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April 2020


März 2020

Mai 2020

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Mittwoch, 29. April 2020 17:01

Coronakrise und Pferdesport

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Als Reiter und Pferdebesitzer betrifft mich die Coronakrise natürlich auch in meinem Hobby. Turniere sind seit geraumer Zeit als Großveranstaltungen untersagt. Im großen Reitsport und der Zucht geht es um richtig viel Geld. Aber das interessiert mich als Freizeitreiter eher weniger. Die ersten recht lockeren Regelungen mussten dann noch einmal verschärft werden, weil sich ein paar Influencer bei ihren Ausritten im Netz präsentiert haben (das habe ich aber nur irgendwo bei Arschlochpferd auf Facebook gelesen, weil mir Influencer so ziemlich egal sind) und damit angegeben haben, wie toll es doch ist, in der Coronakrise Reiter zu sein und raus zu dürfen, ellabätsch! Danke auch!

In der Tat ist es so, dass man derzeit den Reitsport nur noch ausüben darf, wenn man Pferdebesitzer oder Reitbeteiligung ist oder dies beruflich tut. Da gab es schon Tränen bei Kindern und Jugendlichen, die nun nicht mehr in den Stall dürfen, weil sie "nur" Reitschüler sind.

Wie alle Sportstätten mussten auch die Reitschulen schließen. Wer ausschließlich auf Reitunterricht gesetzt hat, verfügt nun über keinerlei Einnahmen mehr. Die Pferde müssen aber schon allein wegen des Tierschutzgesetzes natürlich weiterhin gepflegt, gefüttert, sauber gehalten und bewegt werden. Die hohen Unterhaltskosten bringen die Betriebe in existentielle Nöte und ich weiß nicht, inwieweit die Spendenbereitschaft der Reitschüler bzw. deren Eltern und die Coronahilfen vom Bund und Land ausreichen, um diese schwere Zeit zu überbrücken. Neulich habe ich mit einer Kollegin darüber sinniert, dass jetzt wohl die Preise für Pferde in den Keller gehen und wahrscheinlich auch einige beim Schl***ter landen werden.

Die Verbände Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) und die Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland e.V. sind derzeit unsere Lobbyisten, die mit der Regierung in Kontakt stehen und beispielsweise ausgehandelt hat, dass wenigstens eine Person pro Pferd und Tag sich um das Tier kümmern kann, denn die Stallbesitzer können nicht auch noch die Bewegung und gesamte Einzelbetreuung übernehmen. Geschielt auf Österreich hatten wir die Hoffnung, dass nun ab 4. Mai eventuell wieder Reitunterricht möglich wäre, zumindest in kleinen Gruppen, damit wieder etwas Geld reinkommt. Warum dies nicht so gekommen ist und auch andere Sportarten wie Golf oder Tennis, die im Freien stattfinden und wo die Abstandsregel eigentlich problemlos eingehalten werden kann, verstehe ich nicht. Vielleicht hat es etwas mit dieser Studie zu tun. Vielleicht auch damit, dass Politiker gerne ihren eigenen Fingerabdruck hinterlassen und nicht einfach gute Konzepte aus Nachbarländern übernehmen wollen. Eitelkeit lässt grüßen!

In meiner Reitschule sind auch Einsteller, also Pferdebesitzer, die für die Unterbringung ihres Pferdes bezahlen. Das ist für solche Mischbetriebe von Vorteil, denn sie haben wenigstens einen Teil der Einnahmen noch, solange es hier nicht auch wegen Privatinsolvenzen zu Zahlungsausfällen kommt. Bei der Boxenhaltung mit Koppelgang ist die Bewegung einigermaßen gesichert. Aber trotzdem darf jeden Tag eine Person, die für die Betreuung des Pferdes zuständig ist, auf den Hof. Das bedeutet, dass ich am meinem Tag zu meiner Reitbeteiligung darf. Ich muss hierfür vorab über das Reitbuch einen Slot buchen. In dieser Zeit darf ich mich für 2½ Stunden auf dem Hof aufhalten. Normalerweise reicht diese Zeit, um das Pferd zu putzen und zu reiten. Aber in der Angrasphase war das dann schon etwas stressig, denn dann musste ich auch noch eine halbe Stunde auf die Wiese gehen.

Wo mein Pferd steht sind nur Einsteller. Dort gab es höchstens Privatunterricht, der derzeit auch nicht stattfinden darf. Um die Anzahl der Personen zu begrenzen, die sich gleichzeitig auf dem Hof aufhalten, wurde ein Ruhetag eingeführt und die verbleibenden sechs Tage der Woche alphabetisch auf die Pferde hälftig aufgeteilt. Ich darf also mein Pferd an drei Tagen die Woche betreuen. Damit an den Tagen nicht zu viele Leute gleichzeitig da sind, tragen wir uns selbstorganisatorisch in einen Online-Kalender ein. Das klappt ganz gut.

Es gibt eine Pedition, die dafür Unterschriften sammelt, dass Einzel- und Gruppenunterricht wieder erlaubt werden soll. Ich hoffe inständig, dass es hier zu einem Umdenken kommt und zumindest Unterricht in kleinen Gruppen im Freien auf Reitplätzen, -wiesen und offenen Hallen wieder erlaubt wird. In geschlossenen Hallen müssen natürlich strengere Regeln herrschen.

Ansonsten wird das Pferdefleisch am Viktualienmarkt wohl sehr billig werden :(

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates

St. Georg (03.05.2020): Ab morgen darf in Schleswig-Holstein wieder Reitunterricht stattfinden

Pferd Aktuell (FN) (06.05.2020): Training und Unterricht dürfen ab 11. Mai wieder stattfinden

Merkur (13.05.2020): Icking: „Dein Ponyhof“ muss aufgelöst werden

EQWO.net (14.05.2020): Neue Studie: Corona-Ansteckung beim Reiten beinahe unmöglich

Tagesspiegel (17.05.2020): Reitunterricht wieder erlaubt

Themen: Corona | Pferde/Reiten
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Dienstag, 28. April 2020 17:01

Grundrechte

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Meine Sichtweise ist geprägt vom Humanismus. Ich bin der tiefsten Überzeugung, dass in einer modernen Welt möglich sein muss, dass jeder Mensch genug zu Essen, Zugang zu sauberem Wasser und zu medizinischer Versorgung sowie ein Dach über dem Kopf hat. Mir ist bewusst, dass die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, insbesondere Artikel 3, aus dem ich die o.g. Menschenrechte ableite, nicht zum Völkerrecht gehört und damit nicht verbindlich ist. Was für eine Schande. Denn dann könnte es in der Welt so viel besser aussehen. Nennt mich einen linksgrün verklärten Gutmenschen oder einen Träumer. Aber ich finde, das ist ein Skandal!

Es gibt Länder wie Deutschland, da ist das im Grundgesetzt recht gut formuliert. Auch wenn wir derzeit vorübergehend (!!!) einige dieser Grundrechte eingeschränkt sehen, so geht es uns doch wirklich sehr gut hier. Wenn die Leute jetzt über die Maskenpflicht jammern, weil sie sich hier auch in ihren persönlichen Freiheitsrechten eingeschränkt sehen, dann schüttel ich nur den Kopf. Denn gerade das allgemeine Tragen von Masken würde ein eher normalen Alltag und eine normal funktionierende Wirtschaft ermöglichen. So machen es uns asiatische Länder vor, wo schon seit Jahren das Tragen von Atemschutzmasken in der Öffentlichkeit zum normalen Bild gehört. Dort sind Masken ein Zeichen von Respekt und Fürsorge den Mitmenschen gegenüber. Bei uns wurden sie immer belächelt, auch jetzt noch, auch angesichts der anfangs blödsinnigen Diskussion um deren Wirksamkeit, die meines Erachtens allein geführt wurde, weil es in Deutschland noch nicht einmal für das medizinische Personal genug gab. Ich frage mich - nur am Rande - ob Gleiches gerade mit Gummihandschuhen passiert, die ebenfalls knapp sind, und derzeit als Dreckschleudern beschimpft werden (der verlinkte Artikel ist von 2017, daher ist das wohl doch eher unwahrscheinlich).

Die Deutschen jammern mal wieder auf hohem Niveau. Wir haben keine Apokalypse und keine Anarchie. Wir leben noch immer in einem relativ gut funktionierendem Rechtsstaat. Bei uns ist es undenkbar, dass wie in China die Türen unserer Wohnungen zugenagelt werden. Es gibt auch kein Handytracking wie in Südkorea, weil bis das mit den Datenschützern ausdiskutiert oder eine Akzeptanz der Smartphonebesitzer erreicht wurde, gibt es längst einen Impfstoff. Wir haben auch keinen grünen Color Code wie in China, deren Software Daten an die Polizei sendet. Bei solchen Datenübermittlungen an die Polizei gibt es hierzulande massiven Widerstand. Bei uns wird erst eingegriffen, wenn sich Idioten nicht an Quarantäne-Regeln halten. Was nun besser ist, darüber kann man sich vorzüglich streiten.

Unsere Grundrechte sind richtig und gut und wichtig. Sie zu schützen hat oberste Priorität. Sehen wir uns Artikel 2 (2) an. Da steht geschrieben, dass jeder das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit hat. Erst in Artikel 14 wird das Recht auf Eigentum eingeräumt, was bedeutet, dass im Grundgesetz das Recht auf körperliche Unversehrtheit höher bewertet wird als das Recht auf Eigentum, das nach Art 14 (2) zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen soll.

Jetzt betrübt es mich, dass zur Debatte steht, wieviel ein Menschenleben wert sei. Von den USA ist man sowas gewohnt. Doch nun werden solche Überlegungen auch in Deutschland salonfähig. Dabei ist das eigentlich kein Gegensatz, wenn man die richtige Balance findet. Dass das mit ungenügendem Datenmaterial nicht leicht ist, kann ich verstehen. Ich bin auch froh, dass ich diese Entscheidungen nicht fällen muss. Und mir ist bewusst, dass man nicht alle Leben retten können wird. Das ist eben jetzt der Tanz.

Aber ich habe ganz sicher keine Angst davor, dass wir unsere Grundrechte nicht wieder zurückbekommen werden.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates

Tagesschau (19.05.2019): Wie kam es zum Grundgesetz?

Tagesspiegel (02.05.2020): Coronavirus-Krise bedroht Freiheitsrechte

Telepolis (13.05.2020): Spahn will auch Daten von Nicht-Infizierten / Meldepflicht "Jeder Gesetzentwurf [...] wird im Justizministerium einer Rechtsprüfung unterzogen."

Correctiv (15.05.2020): Was Juristen über die Einschränkungen denken

DerStandard.at (19.05.2020): Massenüberwachung durch deutschen BND verstößt gegen Grundrechte

Netzpolitik.org (19.05.2020): Bundesverfassungsgericht: Das neue BND-Gesetz ist verfassungswidrig

Tagesschau (12.06.2020): Regierung für Streichung von "Rasse"

ntv (14.06.2020): Rassismus-Debatte und Grundgesetz

Heise (08.07.2020): Corona-Krise: EU schaut Regierungen mit Grundrechtemonitor auf die Finger

Spiegel (11.07.2020): Spanien: Scharfe Kritik an Wahlverbot für Corona-Kranke (Regionalwahlen im Baskenland und in Galicien)

Hinter den Schlagzeilen (15.07.2020): Die 9 Sargnägel der Demokratie - bitte demonstrieren :)

Heise (18.07.2020): Reaktionen auf Urteil zu Bestandsdatenauskunft: Beratungsresistenter Gesetzgeber - Bestandsdatenauskunft: "Wem gehört diese Telefonnummer?"

Tagesschau (04.08.2020): Politik diskutiert über Demo-Verbote - Bundesjustizministerin Christine Lambrecht dagegen

Süddeutsche (19.10.2020): Schluss mit dem Gejammer

Süddeutsche (28.10.2020): Der Wind vor Gericht ist rauer geworden - Gebot der Verhältnismäßigkeit - Beherbergungsverbote waren nicht plausibel - flächendeckender, undifferenzierter Lockdown juristisch nicht haltbar

Tagesspiegel (28.10.2020): Wie rechtssicher sind die neuen Corona-Beschlüsse? Was es mit der nationalen Gesundheitsnotlage auf sich hat

ntv (06.11.2020): Beständiger vor Gericht: Neues Gesetz stärkt Corona-Maßnahmen - Reform des Infektionsschutzgesetz - Keine Mitsprache Bundestag, keine Mitwirkung der Landesparlamente

Telepolis (17.11.2020): Kritik an der geplanten Anpassung des Infektionsschutzgesetzes

BR24 (18.11.2020): Infektionsschutzgesetz: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Thema: Corona
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Sonntag, 26. April 2020 17:01

Von Eltern und Kindern

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Ich bin heilfroh, dass meine Jungs schon groß sind und sich da nicht so viel geändert hat. Ich mache ja immer Witze, dass sie auch vorher nur aus ihren Zimmern gekommen sind, wenn es etwas zu Essen gab oder Probleme mit dem Internet.

Kleine Kinder können ziemlich nervig sein. Und ich hatte damals das Glück, dass ich sehr lange zu Hause bleiben konnte und mich um die beiden Jungs kümmern. Trotzdem war ich froh, wenn der Große vormittags in die Kita ging oder sie abends endlich im Bett waren. Oder hin und wieder auch mal Mittagsschlaf gemacht haben. Oder ich sie auch mal bei Oma lassen konnte. Allerdings hatte ich auch nichts weiter zu tun, als mich um die Jungs zu kümmern. Ich musste nicht nebenbei Homeoffice machen. Oder ihnen bei den Hausaufgaben oder sogar bei sämtlichen Lernaufgaben helfen.

Ich mag mir gar nicht ausmalen, was für eine Belastung das jetzt für Eltern ist, die nicht einmal auf die Spielplätze gehen können, weil diese gesperrt sind. Oder in den Zoo, der noch nicht geöffnet hat. Oder in die Reitschule, weil derzeit kein Unterricht stattfindet. Und, und, und...

Deshalb ist es eine riesige Erleichterung, wenn es hier endlich zu Wiedereröffnungen der Schulen und Kitas kommt. Wenigstens zum Teil.

