die Corona-Proteste wie zuletzt in Leipzig (seufz!) geredet wurde, sondern auch über Impfen im Allgemeinen. Es wurde auch über mRNA-Impfstoffe aufgeklärt und über die beschleunigte Entwicklung und Zulassung des SARS-CoV-2-Impfstoffes. Dies war möglich, weil a) massig Gelder bereitsgestellt wurden und b) manche Schritte der Impfstoffentwicklung nicht nacheinander, sondern parallel gelaufen sind, damit das schneller geht.

Wir werden also 2021 einen Impfstoff zur Verfügung haben, der aus strategischen Gründen erst einmal dem medizinischen Personal zur Verfügung gestellt wird, dann vulnerablen Gruppen wie Altersheimen, dann der restlichen Bevölkerung, wer sich freiwillig impfen lassen mag, und dann werden harte Eindämmungsmaßnahmen der Vergangenheit angehören. Impfungen sind eine der größten Errungenschaften der Medizin und Prävention ist besser als Heilung.

Ich persönlich sehe die ganze Sache ja eher aus wissenschaftlicher Sicht und als Großes/Ganzes. Mir sind die psychischen und wirtschaftlichen Auswirkungen und Einzel-Schicksale aber dennoch bewusst. Aber ich bin auch davon überzeugt, dass nicht die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie den Schaden anrichten, sondern die menschengemachte Naturkatastrophe. Und je länger Regierungen zögern, Maßnahmen zu ergreifen, desto härter und länger müssen diese erfolgen, damit sie wirken, und desto größer ist der Schaden in der Realwirtschaft (der Finanzwirtschaft schadet die Pandemie ja offensichtlich nicht -.-). So wie China können wir das in unserem demokratischen und rechtsstaatlichen System nicht durchführen, aber darüber bin ich auch froh. Um so mehr kommt es auf das Mitwirken jedes Einzelnen an.

Aber eins ist sicher, wie uns die Erfahrungen aus der Vergangenheit lehren: Die Pandemie wird vorüber gehen und die Wirtschaftskrise ebenfalls. Und das haben wir den Wissenschaftlern zu verdanken, die an der Impfstoffentwicklung weltweit beteiligt sind, den Regierungen, die mit entsprechenden Hilfen versucht haben, die Auswirkungen weitestgehend abzumildern und den fleißigen Menschen in der Realwirtschaft, die kämpfen und sich den Umständen so weit es geht anpassen.

Aber über Impfen schimpfen

Themen: Corona | News | Tommy Krappweis
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Dienstag, 10. November 2020 19:42

Rapsöl im Kaffee

Klingt irgendwie komisch. Rapsöl gehört nicht zu meinen favorisierten Pflanzenölen, wenn es um Ernährung geht. Ich bevorzuge Maiskeimöl zum Braten, da ich das mit meinen Gallensteinen am besten zu vertragen scheine.

Als wir im Sommer in Mecklenburg-Vorpommern bei meiner Cousine waren, haben wir uns auch über Milch und deren Ersatz unterhalten, da Kühe mit ihren Methangasen schädlich für das Klima sind und es gute vegetarische Alternativen gibt. Mandelmilch mag ich z.B. sehr gerne im Kaffee, die lässt sich aber nur bedingt schäumen, sehr abhängig von Temperatur und Luftdruck. Ich wollte aber den Alternativen nochmal eine Chance geben und probierte wieder zu Hause ein paar dieser Drinks aus.

Der normale Hafer-Drink lässt sich überhaupt nicht aufschäumen. Aber dann entdeckte ich, dass es auch Barista-Varianten gibt. Aber weder Alpro noch das teurere Oatly! überzeugten mich, da der Schaum nach wenigen Minuten in sich zusammenfällt. Und Rapsöl auf der Zutatenliste... Ich weiß ja nicht. Eine Barista-Version von Mandelmilch habe ich nicht gefunden. Nur ein Vorteil hatte die Hafer-Rapsöl-Variante: Da brennt nix an im Milchschäumer.

Es gibt Basita-Mandeldrink, z.B. von alpro, leomil (z.B. bei REWE), Pacific Foods, AlmondBreeze und anderen Herstellern. Danach werde ich mal Ausschau halten und das ausprobieren, ob das besser ist als Haferdrink. Soja probiere ich nicht, da ich es nicht mag und meist für zu stark verarbeitet halte. Ich habe nach Sojaprodukten immer ein pelziges, unangenehmes Gefühl auf der Zunge gehabt.

