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Thema: privat/mein Job

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Dienstag, 9. Juni 2020 20:08

Rassismus

Als ich als Jugendliche meine Oma in den Ferien in der DDR besuchte, hatte ich auch Kontakt zu den dortigen Jugendlichen. Ich war ziemlich entsetzt, als mir ein Junge stolz eine Gürtelschnalle mit einem H*kenkr**z und dem R**chsadl*r zeigte. Ich fragte mich, ob in der DDR in der Schule nicht Das Tagebuch der Anne Frank gelesen würde. Oder Klassenausflüge in ein KZ wie bei uns in Dachau unternommen würden. Aber wahrscheinlich fruchten solche Erziehungsversuche nie bei allen Schülern, dachte ich mir. Ich kannte auch den einen oder anderen Neon*zi im Westen und hielt halt Abstand.

Ich bin in Neuperlach großgeworden. Der Stadtteil hat einen hohen Anteil an Sozialwohnungen, weshalb aufgrund der wirtschaftlichen Benachteiligung von Ausländern eben auch viele von ihnen dort wohn(t)en. Es gab wohl auch Banden, aber davon habe ich persönlich nie etwas mitbekommen, auch dann nicht, wenn ich spät nachts heimkam. In meiner Klasse waren von Anfang an Türken, Griechen, Italiener, viele Kinder von sogenannten Gastarbeitern. Meine Jungs wuchsen auch in Neuperlach auf und die Mischung in ihrem Kindergarten/in ihren Schulen war sogar noch bunter.

Ich denke, ein Problem in der DDR war, dass die DDR-Vertragsarbeiter z.B. aus Vietnam oder Mosambik nicht wirklich unter der einheimischen Bevölkerung lebten. Sie lebten in ihren eigenen Stadtvierteln . Vietnamesen wurden abfällig "Fitschis" genannt. Wenn man Ausländer nur in der Theorie kennt, dann kann man leicht ein Feindbild aufbauen. Es ist kein Zufall, dass ich zu keinem der Jugendlichen von damals noch Kontakt habe.

Eine Theorie ist, dass der Frauenmangel (Lausitzer Rundschau) nach der Wende zu mehr Fremdenfeindlichkeit geführt haben könnte. In der Tat kenne ich sehr viele junge Frauen, die dem Osten den Rücken gekehrt haben, aber nur wenige Männer. Jedenfalls wird die Fremdenfeindlichkeit im Osten Deutschlands zu einem immer größeren Problem, auch wirtschaftlich. Aber so lange die aggressive Neon*ziszene kleingeredet wird und nicht wirklich etwas dagegen unternommen wird, um beispielsweise N*zi-Dörfer-Bildung zu unterbinden, sind die Wahlergebnisse der Ah-Ef-De wenig verwunderlich. Wo ist eigentlich das ganze Soli-Geld hingeflossen, dass es dort noch immer so trist aussieht?

Ich selbst glaube ja, dass ich kein Rassist bin. Schließlich bin ich mit Star Trek aufgewachsen und meine Jungs sind von einem ausländischen Vater. Im Zuge einer Diversity-Kampagne der Personalabteilung meiner Firma habe ich einmal den Selbsttest der Havard-Universität gemacht und war über das Ergebnis sehr erstaunt. Der sogenannte Unconcious Bias, also die unbewussten Vorurteile waren auch bei mir vorhanden. Letztendlich denke ich aber, dass das tatsächliche Handeln wichtiger ist, als das Unbewusste. Wegen meiner Söhne musste ich mich auch schon rechtfertigen, insbesondere weil der Ältere einen ausländischen Namen hat. Und es schmerzt mich, weil ich das Gefühl habe, dass er es bei seinen Bewerbungen tatsächlich schwerer zu haben schien als sein jüngerer Bruder, und ich das auch auf seinen ausländischen Namen zurückführe, nicht allein auf seine weniger guten Schulnoten. Man weiß es nicht...

