Mein Blog-Archiv

Thema: mein Senf/Sonstiges

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Dienstag, 8. September 2020 17:01

Renten

In Deutschland gibt es vielfältige Möglichkeiten, sich der Rentenversicherungspflicht zu entziehen. Staatsdiener (wie Bundestagsabgeordnete) haben ihre Pension. Die meisten Selbständigen müssen (derzeit) nicht zahlen. Für angestellte Ärzte und Anwälte gab es die Befreiung von der Versicherungspflicht, die aber im Moment durch ein Urteil vom Bundessozialgericht durcheinander gebracht wurde. In Österreich zahlt jeder ein. Das halte ich für viel solidarischer und gerechter.

In Deutschland wurden alle gehirngewaschen, dass sie mit Riester und Rürup vorsorgen müssen. Persönlich fände ich höhere, gesetzliche Rentenversicherungsbeiträge wie in Österreich besser. Die Förderung von Riester und Rürup ist meiner Meinung nach ein riesengroßes Geschenk an die Versicherungsbranche unserer verehrten Regierung.

Die Grundrente hat ihren Namen nicht verdient. Meiner Meinung nach müsste die Untergrenze aller Renten der Hartz-IV-Satz sein. Damit sind immer noch genügend Menschen von Altersarmut betroffen, aber sie hätten zumindest die Grundsicherung, ohne sich den Erniedrigungen der Sozialämter aussetzen zu müssen.


Updates

ntv (15.09.2020): 15 Millionen Beschäftigten droht Altersarmut

MDR (17.09.2020): Steuerzahlerbund fordern Änderung des Rentensystems - Abgeordnete zahlen nicht ein, erwerben aber Anspruch

Handelsblatt (24.09.2020): Bewegung bei der Reform der Riester-Rente

Thema: Sonstiges
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Mittwoch, 19. August 2020 21:01

Unbefristete Arbeitsverträge

Unbefristete Arbeitsverträge sind ein Segen. So wiegen sie die Arbeitnehmer doch in einer gewissen, wenn auch eigentlich trügerischen Sicherheit, dass sie bis zum Renteneintrittsalter einen festen Job haben werden. Das Bedürfnis nach Sicherheit liegt uns Menschen wohl sehr im Blut. Mir auch.

Witzig finde ich, dass die FDP, die ja befristete Arbeitsverträge so geil findet, weil man damit bequem das unternehmerische Risiko auf seine Belegschaft abwälzen kann, mit der Twitterperle von Svenja Marie zur Bundestagswahl 2013 ausgelacht wurde mit "Na liebe #FDP , wie fühlt es sich an, wenn der befristete Arbeitsvertrag nicht verlängert wird?" FDP ist auch die Abkürzung von "Fast drei Prozent". Wäre diese Partei ein Unternehmen, dann müsste sie schon längst wegen Insolvenzverschleppung und Missbrauch von Fraktionsgeldern verklagt werden. Aber genug gebasht.

Was ich eigentlich sagen wollte: Den Wunsch, ein sicheres Einkommen für den Rest des Lebens beizubehalten, haben auch Diktatoren, nur dass da noch die Machtgeilheit eine weitere Rolle spielt.

[Sarkasmus] Hachz, dafür habe ich ja vollstes Verständnis! [/Sarkasmus]


Updates

Telepolis (20.08.2020): Wer Diktator ist, das bestimmen wir! - Doppelmoral westlicher Politik

Themen: Sonstiges | Böse Zunge (Satire)
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Sonntag, 16. August 2020 17:01

Klassenkampf

Neulich fragten meine Jungs, wie es denn zum Klassenunterschied gekommen ist. Ich vermutete, dass dies schon sehr lange zurückreicht, vielleicht sogar bis zu den Urmenschen, wo es Stammesälteste und Schamanen gab, die ihre Lebenserfahrung und Wissen über Heilkräuter weitergaben, aber nicht (mehr) auf die Jagd gehen mussten. In den Känguru-Chroniken kommt auch der Nebensatz von Marc-Uwe Kling vor, "die der Revolution entkamen". Da musste ich an Ludwig XVI. und Marie-Antoinette denken.

Auch Lockdown in seinen unterschiedlichen Ausprägungen ist eine Klassenfrage. So sind Lockdownmaßnahmen in Ländern wie Indien, in denen viele Menschen im informellen Sektor arbeiten, eine Katastrophe und wahrscheinlich schlimmer als der Virus selbst. Und für Menschen in beengten Wohnverhältnissen, eventuell sogar mit Kindern, ist es sicherlich auch deutlich schwieriger als für Leute, die in großen Häusern mit Garten wohnen. Ich hatte in den letzten Monaten einige Links zusammengetragen, aber keine Zeit gefunden, darüber zu schreiben.

Letztendlich hoffe ich aber, dass das Pendel mal wieder in die andere Richtung ausschlägt, nachdem die Welt seit den 70ern dem Neoliberalismus folgte, sich die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter öffnete und die selbsternannten Eliten sich immer mehr korrumpierten. Aber vielleicht liegt es auch in der Natur des Menschen, dass sich einige für etwas Besseres halten, ob durch Geburt, Geld oder Macht, und es deshalb wohl immer dabei bleiben wird, dass auf dieser Welt in irgendeiner Form Klassenkampf herrscht.

Es gibt zaghafte Hinweise darauf, dass das Pendel nun vielleicht wieder in die andere Richtung schwingen könnte, wie man in Brasilien, Spanien und Belarus beobachten kann.

Sie müssen ja nicht gleich dem Beispiel Ludwigs XVI. oder Marie-Antoinette folgen.


Linksammlung Updates

Welt (Axel Springer): Wenn Gewaltherrscher sterben – eine Liste

NachDenkSeiten (09.04.2020): Der Lockdown ist auch eine Klassenfrage

Telepolis (13.04.2020): Ist eine gesunde Wirtschaft nur um den Preis kranker Menschen möglich? - Empathie hinderlich im Konkurrenzkampf

Telepolis - Kommentar von Artur_B (15.04.2020): Roosevelt sagte es so...

Business Insider (23.04.2020): America's billionaires have become even richer since Donald Trump became president, and it says a lot about the country's record-high wealth gap

ntv (09.05.2020): Kernfrage der Gerechtigkeit - Die Krise nagt an der Demokratie - Jan Korte, DieLINKE

CNN (11.05.2020): Billionaires are getting even richer from the pandemic. Enough is enough

Süddeutsche (14.05.2020): Ran an den Reichtum?

