Mein Blog-Archiv

Thema: mein Senf/Corona

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Samstag, 8. August 2020 11:38

Systemrelevante Berufe

In der Corona-Krise durften alle normal weiterarbeiten, die in tatsächlich systemrelevanten Berufen wirken. Dies sind größtenteils auch die Bereiche, die zur Daseinsvorsorge des Staates gehören und meines Erachtens weder privatisiert noch dereguliert gehören.

Dies ist nur eine Linksammlung. Gelegentlich werde ich kommentieren.


Updates Lebensmittelversorgung, Drogerien und Apotheken

Zeit (14.03.2020): Einzelhandel: Noch ist alles da - Toilettenpapier und Hamsterkäufe

Süddeutsche (08.08.2020): Einzelhandel: Tarifvertrag wird zur Ausnahme


Updates Landwirtschaft

Tagesschau (25.03.2020): Erntehelfer dürfen nicht mehr einreisen

Tagesschau (02.04.2020): Erntehelfer dürfen doch einreisen

Tagesschau (23.07.2020): Corona-Infektionen im Tönnies-Schlachtbetrieb

Süddeutsche (07.08.2020): Corona-Ausbrüche in der Landwirtschaft: Nun rächt sich die Billig-Produktion


Updates Transportwesen, Tankstellen und Autowerkstätten

Tagesschau (19.03.2020): Gefangen auf der Autobahn - Grenzkontrollen nach Polen


Updates Öffentlicher Personennahverkehr und Bahn

Süddeutsche (14.06.2020): Nahverkehr in Schieflage


Updates Wasserversorgung

NDR (19.03.2020): Corona: Versorgung mit Wasser und Strom gesichert

Süddeutsche (21.04.2020): Wasserverbrauch steigt um bis zu einem Drittel

NDR (08.08.2020): Trinkwasser knapp: Lauenauer sollen Wasser kaufen


Updates Stromversorgung

Tagesspiegel (10.03.2020): So sollen Engpässe der Stromversorgung trotz Coronavirus-Epidemie verhindert werden


Updates Müllabfuhr

BR24 (02.04.2020): Müllentsorgung in Bayern trotz Corona-Krise gewährleistet


Updates Post

RBB24 (30.03.2020): Post will im Extremfall Briefzustellung stark einschränken


Updates Banken / elektronischer Zahlungsverkehr

Handelsblatt - Paywall (16.03.2020): Stresstest in Realzeit – verursacht das Coronavirus in Europa eine Bankenkrise?

Thema: Corona
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Sonntag, 2. August 2020 17:01

Herdenimmunität, Immunitätsausweis und Kreuzimmunität

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Unter Herdenimmunität versteht man, wenn eine gewisser Prozentsatz der Bevölkerung durch durchgestandene Infektion oder Impfung immun gegen einen Erreger geworden ist und daher eine weitere Verbreitung des Virus immer unwahrscheinlicher wird. Da uns für SARS-CoV-2 noch kein Impfstoff zur Verfügung steht, müsste diese also durch eine entsprechende Durchseuchung entstehen.

Der vieldiskutierte Schwedische Sonderweg sollte dies erreichen. Doch anscheinend verbreitet sich der neue Coronavirus nicht so schnell, wie vielleicht anfangs befürchtet bzw. erwartet. So hatten Ende Mai in Stockholm lediglich 7,3 Prozent der Bevölkerung Antikörper im Blut. Die Welt ist also von einer Herdenimmunität noch weit entfernt.

Außerdem gibt es noch sehr viele ungeklärte Fragen, wie lange eine Immunität nach einer Infektion mit dem neuen Coronavirus überhaupt anhält, einerseits, weil das Coronavirus mutiert (wenn auch langsamer als das Influenzavirus) und andererseits, weil die Anzahl der Antikörper relativ schnell wieder nachlässt. Deshalb macht ein Immunitätsausweis auch nicht wirklich Sinn, von den datenschutzrechtlichen und moralischen Befürchtungen mal abgesehen.

Delhi und Mumbai in Indien scheint der Herdenimmunität schon recht nahe zu sein, doch zu welchem Preis? Und auch in Schweden hat sich gezeigt, dass der Schutz der Risikogruppen allein ohne weitere Maßnahmen in der Praxis kaum zum gewünschten Ergebnis führt.

Bleibt also - soweit möglich - nur die Einhaltung von Hygiene- und Abstandsregeln, wo dies nicht möglich ist, das Tragen von Masken, und natürlich das Warten auf Impfstoffe. Und vielleicht hilft auch eine gewissen Kreuzimmunität durch frühere Infektionen mit einem der vier harmloseren Erkältungs-Coronaviren.

Da hat sich in den letzten Monaten einiges getan. Ich staune.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates

Standard.at (12.07.2020): Covid-19 überstanden, auch ohne Antikörper

Spektrum der Wissenschaft (31.07.2020): Warum wir nicht wissen, wer immun ist

Spiegel (02.08.2020): Antikörper sind nicht alles - von den T-Zellen und B-Zellen

Thema: Corona
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Sonntag, 26. Juli 2020 17:01

Proteste

Wir müssen uns immer wieder vor Augen halten, dass die Demokratie von unseren Politikern oft und gerne ausgehebelt wird. Falls klar ist, dass das Volk etwas anderes will als unsere Politkaste, dann wird es vorsichtshalber nicht gefragt, wie beispielsweise damals bei der Euroeinführung. Am Ende hätten wir noch dagegen gestimmt. Wo kämen wir denn da hin? Auf der anderen Seite muss ich zugeben, dass das Brexit-Referendum in Groß Britannien jetzt nicht wirklich Gutes für das Volk der Briten gebracht hat, da die Abstimmung emotional verlief und durch Populisten angeheizt war, und angeblich erst hinterher danach gegugelt wurde, was das eigentlich bedeutet... Volksabstimmungen und direkte Demokratie sind ein zweischneidiges Schwert. Trotzdem bin ich dafür, die direkte Demokratie weiter auzubauen.

Aus russischer Sicht könnte die Eingemeindung der DDR in die BRD auch als Annexion gewertet werden, da es hier zwar die Montagsdemonstrationen gab, aber nie einen Volksentscheid, im Gegensatz zur Einverleibung der Krim, mit ganz konkreten, wirtschaftlichen Auswirkungen. Die Palästinenser werden auch nicht gefragt... Ich habe keine Ahnung, was ich davon persönlich halten soll.

Was ich aber sagen möchte: Auch wenn wir nicht gefragt werden, können wir unsere Meinung kundtun. Ganz simpel geht das durch Online-Peditionen wie bei Campact, Avaaz, Change.org oder OpenPetition.

Manche schaffen es tatsächlich auch in den Bundestag, auch wenn sich unsere Minister hin und wieder ihre Rosinen herauspicken, wie Scheuer bewies. Aber das liegt an der Möglichkeit der Willkür, da auch bei Erreichen des Quorums (50.000 Unterstützer innerhalb von vier Wochen) eine Beratung im Peditionsausschuss, hm, ja, vielleicht, stattfindet.

Bitte nicht entmutigen lassen ;-)

Aber noch beeindruckender sind Demonstrationen, wenn wirklich die Massen auf die Straße gehen. Überall wird protestiert: In Hongkong, im Irak, in Frankreich, in Brasilien, im Iran... um nur einige Beispiele zu nennen. Natürlich mit ungewissem Ausgang und in vielen Ländern sind Proteste viel gefährlicher, als bei uns, auch wenn es zu Coronazeiten deutlich schwieriger geworden ist. Auch dagegen kann protestiert werden.

Abwrackprämie

Als Beispiel möchte ich gerne die Abwrackprämie anführen. Die war auch schon 2009 eine saublöde Idee und ökonomischer und ökologischer Unsinn. Im Zuge der Corona-Katastrophe kam tatsächlich nochmal das Gespräch auf eine Abwrackprämie, um die Wirtschaft zu stützen, doch sofort wurden Stimmen laut, dass eine Abwrackprämie mit Umweltschutz nichts zu tun hat, ein Aspekt, an den viele die staatlichen Wirtschaftshilfen gerne gekoppelt sehen wollten.

Doch glücklicherweise erinnterte man sich daran, dass das 2009 auch schon eine blöde Idee gewesen war. Eine deutliche Mehrheit der Deutschen, aber selbst Wirtschaftsweise (auch hier) waren gegen die Forderungen der Automobilindustrie. Da wurden manche schon zynisch ;-)

Dann wurden die Träume der Umweltschützer wahr und Macron versprach 7.000 Euro Prämie für E-Autos. Und schwups möchte nun VW die E-Offensive vorantreiben, vielleicht auch weil Deutschland die Umweltprämie von 3.000 auf 6.000 Euro erhöht. Ob es was bringt in der CO2-Bilanz wird sich zeigen... Schließlich retten E-Autos die Umwelt auch nicht, zumal das Recycling der Akkus eine Herausforderung ist. Aber auch hier gibt es Fortschritte, wie z.B. die Natrium-Ionen-Akkus.

Deutschland ist da erwartungsgemäß ganz oben mit dabei, wenn es um CO2-Ausstoß geht. Aber so lange es hipp ist, zusätzlich zur eigenen Person noch einen 2,5 Tonnen Stahl-Koloss durch die Gegend zu bewegen, sehe ich da schwarz...

Letztendlich hat die Autolobby den Kampf um die Abwrackprämie verloren. Und das liegt unter anderem auch an den Protesten!


Updates

NachDenkSeiten (30.07.2020): Autoritäre Entwicklung in Corona-Deutschland

Süddeutsche (01.08.2020): Warum Gerichte Corona-Auflagen kassieren - Klagen sind auch eine Form des Protestes

Tagesspiegel (01.08.2020): 20.000 Menschen demonstrieren in Berlin-Mitte gegen die Corona-Regeln - 500.000 waren angekündigt, 15.00 Uhr aufgelöst, Ermittlungsverfahren wegen Verstößen gegen den Infektionsschutz läuft

Berlin gegen Nazis (02.08.2020): 8 Gegenprotestanmeldungen - Wieviele Teilnehmer gab es da? Vielleicht waren die klüger und sind zu Hause geblieben und lassen sich jetzt online in sozialen Medien aus?

Tagesschau (02.08.2020): Kritik an Corona-Demo (mit Video)

Volksverpetzer (02.08.2020): Über Lügen und Teilnehmerzahlen

Telepolis (05.08.2020): Wie autoritär sind die Coronamaßnahmebefürworter?

Themen: Corona | Auto
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Sonntag, 19. Juli 2020 17:01

Kollateralschäden

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Es war eigentlich klar, dass auch in Deutschland in irgendeiner Form eine Ausgangssperre kommen würde. Zwar hatten schon viele Menschen ihren Bewegungsradius eingegrenzt, wie die Handydaten damals zeigten, und auch beim Einkaufen hat man immer mehr Leute mit Maske und teils Gummihandschuhen gesehen, aber die Fallzahlen stiegen zu dem Zeitpunkt trotzdem noch und daher sah man sich gezwungen zu handeln, auch wenn das Datenmaterial ungenügend war. Meiner Meinung nach war das prinzipiell nach wie vor richtig. Hätte man noch weiter gezögert und auf evidenzbasierte Studien gewartet, hätte es uns wahrscheinlich stärker getroffen als Schweden, schon allein weil die Bevölkerungsdichte in Deutschland höher ist.

Dass es zu Kollateralschäden kommen werde, hatte man von Anfang an im Blick. Dazu habe ich mir nochmals die Pressekonferenz vom 20. März 2020 mit Ministerpräsident Dr. Markus Söder, Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, Innenminister Joachim Herrmann und Gesundheitsministerin Melanie Huml "Vorläufige Ausgangsbeschränkung in Bayern" angeschaut, die ich seinerzeit live gesehen hatte. Söder legt dar, dass es nicht länger zu verantworten gewesen wäre, noch länger zu warten (Minute 4). Aus der Bevölkerung, aber auch aus Wirtschaft und Kliniken kam die Aufforderung, entschlossener zu handeln (Minute 5). Söder betonte, dass es sich um eine "Ausgangsbeschränkung" und keine "Ausgangssperre" handelt (Minute 8 und 38). Verglichen mit Frankreich, wo jeder, der das Haus verließ, eine schriftliche Erklärung bei sich führen musste, war das durchaus ein Unterschied. Sport, Bewegung an der frischen Luft, den Hund Gassi führen war weiterhin erlaubt, allerdings nur allein oder mit Familie (Minute 12). Auch an die Auswirkungen auf die Wirtschaft wurde gedacht und die Corona-Hilfen noch einmal vorgestellt (Minute 15 und 33), auch wenn die Folgen für die Wirtschaft massiv unterschätzt wurden. Es wurde davon berichtet, dass die kritische Infrastruktur, z.B. Stromversorgung, sichergestellt ist (Minute 20), um den Leuten die Angst zu nehmen.