Warum mache ich mir darüber Gedanken? Natürlich wegen dem Tod von George Floyd, der in den USA zu teils heftigen Ausschreitungen geführt hat. Zwar wurde die Sklaverei in den USA offiziell 1865 abgeschafft, im 19. Jahrhundert weltweit, dennoch musste Martin Luther King jr. 1963 noch immer von dem Traum der Gleichberechtigung sprechen, fast 100 Jahre später. Elvis Presley besingt die Benachteiligung der Schwarzen im Song "In the Ghetto" von 1969. Die Apartheid in Südafrika wurde erst mit Nelson Mandela 1994 abgeschafft, 1998 als Verbrechen gegen die Menschlichkeit definiert und trat erst 2002 völkerrechtlich in Kraft. Und auch heute noch werden Schwarze benachteiligt. Auch in Deutschland gibt es Benachteiligungen. Bewundernswert, wer da noch seinen Humor bewahren kann.

Leider sind jetzt Budget-Kürzungen für die Polizei in den USA im Gespräch. Ich halte das für den falschen Weg. Jetzt wird die Polizeibehörde in Minneapolis aufgelöst, da sie als nicht reformierbar gilt. Doch die Polizei soll nun komplett reformiert werden, vielleicht keine Cops mehr mit records of misconduct (Einträge im Führungszeugnis) eingestellt werden, wie in San Francisco? Ich hoffe, dass es nicht an der Finanzierung scheitert.

Aber es gibt Hoffnung. Allein in München nahmen 25.000 Menschen an einem Silent Protest teil. Acht Minuten und 46 Sekunden herrschte Stille. Das war die Dauer, die der Polizist auf dem Hals von George Floyd kniete, obwohl er immer wieder sagte: "I can't breathe!" Selbst in Dresden versammelten sich 4000 Menschen, in Leipzig immerhin noch 700. Und auch in den USA gibt es Bilder von friedlichen Demonstranten und solidarischen Polizisten, insbesondere #30 berührt mich zutiefst.

Heute wurde George Floyd beigesezt.


Updates USA

State of Minnesota (01.06.2020): 4ANPP, Methamphetamine, Fentanyl, Norfentanyl im Blut von George Floyd gefunden

Telepolis (19.06.2020): Probleme der Polizei in den USA - schlechte Ausbildung - mehr Schusswaffen in Privatbesitz als Einwohner

New York Times (29.06.2020): I can’t breathe. Three Words. 70 Cases.

Heise (17.07.2020): USA: Warum Videos die Polizeigewalt (noch) nicht stoppen


Updates Deutschland

Tagesspiegel (06.07.2020): Die Wutbürger von der B96 bei Bautzen (Sachsen)

Neue Zürcher Zeitung (31.07.2020): Migration darf kein Tabuthema sein – wer die Probleme verschweigt, verschlimmert sie

ntv (03.09.2020): Populismus verliert an Boden, aber Gefahr einer weiteren Radikalisierung am rechten Rand steigt

Themen: mein Job | Blick in die Vergangenheit | News | (B)engel
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Freitag, 29. Mai 2020 21:35

Halbe Bücher

Wenn man sich meine Bücher-Liste so ansieht, fällt sofort auf, dass ich immer weniger Bücher lese. Das liegt aber nicht daran, dass ich weniger lese. Ich lese sehr viel, meinen fast täglichen Streifzug durch den Blätterwald und auch dienstlich sehr viel, in erster Linie über IT-Themen und Firmenrichtlinien. Die Zeiten, dass ich nachts drei Stunden unter der Bettdecke mit dem Smartphone Nachrichten aufgesaugt habe, wie zu Beginn der Pandemie, sind glücklicherweise vorbei. Das hätte ich körperlich nicht viel länger durchgehalten. Bloggen hat mir geholfen, meine Gedanken zu diesem Thema zu ordnen und auch endlich wieder runterzukommen.

Aber Bücher... Irgendwie schaffe ich das kaum noch. Einerseits, weil ich meistens nur in der Badewanne oder mal im Garten lese, mir also viel zu selten wirklich dafür die Zeit nehme. Andererseits aber auch, weil es immer häufiger vorkommt, dass mich Bücher während des Lesens plötzlich nicht mehr interessieren.

