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Montag, 10. Januar 2022 21:45

Die Schwerkraft ist kein Bauchgefühl - Florian Aigner

Aus dem Dunstkreis der #Ferngespräche habe ich nach dem Podcast/Interview bei Hoaxilla Lust bekommen, das Buch "Die Schwerkraft ist kein Bauchgefühl" von Florian Aigner als nächstes zu lesen.

Im ersten Kapitel lernte ich David Hilbert kennen. Man stelle sich vor, er wäre heute so berühmt wie Albert Einstein für die Entdeckung der Relativitätstheorie. Ich versuche mir gerade vorzustellen, wie Doc Brown seinen Hund "Hilbert" ruft... Wenn ich noch Anhänger der Viele-Welten-Interpretation wäre, dann würde ich mir gerade die Paralleluniversen vorstellen, in denen David Hilbert den Ruhm erntet. Schon krass irgendwie!

Oder Srinivasa Ramanujan, der wahrscheinlich an mit Formeln vollgekritzelte Wände à la Beautiful Mind schauen könnte, und wüsste, was das bedeutet, ganz intuitiv. Aber die meisten Menschen haben kein Bauchgefühl für Mathematik, sondern leiden eher an dem Dunning-Kruger-Effekt.

Wer wissen will, was Einstein mit dem Planeten Vulkan zu tun hat, der wird sich am Kapitel "Was nicht stimmt, muss nicht gleich falsch sein" erfreuen.

Auf Seite 131 erklärt Florian Aigner, dass Paradigmenwechsel in der Wissenschaft eher auf dem Friedhof als auf Nobelpreisparties stattfinden. Denn der Mensch scheint eher starrköpfig zu sein, nach dem Motto "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr." Das sehe ich in der Gesellschaft, in der die Alten wollen, das alles bleibt wie es ist, und die Jungen nach Neuerungen streben. Und auch in der Familie, wo es älteren immer schwerer fällt, sich dem neuen Zeitgeist anzupassen, während meine Jungs kein Problem damit zu haben scheinen, kein eigenes Auto zu besitzen, nicht in der Welt herumzureisen ("Wozu, wir haben doch das Internet!") oder Insekten zu essen.

Was ist Phlogiston? Können Neutrinos schneller als Lichtgeschwindigkeit fliegen? Was ist der p-Wert? Ab wann ist etwas statistisch signifikant? Und zum Klimawandel habe ich auch etwas gelernt: Der Anstieg des Meeresspiegels ist nicht nur dem Abschmelzen der Gletscher und des Polareises geschuldet, sondern auch der Ausdehnung des Meerwassers durch die Erwärmung selbst, auch wenn das nur einen geringen Anteil ausmacht.

In der Wissenschaft gibt es so etwas wie eine Schwarmintelligenz tatsächlich. Mit den Kontrollmechanismen und der Kooperation in Wissenschaftskreisen wird über das Peer-Review-Verfahren ständig die Spreu vom Weizen getrennt. Aber Wissenschaftler sind auch Menschen, die sich irren können.

Das letzte Kapitel ist dann die größte Liebeserklärung an die Wissenschaft, die sie als das größte gemeinsame Abenteuer der Menschheit beschreibt.

Fazit: Ein sehr lesenswertes, positives Buch!


Florian Aigner durften wir im Oktober 2021 auf der #Ferngespräch-Con persönlich kennenlernen. Ich hatte ihm damals gesagt, dass ich gerade bei dem Kapitel mit der Statistischen Relevanz sei. Florian erzählte, dass er dieses Kapitel fünf Mal umgeschrieben hatte, bis es verständlich war. Ehrlich gesagt könnte ich trotzdem noch nicht den p-Wert berechnen. Das überlasse ich gerne klügeren Köpfen.

Mittlerweile habe ich auch Florians Podcast Aigners Universum abonniert und folge ihm auf Twitter, wo er immer wieder sehr schöne Gedanken zu aktuellen Ereingnissen verbreitet.

Themen: Bücher | Fotografie
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09.01.2012 13:04 Clicks: 861391

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