Es wurde von Anfang an gesagt, dass es nur vorübergehend sein würde, dass es sich um einige Wochen, nicht Monate handeln wird (Minute 24). Und es wurde auch erklärt, wieso Bayern hier vorprescht, nämlich weil es stärker betroffen war als die anderen Bundesländer (Minute 39).

Dieter Reiter sagte am selben Tag im Grunde dasselbe. Und da ich in erster Linie nicht wollte, dass unser Gesundheitssystem überlastet würde, aber natürlich auch die Gesundheit der Menschen im Auge hatte, befürwortete ich die Maßnahmen im Großen und Ganzen. Auch Diskussionen mit Ferdinand hatten mir gezeigt, dass es ohne Verbote nicht gehen würde, dass sich immer noch zu viele Menschen nicht an die Empfehlungen hielten und so sich und andere in Gefahr brachten. Covid-19 ist keine leichte Erkrankung und auch bei mildem Verlauf können die Spätfolgen damatisch sein. Damals war das genaue Ausmaß der Gefahr natürlich noch nicht bekannt und wir lernen auch heute noch täglich dazu. Aber angesichts der vielen Tote insbesondere in Bergamo/Italien musste gehandelt werden.

Wir haben glücklicherweise keine Leichenberge in Deutschland. Die einen sagen, dass es daran liegt, dass die Maßnahmen gewirkt haben. Die anderen sagen, dass es übertrieben war und der "Lockdown" viel mehr Tote hervorgebracht hat, als gerettet wurden.

Für Singles, Eltern von kleineren Kindern und vor allem Alleinerziehende war es besonders hart. Und es kam zu mehr häuslicher Gewalt, auch gegen Kinder. Für depressive Menschen war das ebenfalls eine sehr schwierige Zeit, doch der befürchtete Anstieg von Suiziden blieb glücklicherweise aus.

Dass die Krankenhäuser nun aber mehr Kapazitäten für Covid-19-Patienten bereithalten sollten, führte dazu, dass Operationen verschoben wurden, was für Krebspatienten teils falate Folgen hat. Und obwohl die Coronapatienten und die restlichen Patienten weitestgehend voneinander getrennt wurden, hatten viele Menschen Angst, sich in die Notaufnahmen zu begeben und dort einer Ansteckungsgefahr auszusetzen, was insbesondere bei Herzinfarkten und Schlaganfällen ein fataler Fehler ist. Da ist die Gewichtszunahme, von der viele berichten, noch vergleichweise eine harmlose Folge.

Andererseits sind aber weniger Menschen an Grippe gestorben, da die Hygiene- und Abstandsregeln natürlich auch andere Infektionen vermindert haben. Und durch den Rückgang des Verkehrs gab es auch weniger Verkehrstote.

Da man nur schätzen kann, wieviele Menschen durch die Maßnahmen gerettet wurden, wird es sehr schwierig werden, hier tatsächlich die Waagschalen korrekt zu füllen. Und inwiefern die Wirtschaft allein durch die weltweit eingebrochenen Lieferketten und die Zurückhaltung der Menschen aus Angst vor Ansteckung oder aber erst durch die Maßnahmen geschädigt wurde, wird man wohl auch nie wirklich berechnen können. Den größten Schaden dürften wohl die internationale Tourismusbranche und Veranstalter von Großevents haben.

Insofern bleibt es wohl am Ende doch eine Glaubensfrage, ob man die Kollateralschäden für schlimmer hält, als die Schäden, die durch ein freilaufendes Coronavirus entstanden wären.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates

BR24 (19.07.2020): Finanznot wegen Corona: Das langsame Sterben der Clubs

Heise (22.07.2020): Bundesagentur: Corona-Krise wirkt sich bis zu drei Jahre auf Arbeitsmarkt aus

Zeit (03.08.2020): 80 Prozent mehr psychische Erkrankungen in Corona-Krise

Thema: Corona
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Samstag, 11. Juli 2020 14:08

Updates zu Adieu Urlaub

Updates zu Adieu Urlaub

Themen: Corona | Urlaub
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Sonntag, 21. Juni 2020 17:01

Nicht alles auf eine Karte setzen

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Anfangs schien es, als könnten wir die Pandemie erst dann wirklich eindämmen, wenn es gegen Covid-19 einen Impfstoff gibt. Doch je mehr ich darüber lese, desto mehr kristallisiert sich heraus, dass sich die Entwicklung realistischer Weise höchstwahrscheinlich bis ins Jahr 2021 hinauszögern wird, wenn die Testreihen sauber durchgeführt werden, damit der Impfstoff auch wirklich sicher ist. Auf den Entwicklern lastet ein enormer politischer und gesellschaftlicher Druck. Es ist wie ein neuer "Space Race", und der Sieger wird sich eine goldene Nase verdienen. Diesmal ist aber nicht nur USA und Russland im Rennen, wie damals bei der Mondlandung, sondern auch China. Und natürlich auch noch weitere Entwickler weltweit.

Und selbst, wenn ein Impfstoff noch dieses Jahr fertig und genehmigt sein sollte, muss dieser erst noch produziert und verteilt werden. Das ist eine logistische Herausforderung, die nicht von heute auf morgen zu meistern sein wird.

Es läuft also darauf hinaus, dass wir weiter lernen müssen, mit dem neuen Coronavirus zu leben. Aber ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass dieser bei weiterer Mutation vielleicht auch harmloser wird wie seine vier Verwandten. Vielleicht gibt es im Herbst nochmal eine zweite Welle, aber diesmal haben die Leute ihre Masken parat, entsprechende Verhaltensweisen eingeübt und können so dann darauf schneller reagieren. Es ist schließlich nicht notwendig, Deutschland in einen Operationssaal zu verwandeln, wie sich nun herausgestellt hat, sondern ein punktuelles Eindämmen statt einem großen Hammer müsste meines Erachtens dann ausreichen. Und wenn man sich die Geschichten der Pandemien so anschaut, dann haben die sich immer irgendwann ausgelaufen oder zumindest eingedämmt. Warum sollte es diesmal anders sein?

Außerdem denke ich, dass es nicht "den Impfstoff" für SARS-CoV-2 geben wird. Zwar mutiert der Coronavirus langsamer als der Influenzavirus, dennoch wird es meines Erachtens irgendwann einen ganzen Zoo an Coronaviren geben, gegen den dann eventuell regelmäßig, vielleicht sogar jährlich geimpft werden müsste, wie bei der Grippeimpfung. Also eine Goldgrube für Impfstoffhersteller.

Sollten sich die neuen Mutationen aber als harmloser herausstellen, ähnlich wie die vier Coronavirenstämme NL63, OC43, 229E und HKU1, die in der Regel nur leichte Atemwegserkrankungen verursachen, dann würde die Impfbereitschaft sinken und wahrscheinlich auch die Impfempfehlung gegen "eher nicht impfen" tendieren. Das wäre dann das Ende vom Goldrausch.

Auch in der Verwendung bereits vorhandener Medikamente haben die Ärzte viele Fortschritte gemacht, so dass die Krankheit vielleicht ein wenig ihres Schreckens verlieren wird und die Sterblichkeitsrate weiter gesenkt werden kann. Auch wenn dies wohl leider - und das tut mir in der Seele weh - in erster Linie wohl für die reichen Industrieländer gelten wird, während das Virus in den ärmeren Regionen dieser Welt, wie Indien, Südamerika und Afrika, eine Schneise der Verwüstung hinterlassen wird. Das ist politisch so gewollt und von der Gesellschaft gerne ausgeblendet.

So oder so, ich bin trotzdem davon überzeugt, dass der Spuk irgendwann vorbei sein und SARS-CoV-2 seinen Schrecken verlieren wird.

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Carl Grimes

Thema: Corona
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Freitag, 19. Juni 2020 18:36

Konjunkturpaket für Steuerberater

So auf den ersten, unreflektierten Blick sieht die vorübergehende Mehrwertsteuersenkung ganz nett aus. Doch je mehr ich darüber nachdenke, desto bescheuerter finde ich die Idee. Wenn sie an den Verbraucher weitergegeben wird, dann senkt das Preise, sofern man wegen der derzeitig eher steigenden Preise davon überhaupt etwas mitbekommt. Wenn sie nicht an den Verbraucher weitergegeben werden, dann hilft es den Händlern, die vielleicht etwas mehr Gewinn oder zumindest weniger Verlust machen. Aber nachdem allen irgendwie geholfen werden sollen, fände ich das jetzt nicht verwerflich.

Florian betreut auch jemanden mit einem Webshop. Zwar sind die Mehrwertsteuersätze durchaus variabel einstellbar, doch da in Deutschland die Preise immer in brutto angegeben werden und wir uns so an die Endung mit 99 Cent gewöhnt haben, müssten diese eigentlich für jeden einzelnen Artikel im Shop neu berechnet werden. Was für ein Aufwand!

Und heute erfahre ich von meiner Pferdewirtin, dass sie extra beim Steuerberater war, um zu eroieren, wie sie uns den Differenzbetrag zukommen lassen kann. Da fragt man sich, wieviel der Steuerberater nun daran verdient haben mag. Dabei saßen zumindest in der letzten Wahlperiode keine Steuerberater im Bundestag. Spaß beiseite...

Ich frage mich, ob das wirklich irgendetwas bringt. Und Florian meinte, dass das amerikanische System, wo der Preis immer netto genannt wird und die Steuer erst an der Kasse draufgeschlagen wird, vielleicht doch einfacher und auch transparenter ist. Zumindest ist das eine mögliche Erklärung dafür, weshalb Amerikaner eher sensibel auf Steuererhöhungen reagieren, während sie für uns immer hübsch im Gesamtpreis kaschiert werden kann. Dann bekommt den Ärger nämlich der Händler ab und nicht die Regierung.

Deshalb hat man so Angst vor Preiserhöhungen, dass man lieber die Rezeptur verschlechtert wie bei Nutella oder die Füllmenge verkleinert, nur damit sich das Preisschildchen nicht ändern muss. Wenn man beim Buycountry genau hinschaut, dann steht am Regal immer der Preis pro 100 g oder pro kg. Da kann man dann ganz gut vergleichen.

Übrigens gibt es in Großbritannien bald eine neue Sorte Nutella mit mehr Kakao. Falls es die irgendwann auch in Deutschland geben sollte, dann probieren wir die vielleicht mal. Aber wahrscheinlich ist da auch wieder Palmöl drin -.-


Updates

Heise (08.07.2020): Mehrwertsteuersenkung verursacht Probleme bei Kassensystemen

Heise (15.07.2020): Mittelstand schätzt Mehrwertsteuersenkung mehrheitlich schlecht ein

Themen: Corona | Eigenes Pferd Felix | Computer und Internet | Meine Sonderanfertigung Florian
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Donnerstag, 11. Juni 2020 17:01

Präventionsparadox

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Ich habe schon in meinem Blog über Dr. Wodings geschrieben, dass es wohl sehr schwierig sein würde zu beweisen, wieviele Leben durch die Maßnahmen geretten sein würden, was dann eben den Coronaskeptikern Wind in die Segel blasen würde. Später lernte ich, dass es dafür sogar einen Namen gibt: Präventionsparadox(on), das auch für die Impfbereitschaft der Bevölkerung negative Auswirkungen hat.

Wie wir anhand der offiziellen Daten sehen können, gibt es einen Trend, der sich ungefähr um den 15. März herum umkehrte. Von da an sanken die geschätzten Zahlen der täglichen Neuerkrankungen.

Zur Erinnerung:

Maßnahmen/Ereignisse Anzahl Neuerkrankungen ca. 10 Tage später (5-Tagesmittel)
ab 08.03.2020 Deutschland: Verbot von Massenveranstaltungen ab 1000 Teilnehmer auf ca. 5300
11.03.2020 WHO ruft Pandemie aus, Empfehlung von Hygieneregeln, Abstandsgebote, Nies- und Hustetikette 15.03.2020 Höhepunkt ca. 6000
16.03.2020 Deutschland: Schließung von Kitas und Schulen ca. von 5200 auf 4100
21.03.2020 Bayern und Saarland (die am stärksten betroffenen Bundesländer): Ausgangsbeschränkung ca. von 4700 auf 3800
22.03.2020 Deutschland: Verbot von Versammlungen unabhängig von der Größe ca. 4600 auf 4000
23.03.2020 Deutschland: Ausgangsbeschränkung ca. 4400 auf 3600
06.-14.04.2020 Jena: Maskenpflicht Musterbeispiel Jena: Forscher bestätigen Wirkung von Masken 
20.-27.04.2020 Deutschland: Einführung der Maskenpflicht ca. von 1400 auf 900
ca. von 1000 auf 700

Ohne jetzt auf der Ungenauigkeit der Zahlen herumzureiten, sieht man doch sehr deutlich, dass all diese Maßnahmen und auch die vorausgeeilte Vernunft der Menschen (siehe Handydaten) dazu geführt haben, dass die Anzahl der Neuerkrankungen deutlich zurückgegangen ist. Die stärkste Wirkung scheint hierbei die Ausgangsbeschränkung sowie das Verbot von Versammlungen gebracht zu haben. Und ich weiß, Korrelationen sind kein Beweis. Und Coronaskeptiker werfen sicher ein, dass es keinen Beweis dafür gibt, dass die Zahlen nicht auch ohne all diese Maßnahmen zurückgegangen wären. Ob die Freiwilligkeit nicht ausgereicht hätte, wie in Schweden?