CNBC (21.05.2020): American billionaires got $434 billion richer during the pandemic

Neue Zürcher Zeitung (22.05.2020): Einmal mehr stehen Millionen Amerikaner vor dem Nichts

Spiegel (23.05.2020): Großbritannien: Die Gesellschaft war viel gespaltener als die deutsche

Telepolis (23.05.2020): Corona-Krise in den USA: Fast 40 Millionen Arbeitslose, aber Milliardäre gewinnen

TAZ (27.05.2020): Der Sozialneid der Villenviertel

Spiegel (27.05.2020): Zahl der Einkommensmillionäre gestiegen

NachDenkSeiten (28.05.2020): Kampf gegen die Armen: "Ziel des Manövers ist die Zerschlagung von behördenunabhängigen Erwerbslosen- und Beratungsstrukturen"

NachDenkSeiten (08.06.2020): Polizei als Auftragsmörder um Arbeiterklasse zu unterdrücken?

Heise (10.07.2020): Gutverdiener bewerten Krisenpolitik besser als Geringverdiener

The Guardian (19.07.2020): Minority ethnic patients twice as likely to live in deprived environments and to be admitted to intensive care

Telepolis (19.07.2020): Das Leben als Tafel-"Kunde"

NachDenkSeiten (22.07.2020): Kein Billig-Kotelett ist auch keine Lösung

Zeit (29.07.2020): Eingebildete Vermögen

Telepolis (03.08.2020): Corona-Krise USA: Mit der Mistgabel in die Hamptons

Telepolis - Kommentar von AndyC (16.08.2020): Für das untere Drittel der Bevölkerung ist dies eine Fassadendemokratie!

Themen: Sonstiges | Corona | Schöne neue Welt | Marc-Uwe Kling
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Sonntag, 9. August 2020 17:01

Killerphrasen

Es gibt ja den Spruch "Nobody is perfect". Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen und "Nothing is perfect" sagen. Wo gibt es schon Perfektion außer in der Mathematik? Vielleicht im Kleinen, wenn man mal die volle Punktzahl in einer Klausur erreicht. Oder den Teller leerleckt. Aber auch da könnte man schon kommen und sagen, dass da bestimmt noch ein paar Atome/Moleküle von dem leckeren Essen auf dem Teller zurückgeblieben sind. Perfekt gibt es nicht. 100% gibt es nicht. Ebenso keine 100%ige Sicherheit. Damit müssen wir leben.

Perfektionismus macht ineffektiv, deshalb halte ich mich gerne an das Paretoprinzip, also der 80-zu-20-Regel. Ich gebe mich damit zufrieden, dass etwas nicht perfekt ist, reibe mich deshalb aber auch nicht auf.

Die Realität ist nicht perfekt. Es ist auch so, dass man nicht alles wissen kann. Und das ist auch okay so. Selbst Wissenschaftler wissen, dass sie nicht alles wissen. Aber sie forschen, gewinnen neue Erkenntnisse, revidieren. Manche regen sich darüber auf, dass sie vielleicht gestern etwas anderes gesagt haben als heute. Deshalb formulieren sie auch vorsichtig und benutzen Satzanfänge wie "Nach heutigem Wissensstand..." oder so.

Früher habe ich mich auch gerne über Politiker aufgeregt, die gestern etwas anderes gesagt haben als heute. Aber es ist eben auch in der Politik nicht alles perfekt und es ist ein ständiges Abwägen von Interessengruppen. Gut, dass hier die Lobby der Wirtschaft einen zu großen Einfluss hat und deshalb andere Interessengruppen zu wenig Gehör bekommen, ist ein Problem. Aber ein Politiker, selbst der Präsident der USA, entscheidet nicht allein. Deshalb muss hier eben auch abgewogen werden, was gesagt wird, und kann etwas revidiert werden, wenn sich die Faktenlage ändert. Naja, außer bei Präsidenten der USA, denen es an Intellekt mangelt, bzw. die die Zahlen so interpretieren, wie es ihnen gerade passt. Aber wie gesagt, auch für US-Präsidenten gilt: Nobody is perfect.

Deshalb versuche ich, möglichst abwägend zu formulieren. Denn Killerphrasen (ich verstehe darunter etwas anderes als Wikipedia) können die Realität selten adequat beschreiben. Unter Killerphrasen verstehe ich Sätze, die die Worte "nie", "immer", "jeder", "alle", "niemand", "alles" beinhalten. Denn sie setzen Perfektionismus, als 100% voraus. Und das gibt es eben nicht. Und wer Killerphrasen verwendet, hat in meinen Augen auch kein Interesse an der Realität, sondern einzig an seinem persönlichen Weltbild.

Und deshalb gibt es tatsächlich auch Themen, zu denen ich keine oder noch keine Meinung habe. Oder über die ich meine Meinung im Laufe der Zeit ändere.

Aber es gibt noch einen Spruch, den ich auch auf T-Shirt habe: "You don't have to be perfect to be amazing."

Das ist doch ein schönes Lebensmotto.

Thema: Sonstiges
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Montag, 3. August 2020 20:39

OTTO Marktplatz

Wir haben bisher mit Otto eigentlich recht gute Erfahrungen gemacht. Wenn es doch einmal Beanstandungen gegeben hatte, dann wurde das immer kulant gelöst. Bei Otto können andere Händler ebenfalls ihre Ware anbieten, so wie auf dem Amazing Marktplatz. Die Zahlung wird dann über Ratepay abgewickelt. Auf diese Wiese habe ich am 18.07.2020 u.a. einen Lattenrost für Florian bestellt. Am 20.07.2020 erhielt ich dann von Otto die Rechnung und bezahlte an Ratepay wie vereinbart.

Ich hatte schon einmal etwas mit einem Zahlungsdienstleister zu tun. Als ich meinen ersten eigenen PC bei Escom gekauft hatte, fragte ich nach der Möglichkeit der Ratenzahlung. Von dem ungelernten Verkäufer wurde ich weder über die anfallenden Zinsen noch über den Zahlungsdienstleister aufgeklärt. Ich bezahlte damals direkt an Escom, was ich gar nicht hätte tun dürfen. Das wurde aber glücklicherweise zwischen den beiden Firmen geklärt.