Zum Beispiel Nerd-o-pedia von Thorsten Walch. Auch wenn ich den Autor, den viele als Klingolaus kennen, persönlich sehr schätze, ermüdete mich sein Schreibstil. Er verwies immer wieder auf folgende Kapitel und verwendete häufig ähnliche Sätze, so dass mir die Wiederholungen irgendwann tatsächlich auf den Senkel gingen. Außerdem erinnerte es mich inhaltlich immer mehr an A Girl's Guide to Dating a Geek von Omi Inouye, was sicherlich keine Absicht war. Und als Thorsten dann noch meinte, Willie Wiegand, den ich persönlich ebenfalls sehr schätze, wäre der deutsche Spock, ohne Jens Dombek zu würdigen, der diese Rolle mittlerweile übernommen zu haben scheint, legte ich das Buch endgültig weg.

Gleiches Schicksal wird wohl Freakonomics ereilen. Die Autoren reiten auf irgendwelchen Statistiken rum und ich frage mich nach jeder Seite, wann sie denn endlich zum Punkt kommen. Meine Lust weiterzulesen: Null.

Und ich frage mich, ob meine Aufmerksamkeitsspanne wirklich so geschrumpft ist, dass ich nur noch für Elevator Pitches begeistert werden kann. Und schnell von Artikeln genervt bin, die sich über mehr als ein oder zwei Bildschirmseiten hinziehen.

Die letzten beiden Bücher, die ich gekauft habe, waren Kranke Pflege von Alexander Jorde, das ich zur Zeit ungelesen ausgeliehen habe, und Wer schützt die Welt vor den Finanzkonzernen von Jens Berger. Beides hochinteressante Themen, und ich hoffe, dass ich dazu komme, diese Bücher auch wirklich zu lesen.

Und dann gibt es Bücher, die jahrelang auf meiner Wunschliste standen, und die ich dann irgendwann wieder lösche. Da hatte ich irgendwo Rezensionen gelesen und fand die interessant, doch irgendwann verlor sich das Interesse oder schlimmer, ich habe vergessen, wieso die Bücher auf meiner Wunschliste gelandet sind.

Und dann gibt es Bücher wie The Circle von Dave Eggers, das mir dann auch jemand von der Wunschliste geschenkt hatte, das dann aber verfilmt wurde und ich den Film so unterirdisch fand, dass mir die Lust auf das Buch komplett vergangen ist. Das werde ich also definitiv niemals lesen.

Es ist schade. Ich hoffe, dass ich mal wieder ein Buch in die Finger bekomme, das mich von der ersten Seite an verschlingt und erst auf der letzten Seite wieder ausspuckt. Und vielleicht ist das ausnahmsweise mal kein Roman von meinem Lieblingsautor Andreas Eschbach.

Themen: Bücher | Corona | mein Job
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Montag, 18. Mai 2020 17:01

Homeoffice

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Homeoffice ist schon eine praktische Sache. Früher musste ich immer Urlaub oder Gleittage oder zumindest Überstunden nehmen, wenn ich irgendwelche Termine mitten am Tag hatte. Mit Homeoffice konnte ich dann vorher und/oder nachher einfach von zu Hause aus arbeiten und habe weder Urlaubstage noch Stunden verloren. Trotzdem war ich grundsätzlich lieber im Büro. Dort hatte ich einen ordentlichen Bürostuhl, einen großen Bildschirm, kostenfreien Kaffee und eine richtig gute Kantine.

Nachdem wir mehr oder weniger plötzlich ins Homeoffice geschickt wurden, hatte ich zuerst die Vorteile im Blick. Ich kann jetzt länger schlafen, was mir sehr gut tut. Und es ist auch besser, als in Kurzarbeit geschickt zu werden, auch wenn da finanziell ganz schön was aufgefangen wird. Da habe ich wohl mal wieder Glück gehabt.

Normalerweise dürfen wir ungefähr 20% unserer Arbeitszeit im Homeoffice verbringen, nach Absprache mit der Führungskraft und es darf nicht immer derselbe Wochentag sein. Theoretisch müsste ich also ab nächster oder übernächster Woche wieder ins Büro, denn dann sind die 20% aufgebraucht. Aber die Ansage ist, dass wir auch voraussichtlich bis mindestens Herbst, vielleicht sogar bis Ende des Jahres erst einmal im Homeoffice bleiben sollen, wer kann. Ich sehe schon unsere Pflanzen alle vertrocknen...