Eine Studie besagt, dass der Shutdown 60 Millionen Coronainfektionen in den USA verhindert haben könnte, laut Washington Post. Und auf BBC ist zu lesen, dass der Lockdown in Europa etwa 3 Millionen Leben gerettet haben könnte. Coronaskeptiker werden diesen Studien keinen Glauben schenken und behaupten, sie dienen nur der Gerechtfertigung der Maßnahmen. Und es ist auch schwierig bis unmöglich, anhand der ungenauen Daten handfeste Beweise zu liefern.

Ebenfalls zur Erinnerung: Die Maßnahmen wurden ergriffen, um den exponentiellen Anstieg der Infektionszahlen einzudämmen, also die Kurve abzuflachen. Außerdem wurden als weitere Maßnahme in Deutschland die Krankenhauskapazitäten aufgestockt, die Anzahl der Intensivbetten von 28.000 auf 40.000 erhöht, ebenso die Anzahl der Beatmungsgeräte. Außerdem wurden nicht lebensnotwendige Operationen verschoben und das Personal aufgestockt (auch Aushilfskräfte wie mein Sohn), so dass man tatsächlich sagen kann, dass Deutschland ganz gut vorbereitet war. Die L**chenberge und das überlastete Gesundheitssystem sind uns erspart geblieben, und darüber bin ich heilfroh. Nun sind die fehlenden Fallzahlen aber ein Problem, weil sie Coronaskeptikern in die Hände spielen.

The Hammer and the Dance: Die strengen Maßnahmen werden auch "der Hammer" genannt. Der Zeitfaktor war meines Erachtens immens wichtig, weshalb ich es nach wie vor gutheiße, dass Bayern schon zwei Tage vor dem Rest von Deutschland die Ausgangsbeschränkungen auferlegt hat, auch auf Druck der Bevölkerung. Ohne Verbote geht es eben leider nicht, wie die Geschichte der Gurtpflicht zeigt. Der Hammer ist nun vorbei und es war mir von Anfang an klar, dass die Maßnahmen erst einmal nur vorübergehend sein würden.

Aber ich möchte an dieser Stelle noch einmal anmerken, dass wir wesentlich weniger strenge Maßnahmen hätten ergreifen müssen, wenn die Bundesregierung und die EU ähnlich wie die SARS-gepeinigten asiatischen Länder einen Pandemieplan in der Schublade gehabt hätten und die Bevorratung von Schutzbekleidung nicht dem neoliberalen Sparkurs zum Opfer gefallen wäre.

Auch ein Paradox: Denn hätten wir genügend Schutzkleidung bevorratet gehabt, hätten wir einen Pandemieplan gehabt, hätten wir die Asiaten nicht wegen ihre Masken belächelt, hätten wir, um der Wirtschaft nicht zu schaden, nicht so lange gezögert... dann hätten wir der Wirtschaft keinen so immensen Schaden zufügen müssen, um die Pandemie einzudämmen. Das nächste Mal, ob bei einer zweiten Welle oder gar einer neuen Pandemie, werden die Entscheidungsträger hoffentlich besser vorbereitet sein.

Wir befinden uns jetzt im "Tanz". Wir lernen jetzt mit dem neuen Virus und einer weiteren Angst zu leben.

Und dazu gehört eben auch, dass manche einfach nicht glauben wollen, dass vielleicht eine Katastrophe in Deutschland verhindert wurde.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates

Süddeutsche (27.04.2020): There is no glory in prevention - Corona-Vorsorge

NDR Coronavirus-Update mit Christian Drosten (48) (11.06.2020): There is glory in prevention

Telepolis (13.06.2020): Haben die Lockdown-Maßnahmen die Ausbreitung der Pandemie und die Zahl der Toten reduziert? - noch mehr Studien und recht bunte Ansichten der Foristen

Spektrum der Wissenschaft - Podcast (17.06.2020): Die irren Formeln einer Pandemie - die verlinkten Studien werden kritisch hinterfragt

Statnews (19.06.2020): How many needless Covid-19 deaths were caused by delays in responding? Most of them

ntv (28.06.2020): Radikal richtig gemacht

Spektrum der Wissenschaft (26.06.2020): Wie das Virus den Körper verwüstet

Neue Zürcher Zeitung (07.07.2020): Eindämmung, zweite Welle oder gar nicht aus der ersten heraus: Welche Länder im Kampf gegen Covid-19 Erfolg haben – und welche nicht

Thema: Corona
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Sonntag, 7. Juni 2020 17:34

Was ist Geld?

Tauschmittel

Jeder hat so seine eigene Vorstellung von Geld. Einfach ausgedrückt ist Bargeld ein gutes Tauschmittel, das im Gegensatz zu landwirtschaftlichen Produkten nicht schlecht werden kann. Es ist jedenfalls deutlich praktischer, wenn man darüber nachdenkt, dass man eine Kuh nicht wirklich gegen ein paar Schuhe oder ein Dutzend Eier tauschen kann. Irgendwie gehört es in meinen Augen auch zur Infrastrutkur, die ein Staat seinen Bürgern zur Verfügung stellen muss, damit der Tauschhandel funktionieren kann.

Dann kamen die Banken, die sich allerlei Zeug ausdachten, wie Schecks, EC- und Kreditkarten. Heutzutage braucht man meist kein Bargeld mehr, um etwas zu bezahlen. Ich habe gerade das Kinderlied "Taler, Taler, du mußt wandern" im Kopf. Das Geld, egal ob Bargeld oder Buchgeld wandert ständig und hält so die - nenne wir sie mal so - Realwirtschaft am Laufen. Man bekommt Geld, weil man arbeiten geht. Das gibt man aus für Wohnen, Essen, Kleidung und was man sonst noch so braucht. Das Geld wird dann wieder zur Produktion von Häuser/Möbel, Kleidung, Nahrung oder was man sonst noch so braucht verwendet. Und dafür benötigt man widerum Arbeitskräfte. So geht der Geldkreislauf, der die Produktion aufrecht erhält und den Menschen gibt, was sie brauchen.

Geldsystem und Staat

Unsere Banknoten werden in der Bundesdruckerei GmbH hergestellt. Moment mal. Eine GmbH? Ja, diese staatliche Hoheitsaufgabe wurde 1998 privatisiert und 2009 wieder rückverstaatlicht. Die Rechtsform blieb. Unsere Münzen werden in den Münzprägeanstalten hergestellt. Da wurde nie was privatisiert, ist ja auch nur Kleingeld.

In meinem Leben habe ich schon mehrere Erneuerungen des Bargeldbestandes mitgemacht. Die Scheine wurden ca. zwischen 1990 und 1997 ausgetauscht. Die gute alte D-Mark wurde 2001 dann gegen den Euro getauscht. Damit wurde die Europäische Zentralbank gegründet, deren Hauptaufgabe ist, Preisniveaustabilität zu gewährleisten. Sie soll weitestgehend unabhängig sein, insbesondere von der Politik. In den USA hat die Federal Reserve (US-Notenbank) eine ähnliche Aufgabe, ist aber auch umstritten.

Realwirtschaft

Ich sehe das so: In der Realwirtschaft wechselt das Geld ständig seinen Besitzer und hält diese somit am Laufen. Es ist nicht gut, wenn zu viel Geld irgendwo gehortet wird, weder unter der Matratze noch auf irgendwelchen Bankkonten. Wenn der Bargeldbestand ausgetauscht wird, wie damals bei der Euro-Umstellung, kommen die Schätze unter den Matratzen hervor (die legalen) oder verschwinden für immer (eher die illegalen). Und damit das Geld nicht zu lange auf der Bank liegen bleibt, wird seit Jahren Sparen durch die Niedrigzinspolitik unattraktiv gemacht. Aber die Realwirtschaft funktioniert auch sehr gut mit Buchgeld.

Es ist sehr wichtig, dass die Bevölkerung glaubt, dass Geld einen Wert hat, das Bargeld genauso wie das Geld auf ihrem Konto. Für das Geld auf dem Konto wurde die Einlagensicherung nach der Weltwirtschaftskrise 1929 geschaffen. Gerade für das Geld auf dem Konto ist das Vertrauen wichtig, denn die Bank könnte das gar nicht alles in Bargeld ausbezahlen. In der Coronakrise gab es tatsächlich Leute, die fünfstellige Beträge hätten abheben wollen, berichtete eine befreundete Bankangestellte. Da musste Merkel dagegenhalten, dass es keine Anzeichen dafür gibt, dass das Bargeld knapp werden könnte. Anders als während der Weltwirtschaftskrise 1929 bevorzugen aber viele Geschäfte die Kartenzahlung wegen der "Ansteckungsgefahr". Wie die beim Bargeld, das vielleicht tagelang im Geldbeutel lag, größer sein soll, als wenn ich einen PIN auf einem gerät eintippe, das noch häufiger als das Bargeld betatscht wird, erschließt sich mir nicht. Jedenfalls war das Horten von Bargeld nicht wirklich wichtig.

Die Abschaffung des Bargeldes scheint aber irgendwie trotzdem keine gute Idee zu sein. In Indien wurde das mal experimentiert und scheiterte. Aber der Modi ist eh ein Präsident, der von der Praxis in seinem Land keine Ahnung hat. Das zeigte auch sein chaotischer Lockdown. Falls die EC-Karte mal nicht funktioniert, ist man doch froh, wenn man dann auf das Bargeld ausweichen kann. Und wenn alles elektronisch erfasst wird, ist man ein gläserner Bürger.

Ohne Bargeld gäbe es keine Schwarzarbeit und keine Steuerhinterziehung mehr. Aber es gäbe auch keine Flohmärkte mehr. Und wie soll man Taschengeld bezahlen? Würden die Leute auf Edelmetalle und Zigaretten umsteigen? Um Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung zu erreichen, würde es doch ausreichen, große Scheine abzuschaffen.

Banken

Jedes Mal, wenn man mit einer Karte bezahlt, dann verdient der Banksektor mit. Er verdient auch an Zinsen, und das mit Geld, das er gar nicht hat. Das wird Geldschöpfen genannt. Die Banken vergeben Kredite, wenn sie glauben, dass sie das Geld nebst Zinsen zurückerhalten werden. Aber das ist okay, so wird was in der Realwirtschaft investiert und die Banken müssen ja auch die Gehälter ihrer Mitarbeiter bezahlen. Jetzt frage ich mich als Nichtfachmann nur gerade, was mit dem erfundenen Geld passiert, das ja real zurückgezahlt wird. Das ist dann aus dem Nichts entstandenes Geld? Zumindest hat der Kreditnehmer dafür in der Realwirtschaft gearbeitet. Auf diese Weise versklavt sich aber die Realwirtschaft für das Bankwesen, denn es wird eigentlich Geld aus der Zukunft in das Hier und Jetzt transferiert.

Um dies auszugleichen, muss es eine ständige leichte Inflation geben. Die Geldmenge im Umlauf wird immer größer, damit weniger wert, die Preise steigen. Solange dies moderat geschieht, ist das in Ordnung.

Steuern

Es gibt aber noch einen weiteren Kreislauf, der ständig Geld aus der Realwirtschaft abzieht. Das sind die Steuern. Wie der Name schon sagt, steuert ein Land damit auch seine Wirtschaft. Die Einnahmen kommen aber der Bevölkerung zugute - zumindest theoretisch -, indem in Infrastruktur investiert wird. Straßen, Bahn, Strom, Wasser, Internet, Schulen, Kitas, Krankenhäuser. All das sorgt dafür, dass die Menschen gesund und gebildet dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, den Firmen produzieren und Waren sowie Daten transportieren können. Leider fließt ein Teil der Steuern auch in die Rüstung, aber ein wenig Säbelrasseln für die Sicherheit eines Landes, solange alles nur der Verteidigung dient, ist okay. Der Einsatz innerhalb des Landes ist nicht okay, dafür haben wir die Polizei mit ihren Spezialeinsatzkommandos. Ihr wisst schon, Gewaltenteilung und so. Ich bin froh, dass sich die Gouverneure momentan in den USA gegen den Inneneinsatz des Militärs wehren. Das nur am Rande.