Als uns der Lattenrost am 01.08.2020 geliefert wurde, gab es dazu noch eine weitere Rechnung direkt vom Anbieter, in dem ich aufgefordert wurde, direkt an ihn und nicht an Otto oder Ratepay zu bezahlen. Das machte mich mehr als stutzig.

Otto hat seinen Zahlungsdienstleister Ratepay 2017 verkauft. Dieser gehört nun zu Concardis. In den Ratepay Zahlungsbedingungen taucht jedoch der Name Wirecard auf, und zwar falls die Zahlung auf Raten erfolgt. Dies war bei unserer Bestellung nicht der Fall. Ich hoffe, dass hier wirklich nur eine Kooperation beim Ratenkauf erfolgte.

Allerdings hat Concardis anscheinend Probleme durch die Pleite von einem Reiseanbieter (Thomas Cook?) und anderen Finanzdingen, von denen ich nicht viel verstehe. Ich frage mich, wie es bitte sein kann, dass dies seit mindestens Januar 2020 bekannt ist und Otto noch immer Ratepay als Zahlungsweise anbietet?

Ich habe heute an alle Beteiligten eine Mail geschrieben mit der Bitte um Klärung. Und zwar unter sich, denn ich habe meine vertraglichen Verpflichtungen erfüllt.

Ich hasse diese undurchsichtigen Verquickungen von Firmen und deren Dienstleistern. Sobald nämlich mehr als zwei Vertragsparnter zusammenkommen, wird es kompliziert. In diesem Licht betrachtet, vermute ich bei der Gründung von 15 Tochterfirmen bei Tönnies ein Verwirrspiel mit den Verbrauchern und eventuell das Umgehen vom geplanten Verbot von Werkverträgen und Leiharbeit. Wer weiß das schon so genau...

Auf jeden Fall werde ich in Zukunft etwas vorsichtiger sein, wenn es um Drittanbieter und Zahlungsdienstleister geht. Man kann schließlich auch direkt beim Anbieter bestellen, ohne Zwischenvertragspartner, die allesamt auch noch Provisionen kassieren. Und bevor ich irgendwohin irgendetwas überweise, werde ich in Zukunft erst einmal gugeln und mich auch nicht auf die Firmeninformationen bei Wikipedia verlassen. Im Hinblick auf die Corona-Maßnahmen zur Aussetzung der Pflicht zu Insolvenzanträgen ist dies derzeit wohl auch dringend geboten.

Ich bin gespannt, was bei der Sache rauskommt.


Update 21:19 Uhr

Das mit der Rechnung vom Anbieter war anscheinend nur ein Versehen. Die Zahlung über Ratepay war also korrekt. Das ist nicht wirklich lustig, vor allen Dingen weil ich deshalb heute Nacht mal wieder ziemlich lange wach lag, weil mir das keine Ruhe gelassen hatte :(

Aber der Lattenrost ist klasse!

Thema: Sonstiges
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Sonntag, 7. Juni 2020 17:34

Was ist Geld?

Tauschmittel

Jeder hat so seine eigene Vorstellung von Geld. Einfach ausgedrückt ist Bargeld ein gutes Tauschmittel, das im Gegensatz zu landwirtschaftlichen Produkten nicht schlecht werden kann. Es ist jedenfalls deutlich praktischer, wenn man darüber nachdenkt, dass man eine Kuh nicht wirklich gegen ein paar Schuhe oder ein Dutzend Eier tauschen kann. Irgendwie gehört es in meinen Augen auch zur Infrastrutkur, die ein Staat seinen Bürgern zur Verfügung stellen muss, damit der Tauschhandel funktionieren kann.

Dann kamen die Banken, die sich allerlei Zeug ausdachten, wie Schecks, EC- und Kreditkarten. Heutzutage braucht man meist kein Bargeld mehr, um etwas zu bezahlen. Ich habe gerade das Kinderlied "Taler, Taler, du mußt wandern" im Kopf. Das Geld, egal ob Bargeld oder Buchgeld wandert ständig und hält so die - nenne wir sie mal so - Realwirtschaft am Laufen. Man bekommt Geld, weil man arbeiten geht. Das gibt man aus für Wohnen, Essen, Kleidung und was man sonst noch so braucht. Das Geld wird dann wieder zur Produktion von Häuser/Möbel, Kleidung, Nahrung oder was man sonst noch so braucht verwendet. Und dafür benötigt man widerum Arbeitskräfte. So geht der Geldkreislauf, der die Produktion aufrecht erhält und den Menschen gibt, was sie brauchen.

Geldsystem und Staat

Unsere Banknoten werden in der Bundesdruckerei GmbH hergestellt. Moment mal. Eine GmbH? Ja, diese staatliche Hoheitsaufgabe wurde 1998 privatisiert und 2009 wieder rückverstaatlicht. Die Rechtsform blieb. Unsere Münzen werden in den Münzprägeanstalten hergestellt. Da wurde nie was privatisiert, ist ja auch nur Kleingeld.

In meinem Leben habe ich schon mehrere Erneuerungen des Bargeldbestandes mitgemacht. Die Scheine wurden ca. zwischen 1990 und 1997 ausgetauscht. Die gute alte D-Mark wurde 2001 dann gegen den Euro getauscht. Damit wurde die Europäische Zentralbank gegründet, deren Hauptaufgabe ist, Preisniveaustabilität zu gewährleisten. Sie soll weitestgehend unabhängig sein, insbesondere von der Politik. In den USA hat die Federal Reserve (US-Notenbank) eine ähnliche Aufgabe, ist aber auch umstritten.

Realwirtschaft

Ich sehe das so: In der Realwirtschaft wechselt das Geld ständig seinen Besitzer und hält diese somit am Laufen. Es ist nicht gut, wenn zu viel Geld irgendwo gehortet wird, weder unter der Matratze noch auf irgendwelchen Bankkonten. Wenn der Bargeldbestand ausgetauscht wird, wie damals bei der Euro-Umstellung, kommen die Schätze unter den Matratzen hervor (die legalen) oder verschwinden für immer (eher die illegalen). Und damit das Geld nicht zu lange auf der Bank liegen bleibt, wird seit Jahren Sparen durch die Niedrigzinspolitik unattraktiv gemacht. Aber die Realwirtschaft funktioniert auch sehr gut mit Buchgeld.