In Sachen Digitalisierung der Schule ist Deutschland noch Entwicklungsland. Das mag auch am Föderalismus liegen, der meiner Meinung im Bildungssystem wenig Sinn macht. Finnland war uns da schon lange voraus. Kein Wunder, wenn Deutschland lieber Geld für Militär statt für Bildung ausgibt. Jetzt rächt sich das und zeigt sehr deutlich die Unterschiede zwischen ärmeren und wohlhabenderen Familien, denn nicht jeder hat einen Computer zu Hause. Ich hoffe, dass die Regelungen bezüglich Wiederholung der Klassen gelockert werden, damit die durch die Coronakrise abgehängten Schüler das Schuljahr auch dann wiederholen dürfen, wenn sie es normalerweise nicht hätten tun dürfen.

Aber es gibt noch einen viel schlimmeren und traurigeren Aspekt, weshalb es sehr wichtig ist, dass die Kitas und Schulen wieder mehr geöffnet werden: Kinder, die in zerrütteten Familien leben müssen oder gar von Missbrauch betroffen sind, können nun nicht mehr für wenigistens einige Stunden am Tag aus der Hölle fliehen. Sie sind ihren Peinigern hilflos ausgesetzt.

Noch letzten Monat galten Kinder als Superspreader, doch darüber wird derzeit wieder viel diskutiert. Jetzt soll es sogar ein Kind geben, dass keinen einzigen seiner 172 Kontaktpersonen angesteckt haben soll. Ich frage mich, wie oft dieser Junge getestet wurde und falls es nur einmal gewesen war, ob das Testergebnis nicht vielleicht auch hätte falsch sein können und er gar nicht mit dem neuen Coronavirus infiziert gewesen war.

Doch wenn an der Geschichte etwas dran ist und mehr solcher Fälle aufgedeckt werden, dann müsste man die Sache mit der Kita- und Schulschließung tatsächlich noch einmal gründlich überdenken. Und es wäre auch nicht verkehrt, den Kindern im normalen Unterricht einiges über Hygiene beizubringen.

Mein Kleiner hatte mich auch einmal gerügt, weil ich unsere Handtücher nicht jeden Tag wasche...

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Update-Liste


Updates Kitas

Tagesspiegel (29.05.2020): Medizinisches Personal beklagt Mangel an Kita-Notbetreuung

Tagesspiegel (09.07.2020): Weinende Eltern in vollen Arztpraxen - Kitas schicken Kinder mit Schnupfen aus Angst vor Corona nach Hause

Tagesspiegel (21.09.2020): Schließt Kitas und Schulen zuletzt!


Updates Schulen

Tagesspiegel (11.05.2020): Neustart überfordert Schulen und verwirrt Eltern

Zeit (31.07.2020): Bayern führt Maskenpflicht an Schulen ein

Süddeutsche (02.08.2020): Schulschließungen wegen einzelnen Infektionen sind eine Katastrophe

Pharmazeutische Zeitung (07.08.2020): Mit Schnupfnase in die Schule? Kinderärzte und Virologen uneins

Zeit (09.08.2020): Studie Karolinska-Institut in Stockholm: Kinder und Schulen tragen nicht zur Ausbreitung des Coronavirus bei, negative Effekte von Schulschließungen sind schlimmer

ntv (12.08.2020): Was den Schulen fehlt? Fast alles!

New York Times (01.09.2020): Across the Globe, Students Head Back to School

Süddeutsche (02.09.2020): Ifo-Bildungsbarometer: Gebt dem Bund das Kommando! - Bildungsföderalismus unbeliebt

Neue Zürcher Zeitung (03.09.2020): Wie die Länder mit Corona an den Schulen umgehen

Spektrum (07.09.2020): Offene Schulen machen es dem Virus leichter

Tagesschau (11.11.2020): Mehr als 300.000 Schüler in Quarantäne

ntv (12.11.2020): Homeschooling kommt zurück: Mehr als 3000 Schulen nicht im Regelbetrieb


Updates Politik

Tagesspiegel (14.05.2020): Familienrichter sollten verpflichtet werden, sich fortzubilden

Tagesspiegel (18.11.2020): Gefährlicher Corona-Blindflug in der Schulpolitik: Die Planlosigkeit der Bildungspolitiker ist unverantwortlich


Updates Psychologie und disfunktionale Familien

ntv (29.04.2020): Studie: Viele Eltern am Ende ihrer Kräfte

Tagesspiegel (15.05.2020): Mediziner berichten von massiver Gewalt gegen Kinder

Süddeutsche (18.05.2020): Studie: Corona-Krise ist eine beispiellose Herausforderung

Spektrum der Wissenschaft (10.07.2020): Corona-Krise belastet Kinder überraschend stark

Tagesschau (18.10.2020): Jugend und die Pandemie: Frust bei der "Generation Corona"


Updates Corona und Kinder

Tagesspiegel (06.05.2020): Multisystematisches Entzündungssyndrom bei Kindern ähnlich dem Kawasaki-Syndrom wird mit dem neuen Virus Sars-CoV-2 in Verbindung gebracht

Spiegel (11.06.2020): Ukraine: Dutzende Babys von Leihmüttern wegen Corona immer noch nicht abgeholt

Süddeutsche (13.07.2020): Kinder bremsen laut Studie das Virus aus

Tagesspiegel (06.08.2020): Selbstproben für Tausende Schüler: Charité bereitet Corona-Tests für zu Hause vor - Gurgelwasser, Abstriche der Zunge, Innenwange und des Nasenvorhofs

Deutschlandfunk (22.08.2020): Kinder und das Coronavirus – wie es um die Gefahr der Ansteckung und Verbreitung steht

ntv (16.10.2020): Corona in Kitas und Schulen: "Kinder sind keine Infektionstreiber"

Spiegel (30.10.2020): Antikörperstudie vom Helmholtz-Zentrum München: Deutlich mehr Kinder und Jugendliche mit Corona infiziert

Spektrum (05.11.2020): Wer mit kleinen Kindern zusammenlebt, steckt sich nicht häufiger an


Updates Corona-Kinder-Bonus

Spiegel (17.08.2020): Erste Überweisungen des Corona-Kinderbonus ab 7. September

ntv (06.09.2020): Nicht jeder profitiert: Der Corona-Kinderbonus kommt

Süddeutsche (18.10.2020): Was Familien wirklich brauchen

Thema: Corona
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Mittwoch, 22. April 2020 17:01

Auf der Suche nach einem Medikament

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Viren mit Medikamenten zu bekämpfen ist nicht ganz einfach. Meist werden eher nur die Symptome gelindert und der Körper muss mit der Virusinfektion selbst fertig werden. Empfohlen werden beispielsweise Grippevirenmedikamente bei besonders gefährdeten Patientengruppen und sie sollten auch möglichst schnell eingenommen werden, bevor sich die Viren zu stark im Körper ausgebreitet haben. Antibiotika helfen gegen Viren überhaupt nicht, können aber die Gefahr einer Folgeinfektion mit Bakterien eindämmen, damit der Körper nicht auch noch dagegen ankämpfen muss.

Dennoch wird fieberhaft nach Medikamenten gesucht, die eventuell gegen das neue Coronavirus helfen könnten, bevor explizit hierfür zugeschneiderte Medikamente entwickelt werden oder Impfstoffe zur Verfügung stehen, weil dies natürlich länger dauert, als bereits vorhandene Medikamente in klinischen Studien abzuchecken und dann anzuwenden.

Donald Dump Trump hat ja getwittert, dass Hydrooxychloroquine u.a. ein Game Changer werden könnte. Das Malaria-Mittel war aber schon vorher für heftige Nebenwirkungen bekannt, wurden sogar einmal zur Hilfe bei Suiziden eingesetzt und eine Studie wurde deswegen inzwischen nach 11 Todesfällen bei 81 Probanden (13,6%) abgebrochen. Und ob der andere von Trump angepriesene Wirkstoff Azithromycin überhaupt geeignet ist, bezweifel ich mal, denn das ist ein Antibiotikum.

Hinzu kommt, dass auf dem hervorragend geregelten Markt dann Medikamente, die als COVID-19-Hoffnungsträger gelten, gerne mal von Geldigen aufgekauft werden und diese dann für andere Patienten (Lupus, Rheuma) knapp werden.

Aber das Stickwort heißt "andere Hoffnungsträger", und davon gibt es einige: Remdesivir (Ebola), Lopinavir/Ritonavir (HIV), Ivermectin (Kopfläuse, aber auch Influenza, Denguefieber und Zika-Virus) oder Favipiravir (Influenza), um nur einige zu nennen.

Welche Medikamente schließlich das Rennen machen und welche Pharmafirmen damit den 6er im Lotto gewinnen werden, wird sich zeigen.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates Remdesivir (Ebola)- vielversprechend, bremst die Vermehrung des Virus -

ntv (24.04.2020): Remdesivir - Hoffnungsträger oder doch aus dem Rennen?

ntv (29.04.2020): Gilead legt "positive" Remdesivir-Studie vor - Doch die Frage, wieviele Probanden hier in der Studie erfasst wurden, wird nicht beantwortet. In der Studie aus China waren es nur 237 und damit statistisch nicht aussagekräftig. Hier soll die Genesung nach 11 Tagen statt 15 Tagen erfolgt sein und eine etwas geringere Sterblichkeitsrate aufweisen.

Spektrum der Wissenschaft (30.04.2020): Remdesivir wirkt - aber Herstellung dauert Monate

Frankfurter Rundschau (10.05.2020): Remdesivir - keine wesentlichen Nebenwirkungen bekannt, Selbstkostenpreis ca. zehn Euro für eine zehntägige Behandlung

NBC News (18.06.2020): Children with COVID-19 to be enrolled in remdesivir clinical trial, Gilead Sciences says

CNBC (29.06.2020): Gilead’s coronavirus treatment remdesivir to cost $3,120 per U.S. patient with private insurance

Telepolis (30.06.2020): Pharmakonzern legt Preis für Remdesivir auf 390 US-Dollar pro Ampulle fest

Tagesschau (01.07.2020): Wettstreit zwischen EU und USA - Das große Ringen um Remdesivir

Tagesschau (03.07.2020): Remdesivir erhält Zulassung in Europa

RND (10.07.2020): Remdesivir könnte Sterberisiko bei schwerem Covid-19-Verlauf deutlich senken


Updates Dexamethason - vielversprechend, bremst Zytokinsturm - und Hydrocortison (Entzündungshemmer)

Zeit (16.06.2020): Dexamethason (Entzündungshemmer) verringert laut Studie Todesrate bei Covid-19

Spektrum Podcast (13.09.2020): Was für eine Kortisontherapie bei COVID-19-Patienten spricht


Updates Lopinavir/Ritonavir (HIV) - gescheitert - und Ribavirin (Multiple Sklerose)

ntv (09.05.2020): Dreifach-Therapie aus Multipler Sklerose-Mittel Interferon beta-1b, HIV-Wirkstoffkombination Lopinavir/Ritonavir sowie Hepatitis-Medikament Ribavirin in Hongkong an 86 Infizierten erprobt, 7 Tage früher kein Virusnachweis


Updates Tocilizumab (RoActemra) - gescheitert - und Sarilumab (Kevzara) (beides Rheuma)

n-tv (27.04.2020): Rheuma-Mittel Kevzara zeigt kaum Wirkung - Studie abgebrochen

Pharmazeutische Zeitung (27.05.2020): Therapiestudien mit Tocilizumab und Sarilumab


Updates Famotidin (Sodbrennen)

Süddeutsche (15.05.2020): Magenschutzmittel Famotidin gegen Sodbrennen könnte Covid-19-Symptome lindern (Preprint)


Updates Fluoxetin/Prozac (Antidepressivum)

Zeit (16.06.2020): Antidepressivum hemmt das Coronavirus

Heilpraxisnet (21.10.2020): COVID-19: Medikament gegen Depressionen könnte helfen

ntv (23.10.2020): Prozac wirkt gegen Covid-19

Pharmazeutische Zeitung (13.11.2020): Antidepressivum Fluvoxamin könnte bei Covid-19 helfen


Updates Ruxolitinib (Krebs)

Tagesspiegel (18.06.2020): Krebsmedikament für schwer an Covid-19 erkrankte Patienten


Updates Imatinib (Krebs)

Spektrum der Wissenschaft (26.06.2020): Krebsmedikament Imatinib unterdrückt die Sars-CoV-2-Infektion von Lungenorganoiden (letzter Absatz)


Updates Avifavir (Antiviral)

Deutschlandfunk (17.06.2020): Russland führt antivirales Medikament Avifavir ein


Updates Interferon Alpha 2B (INFrec) (Antiviral)

teleSUR (15.03.2020): BioCubaFarma (Cuba) Guarantees Production of Drugs for COVID-19

Focus (05.04.2020): In China erfolgreich: Deutsche Firma will Virus-Medikament aus Kuba importieren


Updates Erythropoetin, kurz "Epo" (Wachstumshormon)

ntv (04.07.2020): Dürfte Höhen-Rätsel erklären: Hilft ein Dopingmittel gegen Covid-19?


Updates Acetylsalicylsäure, "ASS" (blutverdünnendes Schmerzmittel)

ntv (26.10.2020): Komplikationsrisiko sinkt: ASS mildert offenbar Covid-19-Verlauf


Updates Hydroxychloroquin (Malaria)

Scinexx (17.06.2020): Hydroxychloroquine or chloroquine, geringere Überlebensrate und häufigere Herzrhytmusstörungen

Ärzteblatt (22.05.2020): COVID-19: Brasilien empfiehlt umstrittenes Hydroxychloroquin - fahrlässige Tötung?