Die Steuern, die aus der Realwirtschaft abgezogen wurden, ihnen aber wieder zu Gute kommt, ist ein begehrtes Diebesgut. Die Diebe sind sehr einfallsreich. Der größte Steuerraub der Geschichte ist das Dividendenstripping, unter dem Namen "Cum-Ex" bekannt. 400 Millionen Euro wurden so ergaunert. Wehe, das verjährt! Noch skandalöser ist eigentlich, dass die Finanzministerium davon seit 2002 wusste, aber es erst durch den unabhängigen Journalismus, allen voran Correctiv ans Tageslicht kam. Dagegen wirkt das Umsatzsteuerkarussell mit einem Verlust von 5 bis 14 Milliarden Euro noch harmlos. Jan Böhmermann hat das mal humoristisch aufgearbeitet.

Außerdem gehen natürlich riesige Steuersummen verloren durch Steueroasen. Die haben jedoch das Problem, dass sie meistens legal sind. Diese gibt es auch innerhalb der EU. Und die Banken mischen da mit ihrer "Beratung" fleißig mit, wie man beispielsweise anhand der Panama Papers sehen kann. Es wäre so wichtig, die Steuerschlupflöcher weltweit zu stopfen, doch das geht nur sehr zäh voran. Um so wichtiger ist es, dass solche Machenschaften aufgedeckt werden, deshalb halte ich es für sehr bedenklich, wenn Whistleblower (zu deutsch "Hinweisgeber") nicht ausreichend geschützt sind. Whistleblower wie Snowden, Assange und Manning mussten für die Wahrheit unglaubliche Opfer bringen. Das darf einfach nicht sein!

Finanzsektor

Nach dem Börsencrash 1929 wurde der Finanzsektor reguliert, damit es nicht wieder zu einem Börsencrash kommen kann. Doch seit den 70er Jahren wird an der Regulierung immer weiter gesägt. An der Grafik von Piketty (Punkt 5) sieht man an dem Punkt auch den Knick, an dem die Schere zwischen Arm und Reich sich wieder stetig öffnete. Seit dem wird Politik für Reiche gemacht. Die Hartz-IV-Gesetze, mit denen der Niedriglohnsektor geschaffen wurde, die Aushöhlung der Arbeitnehmerrechte, die Streichung von Sozialleistungen, all dies sind geschaffene Mechanismen, um das Geld von unten nach oben zu transferieren. In meinen Augen arbeitet die Regierung hiermit gegen das eigene Volk. Und nennt sich Volksvertretung. Was für ein Hohn. Allerdings muss man auch bedenken, dass Arbeitnehmer hierzulande mit den Arbeitnehmern weltweit konkurrieren, wo es bei weitem keine so hohen Sozialstandards gibt, Globalisierung sei dank. Dagegen kann man nur antreten, wenn wir die besseren Arbeitnehmer bieten könnten, die eine bessere Schul- und Ausbildung haben und damit den höheren Lohn und die höheren Sozialleistungen gerechtfertigen. Dafür muss in die Bildung investiert werden!

Die Superreichen saugen also Geld aus der Realwirtschaft ab, gestütz von der Politik, die auf lukrative Posten hoffen können. Warum also sollten unsere gewählten Volksvertreter eine Politik machen, die der Bevölkerung dient, aber ihnen selbst schadet? Da liegt ein Fehler im System vor. Wären beispielsweise die Diäten an den Hartz-IV-Satz oder den Mindestlohn gekoppelt, würde das wohl anders aussehen.

Die Börsen... Dort "investieren" die Superreichen dann ihr Geld, um noch reicher zu werden. Da werden in Zeiten der Nullzinspolitik noch Gewinnmargen von über 10% von den Unternehmen gefordert. Gewinne werden in Form von Dividenden abgeschöpft. Um die Margen und Gewinne zu erziehlen, müssen die börsennotierten Firmen oft einen harten Sparkurs fahren. Häufig leider, indem die Löhne gedrückt werden oder Arbeitsplätze ins Ausland verlegt werden. Beides Mechanismen, die ebenfalls der Bevölkerung hierzulande schaden. Es ist doch pervers, dass der Börsenkurs in die Höhe schießt, wenn eine Firma Massenentlassungen ankündigt. Genaugenommen sind die Börsen Spekulationsplätze, und die Bewertung einer Firma an der Börse entspricht eigentlich nur dem Glauben der Aktionäre, wieviel die Firma wert zu sein scheint.

Die Börsenkurse haben mit Geld und dem Wert, der dahinter steht, meines Erachtens überhaupt nichts mehr zu tun. Man muss sich nur den Hochfrequenzhandel anschauen, dann weiß man, wie pervertiert die Börse inzwischen ist. Ursprünglich war der Aktienhandel dazu gedacht, dass Investoren einer Firma Kapital zuschustern konnten und dafür mit Dividenden entlohnt wurden. Als diese noch als Wertpapier ausgestellt wurden und man Aktien wohl eine längere Zeit hielt, war das wohl auch noch in Ordnung. Doch je computerisierter der Handel vonstatten ging, desto mehr ist der Markt zu einem reinen Rechnenspiel verkommen. Milisekunden entscheiden über Wohl und Wehe. Broker zu sein ist kein Zuckerschlecken, aber die machen auch nur die Drecksarbeit für die Superreichen. Und Geld ist Macht, weshalb mir die Investmentgesellschaften wie Blackrock, Vanguard und State Street manchmal Angst machen.

So entstand für mich das Bild von der ausgemergelten Realwirtschaft und dem Finanzsektor, der wie eine Zecke an ihr saugt. Immer schwindelerregendere positive oder negative Zahlen im Computer, die aber keinen reellen Gegenwert haben, wie eine riesige Seifenblase.

Volkswirtschaft

Geld ist eigentlich nur dann wirklich etwas wert, wenn es in der Realwirtschaft kursiert. Der Abfluss in den Finanzsektor muss gestoppt werden. Die Volkswirtschaft folgt anderen Regeln als die Betriebswirtschaft und die Börse. Dafür hat die Politik die Coronahilfen eingetütet und das Konjunkturpaket auf den Weg gebracht.

Konjunkturpaket

Das Konjunkturpaket, das die Folgen der Coronakrise und der kommenden Rezession abfedern soll, wird als überraschend und durchdacht bezeichnet, sogar als historische Wende. Die Politik scheint tatsächlich einmal ihre Aufgabe als Volksvertreter wahrgenommen zu haben, anstatt die übliche Klientelpolitik zu betreiben. Sahra Wagenknecht sieht das freilich etwas kritischer. Wir werden sehen, was das Ganze bringt. Ob es wirklich zu einer Trendwende kommt, wage ich mal zu bezweifeln. Aber es ist zumindest ein Schritt in die richtige Richtung.

Was ist also Geld? Eigentlich nur ein Hirngespinst, an das wir alle glauben.

Aber Glaube kann Berge versetzen ;-)


Updates

Telepolis (Kommentar) (15.06.2020): Der Wirtschaftseinbruch hat nichts mit Corona zu tun.

Themen: Sonstiges | Corona
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Freitag, 5. Juni 2020 17:01

Entwicklung eines Covid-19-Medikamentes

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Von Medikamenten, die speziell gegen Covid-19 entwickelt werden, liest man eigentlich fast gar nichts. Meist geht es um Tests bereits vorhandener Medikamente, die eventuell wirken und in der Therapie eingesetzt werden können. Oder halt von Impfstoffen, die noch Monate brauchen, bevor sie entwickelt, getestet, genehmigt und produziert werden.

Zuerst habe ich von der Theorie gelesen, dass man Antikörper aus dem Blut von Genesenen verwenden kann und fand die Idee simpel und großartig zugleich. Da scheint es jetzt auch Fortschritte zu geben. In den USA wird hier derzeit ein Wirkstoff namens LY-CoV555 an 32 Personen getestet. Entwickelt wurde das Medikament von der Pharmafirma Eli Lilly und der Biotech-Firma AbCellera in nur drei Monaten. Aber auch Regeneron und GlaxoSmithKline/Vir Biotechnology arbeiten an solchen Medikamenten.

Das ist aber sozusagen nur eine biologische Waffe, die aus dem Blut von Genesenen synthetisiert und weiterverarbeitet wird. Von einem Medikament, dass im großen Stil industriell hergestellt werden könnte, habe ich noch nichts gelesen.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates Antikörper

Außerdem ist die Antikörper-Therapie Tocilizumab (mdr 30.04.2020) aus China basierend auf gespendetem Blutplasma ein sehr vielversprechender Kandidat.

RND (06.05.2020): Forscher in Braunschweig und Israel melden Antikörper-Durchbruch

Spiegel (19.05.2020): Das Hoffnungsspiel mit den Antikörper-Studien

New York Times (19.06.2020): You May Have Antibodies After Coronavirus Infection. But Not for Long.

ntv (09.07.2020): Antikörper könnten eine wirksame Waffe sein

Updates

Spektrum der Wissenschaft (15.03.2019): So kommt ein neues Medikament auf den Markt

ntv (29.03.2020): Körpereigenes Protein LY6E hemmt Sars-CoV-2, erhöht aber Risiko einer Influenza-Infektion

MDR Wissen (04.08.2020): Neues Mittel tötet Coronaviren in Zellen und Mäusen - Proteaseinhibitor Variante 6e hemmt Virusentwicklung um 90%

Thema: Corona
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Dienstag, 2. Juni 2020 17:01

Erwachen

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Einerseits ist es schön zu sehen, wie die Geschäfte in den RiemArcaden zu neuem Leben erwachen. Jetzt sind wieder jede Menge Leute unterwegs, mit Mund-Nasen-Schutz, der zu unserer "neuen Normalität" gehört. Der Kletterwald, an dem ich immer vorbei fahre, wenn ich in den Stall fahre, hat auch wieder geöffnet und der Parkplatz war wieder übervoll. Kollegen berichteten davon, dass die Hotels an der Nordsee im Sommer bereits ausgebucht sind. Es ist der Wahnsinn!

Trotzdem gibt es immer noch sehr viele, die noch nicht so dürfen, wie sie möchten. Bars zum Beispiel können noch nicht öffnen. Stammtische dürfen in den Restaurants derzeit nicht stattfinden.

Ich bin sehr erstaunt, wie viele Menschen es hinausdrängt. Einerseits finde ich das natürlich gut, weil dann die Hoffnung besteht, dass die Wirtschaft mit einem blauen Auge davonkommt. Die meisten haben anscheinend gelernt, mit der Angst vor der neuen Krankheit "Corona" zu leben, genau wie wir damit leben, dass es Krebs, Unfälle und Lebensmittelvergiftungen gibt. Das ist okay, denn es gibt keine 100%ige Sicherheit auf dieser Welt. Andererseits hoffe ich, dass die Abstandsregelungen und das Tragen der Masken ausreicht, um den Virus einigermaßen im Zaum zu halten.

Ich bin aber guter Dinge. Schon vor der strengen Ausgangsbeschränkung sind die Zahlen signifikant zurückgegangen. Die Handybewegungsdaten von Google zeigte, dass sich bereits sehr viele Menschen vor dem ausgesprochenen Verbot der Regierung an diverse vernünftige Regeln gehalten haben, um die Ansteckungsgefahr herunterzuschrauben. Insofern denke ich, dass wir die Pandemie gut in den Griff bekommen können, wenn sich ein genügend hoher Anteil der Bevölkerung an die Regeln hält. Mit vereinzelten Idioten werden wir schon fertig. Ist wie bei der Impfung. Zur Ausrottung der Masern würde es reichen, wenn 95% der Bevölkerung geimpft sind, bei Polio hatten 80% gereicht, dagegen wird jetzt nur noch als Reiseprophylaxe geimpft.

Vermutlich wird es wieder steigende Zahlen geben, wenn das Leben wieder mehr in Innenräumen stattfindet, da sich immer mehr herauskristallisiert, dass Menschenansammlungen in schlecht belüfteten Räumen über einen längeren Zeitraum die Hauptgefahr für Ansteckungen darstellt. Aber inzwischen sehe ich diesem Szenario etwas gelassener entgegen. Nachdem der neue Coronavirus wohl nie wieder ganz verschwinden wird, habe ich lediglich die Hoffnung, dass er weiter mutiert und vielleicht irgendwann harmloser wird, im besten Fall wie die vier anderen Coronaviren, mit denen wir schon lange leben. Er mutiert nach derzeitigem Wissensstand zwar langsamer als der Influenzavirus, aber das macht dafür Hoffnung, dass eine Impfung auch länger anhalten könnte. Wir werden sehen.

Die "neue Normalität" hält Einzug. Hm... Ich mach da noch nicht mit. Aber mir fällt das ja auch nicht schwer. Bin ja ein Nerd :D

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates

Heise (25.05.2020): Wiedereröffnung der Kinos uneinheitlich geregelt

kino.de (01.06.2020): Dreharbeiten werden fortgesetzt

Süddeutsche (03.06.2020): Messe München will nach Corona-Zwangspause durchstarten

Frankfurter Rundschau (07.06.2020): Zwischen Sorglosigkeit und Hysterie: Wie viel Angst vor Corona ist noch gestattet?