Es ist sehr wichtig, dass die Bevölkerung glaubt, dass Geld einen Wert hat, das Bargeld genauso wie das Geld auf ihrem Konto. Für das Geld auf dem Konto wurde die Einlagensicherung nach der Weltwirtschaftskrise 1929 geschaffen. Gerade für das Geld auf dem Konto ist das Vertrauen wichtig, denn die Bank könnte das gar nicht alles in Bargeld ausbezahlen. In der Coronakrise gab es tatsächlich Leute, die fünfstellige Beträge hätten abheben wollen, berichtete eine befreundete Bankangestellte. Da musste Merkel dagegenhalten, dass es keine Anzeichen dafür gibt, dass das Bargeld knapp werden könnte. Anders als während der Weltwirtschaftskrise 1929 bevorzugen aber viele Geschäfte die Kartenzahlung wegen der "Ansteckungsgefahr". Wie die beim Bargeld, das vielleicht tagelang im Geldbeutel lag, größer sein soll, als wenn ich einen PIN auf einem gerät eintippe, das noch häufiger als das Bargeld betatscht wird, erschließt sich mir nicht. Jedenfalls war das Horten von Bargeld nicht wirklich wichtig.

Die Abschaffung des Bargeldes scheint aber irgendwie trotzdem keine gute Idee zu sein. In Indien wurde das mal experimentiert und scheiterte. Aber der Modi ist eh ein Präsident, der von der Praxis in seinem Land keine Ahnung hat. Das zeigte auch sein chaotischer Lockdown. Falls die EC-Karte mal nicht funktioniert, ist man doch froh, wenn man dann auf das Bargeld ausweichen kann. Und wenn alles elektronisch erfasst wird, ist man ein gläserner Bürger.

Ohne Bargeld gäbe es keine Schwarzarbeit und keine Steuerhinterziehung mehr. Aber es gäbe auch keine Flohmärkte mehr. Und wie soll man Taschengeld bezahlen? Würden die Leute auf Edelmetalle und Zigaretten umsteigen? Um Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung zu erreichen, würde es doch ausreichen, große Scheine abzuschaffen.

Banken

Jedes Mal, wenn man mit einer Karte bezahlt, dann verdient der Banksektor mit. Er verdient auch an Zinsen, und das mit Geld, das er gar nicht hat. Das wird Geldschöpfen genannt. Die Banken vergeben Kredite, wenn sie glauben, dass sie das Geld nebst Zinsen zurückerhalten werden. Aber das ist okay, so wird was in der Realwirtschaft investiert und die Banken müssen ja auch die Gehälter ihrer Mitarbeiter bezahlen. Jetzt frage ich mich als Nichtfachmann nur gerade, was mit dem erfundenen Geld passiert, das ja real zurückgezahlt wird. Das ist dann aus dem Nichts entstandenes Geld? Zumindest hat der Kreditnehmer dafür in der Realwirtschaft gearbeitet. Auf diese Weise versklavt sich aber die Realwirtschaft für das Bankwesen, denn es wird eigentlich Geld aus der Zukunft in das Hier und Jetzt transferiert.

Um dies auszugleichen, muss es eine ständige leichte Inflation geben. Die Geldmenge im Umlauf wird immer größer, damit weniger wert, die Preise steigen. Solange dies moderat geschieht, ist das in Ordnung.

Steuern

Es gibt aber noch einen weiteren Kreislauf, der ständig Geld aus der Realwirtschaft abzieht. Das sind die Steuern. Wie der Name schon sagt, steuert ein Land damit auch seine Wirtschaft. Die Einnahmen kommen aber der Bevölkerung zugute - zumindest theoretisch -, indem in Infrastruktur investiert wird. Straßen, Bahn, Strom, Wasser, Internet, Schulen, Kitas, Krankenhäuser. All das sorgt dafür, dass die Menschen gesund und gebildet dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, den Firmen produzieren und Waren sowie Daten transportieren können. Leider fließt ein Teil der Steuern auch in die Rüstung, aber ein wenig Säbelrasseln für die Sicherheit eines Landes, solange alles nur der Verteidigung dient, ist okay. Der Einsatz innerhalb des Landes ist nicht okay, dafür haben wir die Polizei mit ihren Spezialeinsatzkommandos. Ihr wisst schon, Gewaltenteilung und so. Ich bin froh, dass sich die Gouverneure momentan in den USA gegen den Inneneinsatz des Militärs wehren. Das nur am Rande.

Die Steuern, die aus der Realwirtschaft abgezogen wurden, ihnen aber wieder zu Gute kommt, ist ein begehrtes Diebesgut. Die Diebe sind sehr einfallsreich. Der größte Steuerraub der Geschichte ist das Dividendenstripping, unter dem Namen "Cum-Ex" bekannt. 400 Millionen Euro wurden so ergaunert. Wehe, das verjährt! Noch skandalöser ist eigentlich, dass die Finanzministerium davon seit 2002 wusste, aber es erst durch den unabhängigen Journalismus, allen voran Correctiv ans Tageslicht kam. Dagegen wirkt das Umsatzsteuerkarussell mit einem Verlust von 5 bis 14 Milliarden Euro noch harmlos. Jan Böhmermann hat das mal humoristisch aufgearbeitet.

Außerdem gehen natürlich riesige Steuersummen verloren durch Steueroasen. Die haben jedoch das Problem, dass sie meistens legal sind. Diese gibt es auch innerhalb der EU. Und die Banken mischen da mit ihrer "Beratung" fleißig mit, wie man beispielsweise anhand der Panama Papers sehen kann. Es wäre so wichtig, die Steuerschlupflöcher weltweit zu stopfen, doch das geht nur sehr zäh voran. Um so wichtiger ist es, dass solche Machenschaften aufgedeckt werden, deshalb halte ich es für sehr bedenklich, wenn Whistleblower (zu deutsch "Hinweisgeber") nicht ausreichend geschützt sind. Whistleblower wie Snowden, Assange und Manning mussten für die Wahrheit unglaubliche Opfer bringen. Das darf einfach nicht sein!