Bis dahin bleibe ich bei alpro Bio-Weidemilch. Da ist zumindest die Tierhaltung einigermaßen artgerecht. Bis ich eine vegetarische Alternative gefunden habe.

Alpro

Alpro

Alpro

Oatly!

Oatly!

Oatly!

Oatly!

Ich weiß, dass das eine andere Tasse ist ;-) Das Foto habe ich einen Tag später aufgenommen.

Themen: Sanni Kochstudio | Fotografie
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Sonntag, 8. November 2020 22:49

Erleichterung

Ich muss es doch tun. Ich muss darüber schreiben, wie erleichtert ich bin, dass Dump Trump nicht mehr Präsident der Vereinigten Staaten ist.

In den letzten Tagen konnte man eigentlich keine News mehr lesen. Zuerst wurde nur über die neuen Rekorde der Corona-Neuinfizierten geschrieben und sich dazu irgendetwas aus den Fingern gesaugt. Es gibt nur noch eine Nachricht, die mich zu diesem Thema interessiert: Der erste Impfstoff hat die Phase III bestanden und kann endlich verteilt werden. Vielleicht würde mich noch interessieren, dass es ein wirksames Medikament gibt, das ist aber bei Viren generell schwierig, weshalb ich hier mehr Hoffnung auf die Impfstoffe setze, und da wird es mehrere von vielen Firmen geben.

Und dann überschlugen sich die Nachrichten natürlich zu den US-Präsidentschaftswahlen. Vermutlich, weil sie diesmal eine der wichtigsten US-Präsidentschaftswahlen der Geschichte der USA waren. Oder zumindest seit ich mich dafür interessiere. Deshalb war mein täglicher Streifzug durch den Blätterwald immer recht kurz, denn das ganze Glaskugel- und Schlammschlacht-Geschreibe interessierte mich null. Und Radio hören oder Fernsehen, das tun wir eh so gut wie nie.

Ich hatte die ganze Zeit nur noch einen Tab zu diesem Thema offen, und zwar auf New York Times Presidential Election. Den habe ich alle paar Stunden aktualisiert, weil die Verdammte Drecks-US-Wahl bzw. die Auszählung sich über Tage hinzog. Spannend wurde es erst am Freitag, als weiter unten unter der Überschrift "Tracking the vote count" Biden in Georgia und kurz darauf in Pennsylvania das Trumpeltier überholte. Von da an wagte ich zu hoffen, dass wir den Typen endlich loswerden könnten. Es dauerte dann aber immer noch bis Samstag, bis CNN verkündete, dass Biden so viele Electoral votes für sich gewinnen konnte, dass Trump ihn rechnerisch nicht mehr einholen kann. Die Auszählung dauert nach wie vor an.

Trump ist auf Twitter unangenehm aufgefallen und es wurde vielfach darüber spekuliert, wie er mit einer Niederlage umgehen würde. Ob man ihn mit Gewalt aus dem weißen Haus entfernen müsste? Es dürfte ein Problem werden, wenn mit der Präsidentschaft auch seine Immunität endet... Aber er könnte noch zurücktreten und Mike Pence könnte ihn begnadigen. Oder schlimmer, Joe Biden könnte ihn begnadigen.

Trump fabuliert ja ständig über Wahlbetrug. Doch weder die CISA (Cybersecurity and Infrastructure Security Agency) fand Wahlbeeinflussung durch Russland noch die OSZE-Beobachter fanden Ungereimtheiten, wobei ich mich frage, ob 30 statt 500 OSZE-Beobachter ausreichend sind. Und auch die Behauptung, dass es in manchen Wahlkreisen mehr Stimmen als Eingetragene Wähler gegeben haben soll, ist Unfug. Dort hatte man nur versehentlich veraltete Wählerlisten herangezogen, der Fehler wurde korrigiert. Und es stimmt auch nicht, dass man bei der Briefwahl den Wahlzettel unterschreiben muss, man unterschreibt den Umschlag.

