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Sandra's Blog-Archiv

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Sonntag, 17. Mai 2020 17:01

Die Ärmsten trifft es am Härtesten

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Ein Lockdown mag aus virologischer Sicht das Mittel der Wahl sein, eine Pandemie einzudämmen, doch in Ländern wie Indien funktioniert das nicht. Was nutzt es denn, wenn zwar das neue Coronavirus eingedämmt wird, aber die Menschen verhungern, weil sie nicht nach Hause können und die Straßenküchen geschlossen haben? Das hat sicher auch sehr viel mit der Bevölkerungsdichte zu tun.

Ich habe in den letzten Wochen einiges gespendet, in erster Linie für Pferdehöfe, die mir am Herzen liegen, aber auch für unabhängigen Journalismus. Doch immer, wenn mir Werbung für Aktion Deutschland hilft, Welthungerhilfe, Aktion gegen den Hunger, UNICEF, UNO-Flüchtlingshilfe, Worldvision, action medeor, und wie sie alle heißen, mit den Bildern von mageren Kindern mit großen Kulleraugen oder zur Zeit auch einfach nur Hände waschend im Internet anspringen, habe ich das Gefühl, dass ich vielleicht auch hier wenigstens finanziell etwas tun müsste. Doch ich frage mich immer, wieviel von den Spenden dann tatsächlich bei den Menschen ankommt und wieviel im Korruptionssumpf versickert oder gar Gewalt und Krieg gefördert wird. Oder ob damit nur Symptome statt Ursachen bekämpft werden und die Bevölkerungsexplosion befeuert wird. Ähnlich denke ich, wenn ich auf der Straße in der Münchner Innenstadt Bettler sehe und mich frage, ob sie nicht von einer "Bettlermaffia" ausgebeutet werden.

Zumindest die BISS kaufe ich häufig und lese gerne die Schreibwerkstatt-Berichte, die die Verkäufer selbst verfassen. Und Mercy Ships und (I)NTACT unterstütze ich auch sehr gerne. Bei diesen beiden Organisationen werde ich über Facebook regelmäßig über ihre Arbeit informiert und freue mich über jeden kleinen Erfolg. Manchmal träume ich davon, wenn ich irgendwann mal in Altersteilzeit bin, auch für eine solche Organisation zu arbeiten. Das wäre sicher erfüllender als Verträge zu formatieren und Powerpointfolien aufzuhübschen.

Ich bin einfach nur dankbar, in Deutschland zu leben, hier aufgewachsen zu sein und niemals Hunger oder Krieg erlitten haben zu müssen. Wenn man die Maßnahmen zur Eindämmung mit anderen Ländern vergleicht, dann waren auch die härtesten Maßnahmen der vergangenen Wochen pillepalle. An die Psyche der Menschen wurde gedacht, denn wir durften raus gehen und Sport treiben. An die Tiere wurde auch gedacht, so durfte man seinen Hund gassi führen oder sein Pferd bewegen. Um den wirtschaftlichen Schaden möglichst gering zu halten, wurden viele Soforthilfen aus dem Boden gestampft. Natürlich konnte das nicht alle Härten auffangen, es herrschte Chaos und Server waren überlastet und Betrüger griffen sensible Daten ab. Aber einen Lockdown, den hatten wir wahrlich nicht. Im übrigen schaden auch mildere Maßnahmen der Wirschaft, da die Menschen dann aus Angst vor Ansteckung weniger in Restaurants gehen oder herumfahren und selbstverständlich größere Anschaffungen erst einmal nicht tätigen wegen der ungewissen Zukunft.

Ich habe da noch Bilder aus Wuhan im Kopf, wo bewaffnete Regierungsvertreter die Straßen patroullierten, um die Ausgangssperre durchzusetzen, Gruppen von Menschen in Schutzkleidung die Straßen desinfizierten oder die Wohnungstür einer Familie, die die Quarantäne nicht einhalten wollte, verbarrikadiert wurde. DAS war ein Lockdown! In einem trotz vieler Missstände relativ gut funktionierendem Rechtsstaat wie Deutschland ist so etwas undenkbar.

Aber Deutschland hat es geschafft, das sicherste Land in Europa in der Krise zu werden. Wegen dem Präventionsparadox halten unzählige Menschen die getroffenen Maßnahmen für übertrieben, weil wir keine "Leichenberge" sehen. Vielleicht waren sie das auch in mancher Hinsicht. Immerhin haben sich schon vor den Beschränkungen Menschen an diverse Empfehlungen gehalten wie Abstand zu halten und in öffentlichen Innenräumen Maske zu tragen und ganz besonders, ihren Aktionsradius deutlich einzuschränken. Letzteres zeigte auch eine Analyse von Handy-Bewegungsdaten. Letztendlich ist es auch nicht notwendig, dass sich alle an die Regeln halten, sondern es reicht aus, wenn es ein genügend großer Prozentsatz tut, um das Ziel zu erreichen, die Kurve abzuflachen. Deshalb sage ich auch nichts, wenn ich immer wieder Leute im Supermarkt sehe, die ihre Maske unter der Nase tragen. Ich persönlich mag meine frisch gewaschenen Baumwoll-Masken, die nach Lenor duften. Allerdings sind die ein-lagigen angenehmer als die zwei-lagigen, unter denen ich dann leicht schwitze. Mein Sohn hat auch Probleme, weil seine Brille ständig beschlägt. Aber mit Drahtbügel geht es irgendwie.

Jedenfalls ist es meines Erachtens richtig, dass jetzt die Maßnahmen so gut wie möglich gelockert werden, damit unsere Krankenhäuser wieder besser ausgelastet werden können mit dem Normalbetrieb, die Wirtschaft wieder anlaufen kann (bis auf Großveranstaltungen und Urlaub erst einmal) und wir nur noch wo nötig ist gezielte Maßnahmen ergreifen. Damit sind wir wohl auf einem sehr guten Weg.

Und tröste ich mich immer mit dem Gedanken, dass das alles nur vorübergehend ist. Und ich bin äußerst dankbar dafür und glücklich darüber, dass wir Strom, Wasser, ein Dach über dem Kopf und jeden Tag unser Essen auf dem Tisch haben.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes

Thema: Corona
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09.01.2012 13:04 Clicks: 864995

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