Finanzsektor

Nach dem Börsencrash 1929 wurde der Finanzsektor reguliert, damit es nicht wieder zu einem Börsencrash kommen kann. Doch seit den 70er Jahren wird an der Regulierung immer weiter gesägt. An der Grafik von Piketty (Punkt 5) sieht man an dem Punkt auch den Knick, an dem die Schere zwischen Arm und Reich sich wieder stetig öffnete. Seit dem wird Politik für Reiche gemacht. Die Hartz-IV-Gesetze, mit denen der Niedriglohnsektor geschaffen wurde, die Aushöhlung der Arbeitnehmerrechte, die Streichung von Sozialleistungen, all dies sind geschaffene Mechanismen, um das Geld von unten nach oben zu transferieren. In meinen Augen arbeitet die Regierung hiermit gegen das eigene Volk. Und nennt sich Volksvertretung. Was für ein Hohn. Allerdings muss man auch bedenken, dass Arbeitnehmer hierzulande mit den Arbeitnehmern weltweit konkurrieren, wo es bei weitem keine so hohen Sozialstandards gibt, Globalisierung sei dank. Dagegen kann man nur antreten, wenn wir die besseren Arbeitnehmer bieten könnten, die eine bessere Schul- und Ausbildung haben und damit den höheren Lohn und die höheren Sozialleistungen gerechtfertigen. Dafür muss in die Bildung investiert werden!

Die Superreichen saugen also Geld aus der Realwirtschaft ab, gestütz von der Politik, die auf lukrative Posten hoffen können. Warum also sollten unsere gewählten Volksvertreter eine Politik machen, die der Bevölkerung dient, aber ihnen selbst schadet? Da liegt ein Fehler im System vor. Wären beispielsweise die Diäten an den Hartz-IV-Satz oder den Mindestlohn gekoppelt, würde das wohl anders aussehen.

Die Börsen... Dort "investieren" die Superreichen dann ihr Geld, um noch reicher zu werden. Da werden in Zeiten der Nullzinspolitik noch Gewinnmargen von über 10% von den Unternehmen gefordert. Gewinne werden in Form von Dividenden abgeschöpft. Um die Margen und Gewinne zu erziehlen, müssen die börsennotierten Firmen oft einen harten Sparkurs fahren. Häufig leider, indem die Löhne gedrückt werden oder Arbeitsplätze ins Ausland verlegt werden. Beides Mechanismen, die ebenfalls der Bevölkerung hierzulande schaden. Es ist doch pervers, dass der Börsenkurs in die Höhe schießt, wenn eine Firma Massenentlassungen ankündigt. Genaugenommen sind die Börsen Spekulationsplätze, und die Bewertung einer Firma an der Börse entspricht eigentlich nur dem Glauben der Aktionäre, wieviel die Firma wert zu sein scheint.

Die Börsenkurse haben mit Geld und dem Wert, der dahinter steht, meines Erachtens überhaupt nichts mehr zu tun. Man muss sich nur den Hochfrequenzhandel anschauen, dann weiß man, wie pervertiert die Börse inzwischen ist. Ursprünglich war der Aktienhandel dazu gedacht, dass Investoren einer Firma Kapital zuschustern konnten und dafür mit Dividenden entlohnt wurden. Als diese noch als Wertpapier ausgestellt wurden und man Aktien wohl eine längere Zeit hielt, war das wohl auch noch in Ordnung. Doch je computerisierter der Handel vonstatten ging, desto mehr ist der Markt zu einem reinen Rechnenspiel verkommen. Milisekunden entscheiden über Wohl und Wehe. Broker zu sein ist kein Zuckerschlecken, aber die machen auch nur die Drecksarbeit für die Superreichen. Und Geld ist Macht, weshalb mir die Investmentgesellschaften wie Blackrock, Vanguard und State Street manchmal Angst machen.

So entstand für mich das Bild von der ausgemergelten Realwirtschaft und dem Finanzsektor, der wie eine Zecke an ihr saugt. Immer schwindelerregendere positive oder negative Zahlen im Computer, die aber keinen reellen Gegenwert haben, wie eine riesige Seifenblase.

Volkswirtschaft

Geld ist eigentlich nur dann wirklich etwas wert, wenn es in der Realwirtschaft kursiert. Der Abfluss in den Finanzsektor muss gestoppt werden. Die Volkswirtschaft folgt anderen Regeln als die Betriebswirtschaft und die Börse. Dafür hat die Politik die Coronahilfen eingetütet und das Konjunkturpaket auf den Weg gebracht.

Konjunkturpaket

Das Konjunkturpaket, das die Folgen der Coronakrise und der kommenden Rezession abfedern soll, wird als überraschend und durchdacht bezeichnet, sogar als historische Wende. Die Politik scheint tatsächlich einmal ihre Aufgabe als Volksvertreter wahrgenommen zu haben, anstatt die übliche Klientelpolitik zu betreiben. Sahra Wagenknecht sieht das freilich etwas kritischer. Wir werden sehen, was das Ganze bringt. Ob es wirklich zu einer Trendwende kommt, wage ich mal zu bezweifeln. Aber es ist zumindest ein Schritt in die richtige Richtung.

Was ist also Geld? Eigentlich nur ein Hirngespinst, an das wir alle glauben.

Aber Glaube kann Berge versetzen ;-)


Updates

Telepolis (Kommentar) (15.06.2020): Der Wirtschaftseinbruch hat nichts mit Corona zu tun.

Spektrum (07.08.2020): Mississippi-Blase: 1720 – das Jahr des ersten großen Crashs

Themen: Sonstiges | Corona
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Freitag, 3. April 2020 14:50

Blätterwald

Neulich wurde ich gefragt, wie ich mich so informiere über die Geschehnisse der Welt. Es ist ein bisschen wie ein Helikopterflug über den Blätterwald, den ich fast täglich veranstalte. Details interessieren mich dabei eher weniger, sondern der grobe Überblick. Ich beobachte den Wald als Ganzes, nicht den einzelnen Baum, oder den Borkenkäfer. Zumal ich gar nicht unterscheiden könnte, ob das jetzt wirklich ein Borkenkäfer ist oder doch ein Juchtenkäfer, sprich, wie nahe liegt die Quelle an der Wahrheit?