Das Wahlsystem in den USA ist eh so eine merkwürdige Sache (z.B. das Gerrymandering). Es fängt schonmal damit an, dass das Wahlrecht nicht in der Verfassung garantiert ist. Deshalb können mit diversen Tricks ganze Bevölkerungsteile von der Wahl ausgeschlossen werden. Und so etwas nennt sich Demokratie. Sowas würde man woanders erwarten, aber doch nicht bei der ältesten Demokratie der Welt. Bevorzugt trifft dies auch Wähler, die voraussichtlich die Democrates wählen würden, weshalb es mich überhaupt wundert, dass es ihnen regelmäßig trotzdem gelingt, den Präsidenten zu stellen. Und hin und wieder ist es passiert, dass die Democrates mehr Einzelstimmen erhielten als die Republicans, und trotzdem haben die Republicans wegen "The Winner Takes it all" und den Swing States am Ende die Wahl gewonnen...

Wer sich näher über das US-Wahlsystem informieren möchte, der kann dies in dem Artikel der Süddeutschen nachlesen. Wer lieber Videos guckt, kann Die Anstalt vom 3. November 2020 anschauen (Minute 5-12 und 23-40, das Gender-Sprache-Zeug dazwischen kann man vorspulen).

Und bei dem ganzen Spektakel ist eine gute Nachricht völlig untergegangen, nämlich dass die EU einen Rechtsstaatsmechanismus schafft, mit dem Staaten mit undemokratischen Tendenzen wie Orbanistan und Polen die Gelder gekürzt werden können. Die Mühlen der Demokratie mahlen langsam, aber sie tun es.

Wie geht es weiter?

Ich habe von Joe Biden bisher nur ein Interview und das erste TV-Duell gesehen. Da machte er auf mich aber immer einen guten Eindruck, sehr eloquent, auf jeden Fall um Welten besser als Trump. Aber es wird nicht ausreichen, nicht Trump zu sein. Trump wird ja nachgesagt, kein Kriegstreiber zu gewesen zu sein. Das mag stimmen, dennoch ist das Whataboutism und auf der Negativseite stehen so massig Argumente, die gegen Trump sprechen, dass ich heilfroh bin, dass er nun endlich weg ist. Natürlich hätte ich mir einen Bernie Sanders gewünscht, oder zeitweise fand ich Elizabeth Warren ganz gut. Aber die Angst vor Socialism ist in den USA zu weit verbreitet, die Kandidaten hätten vermutlich (also die Democrates vermuten das) kaum Chancen gehabt.

Dennoch bin ich mit dem Ergebnis zufrieden. Ob Joe Biden die Liste der Militärinterventionen der USA weiter fortführen wird, bleibt abzuwarten. Das ist zwar US-Tradition, sich überall auf der Welt einzumischen (nennt sich "Sicherheitspolitik"), und der US-Präsident hat hier als Oberbefehlshaber der Streitkräfte eine enorme Einflussmöglichkeit. Aber es ist auch hier ein demokratischer Prozess, der abläuft, d.h. der Präsident wird beraten (oder belogen) und trifft dann eben seine Entscheidungen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass hinter jeder Militärintervention der USA auch ein Machtspiel des Pentagons steckt, nur dass nicht jeder US-Präsident eine so offensichtliche Marionette ist/war, wie George W. Bush. Wollen wir mal die Hoffnung nicht aufgeben.

Am Ende möchte ich doch noch auf eine Nachricht hinweisen, die mich emotional sehr berührt hat. CNN-Kommentator Van Jones war zu Tränen gerührt, als Joe Biden als Sieger feststand. Seine Worte drücken auch meine Gefühle aus, mehr noch, sie sprechen die Erleichterung all der US-Amerikaner aus, die von der zerstörrerischen Politik von Trump direkt betroffen gewesen waren und nun auf eine bessere Zukunft hoffen können.

Vielen Dank!

Themen: Schöne neue Welt | News
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Freitag, 6. November 2020 14:43

Sandra schaut (zuviel)...

Montag fiel #ZEITVERSCHREIB wegen echter Einnahmequellen aus. Verständlich, schließlich muss das Haus abbezahlt und Gehälter gezahlt werden ;-)

Twitch WildMics

Dienstag war dafür ein langer Fernsehkuschelabend. Erst #Ferngespräch Corona Update Vol.3. Keine Angst, ich schreib nicht schon wieder über Corona. Wen es interessiert, kann ja die Sendung gucken.