Süddeutsche (12.06.2020): Tierpark Hellabrunn - unsinnige Regelung von 20 m² pro Person, obwohl es im Freien ist und die Besucher nicht alle gleichzeitig im Park sind

Süddeutsche (16.06.2020): Kultur erwacht: Backstage, Royal Filmpalast, Jazzbar Vogler, Passauer Domplatz, Kammerspiele, Nationaltheater, Hypo-Kunsthalle, Gärtnerplatztheater

Süddeutsche (20.06.2020): Bars in München dürfen jetzt bis 2:00 Uhr offen bleiben

Thema: Corona
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Freitag, 29. Mai 2020 21:35

Halbe Bücher

Wenn man sich meine Bücher-Liste so ansieht, fällt sofort auf, dass ich immer weniger Bücher lese. Das liegt aber nicht daran, dass ich weniger lese. Ich lese sehr viel, meinen fast täglichen Streifzug durch den Blätterwald und auch dienstlich sehr viel, in erster Linie über IT-Themen und Firmenrichtlinien. Die Zeiten, dass ich nachts drei Stunden unter der Bettdecke mit dem Smartphone Nachrichten aufgesaugt habe, wie zu Beginn der Pandemie, sind glücklicherweise vorbei. Das hätte ich körperlich nicht viel länger durchgehalten. Bloggen hat mir geholfen, meine Gedanken zu diesem Thema zu ordnen und auch endlich wieder runterzukommen.

Aber Bücher... Irgendwie schaffe ich das kaum noch. Einerseits, weil ich meistens nur in der Badewanne oder mal im Garten lese, mir also viel zu selten wirklich dafür die Zeit nehme. Andererseits aber auch, weil es immer häufiger vorkommt, dass mich Bücher während des Lesens plötzlich nicht mehr interessieren.

Zum Beispiel Nerd-o-pedia von Thorsten Walch. Auch wenn ich den Autor, den viele als Klingolaus kennen, persönlich sehr schätze, ermüdete mich sein Schreibstil. Er verwies immer wieder auf folgende Kapitel und verwendete häufig ähnliche Sätze, so dass mir die Wiederholungen irgendwann tatsächlich auf den Senkel gingen. Außerdem erinnerte es mich inhaltlich immer mehr an A Girl's Guide to Dating a Geek von Omi Inouye, was sicherlich keine Absicht war. Und als Thorsten dann noch meinte, Willie Wiegand, den ich persönlich ebenfalls sehr schätze, wäre der deutsche Spock, ohne Jens Dombek zu würdigen, der diese Rolle mittlerweile übernommen zu haben scheint, legte ich das Buch endgültig weg.

Gleiches Schicksal wird wohl Freakonomics ereilen. Die Autoren reiten auf irgendwelchen Statistiken rum und ich frage mich nach jeder Seite, wann sie denn endlich zum Punkt kommen. Meine Lust weiterzulesen: Null.

Und ich frage mich, ob meine Aufmerksamkeitsspanne wirklich so geschrumpft ist, dass ich nur noch für Elevator Pitches begeistert werden kann. Und schnell von Artikeln genervt bin, die sich über mehr als ein oder zwei Bildschirmseiten hinziehen.

Die letzten beiden Bücher, die ich gekauft habe, waren Kranke Pflege von Alexander Jorde, das ich zur Zeit ungelesen ausgeliehen habe, und Wer schützt die Welt vor den Finanzkonzernen von Jens Berger. Beides hochinteressante Themen, und ich hoffe, dass ich dazu komme, diese Bücher auch wirklich zu lesen.

Und dann gibt es Bücher, die jahrelang auf meiner Wunschliste standen, und die ich dann irgendwann wieder lösche. Da hatte ich irgendwo Rezensionen gelesen und fand die interessant, doch irgendwann verlor sich das Interesse oder schlimmer, ich habe vergessen, wieso die Bücher auf meiner Wunschliste gelandet sind.

Und dann gibt es Bücher wie The Circle von Dave Eggers, das mir dann auch jemand von der Wunschliste geschenkt hatte, das dann aber verfilmt wurde und ich den Film so unterirdisch fand, dass mir die Lust auf das Buch komplett vergangen ist. Das werde ich also definitiv niemals lesen.

Es ist schade. Ich hoffe, dass ich mal wieder ein Buch in die Finger bekomme, das mich von der ersten Seite an verschlingt und erst auf der letzten Seite wieder ausspuckt. Und vielleicht ist das ausnahmsweise mal kein Roman von meinem Lieblingsautor Andreas Eschbach.

Themen: Bücher | Corona | mein Job
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Donnerstag, 28. Mai 2020 17:01

America First

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates

Youtube: David Bowie - This Is Not America

Heise (27.05.2020): Hunger in Amerika

Zeit (11.06.2020): Mehr als zwei Millionen Infektionsfälle in den USA

ntv (14.06.2020): Seattle: Covid-Patient bekommt Rechnung über eine Million Dollar, muss sie aber wahrscheinlich nicht bezahlen

Tagesspiegel (23.06.2020): Rapide steigende Corona-Zahlen nach Lockerungen - besonders in konservativen Staaten, keine Maskenpflicht in Texas, dafür kein Anstieg aufgrund von Protesten/Demonstrationen

Spiegel (26.06.2020): Trump-Regierung will Obamacare mithilfe des Supreme Courts abschaffen - grausam und herzlos

Süddeutsche (04.07.2020): Unabhängigkeitstag in den USA: Weltmacht in Trümmern

ntv (05.07.2020): Unabhängigkeitstag ohne Corona - Trump ist jenseits aller Selbstzweifel

ntv (09.07.2020): Corona-Zahlen nach Trump-Auftritt in Tulsa gestiegen

Tagesschau (09.07.2020): Zahlen der Corona-Infektionen in den USA steigen dramatisch

Heise (16.07.2020): Kommentar: Amerika hat sich disruptiert

Thema: Corona
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Mittwoch, 27. Mai 2020 17:01

Covid-19: Symptome, Übertragung, Verlauf, Folgen

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Es gibt immer noch viele Leute, die glauben, dass es sich bei Covid-19 um eine ähnliche Krankheit wie die Influenza, also der echten Grippe handelt. Und auch die wird gerne unterschätzt, weil viele gar nicht wissen, dass eine Grippe eine viel ernstere Erkrankung ist als ein grippaler Infekt, der auch Erkältung genannt wird. Mir sträuben sich die Haare. Ich stelle mal ein paar Fakten gegenüber (vor allem laut Wikipedia, Stand 26.05.2020, 20:30 Uhr):

  Covid-19
Abkürzung von "Coronavirus Disease 2019"
im Volksmund "Corona" genannt
Influenza
"Grippe" genannt
Erreger anfangs 2019-nCoV, jetzt hat sich die Bezeichnung SARS-CoV-2 durchgesetzt,

im Volksmund "Coronavirus" genannt

gehört zur Familie der Coronaviren, von denen bisher vier Arten bekannt waren (NL63, OC43, 229E und HKU1), die aber nur harmlose Atemwegsinfekte auslösen
Influenzaviren
Inkubationszeit 5-7 Tage, eventuell sogar bis zu 14 Tage 1,2 - 4 Tage
Übertragung durch Tröpfcheninfektion (Niesen, Husten, Sprechen, Singen, heftiges Atmen beim Sport) und Aerosole (feine Tröpfchen, die bis zu 3 Stunden in der Luft schweben, normales Ausatmen) - hohes Ansteckungsrisiko in geschlossenen Räumen, ungefilterte Klimaanlagen können die infektiösen Tröpfchen auch in andere Räume übertragen, Lüften ist wichtig

Kontaktinfektion (bis zu drei Tage infektiös)

Kot - wahrscheinlich infektiös
Tröpfcheninfektion (Niesen, Husten, Sprechen, Singen, heftiges Atmen beim Sport) und Aerosole (feine Tröpfchen, die bis zu 3 Stunden in der Luft schweben, normales Ausatmen) - hohes Ansteckungsrisiko in geschlossenen Räumen, ungefilterte Klimaanlagen können die infektiösen Tröpfchen auch in andere Räume übertragen, Lüften ist wichtig

Kontaktinfektion (bis zu zwei Tage infektiös)

Kot - infektiös
Symptome langsamer Krankheitsbeginn
Fieber
Trockener Husten
Unwohlsein und Ermüdung
Erhöhte Speichelproduktion
Riech- und Geschmacksverlust

seltener:
Kurzatmigkeit
Muskel- oder Gelenkschmerz
Halsschmerzen
Kopfschmerz
Schüttelfrost
Übelkeit/Erbrechen
Schnupfen
Durchfall
Hautasusschläge, schmerzhafte rote Läsionen ("COVID-Zeh")
plötzlicher Krankheitsbeginn
ausgeprägtes Krankheitsgefühl im ganzen Körper
Fieber von über 40 °C
Schüttelfrost
Kopfschmerzen
Gliederschmerzen
trockener Husten

seltener:
Augentränen
trockene Kehle
angeschwollene Nasenschleimhaut
Tracheobronchitis
Appetitlosigkeit
Müdigkeit
Übelkeit/Erbrechen
Durchfall
Komplikationen greift Endothelzellen an, gelangt über die Blutbahn in alle Organe, beschädigt und/oder zerstört Blut- und Lymphgefäße, Entzündungen im Herz-Kreislauf-System, Nieren, Gehirn bis zum multiplen Organversagen, Blutgerinnsel, die zu Herzinfarkten und Schlaganfällen führen können, auch ohne Vorerkrankung, auch bei jungen Menschen bakterielle Sekundärinfektion, virusbedingte Lungenentzündungen, Gehirnentzündungen, Entzündungen der Skelettmuskulatur sowie Herzmuskelentzündungen und Herzinfarkte
Dauer 2-6 Wochen bis zu 2 Wochen
Impfung gibt es noch keine jährliche Grippeimpfung gegen bis zu vier Stämmen
Sterblichkeit 4,6 - 16,25 % (Statista Stand 26.05.2020, 21.00 Uhr)

Update (08.07.2020):
3,4 % (so far), 1,0 (estitmate) Quelle: WHO/Bloomberg
Sterberate auch abhängig vom Gesundheitssystem des jeweiligen Landes

Update (21.07.2020):
0,6 % IFR Quelle: Telepolis/New York Times
0,1-0,2 %

Update (08.07.2020):
0,1% (Seasonal Flu) Quelle: WHO/Bloomberg

Update (21.07.2020):
0,04-0,2 % IFR Quelle: Telepolis/New York Times

Man sieht also, dass die Leute länger herumspazieren und das Virus verbreiten können, als bei Influenza. Dass der neue Coronavirus die Organe direkt schädigt, während es bei einer Influenza zu Sekundärinfektionen kommen kann, die dann den Organismus überlasten, die aber oft mit Antibiotika behandelbar sind. Dass die Krankheit Covid-19 deutlich länger braucht, bis man sie überstanden hat. Dass wesentlich mehr Menschen daran sterben.

Das Einzige, was die beiden Krankheiten gemeinsam haben, ist der Übertragungsweg! Der neue Coronavirus ist ein Arschloch!

Ganz ehrlich, ich möchte nicht an Covid-19 erkranken. Und ich denke, ich werde mich in Zukunft auch gegen Influenza und Pneumokokken impfen lassen.

Wie kann man jetzt nur noch daran festhalten, dass das nur ein Hirngespinst der Pharmaindustrie ist, die damit einen Reibach machen will? Jetzt, wo der neue Coronavirus SARS-CoV-2 in Brasilien wütet, wo die Menschen aus lauter Verzweiflung die Toten einfach vor die Tür legen, weil die Bestattungsunternehmen überlastet sind.

Dr. Wodings verbreitet weiter diesen hanebüchenen Unsinn und dreht sich die Zahlen, wie er sie mag. Ich habe keine Aussage von ihm gefunden, die die massive Übersterblichkeit (z.B. die vielen Toten in New York) aus seiner Sicht erklären würde. Statt dessen rät er dazu, nicht mehr zu testen.

Einfach nur krank!

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Update-Liste


Updates Übertragung

Süddeutsche (22.05.2020): Re-Infektionen mit dem Coronavirus nicht sehr wahrscheinlich

Cleankids (26.05.2020): Erstmals neues Coronavirus in Muttermilch nachgewiesen

Süddeutsche (29.05.2020): Superspreading-Events

ntv (30.05.2020): Diagnose - Coronavirus erweist sich wohl als OP-Risiko?