Beginnen tue ich immer mit Newstral, wobei ich mir mein Profil so angelegt habe, dass mir als erstes die Schlagzeilen folgender Zeitungen/Quellen angezeigt werden:

Wobei

leider nicht mehr angezeigt werden.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch nochmal sagen, dass mir die ganzen Abos viel zu teuer sind. Wenn ich für die o.g. Zeitungen alle Abos abschließen würde, dann wäre ich arm. Es gab auch früher schon Zeitungsleser, die kein Abo hatten, sondern sich hin und wieder mal eine Zeitung am Kiosk geholt haben. Diese Leser (also ich) werden durch das Angebot überhaupt nicht angesprochen. Und ich will auch keine Papierzeitung und ein Zusatz-Online-Abo. Ich hätte gerne die Möglichkeit eines Leserkontos bei den Zeitungen, wo ich meine Kreditkarte hinterlegen kann, und falls mich mal ein Artikel näher interessiert, dass ich dann für diesen einen Artikel zwei, drei Euro bezahle. Habe ich früher manchmal gemacht, da habe ich Dossiers beim Spiegel gekauft. Heute verschwinden vielleicht gute Artikel hinter einer Paywall, die ich dann halt wegklicke. Zumindest habe ich keine Adblocker. Aber so... Nöööööööö!!!


Meinen zweiten Streifzug starte ich bei Heise, wo ich für 9,95 Euro im Monat das heise+ Abo abgeschlossen habe. Das ist mal ein akzeptabler Preis. Dabei geht es mir gar nicht so sehr um die zusätzlichen Inhalte, die mir dadurch zur Verfügung stehen, sondern dass ich Heise insgesamt eben regelmäßig Geld zuschustern kann. Bei Heise gibt es nicht nur Nachrichten für ITler, sondern immer wieder auch politische Themen. Nachdem in den meisten anderen Medien die Kommentarfunktionen bereits deaktiviert wurden, weil das redaktionell nicht mehr handhabbar war (Meinungsfreiheit bitte nicht mit Zuhörpflicht verwechseln), dürfen sich hier immer noch die Heise-Foristen rot und grün malen lassen. Dort finde ich immer wieder Kritisches, interessante Zusatzinformationen und auch weiterführende Links.

Danach gehe ich noch auf Telepolis (von Heise), wo viele Themen nochmals kritischer beleuchtet werden und die Mainstream-Medien in ein etwas anderes Licht gerückt werden.


Station drei sind dann die Mainstreamnachrichten bei Gugl Njus, wobei ich meinen Account so konfiguriert habe, dass mir der Dreck von Alex Jumper oder Bruda aus Gründen nicht vorgesetzt wird, indem ich da auf die drei Pünktchen geklickt und dann "Alle Meldungen von drecksblatt.de ausblenden" ausgewählt habe. Die Liste mit den ausgeblendeten Schmierenblättern kann man dann unter "Einstellungen" - "Ausgeblendete Quellen - verwalten" ansehen und eventuell einigen die Absolution erteilen.


Und dann kommen noch die sozialen Medien dran. Über Twitter folge ich eigentlich nur Edward Snowden, um aufzupassen, dass es ihm in seinem russischen Exil gut geht, und weil ich auf ihn höre.

Influencer interessieren mich schonmal grundsätzlich nicht.

Wesentlich mehr Infos bekomme ich über Facebook, wo ich vor allen Dingen NGOs abonniert habe. Da muss man eben ein wenig Zeit anfangs investieren, um sich sein Profil und die Privatsphäre-Einstellungen etc. einzurichten und ab und zu nachzujustieren. Da finden sich auf meiner Liste der abonnierten Seiten

Allerdings begrenze ich meine Zeit bei Facebook aktiv auf maximal 15 Minuten pro Tag (außer in schlaflosen Nächten), da mir bewusst ist, dass der Infinite Scroll den Eindruck erwecken soll, dass es da noch mehr Infos gibt, dabei gibt es da in erster Line noch mehr Werbung. Die finde ich übrigens manchmal echt witzig, so Treppenlift oder so. Man kann sein Profil verwässern, indem man immer auf die Werbung klickt, die so gar nicht relevant ist. Zum Beispiel für Private Krankenversicherung. Oder Investmentfonds. Und bei gesponsorten Beiträgen der A-Ef-De oder neoliberalen Schwurblern schreibe ich ganz gerne mal, dass ich nicht zur Zielgruppe gehöre, und an deren Stelle mein Geld von FB zurückfordern würde. Jedenfalls muss man bei FB ein wenig selbstdiszipliniert sein und sich manchmal nur mit den Benachrichtigungen zufrieden geben, ohne Angst zu haben, etwas zu verpassen.


All dies, man glaubt es kaum, kostet mich an einem normalen Tag 30 Minuten Scanzeit. Ich überfliege tatsächlich nur die Lage der Welt und lese sehr selten mal einen Artikel wenn überhaupt bis zum Ende. Damit gewinne ich zwar nur einen Überblick statt Details, aber nach dem Motto "man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht" genügt es mir, den Blätterwald von oben zu betrachten.


Update Sonntag, 3. Mai 2020:

Nachdem auf newstral.com New York Times, Washington Post, derStanard.at und Die Zeit nicht mehr bzw. nicht mehr korrekt angezeigt wurden, habe ich diese Zeitungen nun in Facebook abonniert. Da ich derzeit ein riesiges Bedürfnis habe, mich zu informieren und die aktuelle Lage fasziniert und auch etwas verängstigt verfolge, benötige ich natürlich deutlich mehr Zeit als bisher für meinen täglichen Rundflug über den Blätterwald. Im Gegensatz zu vielen anderen kann ich "Corona" immer noch hören.

Außerdem schätze ich in Facebook, dass man viele Pressekonferenzen und Bundestagsdebatten live mitverfolgen kann.

Inzwischen haben sich drei Medien zu meinen Lieblingsinformationsquellen gemausert:

Wir leben in spannenden Zeiten.


Updates

Youtube Rezo (31.05.2020): Mal eben die Presse zerpflückt, sehr gut!

Süddeutsche (21.06.2020): Journalismus: Dieser Text ist nicht neutral

Themen: Sonstiges | Sonnenstrahl
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Freitag, 21. Februar 2020 18:40

Basic

Nachdem Ferdinand zum Vegetarier wurde ("Mama, wir sind Umwelt!"), versuche ich vermehrt bewusst einzukaufen. Da die Auswahl an Bio-Fleisch in den Discountern noch recht dürftig ist und Florian nicht mehr regelmäßig zum Hermannsdorfer kommt, wollte ich mal den Basic in Trudering ausprobieren. Heute war ich beim Probeeinkauf.