Aber ich hatte schon wieder zwei Aha-Erlebnisse. Erstens habe ich gelernt, dass der Alex Jumper-Verlag, der Drecksblatt und Schmierenblatt rausbringt, gar nichts mit dem Springer Science+Business Media-Verlag zu tun hat, der auch Spektrum publiziert und der Holm Gero Hümmlers Buch "Relativer Quantenquark" rausgebracht hat. Mea Culpa. Ich meine, bei so einem Namen...

Das zweite Aha-Erlebnis kam erst am nächsten Tag, als ich Social Community Day 2020 - Interview Michel Abdollahi mit Natascha Strobl und Uschi Jonas zum Thema Demokratie und Populismus anschaute, dachte ich mir so: "Hm, Leute, die Österreichisch sprechen, klingen irgendwie sofort intelligent." Dafür gibt es einen Witzig-Stempel!

Donnerstag gab es dann den #Pärchenabend, bei dem Alexa und Alexander zeitweise aus dem Bild verschwanden, weil die Technik nicht so mitspielte. Das war sehr vergnüglich und persönlich und wir haben uns schlappgelacht. Dafür gibt es einen Witzig-Witzig-Stempel!

Die Anstalt

Bei der Anstalt (zurück zum langen Dienstag-Fernsehkuschelabend) ging es um die Untiefen des US-Wahlsystems und Gender-Sprache. Leider wieder ohne Claus von Wagner. Ob er immer noch krank ist? Dann gute Besserung an dieser Stelle! Die Sendung war natürlich trotzdem gut, wobei mir die Erklärungen zum US-Wahlsystem besser gefallen haben, als das Gender-Sprache-Zeug, das wohl wegen dem komischen Gesetzentwurf zum Thema wurde. Ich finde diese Vergewaltigung der Sprache ätzend. Jeder weiß, dass auch Frauen gemeint sind, wenn zur Vereinfachung und für die Rede- und Leseflüssigkeit nur die vermeintlich männliche Fassung benutzt wird. Das ist weder dämlich noch herrlich! Da gibt es ganz andere Baustellen. Und ich vermisse Claus von Wagner.

Themen: Claus von Wagner | Tommy Krappweis | Corona | Bücher | News
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Mittwoch, 4. November 2020 20:21

Chippen

So sieht das übrigens nach fünf Tagen aus, wenn die Wunde vom Chippen beim Pferd verheilt. Die Kanüle, mit der der Chip in den Muskel gebracht wird, hat einen Durchmesser von ca. 3 Millimeter. Eine Impfspritze hingegen hat einen Durchmesser von weniger als 1 Millimeter. Da passt so ein Chip (2x12 mm) gar nicht durch! Vielleicht würde ein µ-chip (0,05x0,05mm) durchpassen. Aber solche RFID-Chips haben keine eigene Stromquelle und können nur in 30 cm Entfernung ausgelesen werden. Mehr nicht.

Aber das überschreitet wohl den Horizont mancher Mitmenschen. Gibt es ein besseres Argument, in Zukunft wieder mehr in Bildung zu investieren, liebe Regierung?


Updates

Standard.at (23.11.2020): Vergleich mit Sophie Scholl: Massive Empörung über Rednerin auf Corona-Demo

Ach ja, und Geschichtsunterricht... Der ist auch wichtig!

Thema: News
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Dienstag, 3. November 2020 20:25

Lockdown nutzt doch nichts

Das wird gerne mal behauptet. Aber wenn man nach China schaut, da gab es in Wuhan den härtesten Lockdown der Welt und die haben das Virus jetzt im Griff und auch die Todeszahlen gehen kaum noch nach oben. Aber aufgrund unseres Grundgesetzes und unserer Verständnis für Menschenrechte ist das so ohne weiteres nicht durchführbar. Wir leben eben nicht in einer Diktatur.

Oft wird von Lockdown-Gegnern das Argument gebracht, dass der R-Wert bereits vor den Maßnahmen im Frühjahr bereits zurückgegangen wäre, sich das Virus also ganz von allein getrollt hat. Eine Erklärung hierfür war, dass bereits vor den Maßnahmen die Leute ihre Mobilität eingeschränkt hätten, was auch anhand von Gugl-Bewegungsdaten nachgewiesen wurde.