Tagesspiegel (02.06.2020): So lässt sich die Gefahr durch Aerosole minimieren

Spektrum der Wissenschaft (09.06.2020): Wie Sars-CoV-2 in Deutschland aussterben kann dank der Asymmetrie zwischen Superspreadern und Menschen, die fast niemanden anstecken

Tagesspiegel (16.06.2020): Masken, Visiere, Kunststoffscheiben: Wie Materialien vor einer Infektion mit dem Coronavirus schützen

RND (11.06.2020): Laborversuchezeigen: Hohe und niedrige Temperaturen schaden Coronavirus auf Oberflächen kaum - wie lange sich das neue Coronavirus auf Oberflächen hält

RND (05.07.2020): Die wichtigsten Antikörperstudien in Deutschland, z.B. vom Helmholtz-Zentrum, um über die Verbreitung des Coronavirus mehr zu lernen

New York Times (07.07.2020): 239 Experts With One Big Claim: The Coronavirus Is Airborne, W.H.O. has resisted mounting evidence that viral particles floating indoors are infectious

South China Morning Post (07.07.2020): Scientists warn coronavirus can travel through the air for ‘tens of metres’ indoors

ntv (08.07.2020): Studie zu Langzeitfolgen - Hirnschäden trotz milden Covid-19-Verlaufs

Zeit (08.07.2020): Aerosole: Lüften, filtern und warm anziehen!

Zeit (10.07.2020): WHO hält Ausrottung des neuen Coronavirus für unwahrscheinlich

Apotheke adhoc (16.07.2020): Fachjournal JAMA: Übertragung über Luft untersucht

ntv (27.07.2020): Analyse: Aerosole Hauptübertragungsweg

Mimikama (03.08.2020): Coronavirus: Antikörper in Hunden und Katzen nachgewiesen


Updates Diagnose

ntv (27.05.2020): Können Hunde Corona-Infizierte erschnüffeln?

Pharmazeutische Zeitung (27.05.2020): IL-6 als Biomarker sagt Lungenversagen voraus, erhöhter Zytokinspiegel

Pressetext (03.08.2020): Transferrin (Glykoprotein) sagt schweren Corona-Verlauf vorher


Updates asymptomatische und milde Verläufe

HeilpraxisNet (13.06.2020): 45 Prozent der SARS-CoV-2-Infektionen verlaufen asymptomatisch

Pharmazeutische Zeitung (22.06.2020): Erst IgM-Antikörper, danach folgen IgA- und IgG-Antikörper - Erklärung für milde Verläufe

inFranken (14.07.2020): Coronavirus greift Gehirn an: Schwere Hirnschäden schon bei leichten Covid-19-Symptomen


Updates Symptome und Verlauf

Telepolis (07.05.2020): Fast alle Organe im Körper sind betroffen

New York Times (08.05.2020): In the Fight to Treat Coronavirus, Your Lungs Are a Battlefield

ntv (08.05.2020): Wir lernen gerade, wie Covid-19 verläuft

Pharmazeutische Zeitung (10.05.2020): Der ganze Körper ist betroffen

ntv (11.05.2020): Seltsames Syndrom bei Kindern macht Sorge - Syndrom weist Ähnlichkeiten mit dem Kawasaki-Syndrom auf

NDR (12.05.2020): Schädigt das Coronavirus die Blutgefäße?

ntv (12.05.2020): Forscher finden Coronavirus-RNA in Sperma

Spiegel (13.05.2020): Die vielen Symptome von Covid-19

Zeit (14.05.2020): Der Weg des Virus durch den Körper

NDR (14.05.2020): Hamburger Studie: Corona befällt mehrere Organe

Süddeutsche (15.05.2020): Behandlung von Covid-19-Patienten langwierig, aber erfolgreich

FAZ (17.05.2020): Verlauf von Covid-19 auf der Isolierstation

National Geographic (26.05.2020): Ausschlag, Hirnentzündung, Infarkte: Rätselhafte Corona-Symptome

Stern (28.05.2020): Ebola-Entdecker Peter Piot über seine Covid-19-Erkrankung: "Ich habe dieses Virus unterschätzt"

Süddeutsche (07.07.2020): Wenn der Geruchssinn versagt

Spektrum der Wissenschaft (08.07.2020): Was wir auch nach sechs Monaten noch nicht wissen - SARS-CoV-2 ähnelt zu 96% dem Coronavirus RATG13, das 2013 bei Java-Hufeisennasen-Fledermäusen in Yunnan (China) entdeckt wurde, und zu 93% dem Coronavirus RmYN02, das 2020 bei Malaiischen Hufeisennasen-Fledermäusen entdeckt wurde.

The Lancet (09.07.2020): Intensive care admissions of children with paediatric inflammatory multisystem syndrome temporally associated with SARS-CoV-2: Covid-19 auch für Kinder nicht ungefährlich

Spiegel (10.07.2020): Covid-19 befällt auch das Herz

Nature Medicine (15.07.2020): Extrapulmonary manifestations of COVID-19 - Manifestation von Covid-19 außerhalb der Lungen

Spektrum der Wissenschaft (17.07.2020): Zellalterung könnte Covid-19 verschlimmern - chronische Entzündung führt zu erhöhten Zytokin-Werten im Blut

Stern (08.08.2020): 28-Jährige erhält doppelte Lungentransplantation - seltener schwerer Verlauf, vermutlich aufgrund Autoimmunkrankheit


Updates Spätfolgen

Tagesspiegel (15.05.2020): Wie es ist, einen schweren Verlauf von Covid-19 überlebt zu haben

Spiegel (13.06.2020): Covid-19-Folgeschäden

Fefes Blog (17.06.2020): Bericht eines Covid-19-Patienten: 4 Wochen Koma, 6 Wochen Reha

NDR (29.06.2020): Corona-Patienten in Sorge wegen Langzeitfolgen

ntv (08.07.2020): Studie zu Langzeitfolgen - Hirnschäden trotz milden Covid-19-Verlaufs

Süddeutsche (11.07.2020): Covid-19-Patienten genesen nach zwei Wochen wieder, klagen aber noch nach Monaten über Symptome

Tagesspiegel (14.07.2020): Erschöpfung und Atemnot: Covid-19-Patienten leiden oft noch über Wochen und Monate

Stern (27.07.2020): Milchglasmuster: Diese Corona-Spätfolgen alarmieren Ärzte - Verharmlosung der Corona-Pandemie macht Lungenärzte wütend

Tagesspiegel (06.08.2020): Gravierende Spätfolgen von Covid-19: Die Krankheiten nach der Krankheit


Updates Sterblichkeit, Obduktionen, Tod etc.

Esanum (25.05.2020): COVID-19-Obduktionen: Schwere Lungenschäden

Heise (15.06.2020): Organoiden (Mini-Lungen) könnten zeigen, warum Covid-19 tötet

National Geographic (02.07.2020): How scientists know COVID-19 is way deadlier than the flu

Telepolis (07.07.2020): Covid-19: Was bedeutet Übersterblichkeit?

Telepolis (08.07.2020): Wahrscheinlichkeit, nach einer Coronavirus-Infektion zu sterben, ist für Senioren hoch

CNN Health (10.07.2020): Pathologist found blood clots in 'almost every organ' during autopsies on Covid-19 patients - bei Autopsien werden Blutgerinsel in fast jedem Organ von Covid-19-Patienten gefunden

Zeit (29.07.2020): Corona-Studie: Mehr als die Hälfte der beatmeten Covid-19-Patienten verstorben

Mimikama (04.08.2020): Behauptung: "Niemand ist am Coronavirus gestorben" (Faktencheck)

NachDenkSeiten (05.08.2020): Wie tödlich ist Corona? - Wie kommen die Zahlen in den Ländern zustande? Und ein Plädoyer für ein dem Gemeinwohl verpflichtetes, qualitativ hochwertiges öffentliches Gesundheitssystem



Covid-19 Survival Calculator

Thema: Corona
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Montag, 25. Mai 2020 17:01

Zur Öffnung der Restaurants

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

In Bayern dürfen seit heute die Restaurants wieder unter strengen Auflagen öffnen. Die Öffnung von Biergärten halte ich für weniger problematisch, auch weil die Kaltspülung nicht mehr erlaubt ist, aber die Öffnung von Restaurants könnte für vermehrte Infektionen sorgen. Mich überrascht es auch nicht, dass es in Niedersachsen in einem Restaurant zu einem Ausbruch mit derzeit zehn Infizierten kam, allerdings wurde hier wohl eine private Party gefeiert - blöde Idee... Die Hygiene- und Abstandskonzepte, die beispielsweise schichtweise Essen vorsehen und nach jedem Gastwechsel eine Desinfektion der Tische, ist wegen der Schmierinfektion und der Übertragung durch größere Tröpfen, die zu Boden sinken, sinnvoll.

Weit wichtiger ist meines Erachtens, dass gut gelüftet wird, denn das scheint nach meiner Einschätzung der Hauptübertragungsweg zu sein, also Aerosole, die sich lange in der Luft halten und in geschlossenen Räumen, in denen sich viele Menschen aufhalten (egal ob mit oder ohne Abstand) und sprechen, singen und/oder gröhlen. Unter Punkt II.5 des Rahmenkonzepts der Bayerischen Staatsregierung wird ein Lüftungskonzept verlangt. Sollte dies ordentlich umgesetzt werden, könnte es vielleicht sogar klappen.

All diese Maßnahmen führen aber natürlich zu einem deutlich geringeren Umsatz. Wahrscheinlich werden die Preise steigen müssen, damit sich das finanziert. Das ist die Rezession.

Stammtische wie unser Trekdinner werden jedenfalls für die nächsten Monate sicher nicht erlaubt sein.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates

ntv (25.05.2020): Ermittlungen gegen Wirt in Leer - Restaurantbesucher berichtet von Corona-Verstoß

Spiegel (15.05.2020): Studie zu Aerosol-Viruswolken: Dicke Luft im Restaurant

Süddeutsche (29.05.2020): Park Café nach 10 Tagen wieder geschlossen - eie Lage ist existenzgefährdend

Themen: Corona | Trekdinner
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Sonntag, 24. Mai 2020 17:01

Das regelt der Markt

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Der neoliberale Glaube, dass alles vom freien Markt geregelt wird, als wäre das ein Naturgesetz, ist meines Erachtens menschenverachtend.

Die Naturgesetze können von Menschen nicht verändert werden, sie gelten einfach unabdingbar. Was passiert, wenn es zu einer Katastrophe in der Natur kommt? Nehmen wir doch mal den Meteoriteneinschlag vor ca. 65 Millionen Jahren. Er war ein Globaler Killer, der die Dinosaurier ausrottete, die Erde wurde dunkel und kalt. Das Klima änderte sich. Es steht außer Frage, dass dies eine Katastrophe war, die für ca. 75% der Tierarten auf unserem Planeten das Ende bedeutete.

Doch die Kräfte der Natur sind bewundernswert. Insekten konnten sich von den toten Pflanzen ernähren, die widerum kleine Säuger ernährten, so dass sich in den nächsten Jahrmillionen die Natur wieder erholte. Sie erneuerte sich. Aber der Preis war hoch.

In der neoliberalen Gedankenwelt wird der freie Markt gehuldigt, der sich ebenso verhält, wie die Natur. Aber was bedeutet das?

Es ist also für Anhänger des Neoliberalismus naturgegeben, dass sich frei nach Darwin der Stärkere durchsetzt, das Bessere die Oberhand gewinnt, dass sich am Ende des Tages alles durch das Gesetz des Angebots und der Nachfrage einpendelt. Doch zu welchem Preis?

Den daraus folgenden Sozialdarwinismus kann man relativ gut in den USA beobachten, wo der reine Kapitalismus mehr oder weniger real gelebt wird, wo die Menschen glauben, dass es ihre eigene Schuld ist, wenn sie arbeits- und obdachlos werden, wo Egoismus eine Tugend ist, wo die Menschen an den Amerikanischen Traum glauben, dass es jeder bis ganz nach oben schaffen kann, wenn er nur will. In der Corona-Katastrophe schossen die Arbeitslosenzahlen in die Höhe und die Superreichen profitierten. Millionen US-Amerikaner hungern. Von dem System profitieren in erster Linie Soziopathen.

Wenn der freie Markt wüten könnte, wie er wöllte, dann würde unser Planet genau wie vor dem weltweiten Quasistillstand immer heißer laufen, die Ressourcen immer schneller verbraucht werden, die Umwelt vollends zerstört werden, bis der Planet durch die Überbevölkerung, den Klimawandel, der totalen Ausbeutung unbewohnbar würde. Die Menschen würden milliardenfach verhungern oder sich im Krieg um die allerletzten Rohstoffe gegenseitig auslöschen. Und dann könnten die Ratten, Tauben, Kakerlaken und Karpfen langsam wieder zu einer Biodiversität finden, mit einer stark dezimierten Menschheit, die in Trümmern haust und von vorn beginnt. So regelt das der Markt.

Ich glaube aber, dass der Mensch zu mehr fähig ist. Eine sehr starke Kraft der Natur ist der Altruismus. Kooperation, Solidarität, Empathie bringt die Menschheit weiter voran, als des der zerstörerische Egoismus des kapitalistischen Systems könnte, denn diese Kräfte zerstören nicht, sie bauen auf, schützen, streben nach etwas Größerem, Besseren.