Die Parkdauer ist zwar begrenzt, aber es gibt keinen Abzockparkwächter, der gleich mal kassiert, wenn man die Parkscheibe vergessen hat. Die Auswahl an abgepacktem Fleisch ist gering, aber an der Fleischtheke kann man auch noch einkaufen. Ich denke, hier werde ich hin und wieder einen kleinen Vorrat kaufen und einfrieren. Bei manchen Lebensmitteln wie Käse stand "57 % Recyclat" auf der Verpackung. Das finde ich auch sehr gut. In Neuseeland ist das gang und gäbe, dass auch Lebensmittel in recyceltem Kunststoff verpackt werden. Das dürfte hygienisch ebenso einwandfrei sein wie frisch hergestellter Kunststoff, wenn es bei hohen Temperaturen eingeschmolzen wurde.

Außerdem hat es mir das Regal mit Kunststoffprodukten wie Aufbewahrungsboxen und Schneidebrettern angetan. Ich stand da vor dem Regal und wollte es mir genauer ansehen, aber dann kam ein Ehepaar und stand ebenfalls da rum. Ich wartete und schaute die anderen Regale an, in der Hoffnung, dass die beiden irgendwann wieder weg wären. Der Mann fragte, ob sie im Weg stehen würden, was ich verneinte. Ich wollte sie ja nicht wegscheuchen. Dann meinte er: "Ach so, Sie hören zu!" Fand ich jetzt ziemlich narzzistisch, als würde sich alle Welt um ihn drehen. Aber egal, ich hatte mir dann den Namen der Firma Biodora notiert. Das konnte ich auch später im Internet nachlesen.

Außerdem habe ich Frischeiwaffeln ohne Palmöl gekauft. Den Bio-Quark gibt es auch in dem Laden auf Arbeit, den hole ich mir ab und zu. Den Mango-Curry-Aufstrich gibt es auch beim Hofpfister.

An der Kasse war der Trenner aus Holz und die Kassiererin trug Kleidung aus Bio-Baumwolle. Alles in allem also eine schöne Sache. Mein kleiner Einkauf hat knapp 50 Euro gekostet, wobei die drei Steaks aber schon 30 gekostet haben, was für Biofleisch natürlich okay ist. Ich denke, da werde ich schon hin und wieder vorbeischauen.

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Themen: Sonstiges | Fotografie
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Samstag, 8. Dezember 2012 13:50

Umgang mit Ressourcen

Letzt kam mein Schatz Florian mit so einer häßlichen Tasse von Burger King an, die es gratis zum Meal dazugab. Für sowas würden wir ja freiwillig kein Geld ausgeben. Und genau das macht mich irgendwie traurig.

Wenn die die Newsletter von Aldi oder Kaufland bekomme und dann durch die Geschäfte gehe, sehe ich diese Berge an Waren, die in irgendwelchen Billiglohnländern produziert worden sind. Teilweise liegen die Stapel dort tage- und wochenlang, ohne dass für mich ersichtlich wäre, dass sie schrumpfen. Was für ein Überfluss, was für ein Überdruss...

Und schockiert war ich, als ich letzt gelesen habe, dass viele Online-Versandhäuser die zurückgeschickte Ware vernichten. Das erinnert mich an ein Lied von Nik Kershaw aus den 80er Jahren. Darin singt er "use it up and throw away" ... "what a mess". Und es hat sich seither nichts geändert. Im Gegenteil, der Wahnsinn geht immer weiter.

Wir verschwenden Ressourcen, Rohstoffe werden verarbeitet, Dinge produziert, oft unter menschenunwürdigen Bedingungen, bestenfalls wenigstens einmal benutzt, weggeworfen und vernichtet.

Warum müssen wir in diesem Überfluss leben? Können wir nicht zufrieden sein, wenn wir ein warmes Bett haben, ausreichend Kleidung und zu Essen, Menschen, die uns wichtig sind, die wir lieben und die uns lieben? Müssen wir unseren Wohnraum unbedingt bis unter die Decke vollstopfen mit Sachen, die wir ohnehin nicht mehr verwenden können, weil uns dazu die Zeit fehlt und wir die Dinge nur noch konsumiert haben, aber gar nicht mehr richtig genießen können oder gar uns wirklich ausgiebig mit ihnen beschäftigen?

Bald ist Weihnachten. Das Konsumfest. Und ich wünsche mir ehrlichgesagt nicht viel. Ich wünsche mir Weltfrieden, dass alle Menschen sich gegenseitig respektieren, egal wie sie aussehen, wo sie herkommen, an was sie glauben. Ich wünsche mir überall auf der Welt Gleichberechtigung und dass es keine Korruption mehr gibt und dass es keine Ausbeutung mehr gibt.

Im Moment sieht es nicht danach aus :(

Thema: Sonstiges
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Montag, 20. August 2012 23:31

Parken im PEP

Früher, also ungefähr die letzten 30 Jahre, war das Parken im alten PEP-Parkhaus kostenlos. Seit ein paar Wochen ist es das nicht mehr, mit der Folge, dass ich bereits auf Ebene 2 immer locker einen Parkplatz in der Nähe der Aufzüge bzw. der Rolltreppen bekomme. Und ich fragte mich, ob das ein Hinweis darauf sein könnte, dass der Umsatz der Geschäfte im PEP deutlich nach unten gegangen sein könnten. Denn weniger parkende Autos bedeutet doch auch weniger Kunden, oder?

Mein Schatz Florian meinte, dass das so ist, wie mit verschiedenen Abteilungen in der Firma. Wenn der IT-Support eingespart wird, liest man sofort in der Bilanz, dass die IT-Kosten dramatisch gesenkt wurden. Dass aber in der Praxis all die Noobies nun mit ihren Rechnern auf Kriegsfuß stehen und daher vielleicht 20% weniger effektiv arbeiten können, das liest man in der Bilanz nicht.

Aber ich schweife vom Thema ab. Denn wahrscheinlich habe ich Recht, denn seit zwei oder drei Wochen höre ich im Kaufland ständig die Durchsage, dass man ab einem Einkauf von 10 Teuronen sich an der Info gegen Vorlage des Kassenzettels und des Parktickets 1,30 Teuronen Parkgeld holen kann. Zwar kostet eine Stunde nur 80 Cent, wenn man drüber kommt, zahlt man schon 1,80 Teuronen, aber egal. Wenn ich nur eine Stunde parke (und mehr brauche ich für den Wocheneinkauf in der Regel nicht), dann mache ich sogar 50 Cent gut ;-)

Aber die anderen Geschäfte sehen mich kaum noch, denn für einen Abstecher zum Restaurant zum goldenen Bogen oder zum Haiky oder zu einer anderen Fressbude reicht die Zeit dann eben nicht mehr. Wenn ich mich entscheide, die Stunde zu überziehen, dann meist richtig und nur dann, wenn ich auch Futter für die Kaninchen brauche oder sonst irgendetwas, das es im Kaufland nicht gibt (ich meine gutes grainless Futter, nicht die Ernteabfälle in der Pappschachtel mit Kaninchenkonterfei, die normalerweise in Supermärkten als Kaninchenfutter verscherbelt werden, nicht umsonst ist Picolo schon 11 Jahre alt).

