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Mittwoch, 17. Juni 2020 20:34

Schwerhörigkeit und Masken

Im März wollte ich eigentlich einen Termin bei einem HNO-Arzt ausmachen, um mir neue Hörgeräte anpassen zu lassen. Alle sechs Jahre zahlt die Kasse da den Zuschuss. Allerdings kam ich telefonisch nicht durch, weil so viele Leute wegen der Coronapanik den Ärzten die Praxen stürmten. Also vertagte ich das Projekt auf Mai oder so.

Allerdings habe ich in der Zeit der Ausgangsbeschränkung die Hörgeräte kaum noch getragen, weil ich zu Hause nicht das Gefühl hatte, sie wirklich zu brauchen. Auch bei den vielen Videokonferenzen mit Headset waren sie eher störend, da das hinter dem Ohr drückte und ich das Headset sowieso so laut einstellen kann, wie ich es brauche, ohne jemanden zu stören.

Als ich vor sechs Jahren das erste Mal Hörgeräte zum Testen bekam, war ich fasziniert davon, wie laut die Vögel zwitscherten und wie klar die Musik klang. Ich höre bis ca. 5 kHz für mein Alter normal. Zwischen 5 und 7 kHz höre ich deutlich weniger, etwa 70%, bis die Kurve bei ca. 7,2 kHz steil absinkt auf Null, denn da drüber bin ich taub. Mein Tonaudiogramm verläuft etwa so:

Eigentlich müsste ich in meinem Alter noch bis ca. 14 kHz hören können. Für mich ist es kein Problem, wenn ich konzentriert zuhöre und nur wenige Gesprächspartner habe. Schwierig wird es bei Störgeräuschen wie im Restaurant oder bei Musikuntermalung im Film. Und Flüstern verstehe ich überhaupt nicht, das ist echt lästig.

Die menschliche Sprache spielt etwa im Bereich 0,2 bis 5 kHz ab, allerdings gibt es darüber hinaus noch die sogenannten Brillianzen und Obertöne, die der Stimme einen klaren und deutlichen Klang verleihen. Stimmlose Konsonanten gehen sogar bis 8 kHz. Da mir diese teilweise fehlen, schätze ich, dass ich höre, als hätte ich Watte in den Ohren, also alles etwas dumpfer als ein gut hörender Mensch.

Wenn die Leute nun mit Maske sprechen, dann wird der Ton noch etwas dumpfer, so dass ich tatsächlich mehr Schwierigkeiten habe, die Leute zu verstehen. Aber es gibt noch einen Grund, weshalb ich Leute mit Maske schlechter verstehe. Ich lese nämlich etwas von den Lippen ab.

Das mache ich sehr unterbewusst, wahrscheinlich auch schon sehr lange. Bewusst geworden war mir das, als ich einen Vortrag über "Schwerhörigkeit am Arbeitsplatz" angehört habe. Das Gehirn versucht, das nicht Gehörte anderweitig zu ergänzen, z.B. durch Lippenlesen oder natürlich Kontext. Da kommen manchmal seltsame oder lustige Dinge bei mir an. Wenn jemand jedoch eine Maske trägt, dann fällt das Lippenlesen weg, so dass es sich für mich noch schwerer wird zu verstehen. Wirklich eigenartig.

Da mir die Hörgeräte nur minimal im Bereich zwischen 5 bis 7 kHz etwas helfen können und nach kurzer Zeit ein Gewöhnungseffekt eintritt, so dass ich kaum noch einen Unterschied zwischen mit und ohne Hörgeräte wahrnehme, habe ich mich jetzt aber dazu entschlossen, erst einmal keine Hörgeräte mehr anzuschaffen. Der Aufwand erscheint mir in meinem Fall nicht wirklich gerechtfertigt.

Themen: Sonnenstrahl | Corona
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