Tagesspiegel (26.05.2020): WHO setzt Tests mit Malariamittel Hydroxychloroquin aus, da es anscheinend bei Covid-19 schadet

Ärzteblatt (05.06.2020): COVID-19: Journals ziehen umstrittene Surgis­­phere-Studien zurück

Deutschlandfunk (11.06.2020): Forschungsskandal: Daten von Surgisphere möglicherweise frei erfunden, Studie, die behauptet Hydroxychloroquin erhöhe die Sterblichkeit, zurückgezogen

Herne News (19.06.2020): Die FDA widerruft die Zulassung zur Verwendung von Hydroxychloroquin für COVID-19


Updates Steroide

Zeit (03.09.2020): WHO empfiehlt Einsatz von Steroiden bei Intensivpatienten


Updates Hydrokortison

Hielpraxis.net (03.09.2020): Hydrokortison mindert COVID-19-Sterblichkeitsrate


Updates Vitamin D

Scinexx (29.09.2020): Vitamin D kann Covid-19 abmildern"


Updates Antikörper-Therapie

Siehe Blogeintrag "Entwicklung eines Covid-19-Medikamentes"


Sonstige Updates

(30.04.2020) In der Philipps-Universität Marburg, Fachbereich Mathematik und Informatik wurde eine Datenbank namens CORDITE entwickelt, in der zentrale Forschungsdaten zur Entwicklung von Medikamenten gegen das neue Coronavirus gebündelt werden.

n-tv (04.05.2020): Hoffnungsträger, u.a. Camostat, ATR-002, Brilacidin, Plitidepsin, Leronlimab, APN-01, Pirfenidon, Interferone, Immunmodulatoren,und siRNA-Wirkstoffe

Neue Zürcher Zeitung (21.05.2020): Blutverdünner könnten in einem frühen Krankheitsstadium eine schwere Covid-19 verhindern

Innovation Origins (27.05.2020): Mögliche Wirkstoffe gegen gegen Coronavirus durch Simulationen am Supercomputer

Tagesspiegel (03.06.2020): Ärzte in Großbritannien testen Ibuprofen zur Covid-19-Behandlung, WHO hatte davon abgeraten

Focus (23.07.2020): Virus-Wirt-Beziehung entschlüsselt - Forscher finden Achillesferse des Coronavirus - und einen Mechanismus, um es zu zerstören - Sieben Medikamente konnten die Vermehrung der Viren hindern

ntv (19.09.2020): Mundspülung hilft gegen Coronaviren



New York Times: Coronavirus Drug and Treatment Tracker

vfa. Die forschenden Pharma-Unternehmen: Laufende Projekte für das Umwidmen therapeutischer Medikamente

Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) e.V.: Handlungsempfehlungen zu COVID-19

Dazu die Berliner Zeitung (18.09.2020): Mediziner zur Corona-Therapie: "Wir haben enorm viel gelernt"

Thema: Corona
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Dienstag, 21. April 2020 17:01

Die etwas andere Ölkrise

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Von der Ölkrise 1973 und den autofreien Sonntagen habe ich nicht wirklich etwas mitbekommen, da war ich noch zu klein. Aber zumindest war sie so berühmt, dass ich davon irgendwann einmal gehört habe.

Unsere Wirtschaft ist hochgradig vom Öl abhängig. Deutschland ganz besonders, da wir fast keine eigenen Erdölquellen haben. Wir importieren ca. ca. 97% unseres Ölbedarfs. Nach der Ölkrise wurden Strategische Ölreserven angelegt, damit wir einen Puffer haben, falls uns mal der Hahn abgedreht wird.

Seit Anfang April zeichnete sich aber ab, dass die Fördermenge zu groß ist, da es weltweit weniger Flüge und Autofahrten gibt. Mittlerweile haben wir die kroteske Situation, dass der Ölpreis mittlerweile im Minus ist, bei -20 Dollar (gestern) bis -40 Dollar pro Barrel (heute). Das bedeutet wohl, dass sämtliche strategischen Ölreserven bis Oberkante voll sind und die auf den Weltmeeren rumgurkenden Öltanker ihr Öl auch nicht mehr los werden.

Vielleicht der richtige Zeitpunkt, sich die Öltanks im Keller für den kommenden Winter voll zu machen. Oder für die nächsten drei milden Winter. Echt krass. Wieviel Tonne CO2 dadurch wohl eingespart werden?

Ich finde es ja niedlich, wenn sich Leute Gedanken darüber machen, wieviel Energie eine Gugl-Abfrage oder ein Netflix-Streaming verbraucht. Dabei müsste man sich viel mehr Gedanken darüber machen, wieviel Energie es kostet, um Personen von A nach B zu befördern.

Ich vermisse die Fahrten ins Büro nicht wirklich. Ich habe zwar immer eightt-to-four statt nine-to-five gearbeitet, um den Rush Hours so gut es ging zu entgehen (der Picnic brauchte so auf 100 km ca. 1 Liter weniger Benzin!). Aber jetzt sind die wenigen notwendigen Fahrten zum Pferd eigentlich eine echte Wohltat, weil die A94 einfach frei ist. Trotzdem gibt es ein paar Hanseln, die meinen, jetzt mit 200 Sachen durchsprinten zu müssen. Wenn sie meinen... Seufz!

Ich hätte jedenfalls nichts dagegen, wenn nach Corona die Flugpreise deutlich steigen würden, so dass niemand mehr auf die Idee käme, mal eben zum Shoppen nach New York oder zum Feiern nach Mallorca zu fliegen. Oder wenn Homeoffice die Regel und nicht die Ausnahme wäre und Rush Hour und Verkehrskollaps in den Städten der Vergangenheit angehören würden.

Die CO2-Bilanz würde es danken.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates

ntv (21.05.2020): Warum der Ölpreis wieder steigt

Heise (25.05.2020): Zahl der Verkehrstoten sank im März auf Tiefstand

Themen: Corona | Auto
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Montag, 20. April 2020 17:01

Ursprung des neuen Coronavirus SARS-CoV-2

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Es gibt ein paar widersprüchliche Aussagen über den Ursprung des neuen Coronavirus SARS-CoV-2.

Es scheint, dass er tatsächlich nicht in einem Labor gezüchtet wurde. Eine Freundin, die Veterinärmedizin studiert hat, hatte die Originalveröffentlichung gelesen und meint selbst, dass sie nicht glaubt, dass der neue Coronavirus im Labor hergestellt wurde. Oder doch? Es könnte aber trotzdem sein, dass es aus dem Labor in Wuhan entwichen ist, in dem an Fledermaus-Coronaviren geforscht wurde, übrigens unter Mitfinanzierung der USA. China scheint aber nicht an der Aufklärung des Ursprungs interessiert zu sein.

Es gibt jedoch zwei (S und L) oder mittlerweile drei Stämme (A, B, C). Nach diesem Stammbaum hat der neue Coronavirus seinen Ursprung in der chinesischen Provinz Hubei, wo auch Wuhan liegt.

Es gibt aber auch Quellen, die behaupten, dass die Mutation aus Wuhan die zweite wäre. Eine Spurensuche mit Überraschungen... Typ B häufiger in Wuhan zu finden als Typ A. Italien bekam das Virus aus Deutschland und Singapur. Also woher stammt der neue Coronavirus ursprünglich? Wirklich aus Wuhan?

In Yunnan, wo die erforschte Fledermaus ursprünglich herkommen soll, gab es bereits im Januar Infizierte. Verbreitete sich vielleicht Typ A, der dem ursprünglichen Fledermausvirus am ähnlichsten ist, von dort aus nach USA und Australien?

Chinesische Forscher warnten bereits im März 2019 vor einem Coronavirus aus der Fledermaus und auch dass er vermutlich in China seinen Ursprung haben könnte. Hier der Original-Artikel aus der Zeitschrift "Viruses". Die Warnung wurde dann im November 2019 von den US-Geheimdiensten ausgesprochen. Und in China kursiert die Theorie, dass das Virus während der Military World Games im Oktober 2019 in Wuhan aus den USA eingeschleppt worden sein könnte. In den USA ist die Variante A anzutreffen, die dem Fledermausvirus am nächsten verwandt ist. Ich finde aber keinen Hinweis darauf, dass es im Herbst 2019 in den USA einen Anstieg von Lungenentzündungen gegeben hätte. Daher halte ich diese Theorie für eher unwahrscheinlich.

Alles ist etwas verwirrend und auch widersprüchlich. Ich bin gespannt, ob und wie die Experten diese Widersprüche in Zukunft aufklären.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Update-Liste


Updates Fälle Herbst 2019 und früher - Ursprung nicht Wuhan?

NBC (17.07.2019): USA: Cause of Respiratory Illness Still Unknown After Dozens Sickened at Virginia Retirement Community

South China Morning Post (22.03.2020): strange pneumonia seen in Lombardy in November, leading Italian doctor says

Telepolis (19.04.2020): Warnten US-Geheimdienste schon Anfang November vor einer Epidemie in Wuhan? Erste Infektionen schon im September 2019?

Washington Post (22.04.2020): Autopsies find first U.S. coronavirus death occurred in early February, weeks earlier than previously thought

T-Online (30.04.2020): Landkreis Tirschenreuth hatte bereits im Dezember 2019 mit 115 Todesfällen eine deutliche Übersterblichkeit, ein Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie ist aber nicht belegbar.

Spiegel (06.05.2020): Coronavirus hat sich wohl schon Ende 2019 weltweit verbreitet

ntv (07.05.2020): Erste Infektionen womöglich schon im Oktober 2019

Süddeutsche (08.05.2020): Patient Null in Frankreich und die drei Stränge A, B und C

NDR Das Coronavirus-Update mit Christian Drosten (12.05.2020): Folge 40: Warum wird bei Patient Null aus Frankreich kein Antikörpertest gemacht? - siehe Süddeutsche (08.05.2020) - und wie kann es sein, dass sich Variante A in USA, Australien und Europa verbreitet hat und Variante B in Wuhan am häufigsten vorkommt?

Spiegel (09.06.2020): Coronavirus könnte schon im Herbst in China ausgebrochen sein (Preprint!) - Satellitenbilder von Parkplätzen vor Krankenhäusern, Begriffe "Durchfall" und "Husten" in chinesischer Suchmaschine Baidu

Telepolis (30.06.2020): Schon in Abwasserproben vom März 2019 in Barcelona soll Sars-CoV-2 nachgewiesen worden sein

Tagesspiegel Paywall (07.09.2020): Ein Virusjäger aus Deutschland glaubt, dass die Pandemie deutlich früher begann, siehe auch Youtube Apotheken-Umschau Nachgefragt! Interview mit Dr. Peter Forster, Genetiker (27.05.2020)

Frankfurter Rundscha (16.11.2020): Grassierte Corona in Italien viel früher als bisher angenommen? Studie wirft Fragen auf - Forscher finden Virus-Antikörper in Proben aus dem September 2019

NDR-Podcast Coronavirus-Update (17.11.2020): (65) Die Löcher im Käse - zwischen 1:12 - 1:16 h erklärt Sandra Ciesek, wieso die Studien, die zu diesen reißerischen Schlagzeilen geführt haben, methodisch schwachen sind - Kreuzreaktion mit anderen Coronaviren? November 2019 erstmals in China nach Genom nachgewiesen


Updates Fledermäuse und andere Zwischenwirte

Spektrum (17.03.2020): Die Frau, die Coronaviren jagt

New York Times (01.06.2020): U.S. and Chinese Scientists Trace Evolution of Coronaviruses in Bats - SARS-CoV-2 ist nicht nah genug verwandt mit den Coronaviren in Fledermäusen, daher Zwischenwirt eher wahrscheinlich - alle Menschen, die auf Wildfarmen arbeiten, sollten regelmäßig getestet werden, nicht nur auf Covid-19

Telepolis (05.06.2020): Sars-CoV-2 scheint ein durch Rekombination entstandener Hybrid zu sein - 96 Übereinstimmung mit CoVRaTG13 aus der Fledermaus, aber auch Übereinstimmung mit Viren aus Schuppentieren (Pangolinen) aus Guangdong (91,2%) und Guangxi (85,4%)

New York Times (07.06.2020): China Vowed to Keep Wildlife Off the Menu, a Tough Promise to Keep - Hunde sollen als Haustiere und nicht als Vieh gesehen werden

Heise (17.08.2020): Frühwarnsystem für Viren aus dem Tierreich gefordert


Updates Mutationen

NCBI US National Library of Medicine (27.02.2008): 2008 schon die Rede von SARS-CoV2 und SARS-CoV3? Vergessen und neu bei 2 angefangen zu nummerieren?

heise (22.04.2020): Covid-19: Über 30 Varianten mit vielen genetischen Unterschieden

Ärzteblatt (06.05.2020): SARS-CoV-2: Mutationen könnten Ansteckungsfähigkeit weiter erhöhen

Heise Kommenatr (29.05.2020): Unterschiedliche SARS-CoV-2-Mutationen an Ost- und Westküste der USA mit Link auf National Library of Medicine "Distinct Viral Clades of SARS-CoV-2: Implications for Modeling of Viral Spread"

FutureZone (15.06.2020): Mutation D614G2 in Florida infektiöser?

ntv (20.08.2020): Neue Variante setzt sich durch - Coronavirus zeigt Anzeichen der Schwäche

ntv (15.09.2020): Sars-CoV-2 brauchte zwei Anläufe

Ab hier Blogeintrag 21.08.2020: Hoffnung auf Mutation


Updates Laborunfall?

ntv (05.05.2020): Five Eyes glauben nicht an Laborunfall

Telepolis (08.05.2020): Forschung an Fledermaus-Coronaviren im Hochsicherheitslabor der Schutzstufe BSL-4 in Wuhan mit Geldgeber USA und Australien und die Geschichte und Quellen zur Virenforschung in Wuhan

Süddeutsche (28.05.2020): Gain-of-function-Experimente - Könnte das Virus doch aus einem Labor stammen? Rest von Zweifel

South China Morning Post (12.09.2020): The labs where monsters live

Mimikama (17.09.2020): Die Studie der chinesischen Wissenschaftlerin Dr. Li-Meng Yan beweist NICHT, dass das Coronavirus aus einem Labor stammt!

Süoegeö (18.09.2020): China: Tausende Menschen in der Stadt Lanzhou mit aus Labor entwichenem Brucella-Bakterium infiziert


Updates Sonstiges

ntv (06.05.2020): China lehnt Untersuchung der Virus-Quelle ab

Berliner Zeitung (11.05.2020): Faktencheck: Drei Hypothesen zum Ursprung auf dem Prüfstand und vom Urahn RaTG13

ntv (04.07.2020): UN-Unterorganisation WHO bekam erste Information über virale Lungenentzündung am 31.12.2019 von der WHO China, am 03.01.2020 von chinesischen Behörden

Telepolis (16.07.2020): WHO geht dem Ursprung der Coronavirus-Pandemie zunächst in China nach

Wissenschaft.de (28.07.2020): Den Wurzeln von Sars-CoV-2 auf der Spur

Quarks (18.09.2020): Wo könnte der Ursprung des Coronavirus liegen?



PNAS: Phylogenetic network analysis of SARS-CoV-2 genomes (30.03.2020)

Nextstrain: Mutationen weltweit

Thema: Corona
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Sonntag, 19. April 2020 17:01

Lobbyismus

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Das Problem des Lobbyismus ist eigentlich nicht, dass es ihn überhaupt gibt, sondern dass er intransparent und einseitig ist. Deshalb unterstütze ich Lobbycontrol. Ich habe den Eindruck, dass unsere Politiker insbesondere durch den massiven Lobbyismus der Industrie beeinflusst werden. Dadurch werden Stimmen, die von Gruppierungen mit einer weniger einflussreichen Stimme in der Politik auch weniger gehört und dadurch ist unsere Gesetzgebung in eine Schieflage geraten. Die Politik dient einseitig der Wirtschaft und zu wenig dem Volk.