Unsere Kantine hat dichtgemacht. Deshalb koche ich jetzt wieder fast jeden Tag, außer wenn ich etwas von der Landlust hole. Weil ich in Kochstreik getreten war und wir einen Saugroboter angeschafft haben, konnte ich meine durchschnittliche Hausarbeitszeit von 10:28 Stunden pro Woche in 2016 auf 8:42 Stunden pro Woche in 2019 senken. Jetzt bin ich aber schon wieder bei 10:41 Stunden pro Woche angelangt. Das liegt aber auch daran, dass ich die Handtücher öfter wasche, insgesamt mehr putze und viel mehr Zeit zum Einkaufen benötige. Ich brauche die Hausarbeit auch, um zwischendurch immer mal wieder aufzustehen und mich zu bewegen, damit ich keine Rückenschmerzen bekomme. Das liegt aber nicht nur am fehlenden Bürostuhl, sondern auch daran, dass ich jetzt viel weniger reite, seit Felix krank ist, und wieder die Bauchtasche nehme, damit ich unterwegs meine Hände frei habe.

Den großen Bildschirm vermisse ich schon manchmal, aber es geht auch ganz gut ohne. Zu Hause hätte ich sowieso keinen Platz, den ordentlich hinzustellen. Falls es wäre, dürfte ich ihn mir aus dem Büro holen.

Was natürlich auch ein großer Vorteil ist: Ich spare Benzin. Wenn alle, die irgendwie im Homeoffice arbeiten können, in Zukunft nicht nur 20% dürften, sondern deutlich mehr, dann wäre das auch gut für die CO2-Bilanz. Und es gäbe weniger Stau.

Außerdem scheint es sich herauszukristallisieren, dass Großraumbüros (eventuell sogar mit Klimaanlage) keine so gute Idee sind. Ob sich da etwas tut? Bisher hatte ich Glück und musste mein Büro höchstens mit zwei Kolleginnen teilen, was ganz gut funktioniert hat. In letzter Zeit war ich sogar meistens alleine gewesen. Aber das ist natürlich Luxus. Ich bin echt gespannt, wie sich die Situation auf die künftige Bürogestaltung auswirken wird.

Mit meinen Mittagsdates habe ich mich jetzt über MS Teams verabredet, damit man sich nicht ganz fremd wird. Den persönlichen Kontakt vermisse ich am meisten. Es gibt auch Kollegen, die ich schon über zwanzig Jahre kenne. Da mein Mann auch Homeoffice macht, gehe ich immer ins Wohnzimmer, wenn ich mal ein Online-Meeting habe. Sonst stören wir uns zu sehr. Und ich kann wieder aufstehen und mich bewegen, während Florian einen höhenverstellbaren Monitorhalter hat.

Ich verstehe auch nicht, wie Leute im Homeoffice vor Netflix und Co. versumpfen. Da bekommt man doch seine Arbeit nicht erledigt. Das hat sich bei mir nicht geändert. Ich beginne morgens ca. 8.00 Uhr und klappe zwischen 16.00 und 17.00 Uhr mein Notebook zu, schalte das Handy auf stumm. Nur die Mittagspause ist etwas länger, weil ich eventuell in den Stall fahre oder einkaufen gehe. Und manchmal frage ich mich, welcher Wochentag gerade ist :D

Im Moment halte ich es also ganz gut aus im Homeoffice. Mal sehen, wie das in ein paar Monaten aussieht.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates

Washington Post: Das weiße Haus erlaubt Homeoffice zum ersten Mal in seiner 231-jährigen Geschichte

Heise (13.05.2020): Twitter erlaubt seinen Mitarbeitern Homeoffice für immer

Heise (13.05.2020): Homeoffice mit (kleinen) Kindern ist die Hölle

Tagessspiegel (17.05.2020): Büroetage infizierte sich beinahe komplett

Heise (20.05.2020): Auf Wiedersehen, Homeoffice? Die Tücken der Bürorückkehr

Heise (21.05.2020): Diskussion um Recht auf Homeoffice

Stern (27.05.2020): Berufspendler spielten große Rolle bei Ausbreitung des Coronavirus