Die Corona-Katastrophe hat das Potential, dass die Menschheit angesichts der globalen Bedrohung, die uns alle betrifft, wieder mehr zusammenrückt, dass wir einsehen, dass wir nur einen Planeten haben und dass wir füreinander da sein müssen.

Die Marktregeln sind nicht naturgegeben. Sie wurden vom Menschen erfunden. In Gesetzen und mit Hilfe von Steuern wird der Markt geregelt, gesteuert. Und wie diese Regeln gestaltet werden, liegt allein in der Hand des Menschen. Es ist durchaus möglich, diese Regeln so zu gestalten, dass die schwächsten Mitglieder der Gesellschaft geschützt werden, dass niemand Hunger leiden muss, dass jedem ein menschenwürdiges Leben ermöglicht wird. Jetzt müssen wir nur noch die Neuordnung unserer Welt nach der disruptiven Corona-Katastrophe in die richtige Bahn lenken, die auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz gerichtet ist. In der die Marktkräfte Neues erschaffen, ohne auszubeuten oder zu zerstören.

Ganz wichtig hierbei ist die Regulierung des sogenannten Finanzsektors, der die Realwirtschaft wie eine Zecke aussaugt und destabilisiert.

Ich bin gespannt, ob die Menschheit diese Bewährungsprobe einigermaßen besteht.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates

Heise (25.05.2020): Warum die Kopplung von Geben und Nehmen aufhören muss

NachDenkSeiten (26.05.2020): Extrem wachsende Ungleichheit zerstört die Demokratie

NachDenkSeiten (08.06.2020): Was hat Steuergerechtigkeit mit Demokratie zu tun?

Thema: Corona
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Donnerstag, 21. Mai 2020 17:01

Mediale Aufmerksamkeit

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Im Moment finde ich, dass die eigenartigen Hygienedemos viel zu viel mediale Aufmerksamkeit bekommen. Genau wie insgesamt die A-Ef-De, die bei Gugl 53,4 Mio. Treffer bekommt. Das ist mir irgendwie auch zu viel Aufmerksamkeit. Wenn man nach Piratenpartei sucht, kommen nur 1 Mio. Ergebnisse.

Man gewinnt den Eindruck, als gäbe es hier eine riesige Menge an Leuten, die irgendwelchen sektenhaften Strömungen aufsitzen und glauben, selbst zu denken, aber in Wirklichkeit vollkommen in die Irre geführt werden - jedenfalls aus meiner Sicht. Dabei sieht es für mich eher so aus, als wären die meisten Menschen recht vernünftig, wenn man dieser Umfrage vom ZDF (z.B. Seite 5 von "Aktuelles zur Coronakrise") Glauben schenken mag. Und auch in meiner Filterblase an Freunden, Verwandten und Arbeitskollegen sind die Irrgläubigen deutlich in der Minderheit.

In den USA sieht es ähnlich aus. New York Times und CNN sind voll von Berichten der Protester, die sich mit ihren Demonstrationen auch ziemlichen Gesundheitsrisiken aussetzen - nebenbei bemerkt. Auch in den USA zeigen Umfragen, dass die Menschen den neuen Coronavirus durchaus ernst nehmen und ihre Aktivitäten einschränken - egal ob mit oder ohne Verboten. Wobei es natürlich deutliche Unterschiede zwischen Republicans-Anhänger und Democrats-Anhängern gibt.

Dabei gibt es durchaus Menschen, die besonders unter den Maßnahmen leiden. Wie dieser ältere Herr, der unendlich traurig ist, weil er seine Frau im Pflegeheim seit acht Wochen nicht mehr sehen durfte. Er nennt das "seelische Folter", und ich kann dem nur zustimmen. Glücklicherweise scheint hier endlich eine Lösung gefunden worden zu sein, wie Besuche in Pflegeeinrichtungen wieder möglich sind. Denn was ist das schon für ein Leben, wenn man einsam ist?

Und dass der ältere Herr trotz seiner Traurigkeit und Verzweiflung sich nicht aus der Fassung bringen lässt, wenn er von einem anderen Demonstranten angepöbelt wird, und sagt, man müsse vernünftig bleiben... Das macht ihn für mich zu einem wahren Helden!

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates

Süddeutsche (21.05.2020): Corona-Proteste: vom Zuhören und Dagegen-sein

Zeit (21.05.2020): Die leise Stimme von Rentner Alfons Blum (84), mein Held

Tagesspiegel (27.05.2020): Stimmung der Deutschen in der Coronakrise

Volksverpetzer (19.06.2020): Wie du Aluhüten nicht hilfst

Thema: Corona
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Montag, 18. Mai 2020 17:01

Homeoffice

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Homeoffice ist schon eine praktische Sache. Früher musste ich immer Urlaub oder Gleittage oder zumindest Überstunden nehmen, wenn ich irgendwelche Termine mitten am Tag hatte. Mit Homeoffice konnte ich dann vorher und/oder nachher einfach von zu Hause aus arbeiten und habe weder Urlaubstage noch Stunden verloren. Trotzdem war ich grundsätzlich lieber im Büro. Dort hatte ich einen ordentlichen Bürostuhl, einen großen Bildschirm, kostenfreien Kaffee und eine richtig gute Kantine.

Nachdem wir mehr oder weniger plötzlich ins Homeoffice geschickt wurden, hatte ich zuerst die Vorteile im Blick. Ich kann jetzt länger schlafen, was mir sehr gut tut. Und es ist auch besser, als in Kurzarbeit geschickt zu werden, auch wenn da finanziell ganz schön was aufgefangen wird. Da habe ich wohl mal wieder Glück gehabt.

Normalerweise dürfen wir ungefähr 20% unserer Arbeitszeit im Homeoffice verbringen, nach Absprache mit der Führungskraft und es darf nicht immer derselbe Wochentag sein. Theoretisch müsste ich also ab nächster oder übernächster Woche wieder ins Büro, denn dann sind die 20% aufgebraucht. Aber die Ansage ist, dass wir auch voraussichtlich bis mindestens Herbst, vielleicht sogar bis Ende des Jahres erst einmal im Homeoffice bleiben sollen, wer kann. Ich sehe schon unsere Pflanzen alle vertrocknen...

Unsere Kantine hat dichtgemacht. Deshalb koche ich jetzt wieder fast jeden Tag, außer wenn ich etwas von der Landlust hole. Weil ich in Kochstreik getreten war und wir einen Saugroboter angeschafft haben, konnte ich meine durchschnittliche Hausarbeitszeit von 10:28 Stunden pro Woche in 2016 auf 8:42 Stunden pro Woche in 2019 senken. Jetzt bin ich aber schon wieder bei 10:41 Stunden pro Woche angelangt. Das liegt aber auch daran, dass ich die Handtücher öfter wasche, insgesamt mehr putze und viel mehr Zeit zum Einkaufen benötige. Ich brauche die Hausarbeit auch, um zwischendurch immer mal wieder aufzustehen und mich zu bewegen, damit ich keine Rückenschmerzen bekomme. Das liegt aber nicht nur am fehlenden Bürostuhl, sondern auch daran, dass ich jetzt viel weniger reite, seit Felix krank ist, und wieder die Bauchtasche nehme, damit ich unterwegs meine Hände frei habe.

Den großen Bildschirm vermisse ich schon manchmal, aber es geht auch ganz gut ohne. Zu Hause hätte ich sowieso keinen Platz, den ordentlich hinzustellen. Falls es wäre, dürfte ich ihn mir aus dem Büro holen.

Was natürlich auch ein großer Vorteil ist: Ich spare Benzin. Wenn alle, die irgendwie im Homeoffice arbeiten können, in Zukunft nicht nur 20% dürften, sondern deutlich mehr, dann wäre das auch gut für die CO2-Bilanz. Und es gäbe weniger Stau.

Außerdem scheint es sich herauszukristallisieren, dass Großraumbüros (eventuell sogar mit Klimaanlage) keine so gute Idee sind. Ob sich da etwas tut? Bisher hatte ich Glück und musste mein Büro höchstens mit zwei Kolleginnen teilen, was ganz gut funktioniert hat. In letzter Zeit war ich sogar meistens alleine gewesen. Aber das ist natürlich Luxus. Ich bin echt gespannt, wie sich die Situation auf die künftige Bürogestaltung auswirken wird.

Mit meinen Mittagsdates habe ich mich jetzt über MS Teams verabredet, damit man sich nicht ganz fremd wird. Den persönlichen Kontakt vermisse ich am meisten. Es gibt auch Kollegen, die ich schon über zwanzig Jahre kenne. Da mein Mann auch Homeoffice macht, gehe ich immer ins Wohnzimmer, wenn ich mal ein Online-Meeting habe. Sonst stören wir uns zu sehr. Und ich kann wieder aufstehen und mich bewegen, während Florian einen höhenverstellbaren Monitorhalter hat.

Ich verstehe auch nicht, wie Leute im Homeoffice vor Netflix und Co. versumpfen. Da bekommt man doch seine Arbeit nicht erledigt. Das hat sich bei mir nicht geändert. Ich beginne morgens ca. 8.00 Uhr und klappe zwischen 16.00 und 17.00 Uhr mein Notebook zu, schalte das Handy auf stumm. Nur die Mittagspause ist etwas länger, weil ich eventuell in den Stall fahre oder einkaufen gehe. Und manchmal frage ich mich, welcher Wochentag gerade ist :D

Im Moment halte ich es also ganz gut aus im Homeoffice. Mal sehen, wie das in ein paar Monaten aussieht.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates

Washington Post: Das weiße Haus erlaubt Homeoffice zum ersten Mal in seiner 231-jährigen Geschichte

Heise (13.05.2020): Twitter erlaubt seinen Mitarbeitern Homeoffice für immer

Heise (13.05.2020): Homeoffice mit (kleinen) Kindern ist die Hölle

Tagessspiegel (17.05.2020): Büroetage infizierte sich beinahe komplett

Heise (20.05.2020): Auf Wiedersehen, Homeoffice? Die Tücken der Bürorückkehr

Heise (21.05.2020): Diskussion um Recht auf Homeoffice

Stern (27.05.2020): Berufspendler spielten große Rolle bei Ausbreitung des Coronavirus

Heise (29.06.2020): Corona krempelt die Arbeitswelt um – Sieger ist das Homeoffice

Süddeutsche (16.07.2020): Siemens macht Homeoffice für 140.000 Mitarbeiter möglich

Themen: Corona | mein Job | Auto | Meine Sonderanfertigung Florian | Eigenes Pferd Felix | Sonnenstrahl
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Sonntag, 17. Mai 2020 17:01

Die Ärmsten trifft es am Härtesten

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Ein Lockdown mag aus virologischer Sicht das Mittel der Wahl sein, eine Pandemie einzudämmen, doch in Ländern wie Indien funktioniert das nicht. Was nutzt es denn, wenn zwar das neue Coronavirus eingedämmt wird, aber die Menschen verhungern, weil sie nicht nach Hause können und die Straßenküchen geschlossen haben? Das hat sicher auch sehr viel mit der Bevölkerungsdichte zu tun.

Ich habe in den letzten Wochen einiges gespendet, in erster Linie für Pferdehöfe, die mir am Herzen liegen, aber auch für unabhängigen Journalismus. Doch immer, wenn mir Werbung für Aktion Deutschland hilft, Welthungerhilfe, Aktion gegen den Hunger, UNICEF, UNO-Flüchtlingshilfe, Worldvision, action medeor, und wie sie alle heißen, mit den Bildern von mageren Kindern mit großen Kulleraugen oder zur Zeit auch einfach nur Hände waschend im Internet anspringen, habe ich das Gefühl, dass ich vielleicht auch hier wenigstens finanziell etwas tun müsste. Doch ich frage mich immer, wieviel von den Spenden dann tatsächlich bei den Menschen ankommt und wieviel im Korruptionssumpf versickert oder gar Gewalt und Krieg gefördert wird. Oder ob damit nur Symptome statt Ursachen bekämpft werden und die Bevölkerungsexplosion befeuert wird. Ähnlich denke ich, wenn ich auf der Straße in der Münchner Innenstadt Bettler sehe und mich frage, ob sie nicht von einer "Bettlermaffia" ausgebeutet werden.

Zumindest die BISS kaufe ich häufig und lese gerne die Schreibwerkstatt-Berichte, die die Verkäufer selbst verfassen. Und Mercy Ships und (I)NTACT unterstütze ich auch sehr gerne. Bei diesen beiden Organisationen werde ich über Facebook regelmäßig über ihre Arbeit informiert und freue mich über jeden kleinen Erfolg. Manchmal träume ich davon, wenn ich irgendwann mal in Altersteilzeit bin, auch für eine solche Organisation zu arbeiten. Das wäre sicher erfüllender als Verträge zu formatieren und Powerpointfolien aufzuhübschen.