Wenn man sich ansieht, welche Ausbildung/Studiengänge unsere Politiker so durchgemacht haben, dann liegt es auf der Hand, dass sie Beratung und Stellungnahmen von außen benötigen, um Entscheidungen treffen zu können. Sie sind einfach keine Fachmänner/-frauen in ihren Gebieten. Nehmen wir z.B. unsere Gesundheitsminister: Aktuell Jens Spahn, der ist Bankkaufmann. Der hat keine Ahnung vom Gesundheitswesen, sondern vom Finanzwesen. Sein Vorgänger Hermann Gröhe hat Rechtswissenschaften studiert. Dessen Vorgänger Daniel Bahr war ebenfalls Bankkaufmann und MBA. Dessen Vorgänger Philipp Rösler hatte vielleicht etwas mehr Ahnung, denn seine Mutter war Krankenschwester, er war Sanitätsoffiziersanwärter, hat ein ziviles Studium der Humanmedizin und war zumindest Augenarzt und Truppenarzt. Dessen Vorgängerin Ulla Schmidt war Lehrerin.

Als Paradebeispiel dafür, dass man inhaltlich keinerlei Kompetenz braucht, um für irgendetwas Minister(in) zu werden, ist Ursula von der Leyen, die Familien-, Arbeits- und Verteidigungsmenisterin war und jetzt Präsidentin der Europäischen Kommission. Studiert hat sie Volkswirtschaft und Medizin. Sie fiel als vollkommen medienINkompetent auf, als sie sich im Kampf gegen Kinderp****graphie den Spitznamen "Zensursula" erwarb. Florian hat das mit den nutzlosen DNS-Sperren mal erklärt. Dass ich von Beraterfirmen wie McKinsey, Roland Berger und Accenture absolut nichts halte, ist eine andere Geschichte, aber auch da glänzte Frau von der Leyen mit der Vernichtung von Beweismitteln, was hoffentlich noch ein rechtliches Nachspiel haben wird.

Zurück zum Lobbyismus. In meiner Firma habe ich ungefähr zwei Jahre in der Umweltschutzabteilung gearbeitet. Dabei wurde ich etwas desillusioniert, denn dort geht es nicht um den Umweltschutz (außer der Kunde wünscht das), da Umweltschutz die Produkte immer teurer machen. Vielmehr ging es darum, dass die gesetzlichen Vorschriften einzuhalten sind, da die Firma sonst Probleme bekommen könnte. Und es ging natürlich auch um Lobbyismus, indem die Politik zum Beispiel darauf hingewiesen wird, dass bestimmte Fristen real nicht einzuhalten sind, wenn Stoffe verboten werden (Stichwort REACH und RoHS). Und ich lernte die Idee der Circular Economy kennen. Insofern führt Lobbyismus dazu, dass die Politiker erfahren, wie es in der Wirtschaft/Industrie aussieht, so dass Gesetze/Verbote nicht mit der Brechstange eingeführt werden.

Das Problem ist, dass in den Lobbyisten-Drehtüren Vertreter anderer Interessengruppen als der Industrie anscheinend fehlen. Hier setzt sich LobbyControl ein. Ich fand es auch interessant, dass die Zusammensetzung der der Leopoldina-Arbeitsgruppe/Corona-Expertenrunde kritisiert wurde, die zu den seltsamen unausgegorenen wirkenden Lockerungen der Ausgangsbeschränkungen führte.

Die Corona-Studie "Heinsberg-Protokoll" wurde von einer PR-Argentur begleitet, was den wissenschaftlichen Wert dieser Studie verzerrt, da die wirtschaftlichen Interessen, die dahinter stehen, undurchsichtig sind. Von einer Maskenpflicht wurde vorerst abgesehen, und dass die WHO hier in den Chor einstimmt (wie zuvor schon diverse Virologen), verstehe ich nicht. In meinen Augen liegt das nur daran, dass aus bekannten Gründen derzeit nicht genug Masken für alle verfügbar sind. Ein Fehler, den übrigens auch die USA gemacht hat.

Und dann noch das Ende der Krankschreibungen per Telefon, wo die Arbeitgebervertretungen wohl Druck ausgeübt haben. Dabei fand ich die Idee, die Anzahl der Tage zu erhöhen, die man ohne Krankschreibung fehlen darf (2015) eigentlich gut, denn dann könnte man sich ordentlich auskurieren, ohne seine Bazillen in die Arbeit oder ins Wartezimmer zu tragen oder sich von dort andere Bazillen zu holen.

Wozu falsche Beratung führen kann, wenn sie ausschließlich aus der Sicht von BWLern und deren tödlichen Rotstiften geschieht, um hier und da noch ein paar Cent zu sparen, kann man sehr gut am Beispiel der Boing 737 Max nachvollziehen.

Meine Meinung also: Lobbyismus wäre gut, wenn er transparent und ausgeglichen wäre, indem dafür gesorgt würde, dass alle Interessengruppen Gehör finden. Berater/Consultants, die einen Haufen Geld für ihre unbrauchbaren Powerpointfolien erhalten, gehören auf die Müllhalde.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates

Berliner Zeitung (29.04.2020): Transparenz im Verhältnis von Politik und Wirtschaft liefert ein paar Argumente für ein Lobbyregister

Lobbycontrol (08.05.2020): Positionspapier: "Regulatorische Kooperation" in Handelsabkommen Gefährdete Demokratie durch TTIP 2.0, CETA, TiSA, JEFTA

ntv (13.05.2020): Virologe Hendrik Streeck zur Heinsberg-Studie: "Es ist doof gelaufen"

LobbyControl auf Facebook (13.05.2020): EU-Institutionen nehmen Verhandlungen zum Lobbyregister wieder auf

Handelsblatt (13.05.2020): Ökonomen lehnen Autokaufprämie ab, Konjunkturpaket für Klimaschutz

Heise (29.05.2020): Kompetenz in der Regierung wäre wünschenswert - Banker, Rechtsanwälte und Parteikarrieristen sollten keine Gesundheitsminister sein

Süddeutsche (19.06.2020): Causa Philipp Amthor: Die Lobbyregeln im Bundestag sind reformbedürftig

Zeit (20.06.2020): Philipp Amthors Lobbyismus-Affäre: Integrität kennt kein Alter

Netzpolitik.org (22.06.2020): Google soll sein Netzwerk in Brüssel und Berlin offenlegen

Tagesschau (28.06.2020): Verbot von Werkverträgen - Aber warum nur in der Fleischindustrie?

Tagesschau (03.07.2020): Einführung im Herbst: GroKo einigt sich auf Lobbyregister

Spiegel (16.07.2020): Lobbyarbeit für Skandalfirma: Guttenberg setzte sich bei der Bundesregierung für Wirecard ein

Abgeordnetenwatch (04.08.2020): Abgeordnete stellen Steuerbescheid und Lobbytreffen ins Netz

FragDenStaat (25.08.2020): Lobbyregister: So will die große Koalition Lobbyismus (nicht) transparenter machen

Deutschlandfunk (04.09.2020): Pläne für neues Lobbyregister: Kontakte, Kampagnen und jede Menge Einfluss

Süddeutsche (11.09.2020): Ein Lobbyregister gegen das Unbehagen

Spiegel (11.09.2020): Das Lobbyregisterchen - zu lasch

Heise (12.09.2020): Koalition einig: Lobbyregister soll auch für die Bundesregierung gelten

New York Times (22.09.2020): Democratic Donors Push Biden for a Cabinet Free of Fossil Fuel Connections - Sogar in den USA wird etwas gegen Lobbyismus getan.

Fefe (13.11.2020): Jan-Marco Luczak (CDU) ist gegen Beschränkung von Vertragslaufzeiten für Mobilfunk und ist Anwalt bei Hengeler Mueller, die u.a. Telekom vertritt.



Transparency International Deutschland e.V. (Oktober 2014): Lobbying in Deutschland

LobbyControl – Initiative für Transparenz und Demokratie e.V.

Themen: Corona | mein Job
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Samstag, 18. April 2020 17:01

The Giving Pledge

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Kennt ihr The Giving Pledge? Das ist eine Kampagne, die 2010 von Bill Gates und Warren Buffett ins Leben gerufen wurde, um Superreiche zum Spenden für das Gemeinwohl zu animieren.

Bill Gates und seine Bill & Melinda Gates Foundation sind gerade jetzt in der Coronakrise ins Zentrum von Verschwörungstheoretikern geraten, die behaupten, er wolle mit Impfungen Menschen töten, um die Weltbevölkerung zu reduzieren, er hätte an dem neuen Coronavirus ein Patent und würde mit Zwangsimpfungen Menschen auch zwangssterilisieren wollen. Der Mann kann einem schon leid tun.

Schauen wir uns einmal die Liste der Unterzeichner des Giving Pledges an. Einige Namen kenne ich schon.

Viele von ihnen waren nicht immer superreich, sondern Kinder (v.a. Söhne) aus Arbeiterfamilien, die den amerikanischen Traum vom Tellerwäscher zum Millionär (es müsste heute Milliardär heißen) wahr gemacht haben. Bei vielen steht im Wikipedia-Artikel, dass sie "Philantropen" sind, also Menschenfreunde. Nebenbei bemerkt, auch bei George Soros steht, er sei Philantrop. Mir reicht, dass er zentrales Feindbild von Mister Orbanistan ist. Und ich glaube auch, dass sie das selbst von sich glauben.

Nur glaube ich aber auch, dass diese privatwirschaftlichen Stiftungen ohne große Regulierungen und ohne Transparenzpflicht dazu führen, dass das Geld ungerecht verteilt wird, denn es wird nur in Projekte investiert, die die Superreichen für sinnvoll erachten. Dadurch erhalten sie eine Machtfülle, die meines Erachtens eigentlich nur Staaten zustehen sollte, die im Idealfall einer demokratischen Kontrolle unterliegen. Als vehementer Gegner von Privatisierung öffentlichen Eigentums und Ausverkauf von Menschenrechten und Kritiker des ungezügelten Marktes sehe ich das äußerst skeptisch. Menschenrechte dürfen meiner Meinung nach keinen Marktregeln unterworfen werden.

Am Beispiel mit den Impfungen und Bill Gates kann ich das gut erklären: Ich finde es an und für sich gut, dass er sich seit Jahrzehnten für die Entwicklung von Impfstoffen einsetzt. Sein Ziel, die Weltbevölkerung auf lange Sicht zu reduzieren, ist ebenfalls sinnvoll. Dies kann durch eine geringere Kinder- und Müttersterblichkeit durch bessere medizinische Versorgung (wozu auch Impfungen gehören), Bildung der Frauen und Zugang zu Verhütungsmitteln langfristig erreicht werden.

Bill Gates konzentriert sich aber nur auf sein Lieblingsprojekt Impfen. Und das finde ich schlecht.

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Carl Grimes

Update 24. April 2020:

Ich habe mich diese Woche mit einer Freundin unterhalten, und sie meinte, dass angesichts der Politkasperl in den USA die Entscheidung über die Verteilung von Steuergeldern nicht wirklich nach gerechten und sinnvollen Maßnahmen getroffen würden.

Wenn ich mir so diverse Äußerungen von Donald Dump Trump anschaue, dann finde ich, sie hat Recht. Er schlägt doch tatsächlich vor, man solle testen, ob man Menschen Desinfektionsmittel direkt spritzen könnte. Bill Gates ist da in seinen Ansichten doch wesentlich vernünftiger meiner Meinung nach.

Und auch wenn es in Deutschland vielleicht noch nicht ganz so düster aussieht in Sachen Neoliberalisierung, mache ich mir schon Sorgen, wenn lieber 11 Milliarden Euro für Kampfjets ausgegeben werden sollen, und sich jetzt über die Einmalprämie für Pflegekräfte (1,14 Milliarden Euro) (und ich bin immer noch über eine dauerhaft bessere Bezahlung!!!) gestritten wird. Ich würde hier andere Prioritäten setzen. Und sicherlich viele Bundesbürger ebenfalls.


Update-Liste


Updates Bill Gates

Telepolis (05.09.2001): Was ist schlecht daran, wenn Bill Gates Gutes tut?

Golem (12.05.2020): Bill Gates, das Coronavirus, und der Unsinn, der hier verbreitet wird

ntv (12.05.2020): Bill Gates macht sich Vorwürfe wegen Corona

Golem (12.05.2020): Bill Gates, das Coronavirus, und der Unsinn, der hier verbreitet wird

Telepolis (14.05.2020): Covidioten: Die Pandemie der Infantilität

Heise (15.05.2020): Warnung vor Pandemie: Bill Gates bedauert seine Zaghaftigkeit

Correctiv - Faktencheck (18.05.2020): Bill Gates' angebliche "Impfverbrechen"

Süddeutsche (30.05.2020): Bill & Melinda Gates Stiftung: Lob und Kritik

Süddeutsche (02.07.2020): Bill Gates auf der Ted Conference: Nicht mehr lustig

Standard.at (07.07.2020): Bill Gates legt sich beim Fast Company Impact Council mit Maskengegnern an und ärgert sich über Social Media

Tagesspiegel (15.09.2020): Bill Gates staunt über Corona-Verschwörungstheorien: "Ich pflanze niemandem Mikrochips ein"

Heise (13.11.2020): Bill Gates startet eigenen Podcast: Bill Gates and Rashida Jones ask Big Questions

Mimikama (13.11.2020): Gates, Mikrochips, Impfungen, ID2020 – Ein gemischter Verschwörungssalat

New York Times (23.11.2020): Bill Gates, the Virus and the Quest to Vaccinate the World


Updates Warren Buffett

FAZ (03.03.2017): Warren Buffett wettert gegen Fondsmanager

ntv (25.02.2018): Warren Buffett über Trumps Steuerreform frustriert

Heise (21.08.2018): Warren Buffett hält fast 115 Milliarden US-Dollar in Apple-Aktien


Updates George Soros

ZDF: Die Soros-Verschwörung - Der meistgehasste Milliardär (44 Minuten) - Video verfügbar bis 13.09.2020, in Deutschland

New York Times (16.04.2020): George Soros’s Foundation Pledges $130 Million in Coronavirus Relief

Zeit (11.04.2020): Ungarn: George Soros, der willkommene Feind

Spiegel - Gastbeitrag von George Soros (01.05.2020): Die EU muss sich zusammenraufen - oder sie zerfällt

Süddeutsche (12.08.2020): Milliardär George Soros ist 90 Jahre alt geworden

Spiegel (06.10.2020): Ungarns Hochschulgesetz verstößt gegen EU-Recht - Central European University von George Soros wurde aus Ungarn vertrieben

Thema: Corona
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Samstag, 18. April 2020 11:38

Gewinner der Coronakrise: Online-Handel

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Der große Gewinner der Coronakrise sind Online-Versandhäuser. Allen voran natürlich der Branchenprimus Amazing, der schon früh an seine Grenzen geriet und entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen musste. Derzeit haben sie zudem noch Nachholungsbedarf beim Arbeitsschutz in Frankreich.