Heise (29.06.2020): Corona krempelt die Arbeitswelt um – Sieger ist das Homeoffice

Süddeutsche (16.07.2020): Siemens macht Homeoffice für 140.000 Mitarbeiter möglich

Heise (20.08.2020): Greenpeace-Studie: Homeoffice verringert CO2-Ausstoß um Millionen Tonnen

Heise (12.09.2020): Geplantes Homeoffice-Gesetz soll vor Entgrenzung der Arbeit schützen

Heise+ (15.09.2020): Recht: Wenn der Arbeitgeber Mitarbeiter ins Homeoffice schickt

Heise (16.09.2020): Zoom-Fatigue: Virtuelle Meetings machen müde

Heise (26.09.2020): SAP: Homeoffice bis Mitte 2021

ntv (04.10.2020): Recht auf Homeoffice könnte Jobkiller werden

Heise (13.10.2020): Die Zukunft des Büros ist ungewiss

Heise (13.10.2020): Home Office: Woher kommt die Ablehnung?

Neue Zürcher Zeitung (22.10.2020): Viele Unternehmen wälzen Kosten für Home-Office auf Mitarbeitende ab

Heise (24.10.2020): Überwachung im Homeoffice – Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser?

Spiegel (14.11.2020): Chronobiologie: Warum es sich lohnt, die Arbeitszeit an den eigenen Biorhythmus anzupassen

Heise (14.11.2020): Zankapfel Homeoffice: Arbeitgeber befürchten Produktivitätsverlust

Themen: Corona | mein Job | Auto | Meine Sonderanfertigung Florian | Eigenes Pferd Felix | Sonnenstrahl
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Sonntag, 19. April 2020 17:01

Lobbyismus

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Das Problem des Lobbyismus ist eigentlich nicht, dass es ihn überhaupt gibt, sondern dass er intransparent und einseitig ist. Deshalb unterstütze ich Lobbycontrol. Ich habe den Eindruck, dass unsere Politiker insbesondere durch den massiven Lobbyismus der Industrie beeinflusst werden. Dadurch werden Stimmen, die von Gruppierungen mit einer weniger einflussreichen Stimme in der Politik auch weniger gehört und dadurch ist unsere Gesetzgebung in eine Schieflage geraten. Die Politik dient einseitig der Wirtschaft und zu wenig dem Volk.

Wenn man sich ansieht, welche Ausbildung/Studiengänge unsere Politiker so durchgemacht haben, dann liegt es auf der Hand, dass sie Beratung und Stellungnahmen von außen benötigen, um Entscheidungen treffen zu können. Sie sind einfach keine Fachmänner/-frauen in ihren Gebieten. Nehmen wir z.B. unsere Gesundheitsminister: Aktuell Jens Spahn, der ist Bankkaufmann. Der hat keine Ahnung vom Gesundheitswesen, sondern vom Finanzwesen. Sein Vorgänger Hermann Gröhe hat Rechtswissenschaften studiert. Dessen Vorgänger Daniel Bahr war ebenfalls Bankkaufmann und MBA. Dessen Vorgänger Philipp Rösler hatte vielleicht etwas mehr Ahnung, denn seine Mutter war Krankenschwester, er war Sanitätsoffiziersanwärter, hat ein ziviles Studium der Humanmedizin und war zumindest Augenarzt und Truppenarzt. Dessen Vorgängerin Ulla Schmidt war Lehrerin.

Als Paradebeispiel dafür, dass man inhaltlich keinerlei Kompetenz braucht, um für irgendetwas Minister(in) zu werden, ist Ursula von der Leyen, die Familien-, Arbeits- und Verteidigungsmenisterin war und jetzt Präsidentin der Europäischen Kommission. Studiert hat sie Volkswirtschaft und Medizin. Sie fiel als vollkommen medienINkompetent auf, als sie sich im Kampf gegen Kinderp****graphie den Spitznamen "Zensursula" erwarb. Florian hat das mit den nutzlosen DNS-Sperren mal erklärt. Dass ich von Beraterfirmen wie McKinsey, Roland Berger und Accenture absolut nichts halte, ist eine andere Geschichte, aber auch da glänzte Frau von der Leyen mit der Vernichtung von Beweismitteln, was hoffentlich noch ein rechtliches Nachspiel haben wird.

