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Sandra's Blog-Archiv

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Sonntag, 7. Juni 2020 17:34

Was ist Geld?

Tauschmittel

Jeder hat so seine eigene Vorstellung von Geld. Einfach ausgedrückt ist Bargeld ein gutes Tauschmittel, das im Gegensatz zu landwirtschaftlichen Produkten nicht schlecht werden kann. Es ist jedenfalls deutlich praktischer, wenn man darüber nachdenkt, dass man eine Kuh nicht wirklich gegen ein paar Schuhe oder ein Dutzend Eier tauschen kann. Irgendwie gehört es in meinen Augen auch zur Infrastrutkur, die ein Staat seinen Bürgern zur Verfügung stellen muss, damit der Tauschhandel funktionieren kann.

Dann kamen die Banken, die sich allerlei Zeug ausdachten, wie Schecks, EC- und Kreditkarten. Heutzutage braucht man meist kein Bargeld mehr, um etwas zu bezahlen. Ich habe gerade das Kinderlied "Taler, Taler, du mußt wandern" im Kopf. Das Geld, egal ob Bargeld oder Buchgeld wandert ständig und hält so die - nenne wir sie mal so - Realwirtschaft am Laufen. Man bekommt Geld, weil man arbeiten geht. Das gibt man aus für Wohnen, Essen, Kleidung und was man sonst noch so braucht. Das Geld wird dann wieder zur Produktion von Häuser/Möbel, Kleidung, Nahrung oder was man sonst noch so braucht verwendet. Und dafür benötigt man widerum Arbeitskräfte. So geht der Geldkreislauf, der die Produktion aufrecht erhält und den Menschen gibt, was sie brauchen.

Geldsystem und Staat

Unsere Banknoten werden in der Bundesdruckerei GmbH hergestellt. Moment mal. Eine GmbH? Ja, diese staatliche Hoheitsaufgabe wurde 1998 privatisiert und 2009 wieder rückverstaatlicht. Die Rechtsform blieb. Unsere Münzen werden in den Münzprägeanstalten hergestellt. Da wurde nie was privatisiert, ist ja auch nur Kleingeld.

In meinem Leben habe ich schon mehrere Erneuerungen des Bargeldbestandes mitgemacht. Die Scheine wurden ca. zwischen 1990 und 1997 ausgetauscht. Die gute alte D-Mark wurde 2001 dann gegen den Euro getauscht. Damit wurde die Europäische Zentralbank gegründet, deren Hauptaufgabe ist, Preisniveaustabilität zu gewährleisten. Sie soll weitestgehend unabhängig sein, insbesondere von der Politik. In den USA hat die Federal Reserve (US-Notenbank) eine ähnliche Aufgabe, ist aber auch umstritten.

Realwirtschaft

Ich sehe das so: In der Realwirtschaft wechselt das Geld ständig seinen Besitzer und hält diese somit am Laufen. Es ist nicht gut, wenn zu viel Geld irgendwo gehortet wird, weder unter der Matratze noch auf irgendwelchen Bankkonten. Wenn der Bargeldbestand ausgetauscht wird, wie damals bei der Euro-Umstellung, kommen die Schätze unter den Matratzen hervor (die legalen) oder verschwinden für immer (eher die illegalen). Und damit das Geld nicht zu lange auf der Bank liegen bleibt, wird seit Jahren Sparen durch die Niedrigzinspolitik unattraktiv gemacht. Aber die Realwirtschaft funktioniert auch sehr gut mit Buchgeld.

Es ist sehr wichtig, dass die Bevölkerung glaubt, dass Geld einen Wert hat, das Bargeld genauso wie das Geld auf ihrem Konto. Für das Geld auf dem Konto wurde die Einlagensicherung nach der Weltwirtschaftskrise 1929 geschaffen. Gerade für das Geld auf dem Konto ist das Vertrauen wichtig, denn die Bank könnte das gar nicht alles in Bargeld ausbezahlen. In der Coronakrise gab es tatsächlich Leute, die fünfstellige Beträge hätten abheben wollen, berichtete eine befreundete Bankangestellte. Da musste Merkel dagegenhalten, dass es keine Anzeichen dafür gibt, dass das Bargeld knapp werden könnte. Anders als während der Weltwirtschaftskrise 1929 bevorzugen aber viele Geschäfte die Kartenzahlung wegen der "Ansteckungsgefahr". Wie die beim Bargeld, das vielleicht tagelang im Geldbeutel lag, größer sein soll, als wenn ich einen PIN auf einem gerät eintippe, das noch häufiger als das Bargeld betatscht wird, erschließt sich mir nicht. Jedenfalls war das Horten von Bargeld nicht wirklich wichtig.

Die Abschaffung des Bargeldes scheint aber irgendwie trotzdem keine gute Idee zu sein. In Indien wurde das mal experimentiert und scheiterte. Aber der Modi ist eh ein Präsident, der von der Praxis in seinem Land keine Ahnung hat. Das zeigte auch sein chaotischer Lockdown. Falls die EC-Karte mal nicht funktioniert, ist man doch froh, wenn man dann auf das Bargeld ausweichen kann. Und wenn alles elektronisch erfasst wird, ist man ein gläserner Bürger.

