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Dienstag, 11. Januar 2022 21:08

Geschenke und Konsum

Als Kind hatte ich zwei Omas, die um mich gebuhlt haben. Von beiden wurde ich mit Geschenken überschüttet und mir wurde immer alles gekauft, was mir unterwegs gefallen hat. Aber auch da hatte ich manchmal ein seltsames Gefühl, dass hier einerseits meine Liebe gekauft werden sollte, und andererseits hatte ich manchmal auch ein schlechtes Gewissen, ob das jetzt nicht zu teuer wäre. Meine Beziehung war aber zu der einen Oma immer inniger als zu der anderen, weil ich mit der einen eben über meine Gefühle sprechen konnte, mit der anderen nicht.

Ich habe irgendwann auch mal angefangen Wunschzettel zu schreiben. Zwar hatte ich nicht damit gerechnet, dass mir alle Wünsche erfüllt würden, aber als dann alles unter dem Weihnachtsbaum lag (eine LP von Nik Kershaw und andere Dinge waren dabei), war ich doch überrascht und fühlte mich sehr gewertschätzt. In dem Alter, in dem man mit wenig Taschengeld auskommen muss, sind die Wünsche immer riesig und teils auch unerfüllbar. So habe ich z.B. nie mein eigenes Pony bekommen, das ich mir ewig wünschte. Und meine ersten Reitstiefel, die ich mir zusammengespart hatte, oder meine erste Reitkappe, die mir meine Lieblings-Oma ohne Bezugsschein der Sektion in einem Reitsportgeschäft in Karl-Marx-Stadt besorgt hatte, waren große Schätze.

Als Studentin hatte ich auch wenig Geld und musste mir genau überlegen, was ich mir leisten konnte. Da war ich dann glücklich über den Staubsauger und den Fernseher, die plötzlich in meiner Wohnung standen.

Mit meinem ersten Job hatte ich dann endlich mehr Geld, als ich brauchte, und war in der komfortablen Lage, mir auch etwas zu leisten. Z.B. mein Lieblingspony aus Jugendtagen. Ich hatte damals manchmal zu Weihnachten Päckchen verschickt an Leute, denen ich aus unterschiedlichen Gründen mal Danke sagen wollte. Von einigen kam keine Reaktion darauf. Ergo kamen die Geschenke (es war Sekt und Schokolade) nicht gut an. Also habe ich mir selbst die Regel auferlegt, dass ich nur noch schenke, wenn ich auch zum Geburtstag eingeladen werde oder gemeinsam Weihnachten feier.

Dann kam eine große Weihnachtsfeier in der Familie und ich hatte das Gefühl, mir für jeden ein Geschenk ausdenken zu müssen. Dabei habe ich auch Dinge gekauft, die lediglich Dekoartikel waren. Hinstell-und-Zustaub-Zeug, wie es M. immer nennt. Und ein Geschenk hatte dann eine Person doppelt, weil jemand anderes bereits auf die diesselbe Idee gekommen war. Das machte mich traurig, weil ich hier Geld für Schmarrn ausgegeben hatte. Und Geld verschenken ist auch problematisch, da sollte man sich immer vorher überlegen, wieviel man gibt, entsprechend Geld abhebt und dann auch gerecht verteilt. Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich allen wirklich eine Freude gemacht hatte.

Mein Lieblingsgeschenk war danach Geld, damit sich die Leute ihre Wünsche selbst erfüllen können. Schließlich weiß jeder selbst am besten, was er/sie sich wünscht. Dafür habe ich eine gewisse künstlerische Ader entwickelt, wie man Geldgeschenke hübsch verpacken kann. Das kam immer sehr gut an und das tue ich auch heute noch gern.

Ich habe auch festgestellt, dass es mir schwer fällt, Geschenke von Menschen anzunehmen, denen ich selbst nichts schuldig sein möchte. Verehrer zum Beispiel, auch wenn es "nur" Senfgläser mit den Simpsons sind. Eine Kollegin hatte da mal ein krasses Erlebnis. Ein Verehrer hatte ihr ein MacBook geschenkt. Das Geschenk konnte sie nicht annehmen, weil sie wusste, dass sie die Gefühle niemals erwidern wird. Ich hätte das auch nicht angenommen.

Auch fällt es mir schwer, Geschenke anzunehmen, wenn ich weiß, dass der Schenkende gar nicht so viel Geld hat. Dann möchte ich lieber auf Geschenke verzichten.

Und dann mache ich seit Jahren nicht mehr freiwillig bei Wichteln mit, weil ich da selten etwas erhalten habe, was mir wirklich gefallen hätte, und ich auch nicht sinnlos Konsum anfeuern möchte, indem ich irgendetwas kaufe, von dem ich ebenfalls nicht weiß, ob der Beschenkte sich darüber auch wirklich freut. Gerade sinnloser Konsum stört mich bei der ganzen Schenkerei, auch aus Umweltschutzgründen, weil mir Rohstoffverschwendung einfach weh tut. Deshalb sammel ich auch keine Punkte oder kaufe keine Dinge, bei denen es noch irgendetwas oben drauf gibt, das ich gar nicht haben möchte.

Florian und ich haben uns anfangs immer mal kleine Geschenke gemacht. Die Miniplüschtiere und Sheepworld-Produkte landeten dann in irgendeiner Schublade und wir hörten damit dann doch irgendwann auf. Wir sind mittlerweile in der glücklichen Lage, dass wir uns jederzeit fast jeden Wunsch selbst erfüllen können und auch tun. Und mit einem gemeinsamen Konto macht es eigentlich auch wenig Sinn, sich gegenseitig etwas zu schenken. Eine Zeit lang haben wir versucht gegenzusteuern, indem wir vier Wochen vor Weihnachten nichts mehr für uns gekauft haben und dann vielleicht etwas finden konnten, das man dann für den anderen kaufen und in Geschenkpapier wickeln konnte, damit es unter dem Weihnachtsbaum nicht so einsam aussieht. Aber irgendwie haben wir festgestellt, dass das irgendwie auch blöd ist.

Seit ich mein Lieblingspferd Felix kaufen durfte, bin ich sowieso der Meinung, dass bis 2156 alle Geburtstage und Weihnächte geschenketechnisch abgedeckt sind. Trotzdem lässt es sich Florian nicht nehmen, mir zu Weihnachten doch den einen oder anderen Artikel von der Amazing-Wunschliste zu bestellen, die ich mir aber eben noch nicht selbst gekauft habe, sondern erst einmal dort geparkt, um noch ein paar Nächte darüber zu schlafen, ob ich mir das auch wirklich wünsche.

Freude macht mir das natürlich trotzdem, weil es der Gedanke ist, der zählt. Florian möchte mir eine Freude machen. Und ich freue mich :)

Themen: Sonstiges | Meine Sonderanfertigung Florian | Sonnenstrahl
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09.01.2012 13:04 Clicks: 860687

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