Zurück zum Lobbyismus. In meiner Firma habe ich ungefähr zwei Jahre in der Umweltschutzabteilung gearbeitet. Dabei wurde ich etwas desillusioniert, denn dort geht es nicht um den Umweltschutz (außer der Kunde wünscht das), da Umweltschutz die Produkte immer teurer machen. Vielmehr ging es darum, dass die gesetzlichen Vorschriften einzuhalten sind, da die Firma sonst Probleme bekommen könnte. Und es ging natürlich auch um Lobbyismus, indem die Politik zum Beispiel darauf hingewiesen wird, dass bestimmte Fristen real nicht einzuhalten sind, wenn Stoffe verboten werden (Stichwort REACH und RoHS). Und ich lernte die Idee der Circular Economy kennen. Insofern führt Lobbyismus dazu, dass die Politiker erfahren, wie es in der Wirtschaft/Industrie aussieht, so dass Gesetze/Verbote nicht mit der Brechstange eingeführt werden.

Das Problem ist, dass in den Lobbyisten-Drehtüren Vertreter anderer Interessengruppen als der Industrie anscheinend fehlen. Hier setzt sich LobbyControl ein. Ich fand es auch interessant, dass die Zusammensetzung der der Leopoldina-Arbeitsgruppe/Corona-Expertenrunde kritisiert wurde, die zu den seltsamen unausgegorenen wirkenden Lockerungen der Ausgangsbeschränkungen führte.

Die Corona-Studie "Heinsberg-Protokoll" wurde von einer PR-Argentur begleitet, was den wissenschaftlichen Wert dieser Studie verzerrt, da die wirtschaftlichen Interessen, die dahinter stehen, undurchsichtig sind. Von einer Maskenpflicht wurde vorerst abgesehen, und dass die WHO hier in den Chor einstimmt (wie zuvor schon diverse Virologen), verstehe ich nicht. In meinen Augen liegt das nur daran, dass aus bekannten Gründen derzeit nicht genug Masken für alle verfügbar sind. Ein Fehler, den übrigens auch die USA gemacht hat.

Und dann noch das Ende der Krankschreibungen per Telefon, wo die Arbeitgebervertretungen wohl Druck ausgeübt haben. Dabei fand ich die Idee, die Anzahl der Tage zu erhöhen, die man ohne Krankschreibung fehlen darf (2015) eigentlich gut, denn dann könnte man sich ordentlich auskurieren, ohne seine Bazillen in die Arbeit oder ins Wartezimmer zu tragen oder sich von dort andere Bazillen zu holen.

Wozu falsche Beratung führen kann, wenn sie ausschließlich aus der Sicht von BWLern und deren tödlichen Rotstiften geschieht, um hier und da noch ein paar Cent zu sparen, kann man sehr gut am Beispiel der Boing 737 Max nachvollziehen.

Meine Meinung also: Lobbyismus wäre gut, wenn er transparent und ausgeglichen wäre, indem dafür gesorgt würde, dass alle Interessengruppen Gehör finden. Berater/Consultants, die einen Haufen Geld für ihre unbrauchbaren Powerpointfolien erhalten, gehören auf die Müllhalde.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates

Berliner Zeitung (29.04.2020): Transparenz im Verhältnis von Politik und Wirtschaft liefert ein paar Argumente für ein Lobbyregister

Lobbycontrol (08.05.2020): Positionspapier: "Regulatorische Kooperation" in Handelsabkommen Gefährdete Demokratie durch TTIP 2.0, CETA, TiSA, JEFTA

ntv (13.05.2020): Virologe Hendrik Streeck zur Heinsberg-Studie: "Es ist doof gelaufen"

LobbyControl auf Facebook (13.05.2020): EU-Institutionen nehmen Verhandlungen zum Lobbyregister wieder auf

Handelsblatt (13.05.2020): Ökonomen lehnen Autokaufprämie ab, Konjunkturpaket für Klimaschutz

Heise (29.05.2020): Kompetenz in der Regierung wäre wünschenswert - Banker, Rechtsanwälte und Parteikarrieristen sollten keine Gesundheitsminister sein

Süddeutsche (19.06.2020): Causa Philipp Amthor: Die Lobbyregeln im Bundestag sind reformbedürftig

Zeit (20.06.2020): Philipp Amthors Lobbyismus-Affäre: Integrität kennt kein Alter

Netzpolitik.org (22.06.2020): Google soll sein Netzwerk in Brüssel und Berlin offenlegen

Tagesschau (28.06.2020): Verbot von Werkverträgen - Aber warum nur in der Fleischindustrie?