Ich mag die Art, wie Christian Drosten im NDR-Podcast die komplizierten, wissenschaftlichen Zusammenhänge versucht, einfach verständlich zu erklären. Aber weil er von den Medien zu oft aus dem Zusammenhang zitiert und ihm das Wort im Mund herumgedreht wurde, meidet er diese inzwischen - zu Recht. Um so erfreuter war ich, dass er einen tollen Vortrag beim Windthorst-Abend in Meppen gehalten hat. Dort greift er genau dieses falsche Argument der Lockdown-Gegner auf und erklärt es anhand der Positiv-Testrate (ca. Minute 24 bis 28), die sehr wohl erst nach den getroffenen Maßnahmen nach unten ging.

Lockdown bringt sehr wohl etwas! Also durchhalten!

Thema: Corona
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Montag, 2. November 2020 20:13

Don't kill the messenger

Es herrscht so unglaublich viel Frust in der Bevölkerung, was ich auch gut verstehen kann. Nehmen wir z.B. die Gastronomen, die sich im Sommer gerüstet haben, Tische entfernt und auseinandergestellt, sündhaft teures Desinfektionsspray gekauft, alles um die gesetzlichen Vorgaben zu Hygienevorschriften und Lüftungsmaßnahmen zu erfüllen. Und nun sind sie doch wieder die Leidtragenden, da sie im Gegensatz zum Einzelhandel doch wieder schließen müssen. Die Dehoga prüft, ob eine Klage sinnvoll ist. Die Hotellerie war bezüglich des Beherbergungsverbotes letzt erfolgreich. Wir werden sehen.

Vielleicht lehne ich mich jetzt auch etwas zu weit aus dem Fenster, aber ich könnte mir durchaus vorstellen, dass die Regierung damit rechnet, dass ein Teil der Maßnahmen von den Gerichten wieder kassiert wird, und deshalb von vornherein etwas strengere Regeln festlegt, damit die Maßnahmen auch nach einer Nachjustierung noch den Kollaps des Gesundheitssystems verhindern können.

Ich kann auch verstehen, wenn die Leute nun über Merkel, Söder und all die anderen Politiker schimpfen, oder auch die Wissenschaftler wie Drosden. Nun ist es aber so, dass die Entscheidung, einen zweiten Teil-Lockdown zu veranlassen, nicht allein auf ihrem Mist gewachsen ist. Da stecken Ministerien und Beratergremien dahinter, die darüber im Vorfeld disktuieren. In diesem (derzeitig praktizierten, nicht perfekten) demokratischen Prozess kommt am Ende eben das Ergebnis raus, das dann verkündet wird. Es ist in meinen Augen also unfair, wenn man nun auf diejenigen schimpft, die die Nachricht überbracht haben.

Coronahilfen

Zumal hier auch gleichzeitig versucht wird, die desaströsen Auswirkungen der Maßnahmen für die Betroffenen abzumildern, indem neue Coronahilfen angeboten werden. Hier sieht man zwar, dass die Politiker ziemlich weltfremd sind, so gilt auch hier "gut gemeint ist nicht gleich gut gemacht". Das ist aber nicht erst seit Corona so, das ist Teil unseres nicht ganz perfekten Systems. Es soll 75% des Umsatzes vom November 2019 geben. Auf den ersten Blick sieht das ganz vernünftig aus, doch in der Praxis hat das so seine Schwächen und ich hoffe, dass da noch nachgebessert wird.

Nehmen wir als Beispiel mal die FedCon GmbH. Da gab es 2019 drei Veranstaltungen, die FedCon 28 und die ComicCon im Juni 2019 sowie die MagicCon im April 2019. Demnach ist davon auszugegen, dass im November kaum Umsatz gemacht wurde, womit sie nach dieser Regelung leer ausgehen. Ein Bekannter hat ein Kostmetikstudio, das erst im Januar 2020 vergrößert wurde, so dass der Umsatz im November 2019 auch vergleichsweise gering war und die Hilfe demnach vergleichsweise gering ausfällt. Umgekehrt kann es genauso sein, dass jemand sich nach November 2019 verkleinert hat und sich jetzt über das Geschenk freut.

