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Montag, 14. September 2020 17:01

Ohne Verbote geht es nicht

Das hätte ein Blogeintrag im März werden sollen. Damals standen wir kurz vor der Ausgangssperre, die dann zu einer Ausgangsbeschränkung wurde und in den Bundesländern etwas uneinheitlich betrieben wurde. Ferdinand hat noch zwei Freunde eingeladen, da sie befürchteten, sich danach lange nicht persönlich treffen zu dürfen. Ich hatte zwar an die Vernunft appelliert, aber Ferdinand sagte selbst, dass er sich an ein Verbot halten würde, nicht aber an einen Appell.

Der Appell hat schon viel Gehör gefunden und die Menschen haben freiwillig ihre Mobilität eingeschränkt und teils Masken in der Öffentlichkeit getragen. Dadurch konnte die Ausbreitungsgeschwindigkeit von SARS-CoV-2 schon deutlich reduziert werden, was sich allerdings erst ein, zwei Wochen später in den Zahlen zeigte. Aber es gab natürlich auch einige rebellische Personen, die immer wieder Lücken fanden.

Ich frage mich, ob Verbote grundsätzlich deutlich strenger formuliert werden, als für notwendig erachtet werden, so dass solche Ausreißer sozusagen mit eingepreist sind. Dabei sind die Deutschen doch eher Leute, die zwar mosern und jammern, sich aber grundsätzlich an Regeln halten, so im Großen und Ganzen.

Auch Urlaubsrückkehrer unter Generalverdacht zu stellen, halte ich ein wenig für übertrieben. Schließlich gibt es einen Unterschied, ob man wegfährt, um irgendwo Partys zu feiern, oder ob man einfach nur relaxt und auch am Urlaubsort auf Hygiene achtet und ggfs. Maske trägt.

Ich finde es auch nicht in Ordnung, wenn man sich einer Quarantäneanordnung widersetzt (Tagesspiegel). Auf der anderen Seite ist es auch nicht förderlich, wenn man wie das Kaninchen vor der Schlange in Schockstarre verfällt, wenn irgendwo die Zahlen wieder steigen. Durch die vielen Tests haben wir doch einen guten Überblick über das Infektionsgeschehen und die Dunkelziffer sollte keine so große Angst mehr machen, oder? Und bei Thönnies haben wir doch auch gesehen, dass das nur ein Strohfeuer war.

Bei der Einführung der Gurtpflicht 1975 (Spiegel) war das auch ein Prozess, der von Protesten begleitet wurde. Letztendlich haben die Menschen aber eingesehen, dass das Tragen eines Gurtes sinnvoll ist. Im Moment finde ich es auch sehr interessant zu beobachten, wie Politiker sich mit Angstmacherei und Lockerei zu profilieren versuchen, wie sich die Menschen darüber aufregen, und wie dann die Gerichte reagieren.

Dass es ohne Verbote nicht geht, gilt übrigens auch für Konzerne. Die "freiwillige Selbstkontrolle" ist doch lächerlich. Wenn das fette Geld (Arte-Doku auf Youtube) lockt, wird sich kein Konzern vernünftig verhalten. Ihr wisst ja, das regelt der Markt.


Updates

CNN (15.09.2020): Die junge Frau, die sich angeblich einer Quarantäneanordnung widersetzt hat, ist eine US citizen working at a lodge operated by the US Army. Das bestärkt mich in dem Eindruck, dass sich US-Amerikaner von staatlichen Stellen ungern Vorschriften machen lassen, selbst wenn diese vernünftig sind. Allerdings gab es nur drei Fälle, die zu ihr Kontakt hatten, und da ist es auch fraglich, ob sie tatsächlich der Infektionsherd war. Soviel zum Thema "Superspreader" und unsere Medienlandschaft.

Zeit (05.11.2020): Die vielen Stimmen der Vernunft

Thema: Corona
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Last Update:
09.01.2012 13:04 Clicks: 134886

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