Ich hatte mich sofort mit einigen notwendigen Dingen eingedeckt, wie Kontaktlinsen und -mittel, da ich schon damit gerechnet habe, dass es zu Lieferschwierigkeiten kommen würde. Sehe ich meine Bestellhistorie der letzten Wochen an, so muss ich zugeben, dass auch ich etwas mehr als sonst online bestellt habe. Zum Beispiel Spezialfutter für mein krankes Pferd. Das hätte ich normalerweise auf dem Weg zum Stall in der Filiale in Forstinning besorgt.

Andere Dinge wären vielleicht nicht notwendig gewesen, wie die Bestellungen in Andere Welten oder dem Drachenwinkel. Spezielle Staubsaugerbeutel, Ameisenköder, das hätte ich vielleicht noch im dm oder Müller in den RiemArcaden bekommen. Mein Sohn hätte vielleicht mit der Bestellung seines neuen Rechners warten können. Oder den Fitbit-Tracker, den ich für die RKI Corona-Datenspende bestellt habe. (Florian unterstützt die Forschung hier mit Folding@Home.)

Jetzt stößt aber nicht nur der Versandriese Amazing an seine Grenzen, sondern auch DHL. Diese Woche habe ich ein Paket in Aschheim holen müssen. Vermutlich habe ich aber nicht das Paket bekommen, für das ich die Abholkarte dabei gehabt habe, denn ich habe heute die Erinnerungsmail erhalten, dass das Paket (ein anderes) nur noch zwei Tage in der Filiale bleiben wird, bevor es zurückgeschickt wird. Und eine weitere Mail habe ich bekommen, dass noch ein anderes Paket in der Filiale liegt. Ich habe mich tierisch geärgert, weil es angeblich 13:49 Uhr verladen wurde und 14:02 Uhr nicht zugestellt werden konnte.

Ich wollte schon eine Beschwerdemail verfassen, als ich in Facebook las, dass in der gesamten Messestadt derzeit keine DHL-Pakete mehr zugestellt werden, sondern wir alle unsere Pakete in Aschheim abholen müssen. Damit ändert sich natürlich sofort mein Kaufverhalten und das meiner Familie schlagartig. Jetzt werden wir auch nicht mehr bei kleinen Online-Händlern bestellen, denn jedes Mal nach Aschheim fahren, will ich auch nicht.

Wir sehen, wir brauchen auch unsere lokalen Geschäfte und Händler. Ich hoffe, dass diese jetzt nach und nach mit Augenmaß auch wieder öffnen dürfen und sich die Insolvenzen in Grenzen halten.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates

Süddeutsche (28.04.2020): Darum häufen sich gerade die Beschwerden bei der Paketzustellung

Golem (30.07.2020): Amazon verdoppelt Gewinn in der Coronakrise

Heise (12.10.2020): Von der Fußgängerzone bis zum Onlineshop: Corona verändert den Handel

Süddeutsche (15.10.2020): Einzelhandel: Die Krux mit den Maskenverweigerern

Süddeutsche (17.10.2020): Kleine Geschäfte unter Nachbarn: Viele kleine Läden sind bislang besser durch die Corona-Pandemie gekommen als erwartet.

BR24 (19.10.2020): Mehr als 40 Karstadt-Kaufhof-Filialen schließen für immer

Heise (04.11.2020): Kontaktlose Zustellung: Dürfen Pakete einfach abgestellt werden?

Themen: Corona | Computer und Internet | Eigenes Pferd Felix
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Freitag, 17. April 2020 17:01

Absolute Zahlen

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Warum hat NRW die meisten Lottogewinner? Weil NRW auch die meisten Einwohner hat. Deshalb war es erst einmal nicht verwunderlich, weshalb NRW auch die meisten bestätigten Covid-19-Infizierten hatte (bis es von Bayern überholt wurde).

Die absoluten Zahlen sind beeindruckend, wenn man sich die roten Punkte auf der Johns Hopkins University täglich anschaut. Doch ich fand, dass dies wenig aussagekräftig war. Also habe ich anhand meiner Screenshots seit dem 12.03.2020 (mit Lücken) einmal die Zahlen in eine Exceltabelle geklopft und dann mit der Bevölkerungszahl laut Wikipedia in Relation gebracht, so dass ich Zahlen pro 100.000 Einwohner erhielt. Ich weiß, dass die Zahlen alle nicht aktuell und akurat sind, es ging mir eher um den allgemeinen Trend. Außerdem habe ich noch anhand einiger Zeitungsberichte seit 05.03.2020 ein paar Zahlen von New York gesammelt. Dadurch ergab sich folgendes Bild (zum vergrößern anklicken):

Tabelle nach Infinzierten pro 100.000 Einwohner

In New York explodieren die Zahlen regelrecht. Während sie in China stagnieren und Südkorea, Japan, Norwegen, Dänemark und Schweden irgendwann aus den Top 16/17 meiner Screenshots rausgeflogen sind. Woran könnte das liegen?

Ich habe einen weiteren Blick auf die Bevölkerungsdichte laut Wikipedia geworfen. Im direkten Vergleich schießt New York gerade wie ein Wolkenkratzer hervor. Ohne New York erkennen wir, dass Südkorea, Niederlande und Japan eine recht hohe Bevölkerungsdichte haben, Norwegen, Schweden und USA gesamt jedoch eine sehr niedrige.

Bevölkerungsdichte nach Ländern

Ich weiß, man muss mit Korrelationen vorsichtig sein. Doch es erscheint mir logisch, dass sich der neue Coronavirus in großen Städten mit einer hohen Bevölkerungsdichte schneller ausbreitet, als beispielsweise in ländlichen Gebieten der USA oder auch in Ostdeutschland. Ich bin gespannt auf die zukünftigen Forschungsergebnisse.

Und noch eine Korrelation ist mir aufgefallen. Die asiatischen Länder, die natürlich Erfahrungen mit SARS haben, aber wo auch das Tragen von Mundschutzmasken zum normalen Bild der Öffentlichkeit gehört, sind trotz hoher Bevölkerungsdichte rasch aus meiner Tabelle verschwunden. Vielleicht ist das Tragen von Masken doch keine so blöde Idee?

Schweden wird von Hoffnungsverbreitern und Motzern in der "Der Lockdown ist doch gar nicht notwendig"-Fraktion gerne als strahlendes Beispiel genannt, dass die das doch alles viel besser machen würden. Auch hier erscheint es mir logisch, dass in Ländern mit einer geringeren Bevölkerungsdichte die Ausbreitung des neuen Coronavirus langsamer erfolgt. Das ist ein Vorteil für Schweden, den wir in Deutschland jedoch nicht haben, deshalb würde ich hier vermuten, dass Äpfel mit Birnen verglichen werden, und dass diese Strategie für Deutschland nicht so gut funktionieren würde, außer vielleicht in den Bundesländern mit niedrigerer Bevölkerungsdichte. Auch hier bin ich gespannt auf die zukünftigen Analysen der Experten.

Und leider glaube ich auch, dass die Hoffnungsverbreiter und Motzer hinterher behaupten werden, wenn/falls Deutschland vielleicht viel weniger Tote zu beklagen hatte, als unsere armen Nachbar-Nachbarländer, dass die Maßnahmen völlig überzogen gewesen wären und dass sie alle Recht gehabt haben und die Panikmacher-Lügenpresse im Unrecht gewesen wäre.

Endlich habe ich auch kapiert, was "Föderalismus" bedeutet. Ich könnte mir vorstellen, dass schnellere Lockerungen in weniger dicht besiedelten Gebieten möglich wären, während in Großstädten strengere Regeln einzuhalten wären, und dass Großveranstaltungen noch sehr, sehr lange untersagt bleiben müssen.

Aber ich beobachte hier nur.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates

Telepolis (02.07.2020): Mit wachsender urbaner Dichte sinkt die Covid-19-Todesrate

Zeit (18.07.2020): Britische Regierung setzt Veröffentlichung der Opferzahlen aus

Telepolis (21.07.2020): Keinen Bock mehr auf Corona-Zahlen?

Heise (19.08.2020): "Corona regional": Das Virus auf der Deutschlandkarte - Ziemlich unerheblich ob Stadt oder Land

Spiegel - Paywall (13.10.2020): Mathematiker über den Umgang mit Corona-Statistiken - warum so viele Deutsche die Pandemie nicht verstehen

Telepolis (17.11.2020): Das Madrider Wunder, das es nicht gibt - Die Zahlen, die vor allem die Regionalregierung Madrid liefert, sind nur mit großer Vorsicht zu genießen, denn sie sind manipuliert und verzerrt.

Telepolis (19.11.2020): Fehlschluss-Didaktik - Telepolis-Autoren schreiben gegeneinander an



COVID-19 Dashboard by the Center for Systems Science and Engineering (CSSE) at Johns Hopkins University (JHU) - die roten Punkte

Robert Koch-Institut: COVID-19-Dashboard Deutschland nach Bundesländern und Landkreisen

Thema: Corona
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Donnerstag, 16. April 2020 17:01

Digitalisierung

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Eines der ersten Dinge, die mir aufgefallen sind, als ich ins Homeoffice geschickt wurde: Wie wichtig die Digitalisierung ist. Wir hatten das Glück, dass wir schon gut aufgestellt waren und auch Homeoffice-erprobt, so dass es überhaupt kein Problem war, von jetzt auf gleich von zu Hause aus zu arbeiten. Zumindest technisch.

Die Anstrengungen meiner Firma, damit dies auch gut funktioniert, waren enorm. Denn als im Februar die chinesischen Kollegen schon ins Homeoffice geschickt wurden, war schnell klar, dass die IT-Infrastruktur darauf noch nicht ausgelegt war. So wurde mit Hilfe der Erfahrungen aus China innerhalb kürzester Zeit unter Verzicht der Pilotphase weitere Einwahlmöglichkeiten geschaffen und zusätzlich zu unserem ersten Videokonferenz-System noch ein weiteres ausgerollt. Eine Mammuth-Aufgabe, die sich gelohnt hat, denn die Verbesserungen des Netzwerkes war von Tag zu Tag spürbar.

Aber auch deutschlandweit war zu sehen, dass unser Internet weit mehr genutzt wurde und daher verschiedene Maßnahmen notwendig wurden, um es zu entlasten. So reduzierten Streamingdienste ihre Übertragungsraten. Ein Online-Kalender, den wir im Stall benutzen, aktualisierte nicht mehr sekündlich, sondern in größeren Zeitabständen. Restaurants, die bereits eine eigene Website hatten, konnten ihr Angebot zum Abholen sehr schnell publik machen. Eine Freundin, die Online-Werbung macht, konnte sich plötzlich vor Anfragen kaum noch retten.

Aber es zeigte natürlich auch unsere Schwachstellen. Zum Beispiel der Breitbandausbau in Deutschland. Für mich ist es völlig unverständlich, wieso diese wichtige Infrastruktur nicht grundsätzlich durch den Staat aufgebaut wird. Naja, die Privatisierung der Telekom könnte damit zusammenhängen. Da sehen wir ja, wie gut das der Markt regelt. Der Markt, für den die Zukunft beim nächsten Jahresabschluss oder schlimmer zum Quartalsende aufhört und deshalb Investitionen scheut. Denn Infrastruktur gehört meines Erachtens immer in staatliche Hand, damit diese nicht abhängig ist von wirtschaftlichen Interessen. Gleiches gilt auch für den Mobilfunk.

Und wo die Digitalisierung auch noch große Schwächen aufweist: Die Behörden. Für meine Firma muss ich diverse Unterlagen besorgen, die für öffentliche Ausschreibungen (also staatliche Aufträge) wichtig sind. Einige davon muss ich persönlich mit Vollmacht unter Vorlage meines Persos beantragen. Nun sind die Behörden aber derzeit für den Publikumsverkehr geschlossen. Wie komme ich also an diese Unterlagen? Nicht alle Behörden sind auf den Einsatz der Online-Funktion des Persos ausgerichtet. Und ehrlicherweise habe ich mir diese Funktion auch noch nicht freischalten lassen, weil ich bisher geglaubt habe, sie nicht wirklich zu brauchen, und natürlich hier dem Staat gegenüber auch ein gewisses Misstrauen hege, ob er verantwortungsbewusst mit meinen Daten umgehen kann. Allerdings hätte mir der in dem Fall auch nichts genutzt, weil auch die Vollmachtgeber sich hätten online ausweisen müssen. Das ist zur Zeit alles recht kompliziert, weil alles per Post erledigt werden muss. Das dauert natürlich auch... Aber gut.

Nachdem können wir auch kein Führungszeugnis nach § 30 Abs. 5 BZRG beantragen, das wir aber brauchen, überlege ich tatsächlich, ob ich die Funktion nicht für solche Fälle doch freischalten lassen werde. Was gut funktioniert ist aber die Elektronische Steuererklärung, auch wenn ich mich über den Namen Elster noch immer schlapplache. Und auf einen Bierdeckel passt sie auch noch immer nicht.

Was mich aber wirklich entsetzt: Die langsame Erfassung der Fallzahlen. Wieso werden die nicht digital bereitgestellt und stehen nicht sofort in Echtzeit zur Verfügung? Wie werden diese Zahlen durchgereicht, dass die Ergebnisse erst nach drei Tagen zur Verfügung stehen? In einer Pandemie, in der es zu Verdopplungszahlen der Fälle innerhalb weniger Tage kommt? Steht da noch irgendwo ein Fax rum, wo am Wochenende das Papier ausgegangen ist, oder was?