Wie sagte Spock so schön: "Das Wohl vieler wiegt schwerer, als das Wohl weniger oder eines Einzelnen!" Das sollte man eigentlich mit dem kategorischen Imperativ verknüpfen. Zu deutsch: Man sollte alle Änderungen immer daraufhin abkopfen, welchen Nutzen bzw. welche Änderungen sie für die Allgemeinheit haben werden, und sollten die Änderungen anderen schaden, sollten sie nicht oder anders eingeführt werden. Denn normalerweise habe ich im PEP immer mehr als diese 80 Cent ausgegeben. Mal sehen, wie lange sich die Geschäfte dort noch halten können...

Themen: Sonstiges | Karnickel | Auto
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Dienstag, 4. Dezember 2007 20:05

Waris Dirie: Wüstenblume

Nachdem "Die weiße Massai" ziemlich unkritisch mit Afrika und dem fremden Leben dort umging und ich den Mut der Dummheit der Autorin ziemlich befremdlich fand, nun ein Buch aus der Sicht einer Afrikanerin, einer Somali: Wüstenblume von Waris Dirie.

Waris wuchs Ziegen und Kamele hütend in der somalischen Wüste auf. Ihre Eltern haben aus Liebe geheiratet, was dort wohl eher selten vorkommt. Ihre Mutter hatte den Botschafter Somalias in London in der Verwandtschaft, so dass Waris auf der Flucht vor einer Zwangshochzeit mit einem wesentlich älteren Mann in diese Familie als Haushälterin kam und nach London reiste. Durch Zufall wurde diese bildschöne Frau dort von einem Fotografen entdeckt und ein bekanntes Model und Bondgirl.

Ein Leben wie im Traum? Mitnichten, denn Waris wurde in ihrer Kindheit ihrer Weiblichkeit beraubt. Man hat sie beschnitten. Dieses grausame Ritual müssen täglich 6000, jährlich zwei Millionen Mädchen weltweit über sich ergehen lassen. Aufgrund der unhygienischen Verhältnisse müssen viele Mädchen qualvoll sterben, diejenigen, die es überleben, leiden ihr Leben lang unter Schmerzen, müssen in der Hochzeitsnacht wieder aufgeschnitten werden, haben ein erheblich größeres Sterberisiko bei den Geburten ihrer Kinder... und alles nur, um eine patriarchische Gesellschaft am Leben zu erhalten.

Als Waris Dirie ihre eigenen Empfindungen bei all dem schilderte, kamen mir die Tränen. Absolut treffend beschreibt sie die Hintergründe und weshalb sie sich als UNO-Sonderbotschafterin in der Welt für Aufklärung und Bekämpfung dieses Rituals einsetzt. Eine wahrhaft mutige Frau.

Am Ende des Buches sind auch einige Adressen von Organisationen veröffentlicht, die gegen die rituelle Genitalverstümmelung der Mädchen kämpfen. Eine von ihnen ist (I)NTACT e.V., die ich seit Jahren unterstütze. Und ich wünsche mir genau wie Waris Dirie, dass es eines Tages eine Welt ohne Genitalverstümmelung geben wird.

Themen: Bücher | Sonstiges
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Freitag, 30. November 2007 19:16

Die Jagd nach dem Lotto-Jackpot

Die Wahrscheinlichkeit, 6 Richtige im Lotto zu tippen, ist ziemlich gering. Es gibt 13.983.816 Kombinationsmöglichkeiten, und nur eine von ihnen wird jeden Mittwoch bzw. Samstag gezogen.

Wahrscheinlichkeitsrechnung 6 aus 49

Außerdem muss man dann noch die richtige Superzahl haben, um den Jackpot zu knacken. Damit gibt es zehn Mal so viele Kombinationsmöglichkeiten, nämlich 139.838.160. Wow, eine gewaltige Zahl. Auf einem Lottoschein sind 12 Felder zum Ankreuzen. Ich muss also 11.653.180 Lottoscheine ausfüllen, um definitiv einen 6er mit Zusatzzahl gelandet zu haben. Wenn ich eine Minute brauche, einen Lottoschein auszufüllen, dann benötige ich dazu 194.219,66 Stunden. Ups. Das schaffe ich nicht bis Samstag zum Abgabeschluss. Ich brauche für 20 Stunden 9.711 Aushilfskräfte, die mir helfen, Kreuzchen zu malen (Schichtdienst noch nicht einberechnet). Bei einem Stundenlohn von 10 Teuronen kosten die schon 1.942.200 Teuronen. Macht nichts, zahle ich dann aus der Portokasse.

Muss ich die Aushilfskräfte nur noch rekrutieren. Irgendwie aussichtslos. Und das Geld vorstrecken kann ich auch nicht, denn ein Lottoschein kostet 9,50 Teuronen, also insgesamt 110.705.210 Teuronen. Nö, soviel Geld habe ich gerade nicht... Und bei einem Jackpot von "nur" 38 Millionen lohnt sich das ja gar nicht.

Ich habe aber noch eine Idee, wie ich den Lotto-Jackpot knacken könnte. Ich habe doch neulich dieses Buch über die Quantentheorie gelesen. Demnach ist es möglich, Materie durch den Geist auf Quantenebene zu beeinflussen. Ergo müsste es doch auch möglich sein, Kraft meiner Gedanken die Lottokügelchen so zu beeinflussen, dass die Zahlen gezogen werden, die ich getippt habe. Kosten: 0,75 Teuronen für das Tippfeld und 0,50 Teuronen Bearbeitungsgebühr. *g*

Ja, genau so werde ich das machen. Ich werde mich einfach ganz doll konzentrieren und schwuppi, knacke ich am Samstag den Jackpot! :-)

Thema: Sonstiges
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09.01.2012 13:04 Clicks: 38670

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