Ohne Bargeld gäbe es keine Schwarzarbeit und keine Steuerhinterziehung mehr. Aber es gäbe auch keine Flohmärkte mehr. Und wie soll man Taschengeld bezahlen? Würden die Leute auf Edelmetalle und Zigaretten umsteigen? Um Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung zu erreichen, würde es doch ausreichen, große Scheine abzuschaffen.

Banken

Jedes Mal, wenn man mit einer Karte bezahlt, dann verdient der Banksektor mit. Er verdient auch an Zinsen, und das mit Geld, das er gar nicht hat. Das wird Geldschöpfen genannt. Die Banken vergeben Kredite, wenn sie glauben, dass sie das Geld nebst Zinsen zurückerhalten werden. Aber das ist okay, so wird was in der Realwirtschaft investiert und die Banken müssen ja auch die Gehälter ihrer Mitarbeiter bezahlen. Jetzt frage ich mich als Nichtfachmann nur gerade, was mit dem erfundenen Geld passiert, das ja real zurückgezahlt wird. Das ist dann aus dem Nichts entstandenes Geld? Zumindest hat der Kreditnehmer dafür in der Realwirtschaft gearbeitet. Auf diese Weise versklavt sich aber die Realwirtschaft für das Bankwesen, denn es wird eigentlich Geld aus der Zukunft in das Hier und Jetzt transferiert.

Um dies auszugleichen, muss es eine ständige leichte Inflation geben. Die Geldmenge im Umlauf wird immer größer, damit weniger wert, die Preise steigen. Solange dies moderat geschieht, ist das in Ordnung.

Steuern

Es gibt aber noch einen weiteren Kreislauf, der ständig Geld aus der Realwirtschaft abzieht. Das sind die Steuern. Wie der Name schon sagt, steuert ein Land damit auch seine Wirtschaft. Die Einnahmen kommen aber der Bevölkerung zugute - zumindest theoretisch -, indem in Infrastruktur investiert wird. Straßen, Bahn, Strom, Wasser, Internet, Schulen, Kitas, Krankenhäuser. All das sorgt dafür, dass die Menschen gesund und gebildet dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, den Firmen produzieren und Waren sowie Daten transportieren können. Leider fließt ein Teil der Steuern auch in die Rüstung, aber ein wenig Säbelrasseln für die Sicherheit eines Landes, solange alles nur der Verteidigung dient, ist okay. Der Einsatz innerhalb des Landes ist nicht okay, dafür haben wir die Polizei mit ihren Spezialeinsatzkommandos. Ihr wisst schon, Gewaltenteilung und so. Ich bin froh, dass sich die Gouverneure momentan in den USA gegen den Inneneinsatz des Militärs wehren. Das nur am Rande.

Die Steuern, die aus der Realwirtschaft abgezogen wurden, ihnen aber wieder zu Gute kommt, ist ein begehrtes Diebesgut. Die Diebe sind sehr einfallsreich. Der größte Steuerraub der Geschichte ist das Dividendenstripping, unter dem Namen "Cum-Ex" bekannt. 400 Millionen Euro wurden so ergaunert. Wehe, das verjährt! Noch skandalöser ist eigentlich, dass die Finanzministerium davon seit 2002 wusste, aber es erst durch den unabhängigen Journalismus, allen voran Correctiv ans Tageslicht kam. Dagegen wirkt das Umsatzsteuerkarussell mit einem Verlust von 5 bis 14 Milliarden Euro noch harmlos. Jan Böhmermann hat das mal humoristisch aufgearbeitet.

Außerdem gehen natürlich riesige Steuersummen verloren durch Steueroasen. Die haben jedoch das Problem, dass sie meistens legal sind. Diese gibt es auch innerhalb der EU. Und die Banken mischen da mit ihrer "Beratung" fleißig mit, wie man beispielsweise anhand der Panama Papers sehen kann. Es wäre so wichtig, die Steuerschlupflöcher weltweit zu stopfen, doch das geht nur sehr zäh voran. Um so wichtiger ist es, dass solche Machenschaften aufgedeckt werden, deshalb halte ich es für sehr bedenklich, wenn Whistleblower (zu deutsch "Hinweisgeber") nicht ausreichend geschützt sind. Whistleblower wie Snowden, Assange und Manning mussten für die Wahrheit unglaubliche Opfer bringen. Das darf einfach nicht sein!