Ob sich nach der Coronakrise hier etwas ändern wird? IT-Fachkräfte werden von Firmen gerne gehalten, sogar in der Hire-and-Fire-USA. Ich bin gespannt.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates

Heise (11.05.2020): Genossenschaftsverband erwartet Schub für digitale Bankgeschäfte

Heise (16.07.2020): Künftig Krankschreibung per Videosprechstunde möglich

Heise (19.08.2020): Die digitale Zukunft der Schule

Heise (21.08.2020): Die neue Arbeitswelt ist digital – fast überall

Heise (18.09.2020): Bundestag gibt Milliarden für Digitalisierung von Krankenhäusern frei

Heise (18.09.2020): Digitale EU-Dekade: Superrechner und schnelle Netze für digitale Souveränität

Heise (19.09.2020): Digitale Verwaltung: Open Source und offene Standards fürs E-Government

ntv (19.09.2020): EU macht elektronisches Bezahlen einheitlich

Netzpolitik (24.09.2020): Breitbandausbau: EU-Kommission gibt grünes Licht für mehr staatliche Hilfe

Heise (01.10.2020): Bund und Länder arbeiten am digitalen Gesundheitsamt 2025

Heise (16.10.2020): Corona-Risikogebiete: Einreisende können sich bald digital anmelden - Mit der Webanwendung können Gesundheitsämter die Quarantänepflicht überwachen.

Heise (18.10.2020): Behördenbesuch kostet Bürger im Schnitt zweieinhalb Stunden

Heise (30.10.2020): Bundesnetzagentur veröffentlicht Deutschlandkarte mit Mobilfunkabdeckung

Heise (02.11.2020): Post vom Amt bald digital? Bund und Länder wollen E-Siegel nutzen

Heise (17.11.2020): Spahn plant Krankschreibung dauerhaft ausschließlich per Videosprechstunde

Heise (18.11.2020): Elektronische Patientenakte: Datenschutz durch Überwachung?

Süddeutsche (23.11.2020): Deutschland hat die Digitalisierung nicht verschlafen, sondern unterdrückt

Thema: Corona
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Sonntag, 12. April 2020 17:01

Der Skandal um die Masken

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Ein großes Politikversagen lässt sich anhand des Skandals um die Masken gut nachzeichnen. Als hierzulande die offiziellen Empfehlungen kamen, wie man sich vor Ansteckung schützen sollte (Abstand halten, keine Gruppenbildung, kein Händeschütteln, Husten/Niesen in Armbeuge, Hände waschen), hatte ich bereits Empfehlungen aus englisch-sprachigen Quellen gelesen, die dazu rieten, benutzte Taschentücher in verschließbare Beutel zu packen und/oder in Mülleimer mit Deckel zu entsorgen. Für mich bedeutete das glasklar, dass zu diesem Zeitpunkt bereits bekannt gewesen sein muss, dass das neue Coronavirus auch über die Luft übertragen werden kann. Auch hatte ich einen Artikel gelesen, in dem darüber berichtet wurde, wie entsetzt die asiatischen Länder, die bereits Erfahrung mit SARS hatten, darüber sind, dass man hierzulande in der Öffentlichkeit keine Masken tragen würde.

Als ich dann las, wie unsere Regierung einige staatliche Vorräte an Atemschutzmasken und andere Güter an China gab (was ich verstehe, denn im Februar ging es noch darum, die Pandemie zu verhindern), zählte ich eins und eins zusammen und kam zu dem Schluss, dass bei uns Atemschutzmasken nur deshalb als gegen Viren nutzlos verunglimpft wurden und das generelle Tragen nicht empfohlen wurde, weil es nicht genügend von ihnen im Land (mehr) gab und die Vorräte selbst für medizinisches Fachpersonal in Kürze zur Neige gehen würden. Auch bei unseren Nachbarn sieht es schlecht aus, so tragen NHS Angestellte in Großbritannien Plastiktüten statt medizinische Schutzkleidung.

Viele Leute erkannten, dass eine einfache Maske besser ist als nichts und die Wahrscheinlichkeit einer Verbreitung des Virus wenigstens vermindern kann. Natürlich schützen selbstgenähte Masken nicht so wie FFP2 oder FFP3 Masken. Aber dennoch sehe ich immer häufiger Leute beim Einkaufen, die selbstgenähte Masken tragen. Über etsy werden diese mittlerweile zu Hauf angeboten, wenn auch unter diversen anderen Namen, um sich vor angeblichen Abmahnanwälten zu schützen.

Durch unseren Zeitvorsprung scheint es mittlerweile relativ gut zu gelingen, Masken für das medizinische Personal zu beschaffen bzw. in Deutschland selbst herzustellen (ein gutes Beispiel für die Flexibilität unserer Wirtschaft) und eventuell bleibt auch genug für die Bevölkerung übrig, so dass man sich vielleicht doch noch zu einer Maskenpflicht durchringen kann. Doch auch das geht nicht ohne politisches Haifischbecken und Gerangel ab. In der Politik geht es eben selten um die Sache an sich, sondern es geht leider immer auch um Machtspielchen und Profilierung der Platzhirsche.

Man kann hier auch sehr gut beobachten, wer gerade demaskiert wird. Chapeaux!

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Update 27.04.2020

Seit heute gibt es eine Maskenpflicht. Es sind aber trotz diverser Bemühungen noch immer nicht genügend Masken in Deutschland vorhanden. Außerdem ist es nur logisch, dass diese erst einmal dem medizinischen und pflegenden Personal zur Verfügung gestellt werden muss, bevor die normale Bevölkerung damit versorgt werden kann. Wer nicht selbst nähen kann, kann sie in diversen Portalen wie etsy bestellen. Aber für Menschen mit kleinem Geldbeutel ist das schon eine Belastung. An einer Tankstelle habe ich eine ganz schlichte, medizinische Einmalmaske für 2,95 Euro pro Stück gesehen, die man maximal 2 Stunden tragen sollte. Wie soll sich das ein Geringverdienter leisten? Italien versucht der Preistreiberei gerade einen Riegel vorzuschieben.

Wenn wir früher schon eine Maskenpflicht hätten einführen können, weil wir vielleicht aufgrund der seitens Politik aber auch der Experten unterschätzten Gefahr vor Pandemien seit 2012 (Anhang 4) einen entsprechenden Vorrat in der Bundesrepublik gehabt hätten, wäre der wirschaftliche Schaden wesentlich geringer ausgefallen, da die Maßnahmen dann nicht hätten so hart sein müssen. Hätte, hätte, Fahrradkette...

Ich bin auf meinen nächsten Einkauf gespannt. Schön zu sehen, wie das der Markt so regelt...


Update-Liste


Updates Masken und Bundesregierung

Heise (29.05.2020): Wären Pandemie-Warnungen von einem kompetenten Gesundheitsministerium ernster genommen worden, hätte es einen milderen, früheren Lockdown mit weniger Kollateralschäden gegeben

Spektrum der Wissenschaft (12.06.2020): Späte Kehrtwende der WHO und des RKI

Correctiv (23.06.2020): Deutschland war schlecht auf Pandemie vorbereitet: Digitalisierung in den Gesundheitsämtern - Fehlanzeige, es wird noch mit Faxgeräten gearbeitet, Masken und Schutzkleidung wurde nicht bevorratet, weil Arztpraxen und Krankenhäuser Wirtschaftsunternehmen sind und sparen müssen

Süddeutsche (10.07.2020): Gesundheitsbehörden ignorierten lange Hinweise auf die Wirksamkeit von Mund-Nasen-Bedeckungen. Das dürfte viele Leben gekostet haben.

Tagesschau (15.07.2020): EU-Reaktion auf Coronavirus: Zu spät, zu langsam, nicht nur Deutschland schickte Schutzausrüstung nach China, sondern die gesamte EU.

Tagessspiegel (07.08.2020): Beschaffung von Schutzmasken: Bundesgesundheitsministerium will raus aus Beratervertrag mit Ernst & Young

ntv (09.08.2020): 400 Millionen Euro nicht gezahlt: Maskenlieferanten verklagen den Bund

Tagesschau (14.09.2020): Masken und Beatmungsgeräte: Von der Mangelware zum Ladenhüter


Updates Masken im Ausland

Tagesschau (14.07.2020): England führt Maskenpflicht in Läden ein

CDC (Centers for Disease Control and Prevention) (14.07.2020): CDC calls on Americans to wear masks to prevent COVID-19 spread

Newswire Canada (14.07.2020): University of Toronto Tests Confirm First Mask That Deactivates Coronavirus

Tagessspiegel (16.07.2020): USA: Zwei Friseurinnen arbeiteten trotz Corona-Infektion mit Maske und steckten keinen der 139 Kunden an


Updates Studien zu Masken/Aerosolen

Heise (15.05.2020): Aerosole in der Luft - so wird das Coronavirus durch Sprechen übertragen und in geschlossenen Räumen mit schlechter Belüftung zum Problem wird

Spiegel (15.05.2020): Studie zu Aerosol-Viruswolken

Spiegel (31.05.2020): Trotz Corona-Lockerungen niedrige Fallzahlen - auch Dank Maskenpflicht

ntv (08.06.2020): Forscher bestätigen Wirkung von Masken

ResearchGate (15.06.2020): Association of country-wide coronavirus mortality with demographics, testing, lockdowns, and public wearing of masks

Stern (02.07.2020): Forscher prüfen Alltagsmasken

CDC (22.07.2020): Effectiveness of Cloth Masks for Protection Against Severe Acute Respiratory Syndrome Coronavirus 2

Tagesschau (07.08.2020): Simulation der Universität Washington: Die Opferzahl wäre bei Masken-Disziplin geringer

Mimikama (12.08.2020): Angebliche Hautreizungen und Hautkrankheiten wegen Masken

Zeit (02.09.2020): Neue US-Studie bestätigt Unwirksamkeit von Gesichtsschilden

Volksverpetzer (11.09.2020): So effektiv sind Masken

Tagesspiegel (11.09.2020): Ärzte vermuten Covid-19-Immunisierung durch Maskenpflicht

CDC (vom NDR Podcast Corona-Update mit Sandra Ciesek am 22.09.2020 bestätigt): Es reicht aus, die Masken in der normalen Wäsche bei 40°C zu waschen, wenn man Waschmittel benutzt.

Correctiv (25.09.2020): Was passiert wirklich, wenn der CO2-Gehalt unter einer Stoffmaske gemessen wird? Ein Experiment

Spektrum (14.10.2020): Masken schützen vor Covid-19 - Wie gut muss die Beweislage sein?

DLR (26.10.2020): Wie ef­fek­tiv sind All­tags­mas­ken? – Wis­sen­schaft­li­cher Blick auf ei­ne viel dis­ku­tier­te Fra­ge

Tagesspiegel (.10.2020): Das Wichtigste zu Mund-Nasen-Bedeckungen: In welchen Situationen Alltagsmasken schützen – und wann nicht


Updates Maskenpflicht

Volksverpetzer (27.04.2020): Maskenpflicht - eine der besten Maßnahmen gegen Corona

Spiegel (07.05.2020): Streit über Maskenpflicht anno 1918 - Als die Spanische Grippe San Francisco erwischte

Tagesspiegel (15.05.2020): Bahnschaffner an Verschwörungstheoretiker "Denken Sie bitte daran, dass die Bundesregierung heimlich Speichelproben sammelt!"

ntv (11.06.2020): Masken - korrekt tragen und ab wann die Pflicht wieder aufgehoben werden kann

Spiegel (06.07.2020): Debatte über Maskenpflicht

Spektrum der Wissenschaft (07.07.2020): Dunkle Triade: Machiavellisten, Psychopathen und Narzissten halten sich nicht an Regeln

SWR REPORT-MAINZ (07.07.2020): Warum Ärzte die Corona-Gefahr herunterspielen - Atteste gegen Maskenpflicht auszustellen, verstößt laut Landesärztekammer in Rheinland-Pfalz gegen die Berufsordnung

Tagesschau (07.07.2020): Ärzte hebeln Maskenpflicht aus

Standard.at (09.07.2020): Maulkorb: wie gegen die Maske organisiert Stimmung gemacht wird

Tagesschau (11.07.2020): Keine Maske bei weniger als 100 Fällen?

Tagesschau (24.07.2020): Mehrheit hat sich an Maske gewöhnt

New York Times (03.08.2020): The Mask Slackers of 1918

Standard.at (01.10.2020): "Attest gegen Maskenwahnsinn": Steirischer Arzt bekommt Berufsverbot


Updates Masken als Umweltproblem

Der Westen (24.04.2020): Einwegmasken, Handschuhe und Desinfektionsmittelflaschen werden für die Umwelt ein Problem

Utopia (22.07.2020): Einwegmasken werden zum Umweltproblem


Updates Beatmungsgeräte

ntv (05.09.2020): Tausende Geräte zu viel bestellt - Bund verschenkt Beatmungsmaschinen


Updates Sonstiges

Zeit (13.05.2020): Geschichte einer Autorin, die jetzt Masken näht

Deutsche ApothekerZeitung (13.08.2020): Hauptsache Maske!?

Apotheker Prof. Dr. (Welches Fachgebiet?) Markus Veit merkt an, dass Alltagsmasken nicht zertifiziert sind. Meine Meinung: Die Masken sind kein Eigenschutz, sondern sollen lediglich die Ausbreitungsgeschwindigkeit von Covid-19 in der Bevölkerung insgesamt verringern. Und diesen Zweck erfüllen auch Alltagsmasken. Professioneller Umgang und zertifizierte, geprüfte Masken als Medizinprodukt sind nur notwendig für entsprechende Berufsgruppen und Zugehörige von Risikogruppen, da hier ein erhöhter Schutzbedarf besteht.

Wikipedia: Anti-Mask League of San Francisco 1918

Thema: Corona
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Samstag, 11. April 2020 17:01

Systemrelevante Berufe - Kranken- und Altenpfleger

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Ich habe mich schon sehr lange gefragt, wieso Krankenschwestern und Altenpfleger viel weniger verdienen als ich Sekretärin/Teamassistentin. Sie arbeiten im Schicht- und Wochenenddienst, müssen zum Teil schwere, körperliche Arbeit leisten, wenn sie bettlägrige Patienten versorgen und tragen die Verantwortung für Gesundheit und manchmal auch für Leben und Tod. Was mache ich? Ich formatiere Verträge, male fancy Powerpointfolien, klopfe Zahlen in Exceltabellen, buche Reisen und rechne diese ab. Nine to five. Sehr komfortabel.