Sowas ist aber auch nicht neu. Nehmen wir z.B. die Regelung, dass bei der Berechnung der Kitagebühren die Einkünfte von vor zwei Jahren herangezogen werden. Zumindest war es damals so, als meine Jungs in die Kita gingen. Nun war ich aber 4,5 Jahre im Erziehungsurlaub, so dass ich sehr lange davon profitierte, dass ein Einkommen von Null herangezogen wurde und ich keine Gebühren bezahlen musste. Als dann mein Gehalt nach dem Erziehungsurlaub herangezogen wurde, gingen meine Jungs nur noch ein Jahr in die Kita, so dass ich insgesamt sehr wenig hatte bezahlen müssen, während Eltern/Mütter, die bereits nach wenigen Monaten oder einem Jahr wieder anfingen zu arbeiten, eventuell sogar nur Teilzeit, den vollen Betrag bezahlen mussten.

In so einem Fall gab es die Sonderregelung soweit ich mich erinnern kann, dass man beantragen konnte, dass die aktuellen Einkünfte als Berechnungsgrundlage genommen wurden. Solche Sonderregeln könnte man auch bei den Coronahilfen einführen, um etwaige Ungerechtigkeiten auszugleichen. Das macht die Sache aber widerum komplizierter.

Auch dass man für die Beantragung wahrscheinlich die Hilfe eines Steuerberaters benötigt, ist wenig durchdacht. Da hatte ich mich bezüglich der vorübergehenden Umsatzsteuersenkung bereits geäußert, dass das ein Konjunkturprogramm für Steuerberater sei und wenig hilft. Seit Jahren wird darüber schwadroniert, dass eine Steuererklärung auf einen Bierdeckel passen soll. Nun ist unser Steuerrecht aber genau aus dem Grund so aufgeblasen und kompliziert geworden, weil alle möglichen Ungerechtigkeiten ausgeräumt werden sollten, wobei aber widerum Steuerschlupflöcher entstanden (Chaostheorie), teils vielleicht sogar beabsichtigt (Lobbyismus), die Betrugsmodelle wie das Umsatzsteuerkarussel oder den Milliardensteuerraub durch Cum-Ex-Geschäfte erst ermöglichten. Ja, es ist kompliziert und ungerecht. Doch wenn es einfach wäre und damit vielleicht gerechter, dann könnte der Berufszweig Steuerberatung nicht weiter aufgebläht werden. Dann gäbe es weniger Bullshit-Jobs. Aber die Arbeitsplätze !!!einself111!

Entscheidungen treffen

Ich frage mich, wie hätte ich entschieden? Erst einmal bin ich froh, dass ich solche Entscheidungen mit so enormer Tragweite nicht fällen muss. Schon allein dadurch verdienen Politiker in meinen Augen mehr Respekt, als ihnen entgegen gebracht wird. Aber allein an die Vernunft zu appelieren, hat ja auch nicht funktioniert, liebe Bevölkerung. Die Leute sind massenweise in Urlaub gefahren, weil es erlaubt war. Hätte man es verboten, hätte es auch dagegen Proteste gegeben. Eine Bekannte ist jetzt am Wochenende nochmal schnell weggefahren mit den Worten "Danke, Merkel", um dem neuen Teil-Lockdown ein Schnäppchen zu schlagen. Das ist gut für die Wirtschaft. Aber ist das auch vernünftig?

Eine Freundin, die lange in Neuseeland gelebt hat, meinte jüngst, dass die Neuseeländer viel vernünftiger sind als die Deutschen. Ich mag auch viele Kommentare in den Sozialen Medien gar nicht mehr lesen, auch wenn mir bewusst ist, dass es hier zugeht wie in einem Vogelnest. Das Küken, das am lautesten plärrt, bekommt den größten Wurm (oder hier eben die meiste Aufmerksamkeit).

In meiner Firma war es unser Healthmanagement, das als erstes alle seine Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt hat, bevor die firmenweite Regelung hierzu erlassen wurde, dass wenn möglich im Homeoffice zu arbeiten ist. Die machen das nicht zum Spaß und die haben Zugang zu ersten Quellen und auch das Know-How, die Erkenntnisse der Wissenschaftler entsprechend einzuordnen. Da wurde also die Entscheidung getroffen, massiv die Kontakte einzuschränken und auch im Sommer durften maximal 20% ins Büro. Meiner Beobachtung nach war es nicht der Arbeitgeber, der die Leute zurückholen wollte (das schien eher in kleineren Firmen ohne eigenes Healthmanagement der Fall zu sein), sondern die Arbeitnehmer wollten das. Manchmal wegen der Kinder oder dem schlechten Internet zu Hause, aber manchmal auch einfach nur, damit alles "so bleibt, wie es war".