Finanzsektor

Nach dem Börsencrash 1929 wurde der Finanzsektor reguliert, damit es nicht wieder zu einem Börsencrash kommen kann. Doch seit den 70er Jahren wird an der Regulierung immer weiter gesägt. An der Grafik von Piketty (Punkt 5) sieht man an dem Punkt auch den Knick, an dem die Schere zwischen Arm und Reich sich wieder stetig öffnete. Seit dem wird Politik für Reiche gemacht. Die Hartz-IV-Gesetze, mit denen der Niedriglohnsektor geschaffen wurde, die Aushöhlung der Arbeitnehmerrechte, die Streichung von Sozialleistungen, all dies sind geschaffene Mechanismen, um das Geld von unten nach oben zu transferieren. In meinen Augen arbeitet die Regierung hiermit gegen das eigene Volk. Und nennt sich Volksvertretung. Was für ein Hohn. Allerdings muss man auch bedenken, dass Arbeitnehmer hierzulande mit den Arbeitnehmern weltweit konkurrieren, wo es bei weitem keine so hohen Sozialstandards gibt, Globalisierung sei dank. Dagegen kann man nur antreten, wenn wir die besseren Arbeitnehmer bieten könnten, die eine bessere Schul- und Ausbildung haben und damit den höheren Lohn und die höheren Sozialleistungen gerechtfertigen. Dafür muss in die Bildung investiert werden!

Die Superreichen saugen also Geld aus der Realwirtschaft ab, gestütz von der Politik, die auf lukrative Posten hoffen können. Warum also sollten unsere gewählten Volksvertreter eine Politik machen, die der Bevölkerung dient, aber ihnen selbst schadet? Da liegt ein Fehler im System vor. Wären beispielsweise die Diäten an den Hartz-IV-Satz oder den Mindestlohn gekoppelt, würde das wohl anders aussehen.

Die Börsen... Dort "investieren" die Superreichen dann ihr Geld, um noch reicher zu werden. Da werden in Zeiten der Nullzinspolitik noch Gewinnmargen von über 10% von den Unternehmen gefordert. Gewinne werden in Form von Dividenden abgeschöpft. Um die Margen und Gewinne zu erziehlen, müssen die börsennotierten Firmen oft einen harten Sparkurs fahren. Häufig leider, indem die Löhne gedrückt werden oder Arbeitsplätze ins Ausland verlegt werden. Beides Mechanismen, die ebenfalls der Bevölkerung hierzulande schaden. Es ist doch pervers, dass der Börsenkurs in die Höhe schießt, wenn eine Firma Massenentlassungen ankündigt. Genaugenommen sind die Börsen Spekulationsplätze, und die Bewertung einer Firma an der Börse entspricht eigentlich nur dem Glauben der Aktionäre, wieviel die Firma wert zu sein scheint.

Die Börsenkurse haben mit Geld und dem Wert, der dahinter steht, meines Erachtens überhaupt nichts mehr zu tun. Man muss sich nur den Hochfrequenzhandel anschauen, dann weiß man, wie pervertiert die Börse inzwischen ist. Ursprünglich war der Aktienhandel dazu gedacht, dass Investoren einer Firma Kapital zuschustern konnten und dafür mit Dividenden entlohnt wurden. Als diese noch als Wertpapier ausgestellt wurden und man Aktien wohl eine längere Zeit hielt, war das wohl auch noch in Ordnung. Doch je computerisierter der Handel vonstatten ging, desto mehr ist der Markt zu einem reinen Rechnenspiel verkommen. Milisekunden entscheiden über Wohl und Wehe. Broker zu sein ist kein Zuckerschlecken, aber die machen auch nur die Drecksarbeit für die Superreichen. Und Geld ist Macht, weshalb mir die Investmentgesellschaften wie Blackrock, Vanguard und State Street manchmal Angst machen.

So entstand für mich das Bild von der ausgemergelten Realwirtschaft und dem Finanzsektor, der wie eine Zecke an ihr saugt. Immer schwindelerregendere positive oder negative Zahlen im Computer, die aber keinen reellen Gegenwert haben, wie eine riesige Seifenblase.

Volkswirtschaft

Geld ist eigentlich nur dann wirklich etwas wert, wenn es in der Realwirtschaft kursiert. Der Abfluss in den Finanzsektor muss gestoppt werden. Die Volkswirtschaft folgt anderen Regeln als die Betriebswirtschaft und die Börse. Dafür hat die Politik die Coronahilfen eingetütet und das Konjunkturpaket auf den Weg gebracht.

Konjunkturpaket

Das Konjunkturpaket, das die Folgen der Coronakrise und der kommenden Rezession abfedern soll, wird als überraschend und durchdacht bezeichnet, sogar als historische Wende. Die Politik scheint tatsächlich einmal ihre Aufgabe als Volksvertreter wahrgenommen zu haben, anstatt die übliche Klientelpolitik zu betreiben. Sahra Wagenknecht sieht das freilich etwas kritischer. Wir werden sehen, was das Ganze bringt. Ob es wirklich zu einer Trendwende kommt, wage ich mal zu bezweifeln. Aber es ist zumindest ein Schritt in die richtige Richtung.

Was ist also Geld? Eigentlich nur ein Hirngespinst, an das wir alle glauben.

Aber Glaube kann Berge versetzen ;-)


Updates

Telepolis (Kommentar) (15.06.2020): Der Wirtschaftseinbruch hat nichts mit Corona zu tun.

Spektrum (07.08.2020): Mississippi-Blase: 1720 – das Jahr des ersten großen Crashs

Themen: Sonstiges | Corona
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09.01.2012 13:04 Clicks: 39527

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