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Mittwoch, 16. September 2009 00:30

Wüstenblume

Heute war im Mathäser ein Event, das ich auf keinen Fall versäumen wollte. Nachdem ich das Buch Wüstenblume gelesen hatte, war ich sofort Feuer und Flamme und freute mich auf den Film und die Begegnung mit Waris Dirie. Leider war Waris nicht wie angekündigt da, weil ihr 4 Monate altes Baby krank war und sie daher nicht so weit reisen wollte. Das ist natürlich absolut verständlich.

Der Film selbst rollt die Geschichte ein wenig anders auf. Er beginnt praktisch mit einer Szene, in der Waris Dirie die somalische Botschaft in London verlässt und nicht weiß, wohin. In Flashbacks wird dann ihre Kindheit, ihre Flucht und am Ende sogar ihre Beschneidung gezeigt. Die Freundschaft zu der erfolglosen Tänzerin Marilyn begleitet sie bei ihrem kometenhaften, wenn auch steinigen Weg an die Spitze der Modeindustrie.

Fazit: Ein Film, bei dem man lachen darf, aber weinen muss.

Im Nachspann wurde Til Schweiger als Co-Produzent genannt. Außerdem waren u.a. der Bayerische Rundfunk und die ARD genannt. Ich fragte mich, ob hier die GEZahlten Rundfunkgebühren doch tatsächlich mal sinnvoll eingesetzt worden waren?

Am Ende erzählten Mitwirkende des Films - allen voran die Drehbuchautorin und Regisseurin Sherry Hormann - von den Dreharbeiten. In Djibouti (nördlich von Somalia) wurden die Szenen in Afrika mit Einheimischen gedreht. Zwei Crewmitglieder hatten während den Dreharbeiten einen Fels gefunden, der völlig mit Blut überströmt war. Die Beschneidung findet noch immer statt. Und das ist auch das Anliegen des Films, die Botschaft von Waris Dirie weiter in die Welt hinauszutragen.

Sherry signierte mir mein Buch, nachdem Waris Dirie nicht bei uns sein konnte. Sie erzählte von ihrer Begegnung mit Waris Dirie, die 40 Minuten lang kein Wort sprach und sich nur ihrem Fisch widmete. Schließlich fragte sie, wann Sherry denn zu schreiben beginnen würde. Und Waris nahm ihr zwei Versprechen ab: Erstens es sollte eine Szene im Film vorkommen, in der die Beschneidung gezeigt wird. Und zweitens es sollte im Film auch gelacht werden. Beide Wünsche hat Sherry ihr erfüllt.

Das Casting von Liya Kebede übernahm Waris Sohn Aleeke, der zu ihrem Videoband meinte, dass das seine Mama wäre. Manchmal dachte ich bei mir, dass man dem Mädel vielleicht mal etwas zu Essen geben sollte, aber so sehen Supermodels eben aus.

Serry erzählte auch, dass die Beschneiderin im Film vor fünf Jahren ihren Beruf als Beschneiderin aufgegeben hatte. Dadurch dass sie sich für den Film zur Verfügung gestellt hatte, war es eine Art - nicht Wiedergutmachung - aber zumindest ein Bekenntnis.

Das Filmteam möchte den Film auch in Afrika zeigen, um weiter Aufklärungsarbeit zu leisten. In den Städten und unter den gebildeten Leuten ist die Beschneidung kein Thema mehr, doch in den ländlichen Regionen, wo eine unverheiratete Frau praktisch keine Zukunft hat, bleibt der Brauch nach wie vor stark. Der Kampf gegen die weibliche Genitalverstümmelung hat vor knapp 15 Jahren begonnen. Doch nach vielen 1000 Jahren ist es nicht möglich, diese grausame Tradition einfach so abzustellen. Wenn der Film - gekürzt um einige Szenen, in denen zu viel Haut zu sehen ist - auch in Afrika gezeigt wird, hoffe ich, dass es dort noch mehr Menschen berührt und dazu bewegt, dem ein Ende zu bereiten.

Seht euch den Film an! Helft mit! Es ist mein persönliches Anliegen! Vielen Dank!

Themen: Meine Sonderanfertigung Florian | Kino
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09.01.2012 13:04 Clicks: 746129

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