Wie also würde ich entscheiden? Wo ist die Grenze zu ziehen? Das Virus breitet sich schon im symptomfreien/präsymptomatischen Zustand bereits durch Sprechen und Atmen über Aerosole in der Luft aus. Und was die Zahlen des RKI anbelangt, sind auch 73% der Infektionsherde unbekannt, was widerum bedeutet, dass man hier Vermutungen anstellen muss, denn die Infektionen zu Hause entstehen ja nicht aus dem Nichts, das Virus muss dort auch irgendwie hingelangt sein. Im Einzelhandel oder beim Friseur hält man sich nur relativ kurz auf. Auch kann dort die Maske durchgängig getragen werden. Beides trifft auf Restaurants nicht zu. Insofern verstehe ich die Entscheidung. Wahrscheinlich hätte ich aber auch Gottesdienste verboten oder zumindest das Singen dort eingeschränkt.

Ich verstehe auch die Wut und die Existenzängste der betroffenen Branchen. Aber in meinen Augen ist nicht die Politik daran Schuld, sondern das Virus. Die Politik ist an den Versäumnissen der Vergangenheit Schuld, aber nicht an der jetzigen Pandemie.

Es ist kompliziert!

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Sonntag, 1. November 2020 17:01

Vorbilder für das nächste Mal

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Es gibt Länder, die kommen wesentlich besser durch die Pandemie, als andere. Dafür gibt es Gründe. Taiwan beispielsweise hat sehr früh keine Einreisen mehr aus Wuhan bzw. dem chinesischen Festland mehr zugelassen und früh konsequent getestet und in Quarantäne geschickt, während in Deutschland noch munter durch die Welt gereist und aus aller Welt eingereist wurde. Neuseeland macht das auch ganz gut. Aber die beiden Länder haben natürlich den Vorteil, dass es sich hierbei um Inseln handelt und Einreisekontrollen viel einfacher durchführbar sind.

Wenn man sich die roten Punkte bei Johns Hopkins University ansieht, fällt es krass auf, dass das Virus sich in den USA viel schneller ausbreitet als in Canada. Dort wurde nicht so früh wieder geöffnet wie in den USA. Und sie haben natürlich den Vorteil der geringeren Bevölkerungsdichte.

Die meisten Länder hatten keinen Plan in der Schublade und wurden kalt erwischt. So hat Deutschland seine Masken- und andere Medizinproduktvorräte im Februar noch großzügig an China gespendet. Man hilft ja. Auch anschließend agierte Deutschland wie die meisten Länder teilweise chaotisch und planlos, was auch am Föderalismus liegt und ironischer Weise auch an unserem viel-kritisierten Rechtssystem. Ordnung gibt es eben nur in einer Diktatur.

Gemessen an den Toten pro Bevölkerung (laut JHU) kommen wir bisher aber noch relativ gut weg, ähnlich wie Dänemark. Die Länder, die nun die Situation am besten unter Kontrolle haben, sind die asiatischen, die bereits Erfahrung mit SARS1 gemacht hatten und das Virus von Anfang an wesentlich ernster genommen haben.

Vielleicht haben wir bei der nächsten Pandemie dann auch einen Plan. Dann müssen wir nicht nochmal die Chaostheorie in der Praxis testen...

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates

Zeit (09.11.2020): Corona-Maßnahmen in Asien: Von Asien lernen

South China Morning Post (21.11.2020): Coronavirus: why are Western countries like the US and Britain still not learning from Asia’s success? - is it just plain arrogance?

Futurezone (21.11.2020): Wir haben es versemmelt

FAZ (22.11.2020): Was die Asiaten besser machen - Keine allgemeine Zauberformel, Insellage nicht per se von Vorteil, siehe UK

Tagesschau (23.11.2020): Asien und seine Corona-Strategien - Testen, Tracking, Cluster

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