Der Aufwand für Krankenpfleger wurde in den letzten Jahrzehnen immer größer. Sie mussten alles dokumentieren, die Nacht- und Wochenendzuschläge wurden gekürzt. Um diesen Beruf überhaupt noch ausüben zu wollen, braucht man eine gehörige Portion Idealismus. Auch die unsäglichen Fallpauschalen haben zu obstrusen Verschiebungen geführt. Wie weltfremd diese sind, zeigt sich an den Intensivbetten. Eines zu beschaffen kostet 85.000 Euro, die Fallpauschale sieht hierfür aber nur 50.000 Euro vor. Daher sind die Kliniken gezwungen, woanders zu sparen, zum Beispiel am Pflegepersonal. Kaiserschnitte lohnen sich, natürliche Geburten nicht, weshalb viele Kliniken ihre Kreissäle schließen und mancherorts Mütter in den Wehen sehr weit zur Entbindung fahren müssen. Und das Problem mit den Hebammen und ihren absurd hohen Versicherungsbeiträgen ist da noch gar nicht mit drin. Orthopädische Operationen - großartig, legen Sie sich bitte sofort unter das Messer! Das lohnt sich für die Klinik. Ich gehe grundsätzlich zu keinem "Belegarzt", der seine Betten rentabel halten muss.

Jetzt in der Coronakrise zeigt sich deutlich, was dieser Sparkurs unserem Gesundheitssystem angetan hat. Dabei stehen wir im internationalen Vergleich noch ganz gut da. Insofern ist es vielleicht ganz gut, dass uns die Krise schon jetzt trifft, bevor unser Gesundheitssystem das Niveau von Italien, Spanien, Großbritannien oder den USA erreicht hat. Es ist ja nicht so, dass das hier nicht auch in diese Richtung gegangen wäre, siehe beispielhaft diese ominöse Brechtelsmann-Studie (oder wie diese neoliberalen Schmierfinken heißen).

Ich habe einmal über Twitter verfolgt, wie ein US-Amerikaner die Diagnose Darmkrebs erhielt, seinen Job und damit seine Krankenversicherung verlor und versuchte, die Behandlungskosten über Fundrainsing zusammenzubekommen. Er hat den Wettlauf mit der Zeit verloren und starb, hinterließ Frau und Kinder. Für mich einfach unbegreiflich, wie ein moderner Staat es zulassen kann, dass das Gesundheitssystem nur den Leuten zugänglich ist, die Geld haben. Das ist in meinen Augen unmenschlich.

In Artikel 2 Grundgesetz wird uns das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit zugesprochen, und in Artikel 20 wird behauptet, die BRD sei ein demokratischer und sozialer Bundesstaat. Daraus ergibt sich, dass unser Staat verpflichtet ist, ein funktionsfähiges Gesundheitssystem zu errichten (siehe Punkt 4 Fazit).

Vor Wochen schon haben Bekannte im Pflegedienst berichtet, dass Besucher Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel gestohlen haben, teils sogar inklusive Wandhalterung. Das war die Panikphase. Mittlerweile gibt es ein Besuchsverbot in Altenheimen und Intensivstationen, um Angehörige der Risikogruppen nicht zu gefährden. Andere Bekannte im Gesundheitswesen berichten darüber, dass sie auch dann noch weiterarbeiten sollen, wenn sie infiziert sind, aber noch keine Symptome zeigen, und die strengen Hygienevorschriften gelockert wurden, damit die Schutzkleidung länger eingesetzt werden kann, da es hier einen eklatanten Mangel gibt. Dadurch sind sie extrem gefährdet, an COVID-19 zu erkranken und zu sterben.

Außerdem suchen die Krankenhäuser händeringend Personal, das einfache Arbeiten verrichten kann (zum Beispiel Transport/Begleitung von Patienten zum Röntgen), damit die Pfleger ihre eigentliche Arbeit machen können. Geplante aber nicht dringende Operationen werden verschoben, damit die Kapazitäten für Corona-Patienten ausgebaut werden können. Die Intensivbetten mit Beatmungsgeräten werden derzeit in plötzlich weiser Voraussicht massiv aufgestockt, um die zu erwartende Patientenschwemme aufzufangen. Ob das reicht, wird sich zeigen. Wir befinden uns gerade in der Phase, in der das Wasser zurückweicht, bevor der Tsunami zuschlägt.

Es ist niedlich, wie dann teilweise von Balkons aus für das Klinikpersonal geklatscht wurde. Welch ein Hohn! Die Bonuszahlungen sind da schon eher ein Schritt in die richtige Richtung. Aber viel besser wäre es, wenn Pflegekräfte endlich die Bezahlung bekämen, die sie verdienen.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Update-Liste


Updates Applaus und Schokolade

Tagesspiegel (28.03.2020): Euren Applaus könnt ihr euch sonstwohin stecken

ntv (04.07.2020): Es bleibt beim Applaus - Bonus nur für Altenpflegekräfte

Zeit (07.07.2020): Ausgeklatscht


Updates Corona-Bonus

Süddeutsche (05.04.2020): Sonderzahlung für Pflegekräfte: Eine richtige Geste, aber keine Lösung

Redaktionsnetzwerk Deutschland (29.04.2020): Bonus für Pfleger? Finanzierung wieder offen

Spiegel (29.04.2020): Pflegebonus in der Coronakrise: Und wer soll das bezahlen?

Spiegel (16.05.2020): Bonus wegen Corona-Belastung - Und was ist mit den Krankenpflegern?

Zeit (09.07.2020): Corona-Retter unterbezahlt, doch keine Prämie?

T-Online (31.07.2020): Pfleger kritisieren Corona-Prämie: "Das ist wie eine Art Schweigegeld"

GKV-Spitzenverband (03.09.2020): Corona-Prämie für Pflegekräfte im Krankenhaus kommt

Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus GmbH (InEK) (06.11.2020): Sonderleistung gem. § 26a KHG


Updates Situation in den Altenheimen und Krankenhäusern

Twitter/Video (18.05.2020): Mann ist traurig, weil seine Frau im Pflegeheim ist, und er sie acht Wochen nicht mehr sehen durfte. Seelische Folter und er wird angemotzt von anderem Demonstranten, der über Grippewelle, ARD und ZDF, schwurbelt. Doch er meint, mann muss vernünftig bleiben. Mein Held des Tages!

Tagesschau (19.11.2020): Dialog zur Pflege mit Merkel: "Die Isolation ist manchmal unerträglich"

Süddeutsche (21.11.2020): Krank am Krankenbett

Süddeutsche (23.11.2020): Covid-Infektionen in Pflegeheimen: Niemand rein, niemand raus


Updates Attraktivität und Bezahlung des Pflegeberufes

DIE LINKE. im Bundestag (18.03.2020): Pflegepersonal dauerhaft spürbar besser bezahlen

Süddeutsche (01.05.2020): Entlohnung in Pflegeberufen: Die geringe Organisation in Gewerkschaften ist ein Problem

Süddeutsche (19.05.2020): Risiko für Klinik- und Heimpersonal: Es fehlen Schutzausrüstung und Tests

Tagesspiegel (29.05.2020): Medizinisches Personal beklagt Mangel an Kita-Notbetreuung

Correctiv (05.06.2020): Fünf Geschichten vom März und vom Mai: eine Pflegerin, eine Hebamme, eine Grundschullehrerin, eine Alleinerziehende, eine Grafikerin

Tagesspiegel (10.07.2020): Über unsere Arbeitsbedingungen will niemand mehr sprechen

Tagesspiegel (11.07.2020): Wie Corona für soziale Berufe zur Chance werden kann

Spiegel (13.07.2020): Krankenpflegerin über Coronakrise: "Wir haben uns wie Kanonenfutter gefühlt" - Onlinepetitionen unterschreiben und Parteien wählen, die sich für Pflegepersonal einsetzen!

Spiegel (24.07.2020): Verband kritisiert Arbeitsbedingungen osteuropäischer Pflegekräfte

NachDenkSeiten (04.08.2020): Es fehlt 30% Personal in Pflegeheimen

Deutschlandfunk (11.08.2020): Heimleiter über die Situation in der Pflege: "Das ist eine Pleite, die die Bundesregierung da hinlegt"

ntv (25.10.2020): Extra-Zulage für Pflegekräfte - Tariferhöhung im öffentlichen Dienst ist durch

ntv (09.11.2020): Niedersachsen & Bremen: Längere Pflegearbeitszeit löst deutliche Kritik aus


Updates Gesundheitssystem stärken und Fallpauschalen abschaffen

Zeit (15.05.2020): Die Zukunft der Arbeit nach Corona: demokratisch, vor unregulierten Marktkräften schützen, nachhaltig (Manifest u.a. von Thomas Piketty)

Telepolis (04.06.2020): Spanien: Applaus in Verbesserungen im Gesundheitswesen verwandeln - gegen Privatisierungen und prekäre Arbeitsbedingungen

NachDenkSeiten / Jürgen Klute in Europa.blog (14.07.2020): Vom Umgang mit Pflegepersonal in Belgien und Deutschland - in Belgien ist die Gewerkschaft stärker

Tagesschau (14.07.2020): Trotz neuer Gesetzeslage kaum neues Personal in der Altenpflege - erster Schritt weg von den Fallpauschalen

Süddeutsche (19.08.2020): München Klinik wartet auf Finanzspritze vom Bund

Tagesschau (26.10.2020): Rumänien und Bulgarien: Wenn die Ärzte im Westen sind

Heise (03.11.2020): Prof. Michael Pfeifer, Präsident des Lungenarzt- und Beatmungsmedizin-Verbandes DGP über Personalsituation und Kommerzialisierung des Gesundheitswesens

Deutschlandfunk (11.11.2020): Deutscher Pflegetag: Kritik an Gesundheitsminister Spahn wegen Blockade bei Entlastung von Pflegekräften

ntv (15.11.2020): Jan Korte im Interview: "Kliniken müssen entprivatisiert werden"

Thema: Corona
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Mittwoch, 8. April 2020 17:01

Corona und Religion

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Ich bin kein Freund von Religionen. Religionen verhindern die Entwicklung eines gesunden Menschenverstandes. Und die Indoktrination von Kindern ist meiner Meinung nach Missbrauch der Elternschaft. Darüber kann man vortrefflich lachen, wenn man den Film "Paul - Ein Alien auf der Flucht" sieht, einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Menschen, die ohne Sinn und Verstand einer Religion anhängen, nennt man im heise-Forum auch gerne mal "Religioten".

Statt Social Distancing zu betreiben, um die exponentielle Ausbreitung des Virus, den man nicht sehen, nicht riechen, nicht schmecken kann, aber die man dennoch begreifen kann, wenn man ein wenig nachdenkt, treffen sich Christen in der Kirche, küssen Muslime die Heiligtümer und ultraorthodoxen Juden strömen zum Gebet, alle in dem Vertrauen, dass ihr Herr alles Böse von ihnen fernhält.

Ich bin kein Atheist. Auch ich habe meine spirituelle Seite. Aber ein Wort an alle Gläubigen da draußen, egal ob ihr an Gott, Allah, den Herrn oder das fliegende Spaghettimonster glaubt. Eines möchte ich hier einmal feststellen:

Gott hat den neuen Coronavirus erfunden!

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates

Spiegel (14.05.2020): Die Heilige Corona - Namenstag 14. Mai

T-Online (14.05.2020): Sekte Organische Christus-Generation (OCG) mit Sitz in der Schweiz nutzt das Coronavirus für ihre Propaganda

Süddeutsche (23.05.2020): Mehr als 40 Corona-Infizierte nach Gottesdienst in Frankfurt

Humanistischer Pressedienst (26.05.2020): Kamerun: Vermeintlicher Prophet und Heiler von Covid-19 stirbt am Virus - Heilung mittels Handauflegen?

CNN (23.05.2020): Convent outside Detroit lost 13 nuns to Covid-19 with 12 dying in one month

Frankfurter Rundschau (20.08.2020): Südkorea: Corona-leugnende, christliche Gemeinden wiedersetzen sich den Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus und sind damit für höchste Infektionszahlen seit Monaten verantwortlich

Tagesspiegel (03.09.2020): Widerstand der strengreligiösen, ultraorthodoxen Juden: In Israel droht die Pandemie außer Kontrolle zu geraten

Spiegel (03.09.2020): Corona-Leugner in evangelikalen Gemeinden: "Halleluja! Keine Masken!"

Spiegel (23.10.2020): Coronakrise: Katholischer Kirche fehlen in Deutschland Millioneneinnahmen

Tagesspiegel (27.10.2020): Der Unmut vieler Israelis über ungehorsame Ultraorthodoxe wächst

Deutsche Welle News auf Twitter, Video 42 Sekunden (02.11.2020): Mourners in Montenegro have kissed the body of a bishop in his open casket after he died from the coronavirus. (Montenegro, Serbisch-Orthodoxe Kirche), und Fefes grandioser Kommentar dazu!


Updates Off-Topic

Wikipedia (Stand 03.11.2020): Polio in Nigeria - Impfung aus religiösen Gründen abgelehnt, Polio kehrte zurück

Thema: Corona
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Montag, 6. April 2020 17:01

Entschleunigung

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Eigentlich habe ich mein Leben schon drastisch entschleunigt. Massenaufläufe wie das Oktoberfest waren mir schon seit Ewigkeiten ein Graus, nicht erst seit dem Anschlag 1980. Als Kind liebte ich die blinkenden Lichter nachts und den Geruch von Zuckerwatte und gebrannten Mandeln. Später arbeitete ich zwischen Theresienwiese und Goetheplatz und hatte das Gefühl, die Achterbahn fährt durch mein Büro. Von den Tretminen auf dem Weg von der U-Bahn ganz zu schweigen. Die Bierleichen. Einfach nur gruselig.

Auch Sportveranstaltungen haben mich nie interessiert. Fußball. Tennis. Springreiten. War mir schon immer völlig egal. Auch im Fernsehen.

Ich glaube, die größte Massenveranstaltung, die ich jemals gerne besucht habe, war die ComicCon in Stuttgart mit ca. 40.000 - 50.000 Besuchern. Aber das ist schon hart an der Grenze und brauche ich auch nicht unbedingt jedes Jahr.

2012 war das Jahr, in dem ich erkannte, dass Freizeitstress auch Stress ist, den es zu reduzieren galt. Man musste nicht jedes Jahr auf jede Con. Oder jedes lange Wochenende irgendwo hinfahren. Oder auch noch in den Pfingstferien irgendwo Urlaub machen. Carpe Diem hieß auch, zur Ruhe kommen, relaxen, herumlümmeln, die Batterien wieder auftanken.

2014 stand ich dann mal beim Chef heulend im Büro. Kurz vorm Burnout machte ich ein Coaching und lernte, dass ich auch delegieren darf, im Job genauso wie in der Familie. Und dass ich dabei kein schlechtes Gewissen haben brauchte. Und dass ich nicht dringende Dinge auch mal vor mir herschieben darf. Und auch hier kein schlechtes Gewissen haben brauchte. Diese Erkenntnis tat gut.