Tagesschau (03.07.2020): Einführung im Herbst: GroKo einigt sich auf Lobbyregister

Spiegel (16.07.2020): Lobbyarbeit für Skandalfirma: Guttenberg setzte sich bei der Bundesregierung für Wirecard ein

Abgeordnetenwatch (04.08.2020): Abgeordnete stellen Steuerbescheid und Lobbytreffen ins Netz

FragDenStaat (25.08.2020): Lobbyregister: So will die große Koalition Lobbyismus (nicht) transparenter machen

Deutschlandfunk (04.09.2020): Pläne für neues Lobbyregister: Kontakte, Kampagnen und jede Menge Einfluss

Süddeutsche (11.09.2020): Ein Lobbyregister gegen das Unbehagen

Spiegel (11.09.2020): Das Lobbyregisterchen - zu lasch

Heise (12.09.2020): Koalition einig: Lobbyregister soll auch für die Bundesregierung gelten

New York Times (22.09.2020): Democratic Donors Push Biden for a Cabinet Free of Fossil Fuel Connections - Sogar in den USA wird etwas gegen Lobbyismus getan.

Fefe (13.11.2020): Jan-Marco Luczak (CDU) ist gegen Beschränkung von Vertragslaufzeiten für Mobilfunk und ist Anwalt bei Hengeler Mueller, die u.a. Telekom vertritt.



Transparency International Deutschland e.V. (Oktober 2014): Lobbying in Deutschland

LobbyControl – Initiative für Transparenz und Demokratie e.V.

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Freitag, 28. November 2014 00:28

Elton John in der Olympiahalle

Normalerweise bin ich nicht so die Spontane. Aber als mich eine Arbeitskollegin heute Mittag gefragt hatte, ob ich nicht Lust hätte, mit ihr auf das Elton-John-Konzert zu gehen, sie hätte noch eine Karte übrig, sagte ich sofort zu. Elton John :)

Das Konzert war spitze. Ich hatte mir die Jahr-2000-Brille in die Haare gesteckt, aber später abgenommen. Bei den ersten Liedern hat Elton immer eine Pause eingelegt, in der dann brav geklatscht wurde. Eines der ersten Lieder war Candle in the Wind 1997. Ohne Pause ging es immer weiter, und schließlich standen und tanzten alle, einige waren vor zur Bühne gelaufen, und die Pausen zwischen den Liedern wurden immer kürzer, damit sich niemand mehr hinsetzt. I'm still standing war natürlich eines meiner Lieblingshits.

Bevor es zur Zugabe kam, hat sich Elton John noch etwas Zeit genommen, am Bühnenrand Autogramme zu verteilen. Doch die Menge wurde langsam unruhig, so dass es dann auch schon weiter ging mit Crocodile Rock. Den Abschluss machte ein Medley aus Circle of Life (mit seiner Lieblingszeile "You should never take more than you give") und Can you feel the love tonight. Ein hammergeiles Konzert!

Elton John in der Olympiahalle

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Donnerstag, 15. November 2012 19:36

Blackout in München

7.01 Uhr

Ja, auch wir waren betroffen. Als ich heute Morgen in der Küche stand und die Spülmaschine ausräumte, flackerte plötzlich das Licht. Ich dachte schon, diese Glühbirnen mit dem Halogen-Dings drinne ist schon nach einem Monat kaputt. Als ich fluchend wieder rauskam, saßen die Jungs auch im Dunkeln. Also ging ich mit der Taschenlampe in den Keller, aber alle Sicherungen waren drin. Komisch...

