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Sandra's Blog-Archiv

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Sonntag, 3. Mai 2020 17:01

Es soll wieder alles so werden wie vorher - Die Zukunft mit Corona

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Am 16. März wurden die Kitas und Schulen geschlossen. Seit dem 21.03.2020 gelten in Bayern und im Saarland und seit dem 23.03.2020 in ganz Deutschland im Vergleich zu Italien und Frankreich relativ moderate Ausgangsbeschränkungen. Für Eltern und Kinder ist das eine unbeschreibliche Belastung und für viele Menschen, deren Arbeit nicht zu den systemrelevanten Berufen zählen, eine existenielle Bedrohung. Die Hilfsangebote von Bund und Ländern sind teils ungerecht, teils ein Tropfen auf den heißen Stein und teils auch schlicht nicht abrufbar, weil die Leute mit überforderten Jobcentermitarbeitern oder ausgefallenen Servern kämpfen. Es ist eine Katastrophe, für die Psyche und für die Existenz vieler Menschen.

Es ist also nur nachvollziehbar, wenn sich bei vielen Menschen der Wunsch äußert, dass bitte wieder alles so sein soll wie zuvor. Aber es gibt auch Leute, die vor zu schneller Lockerung warnen, denn es ist nicht vorhersehbar, wo der nächste Hotspot vom neuen Coronavirus auftauchen wird. Ranga Yogeshwar sagt, dass man die Feuerwehr auch nicht abschaffen würde, wenn es nicht gebrannt hat. Und in Facebook kursiert der Satz, dass man auch nicht aufhört zu verhüten, nur weil man drei Monate nicht schwanger geworden ist. Dennoch werden wir so nicht weitermachen können.

Die meisten Menschen und auch Firmen werden nicht monatelang ohne Einnahmen durchhalten. Daher muss es hier eine Lösung geben, damit die Wirtschaft nicht vollständig zerstört wird. Die Maskenpflicht ist hier ein guter Schritt, denn mit ihr können Lockerungen schneller erfolgen, da unentdeckte Infektionsketten seltener werden. Nur hat unsere Bundesregierung hier einen folgenschweren Fehler im Februar begangen, indem sie mehrere Tonnen Schutzkleidung und Desinfektionsmittel nach China (Außenminister Maas, nicht Gesundheitsminister Spahn!) geliefert hat, statt sie für etwaige Pandemien im Land zu halten. Hätte man es da schon wissen können? Die Risikoanalyse lag dem Bundestag bereits am 03.01.2013 nach der bzw. zur MERS-Pandemie 2012/2013 vor. Die Eintrittswahrscheinlichkeit wurde mit statistisch in einem Zeitraum von 100 bis 1.000 Jahren angegeben. Da konnte man sich schon irgendwie in Sicherheit wiegen... Ich hätte persönlich wohl auch geholfen.

Die Pandemie wurde von der WHO erst am 11.03.2020 ausgerufen. Aber nachdem die Schweinegrippe-Pandemie irgendwie ein Rohrkrepierer (Übersterblichkeit Null) war und man damals über die Impfstoffhersteller schimpfte, die sich eine goldene Nase verdienen wollten, war man wohl auch zu diesem Zeitpunkt noch am Abwiegeln. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, dass ich mich damals auch über die Pharmaindustrie aufgeregt habe und auf eine Impfung verzichtet habe. Ich kannte auch jemanden persönlich, der die Schweinegrippe durchgemacht hatte. Sie war in etwa genauso heftig, wie jede andere Grippe auch (nicht zu verwechseln mit grippalen Infekten). Insofern hatte ich keine Angst davor.

Es gibt auch jetzt noch Schwurbler, die immer noch glauben, dass es sich mit der SARS-CoV-2 Coronavirus-Pandemie ebenso verhält. Dies ist aber nicht der Fall, zumindest nicht in den stark betroffenen Gebieten Lombardei, Madrid und New York, wo eine deutliche Übersterblichkeitsrate verzeichnet wurde. Oder in Belgien, Frankreich und England ebenso. In Deutschland steigt die Übersterblichkeit langsam an und sieht derzeit noch nicht dramatisch aus. Meines Erachtens liegt es aber daran, dass die Landesregierung im stärker betroffenen Bayern und dann zwei Tage später auch die Bundesregierung den Hammer herausgeholt haben angesichts der dramatischen Bilder, die uns aus Italien erreicht haben. Aber ich glaube auch, dass der wirtschaftliche Schaden hätte viel geringer sein können, wenn einige Maßnahmen früher ergriffen worden wären. Paradoxer Weise wurde hier jedoch lange gezögert, eben um der Wirtschaft nicht zu schaden.

Die Maskenpflicht ist ein erster Schritt in den Tanz, in Richtung Normalität. Kontaktverfolgungsapps wie in Hongkong, Taiwan und Südkorea sind bei uns eher nicht denkbar, doch sie waren ein wichtiger Faktor, weshalb Taiwan ohne drastischen Lockdown klarkam. Außerdem wären flächendeckende Testkapazitäten wichtig, damit man überhaupt weiß, wo sich der neue Coronavirus unentdeckt ausbreitet - oder im Umkehrschluss wo eben gerade nicht. Da wir hier aber erst bei 141.815 Tests pro Tag sind bei einer Bevölkerung von 83 Millionen, ist das noch nicht hilfreich. Würde die Testkapazität so bleiben, wäre Deutschland in 585 Tagen, also über anderthalb Jahren einmal durchgetestet. Nun müssen wir wohl langsam lernen, irgendwie mit dem neuen Coronavirus zu leben.

Nur eines will ich ganz sicher nicht: Dass alles genauso wird wie vorher.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Update Diensttag, 5. Mai 2020:

BABS, das Bundesamt für Bevölkerungsschutz der Schweiz kam in seiner Risikobericht von 2015 zu dem Schluss, dass die Wahrscheinlichkeit einer Pandemie etwa bei alle 30 bis 100 Jahre läge.

Updates

ntv (14.05.2020): Die WHO ist sehr skeptisch: Corona verschwindet vielleicht nie wieder

Spiegel (13.05.2020): Forscher entwickeln Szenarien So könnte die Corona-Pandemie weitergehen

Stern (27.05.2020): Warum die Corona-Neuinfektionen trotz Lockerungen nicht steigen - Kontaktbeschränkungen reichen aus

Süddeutsche (05.06.2020): Corona-Simulationen: Der Weg aus der Krise

Tagesspiegel (22.06.2020): Veranstaltungsbranche protestiert mit Lichtaktion "Night of Light"

Geld und mehr - Ein Blog von Norbert Häring (08.07.2020): Great Reset: Das Weltwirtschaftsforum plant den Großen Neustart, um ihn zu verhindern (Davos)

NachDenkSeiten / Günther Grunert und Walter Tobergte in Makroskop (14.07.2020): Warum der Neoliberalismus mit aller Macht zurückkehren wird (leider)

Thema: Corona
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Last Update:
09.01.2012 13:04 Clicks: 38678

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