2013 habe ich wieder zu reiten angefangen. Seit dem habe ich immer mehr Geld in dieses Hobby investiert. In die lokale Realwirtschaft, wenn man es so sehen mag. Und die Ruhe, die einen umgibt, wenn man allein mit dem Pferd den Wald durchstreift, oder mit ein paar wenigen Freunden. Das hatte auch etwas Entschleunigendes.

Konsumverweigerer bin ich schon länger. Manchmal aus wirtschaftlicher Not, wie als ich studiert habe oder alleinerziehend war. Manchmal auch, weil ich die vollgestopften Schränke sehe oder den Krempl, den ich in regelmäßigen Abständen beim Wertstoffhof entsorge. Da frage ich mich manchmal, wieso ich das überhaupt gekauft habe. Was braucht man eigentlich zum Leben? Essen. Kleidung. Ja, klar, aber alles andere? Ich will gar nichts mehr haben, das man irgendwo hinstellt und dann abstauben muss. Natürlich werde ich öfter auch mal schwach. Aber das hat auch mehr mit der lokalen Realwirtschaft zu tun.

"Shoppen" war für mich nie eine erstrebenswerte Freizeitgestaltung, sondern eher notwendiges Übel. Deshalb haben wir aus dem Urlaub auch eher selten etwas mit nach Hause gebracht, außer vielleicht Super Soakers aus den USA und Honig aus Neuseeland. Deshalb war es für mich auch nie ein Problem, direkt neben den Konsumtempeln PEP oder den RiemArcaden zu wohnen. Der einzige Shop, den wir im Moment vermissen, ist der Lego-Store.

Und ich möchte eigentlich immer lieber reparieren als wegwerfen und neu kaufen. Im Erziehungsurlaub hatte ich Zeit, die Kleidung der Kinder auch mal zu flicken. Später dann nicht mehr, dann habe ich sie doch eher weggeworfen. Aber wenn ich z.B. mal wieder ein Smartphone, dessen Akku noch zwei Tage hält und einwandfrei funktioniert, wegen fehlender Sicherheitsupdates austauschen MUSS, dann blutet mir das Herz. Ebenso wenn ich die vielen Leute in den Malls sehe mit ihren Primark-Tüten. Dann denke ich immer: "Da geht er dahin, der Planet."

Die Bosch-Waschmaschine meiner Eltern hat über 20 Jahre gehalten. Heute muss man froh sein, wenn die Haushaltsgeräte 10 Jahre durchhalten. Reparaturen lohnen sich zumindest finanziell eher selten, dabei wäre das so gut für den Planeten, wenn es umgekehrt wäre. Ich hoffe inständig, dass sich hier etwas Grundlegendes ändert nach der Coronakatastrophe.

Aber ich schweife vom Thema ab. Entschleunigung.

Wir haben erstaunlich wenig ändern müssen. Kein rumstehen mit dem Auto in der Rush Hour mehr. Ich gehe zu Fuß zum einkaufen. Zum Pferd darf ich noch immer, wenn auch unter strengen Auflagen. Ich koche mehr, auch weil ich die Zeit habe, weil die Heimfahrt wegfällt. Und wir haben jetzt schon den zweiten echten Lazy Sunday erlebt, an dem wir uns mal in den Garten setzen konnten. Dafür blieb sonst nur wenig Zeit.

Das sind Aspekte, die ich gerade sehr genieße. Aber mir ist auch bewusst, wie privilegiert wir hier sind, dass wir überhaupt einen kleinen Garten haben, eine glückliche Ehe führen, finanziell ein kleines Polsterchen haben, das Haus groß genug ist, dass sich jeder zurückziehen kann. Ich persönlich könnte es also noch eine ganze Weile mit dieser Ausgangsbeschränkung aushalten.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes

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Freitag, 3. April 2020 17:01

Austeritätspolitik tötet

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Die Austeritätspolitik der EU hat unseren südlichen Mitgliedsstaaten sehr geschadet. Die Sparzwänge haben zu einer deutlichen Verschlechterung der Sozialsysteme geführt, allen voran das heute in der Coronakrise so benötigte Gesundheitssystem. Italien und Spanien haben viel weniger Intensivbetten als Deutschland pro 100.000 Einwohner. Nun rächt sich das und Menschen müssen sterben, weil die Kapazitäten nicht ausreichen, um die vielen COVID-19-Patienten zu beatmen.

In New York sterben ebenso hunderte von Menschen, dort hat das Gesundheitssystem andere Schwächen. Solidarität wird in den USA gerne als Kommunismus missverstanden. Egoismus ist dort eine Tugend. First come, first serve! Wer zu spät kommt, bekommt kein Klopapier mehr. Es herrscht das Recht des Stärkeren, und das ist meist derjenige, der auch mehr Geld hat. Mit Sorge beobachte ich, dass sich die Amis derzeit mit Waffen eindecken. Wo soll das noch hinführen?

Kehren wir nach Europa zurück, wo der Staat etwas stärker ist und das auch nicht als Einschränkung der Freiheit verstanden wird (außer vielleicht im Moment). Mein Geschichtslehrer hat mal gesagt, dass Staaten eigentlich unbegrenzt Schulden machen könnten (außer sie machen den Fehler, die Hoheit über das Finanzsystem in private Hand zu geben). Und dass sie dies in konjunkturschwachen Zeiten auch tun, um die Wirtschaft anzukurbeln. Und in konjunkturstärkeren Zeiten tragen sie die Schulden eben wieder etwas ab durch erhöhte Steuereinnahmen. Und wenn Staaten mal ihre Schulden nicht bezahlen können, dann werden sie eben erlassen. So zumindest hatte ich es in Erinnerung.

Ich kann mich nicht erinnern, davon jemals gehört zu haben, dass irgendeinem Staat die Schulden erlassen worden wären. Davon kann Argentinien ein Lied singen. Statt dessen wurde unserem europäischen Süden durch die Troika der Sparzwang auferlegt. Die Folge waren hohe Arbeitslosigkeit insbesondere bei der Jugend. Und wie wir jetzt bitter sehen können, das kaputtgesparte Gesundheitssystem.

Dabei ging es unseren europäischen Nachbarn im Süden schon immer etwas schlechter als dem Norden. Aber vor der Euro-Einführung gab es noch die Möglichkeit der Geldabwertung und Anpassung des Wechselkurses. Diese Möglichkeit gibt es mit dem Euro nicht mehr.

Ich frage mich, welche Schlüsse die Politik in Zukunft, auf Bundes- und auf EU-Ebene ziehen wird. Wird man einsehen, was für ein fataler Fehler diese Sparpolitik war? Wird man einsehen, dass Menschenleben mehr Wert sind als irgendwelche Einsparungen?

Ich würde mir wünschen, dass die UN-Menschenrechtscharta nicht nur eine Sammlung von Bestimmungen und Absichtserklärungen wäre, sondern so eine Art Verfassung für die gesamte Menschheit, für jeden einzelnen Staat auf diesem Planeten. Und wer sich nicht für die Grundrechte der Menschen in seinem Land einsetzt, wird mit wirtschaftlichen Sanktionen bestraft, wobei Lebensmittel und Medizin aber ausgenommen sein müssen, siehe Menschenrechte.

Man wird doch noch träumen dürfen.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates

NachDenkSeiten (01.08.2020): Weshalb Großbritanniens Leiden an Covid ein Menschheitsverbrechen ist

DIVI-Intensivregister: Register der Verfügbarkeit von Intensivbetten in deutschen Krankenhäusern

Themen: Corona | Blick in die Vergangenheit
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Freitag, 3. April 2020 14:50

Blätterwald

Neulich wurde ich gefragt, wie ich mich so informiere über die Geschehnisse der Welt. Es ist ein bisschen wie ein Helikopterflug über den Blätterwald, den ich fast täglich veranstalte. Details interessieren mich dabei eher weniger, sondern der grobe Überblick. Ich beobachte den Wald als Ganzes, nicht den einzelnen Baum, oder den Borkenkäfer. Zumal ich gar nicht unterscheiden könnte, ob das jetzt wirklich ein Borkenkäfer ist oder doch ein Juchtenkäfer, sprich, wie nahe liegt die Quelle an der Wahrheit?

Beginnen tue ich immer mit Newstral, wobei ich mir mein Profil so angelegt habe, dass mir als erstes die Schlagzeilen folgender Zeitungen/Quellen angezeigt werden:

Wobei

leider nicht mehr angezeigt werden.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch nochmal sagen, dass mir die ganzen Abos viel zu teuer sind. Wenn ich für die o.g. Zeitungen alle Abos abschließen würde, dann wäre ich arm. Es gab auch früher schon Zeitungsleser, die kein Abo hatten, sondern sich hin und wieder mal eine Zeitung am Kiosk geholt haben. Diese Leser (also ich) werden durch das Angebot überhaupt nicht angesprochen. Und ich will auch keine Papierzeitung und ein Zusatz-Online-Abo. Ich hätte gerne die Möglichkeit eines Leserkontos bei den Zeitungen, wo ich meine Kreditkarte hinterlegen kann, und falls mich mal ein Artikel näher interessiert, dass ich dann für diesen einen Artikel zwei, drei Euro bezahle. Habe ich früher manchmal gemacht, da habe ich Dossiers beim Spiegel gekauft. Heute verschwinden vielleicht gute Artikel hinter einer Paywall, die ich dann halt wegklicke. Zumindest habe ich keine Adblocker. Aber so... Nöööööööö!!!


Meinen zweiten Streifzug starte ich bei Heise, wo ich für 9,95 Euro im Monat das heise+ Abo abgeschlossen habe. Das ist mal ein akzeptabler Preis. Dabei geht es mir gar nicht so sehr um die zusätzlichen Inhalte, die mir dadurch zur Verfügung stehen, sondern dass ich Heise insgesamt eben regelmäßig Geld zuschustern kann. Bei Heise gibt es nicht nur Nachrichten für ITler, sondern immer wieder auch politische Themen. Nachdem in den meisten anderen Medien die Kommentarfunktionen bereits deaktiviert wurden, weil das redaktionell nicht mehr handhabbar war (Meinungsfreiheit bitte nicht mit Zuhörpflicht verwechseln), dürfen sich hier immer noch die Heise-Foristen rot und grün malen lassen. Dort finde ich immer wieder Kritisches, interessante Zusatzinformationen und auch weiterführende Links.

Danach gehe ich noch auf Telepolis (von Heise), wo viele Themen nochmals kritischer beleuchtet werden und die Mainstream-Medien in ein etwas anderes Licht gerückt werden.


Station drei sind dann die Mainstreamnachrichten bei Gugl Njus, wobei ich meinen Account so konfiguriert habe, dass mir der Dreck von Alex Jumper oder Bruda aus Gründen nicht vorgesetzt wird, indem ich da auf die drei Pünktchen geklickt und dann "Alle Meldungen von drecksblatt.de ausblenden" ausgewählt habe. Die Liste mit den ausgeblendeten Schmierenblättern kann man dann unter "Einstellungen" - "Ausgeblendete Quellen - verwalten" ansehen und eventuell einigen die Absolution erteilen.


Und dann kommen noch die sozialen Medien dran. Über Twitter folge ich eigentlich nur Edward Snowden, um aufzupassen, dass es ihm in seinem russischen Exil gut geht, und weil ich auf ihn höre.

Influencer interessieren mich schonmal grundsätzlich nicht.

Wesentlich mehr Infos bekomme ich über Facebook, wo ich vor allen Dingen NGOs abonniert habe. Da muss man eben ein wenig Zeit anfangs investieren, um sich sein Profil und die Privatsphäre-Einstellungen etc. einzurichten und ab und zu nachzujustieren. Da finden sich auf meiner Liste der abonnierten Seiten

Allerdings begrenze ich meine Zeit bei Facebook aktiv auf maximal 15 Minuten pro Tag (außer in schlaflosen Nächten), da mir bewusst ist, dass der Infinite Scroll den Eindruck erwecken soll, dass es da noch mehr Infos gibt, dabei gibt es da in erster Line noch mehr Werbung. Die finde ich übrigens manchmal echt witzig, so Treppenlift oder so. Man kann sein Profil verwässern, indem man immer auf die Werbung klickt, die so gar nicht relevant ist. Zum Beispiel für Private Krankenversicherung. Oder Investmentfonds. Und bei gesponsorten Beiträgen der A-Ef-De oder neoliberalen Schwurblern schreibe ich ganz gerne mal, dass ich nicht zur Zielgruppe gehöre, und an deren Stelle mein Geld von FB zurückfordern würde. Jedenfalls muss man bei FB ein wenig selbstdiszipliniert sein und sich manchmal nur mit den Benachrichtigungen zufrieden geben, ohne Angst zu haben, etwas zu verpassen.


All dies, man glaubt es kaum, kostet mich an einem normalen Tag 30 Minuten Scanzeit. Ich überfliege tatsächlich nur die Lage der Welt und lese sehr selten mal einen Artikel wenn überhaupt bis zum Ende. Damit gewinne ich zwar nur einen Überblick statt Details, aber nach dem Motto "man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht" genügt es mir, den Blätterwald von oben zu betrachten.


Update Sonntag, 3. Mai 2020:

Nachdem auf newstral.com New York Times, Washington Post, derStanard.at und Die Zeit nicht mehr bzw. nicht mehr korrekt angezeigt wurden, habe ich diese Zeitungen nun in Facebook abonniert. Da ich derzeit ein riesiges Bedürfnis habe, mich zu informieren und die aktuelle Lage fasziniert und auch etwas verängstigt verfolge, benötige ich natürlich deutlich mehr Zeit als bisher für meinen täglichen Rundflug über den Blätterwald. Im Gegensatz zu vielen anderen kann ich "Corona" immer noch hören.

Außerdem schätze ich in Facebook, dass man viele Pressekonferenzen und Bundestagsdebatten live mitverfolgen kann.

Inzwischen haben sich drei Medien zu meinen Lieblingsinformationsquellen gemausert:

Wir leben in spannenden Zeiten.


Updates

Youtube Rezo (31.05.2020): Mal eben die Presse zerpflückt, sehr gut!

Süddeutsche (21.06.2020): Journalismus: Dieser Text ist nicht neutral

Tagesspiegel (18.10.2020): Wie Trump die Medien verändert hat: Möglichst neutraler Journalismus kommt an seine Grenzen


Blendle Kiosk: Einzelne Artikel online kaufen/Lesen ohne Abo

Themen: Sonstiges | Sonnenstrahl
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09.01.2012 13:02 Clicks: 232417

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