Also kurbelte ich weiter die Taschenlampe, damit Ferdinand seine Schultasche packen konnte (ich sage ihm j.e.d.e.n Abend, er soll sie packen...), dann gingen wir zum Auto. Aber die Feuerschutztüren waren zu, so dass wir Nachbarschaftshilfe leisten mussten und sie uns gegenseitig aufhalten. Das Problem war nur, dass man die Schranke nicht einfach hochdrücken konnte, also stand ich vor der Ausfahrt und kam nicht weiter. Aber wir hatten Glück, der Techniker war schon vor Ort und musste nur noch schnell seinen Werkzeugkasten holen, dann schraubte er die Schranke einfach ab :D

Und dann waren wir sogar 5 Minuten schneller als sonst in Perlach, weil uns keine rote Ampel aufhielt ;-) Das Verkehrschaos begann dann vermutlich erst, als wir schon in Schule bzw. Büro waren.

Da dann das nächste Problem. Die Drehkreuze gingen nicht. Aber auch hier hatte ich Glück, es standen schon 10 Leute vor der Tür, als jemand vom Werkschutz kam und uns hineinließ - natürlich warf er auch einen Blick auf unsere Mitarbeiterausweise.

In einigen Gebäuden brannte schon Licht, aber bei Weitem nicht in allen. Vorsichtshalber ging ich gleich die Treppe hoch. Ich konnte natürlich meinen Rechner nicht gleich starten, also ging ich erst einmal in die Küche. Da gab es dann die nächste Katastrophe: Die Kaffeemaschinen gingen natürlich auch nicht... Hilfe!

Also quatschte ich mit ein paar Kolleginnen, um die Zeit totzuschlagen, was hätten wir sonst tun sollen? Gerade, als wir beschlossen, uns in der Cafeteria einen Kaffee zu holen, weil wir hofften, dass die ebenso wie die Kantinenküche am Notstromaggregat hängt, gingen aber schon die Lichter an und der Alltag hatte uns wieder. Da sieht man mal, wie abhängig man vom Strom ist...

8.21 Uhr

Themen: Traumhaus | (B)engel | mein Job
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Freitag, 17. November 2006 19:19

Geschichte einer Liebeserklärung

6:00 Uhr: Der Tag startet. Wo sind die Hausschuhe?

6:30 Uhr: Kinder wecken. Noah möchte doch lieber ein Hot Wheel mitnehmen, statt dem Taschenrechner und dem Armband. Außerdem müssen die Kaninchen noch gefüttert werden.

7:00 Uhr: Noah will die roten Schuhe anziehen. Die drücken aber. Also doch die anderen. Langsam will ich los, sonst komme ich zu spät. Ich muss ein Machtwort sprechen: "Ich habe keine Zeit für diesen Scheiß!"

7:30 Uhr: Ich stehe in der Tiefgarage und wundere mich, wo das Auto ist. Ach ja, Florian war gestern beim Stammtisch. Aber wo hat er geparkt? Morgens kann ich noch nicht denken. Also Florian vom Handy angerufen. Beim Anhänger... Gut, wieder zurücklatschen, diesmal quer über die Wiese. Es ist schon spät!

7:33 Uhr: Zum ersten Mal an diesem Tag lächle ich:

Ein Lächeln mit Grund

10:30 Uhr: Die Wirkung des ersten Kaffees beginnt nachzulassen. Ich habe vor lauter Unterbrechungen noch nicht mit meiner eigentlichen Arbeit begonnen. Ein Blick auf die Schokolade motiviert wieder.

Ein Grund zum Lächeln

16:17 Uhr: Ich bin traurig. Ich acker wie ein Pferd und weiß doch genau, dass ich erst nächste Woche irgendwann fertig werde. Es ist frustrierend. Ausgerechnet jetzt, wo ich Urlaubsvertretung machen muss, habe ich so viel zu tun. Der Blick auf die Schokolade reicht nicht mehr. Ich muss sie doch essen. Das Papier behalte ich.

Das ist lecker!

16:48 Uhr: Nichts mehr da.

Das war lecker!

Leider bin ich immer noch traurig und habe immer noch Bauchweh (seit Montag) und bin immer noch frustriert und die Schokolade hat leider gar nicht geholfen. Trotzdem Danke! Das war lieb von dir!

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09.01.2012 13:04 Clicks: 135003

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