Ich bin einfach nur dankbar, in Deutschland zu leben, hier aufgewachsen zu sein und niemals Hunger oder Krieg erlitten haben zu müssen. Wenn man die Maßnahmen zur Eindämmung mit anderen Ländern vergleicht, dann waren auch die härtesten Maßnahmen der vergangenen Wochen pillepalle. An die Psyche der Menschen wurde gedacht, denn wir durften raus gehen und Sport treiben. An die Tiere wurde auch gedacht, so durfte man seinen Hund gassi führen oder sein Pferd bewegen. Um den wirtschaftlichen Schaden möglichst gering zu halten, wurden viele Soforthilfen aus dem Boden gestampft. Natürlich konnte das nicht alle Härten auffangen, es herrschte Chaos und Server waren überlastet und Betrüger griffen sensible Daten ab. Aber einen Lockdown, den hatten wir wahrlich nicht. Im übrigen schaden auch mildere Maßnahmen der Wirschaft, da die Menschen dann aus Angst vor Ansteckung weniger in Restaurants gehen oder herumfahren und selbstverständlich größere Anschaffungen erst einmal nicht tätigen wegen der ungewissen Zukunft.

Ich habe da noch Bilder aus Wuhan im Kopf, wo bewaffnete Regierungsvertreter die Straßen patroullierten, um die Ausgangssperre durchzusetzen, Gruppen von Menschen in Schutzkleidung die Straßen desinfizierten oder die Wohnungstür einer Familie, die die Quarantäne nicht einhalten wollte, verbarrikadiert wurde. DAS war ein Lockdown! In einem trotz vieler Missstände relativ gut funktionierendem Rechtsstaat wie Deutschland ist so etwas undenkbar.

Aber Deutschland hat es geschafft, das sicherste Land in Europa in der Krise zu werden. Wegen dem Präventionsparadox halten unzählige Menschen die getroffenen Maßnahmen für übertrieben, weil wir keine "Leichenberge" sehen. Vielleicht waren sie das auch in mancher Hinsicht. Immerhin haben sich schon vor den Beschränkungen Menschen an diverse Empfehlungen gehalten wie Abstand zu halten und in öffentlichen Innenräumen Maske zu tragen und ganz besonders, ihren Aktionsradius deutlich einzuschränken. Letzteres zeigte auch eine Analyse von Handy-Bewegungsdaten. Letztendlich ist es auch nicht notwendig, dass sich alle an die Regeln halten, sondern es reicht aus, wenn es ein genügend großer Prozentsatz tut, um das Ziel zu erreichen, die Kurve abzuflachen. Deshalb sage ich auch nichts, wenn ich immer wieder Leute im Supermarkt sehe, die ihre Maske unter der Nase tragen. Ich persönlich mag meine frisch gewaschenen Baumwoll-Masken, die nach Lenor duften. Allerdings sind die ein-lagigen angenehmer als die zwei-lagigen, unter denen ich dann leicht schwitze. Mein Sohn hat auch Probleme, weil seine Brille ständig beschlägt. Aber mit Drahtbügel geht es irgendwie.

Jedenfalls ist es meines Erachtens richtig, dass jetzt die Maßnahmen so gut wie möglich gelockert werden, damit unsere Krankenhäuser wieder besser ausgelastet werden können mit dem Normalbetrieb, die Wirtschaft wieder anlaufen kann (bis auf Großveranstaltungen und Urlaub erst einmal) und wir nur noch wo nötig ist gezielte Maßnahmen ergreifen. Damit sind wir wohl auf einem sehr guten Weg.

Und tröste ich mich immer mit dem Gedanken, dass das alles nur vorübergehend ist. Und ich bin äußerst dankbar dafür und glücklich darüber, dass wir Strom, Wasser, ein Dach über dem Kopf und jeden Tag unser Essen auf dem Tisch haben.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates

Tagesspiegel (19.06.2020): Warum Covid-19 die Ärmsten besonders hart trifft

Thema: Corona
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Freitag, 15. Mai 2020 17:01

Adieu Urlaub

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Eine der am stärksten betroffenen Branche ist die Tourismusbranche. Insbesondere Hotels, Großveranstaltungen und die Flugbranche stehen hier im Zentrum der Aufmerksamkeit. Restaurants konnten wenigstens auf To-Go umstellen und sich gerade eher schlecht als recht über Wasser halten. Da auch die Dienstreisen bis auf ein absolutes Minimum reduziert wurden, ist nicht mehr viel los am Himmel (außer in den USA). Auch der Messe-Kalender ist gespenstisch leer.

Wir hatten echt Glück. Letztes Jahr waren wir im April in Neuseeland, also am anderen Ende der Welt. Wenn da schon die Corona-Katastrophe passiert wäre, hätten wir entweder richtig Geld in den Sand gesetzt, weil die Reiserücktrittsversicherung sicher nur gezahlt hätte, wenn wir selbst krank geworden wären, oder noch schlimmer, wir wären dort auf Wochen oder Monate gestrandet. Verwandte waren in der Zeit gerade in Thailand und ich habe mir große Sorgen gemacht, dass sie nicht wieder zurückkommen können. Glücklicherweise sind sie einige Tage vor geplanter Heimreise irgendwie doch zurück gekommen. Es gab eine gigantische Rückholaktion der Bundesrepublik. Trotzdem dürften einige irgendwo gestrandet sein.

Dieses Jahr hatten wir auch Glück. Bis auf ein Paar Wochenenden hatten wir noch nichts Konkretes geplant. Wir hatten an eine Deutschlandrundreise im August/September bis Dänemark und Holland gedacht, die ich dann zu Ostern konkret planen wollte. Inzwischen haben wir unsere Pläne aber ad acta gelegt. Es ist aber auch nicht schlimm. Wir verbringen oft und gerne Urlaub zu Hause. Wenn wir am Wochenende weg waren und Sonntagabend irgendwann heimkommen, habe ich meistens am Montag Urlaub genommen. Ich pack das gar nicht mehr, dann am nächsten Tag sofort wieder früh aufzustehen und ins Büro zu marschieren. Urlaub ist für mich nicht gleichbedeutend mit Wegfahren/-fliegen. Ich schaue gerade, wie viele große Urlaube ich so gemacht habe, seit ich sie selbst bezahlen muss. In den letzten 25 Jahren waren das vier große Flugreisen. Uns fällt es also nicht schwer, im Moment darauf zu verzichten.

  • 1991: Deutschland und Österreich (Auto, Zelt) - da habe ich beschlossen, nur noch wegzufahren, wenn ich mir auch Hotel mit eigenem Bad leisten kann :D
  • 1993: Österreich (Auto)
  • 1995: Italien bis Neapel (Auto)
  • 1995: USA Chicago, Wisconsin (Flug, größtenteils Privatunterkunft)
  • 2003 - 2007: Bayerischer Wald (Auto)
  • 2006: Bochum (Flug)
  • 2008: Paris (Flug)
  • 2008: USA Kalifornien, Nevada (Flug) - ohne Kinder
  • 2009: Hochzeitsreise Deutschland, Dänemark (Auto)
  • 2012: London (Flug)
  • 2013: USA Florida, Atlanta in Georgia (Flug)
  • 2014: Deutschland Düsseldorf, Rügen, Berlin (Flug, Mietwagen), Amsterdam (Flug)
  • 2015: Hamburg (Auto)
  • 2016: Deutschland Berlin, Ostdeutschland bis Mecklenburg-Vorpommern (Auto)
  • 2017 Ostdeutschland bis Stralsund (Auto)
  • 2017 ein Tag Berlin, sehr dekandent (Flug)
  • 2018 Schweiz bis Genf (Auto)
  • 2019 Singapur und Neuseeland Südinsel (Flug)

Wann das Auswärtige Amt die weltweite Reisewarnung wieder lockert oder aufhebt, steht in den Sternen. Dennoch hoffen viele nicht nur in der Reisebranche, dass Reisen bald wieder möglich sein werden. Zumindest innerhalb Europas scheint es tatsächlich wieder möglich zu werden, zumindest mit Sicherheitsmaßnahmen und Einschränkungen. In manchen Ländern könnte es an der Einreisequarantäne scheitern.

Ein Flugmediziner hat im Auftrag der International Air Transport Association (IATA) das Risiko untersucht, wie hoch an Bord das Ansteckungsrisiko sei, mit wenig überraschendem Ergebnis. Doch ich frage mich, wie viele Menschen trotz dieser Beteuerungen im Moment und in den nächsten Monaten irgendwohin fliegen wollen. Einerseits aus Angst vor Ansteckung und andererseits natürlich auch wegen der ungewissen Zukunft, da hält man sein Geld doch lieber zusammen.

Nachdem Dänemark (und Polen) Unternehmen mit Sitz in Steueroasen keine Corona-Hilfen auszahlen wollen, scheint sich nun auch der Druck auf die Bundesregierung zu erhöhen, dies nicht zu tun. In der Finanzkrise 2008 haben viele Staatshilfen dazu geführt, dass Gewinne privatisiert und Verluste sozialisiert wurden. Ich sehe einen schmalen Lichtstreifen am Horizont, dass die Regierung diesen Fehler diesmal nicht wiederholen möchte. Da sieht es dann für die Lufthansa düster aus, denn dort scheint eine Menge Kohle am Fiskus vorbeigeschleust worden zu sein. Die Billigairline Germanwings haben sie ja schon dichtgemacht.

Persönlich habe ich Billigairlines immer gemieden. Ich habe mir einfach nicht vorstellen können, dass unter dem Kostendruck nicht vielleicht doch die Sicherheit leidet. Letztendlich kann Sparen am falschen Ende sich als Riesenfehler entpuppen.

Vermutlich wird hier ein Prozess stattfinden, der Fliegen in Zukunft deutlich teurer machen wird. Aber ganz ehrlich: Ich fände das sehr gut. Kein Mensch muss drei Mal im Jahr irgendwo hin fliegen, bloß weil da das Wetter besser ist. Kein Mensch muss zum Shoppen nach New York oder zum Party feiern nach Ibiza fliegen. Die Natur wird sich freuen.

Aber vielleicht gibt es Innovationen, die zumindest Fliegen etwas umweltfreundlicher machen könnte. Bisher konnte man sein Gewissen bei atmosfair erleichtern, aber es gibt durchaus erfreuliche Entwicklungen, die vielleicht nun etwas vorangetrieben werden. Ich bin mir nicht so sicher, ob elektrisches Fliegen sinnvoll ist, aber vielleicht kann man mit Hilfe von Algen CO2-neutrales Kerosin herstellen? Vielleicht wäre auch eine Kerosinsteuer nicht verkehrt, aber ich denke, dass sich da die Regierung(en) eher zurückhalten werden, da das die Preise noch stärker in die Höhe treiben würde.

Wie werden wir also in ein paar Jahren reisen? Werden meine Jungs jemals nach Neuseeland fliegen können? Es bleibt spannend.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Update-Liste

Spiegel (16.05.2020): Oder vielleicht wäre es doch nicht so schlecht, in Neuseeland gestrandet zu sein...


Updates Flugbranche

Tagesspiegel (13.05.2020): Steueroasen und Staatshilfen – passt das zusammen? - Lufthansa

Zeit (20.05.2020): Bundesregierung einig über Lufthansa-Rettung

ntv (20.05.2020): Flughafen Tegel schließt am 15. Juni

ntv (24.05.2020): Lufthansa fährt im Juni Angebot wieder hoch

Neue Zürcher Zeitung (24.05.2020): Lufthansa-Rettung gerät zur politischen Farce - vor 23 Jahren privatisiert, bestellte Airbus-Flugzeuge sollen trotz voraussichtlich sinkenden Luftverkehr abgenommen werden

Süddeutsche (25.05.2020): Bundesregierung und Lufthansa einigen sich auf Staatshilfe-Paket

Süddeutsche (26.05.2020): Ryanair will Lufthansa-Rettungspaket anfechten, da es den Wettbewerb verzerrt

Neue Zürcher Zeitung (27.05.2020): EU-Kommission will Massnahmen nur mit harten Auflagen billigen, keine Boni für die höheren Kader, keine Dividenden, keine Aktienrückkäufe, solange der Staat Mitaktionär ist

Süddeutsche (27.05.2020): Versteckte Geldflüsse bei der Lufthansa, Verbindungen in Steueroasen

Tagesschau (30.05.2020): Lufthansa akzeptiert EU-Auflagen - Start- und Landerechte in Frankfurt und München müssen abgegeben werden - Aufsichtsrat und Aktionäre müssen noch zustimmen

ntv (31.05.2020): Lufthansa-Deal stößt auf geteiltes Echo - Dumping am Himmel gefördert - verbindliche Klimaauflagen bleibt Wunsch

Neue Zürcher Zeitung (03.06.2020): Trotz Milliarden-Hilfen: Der Lufthansa-Konzern bereitet die Mitarbeiter und die Tochterfirmen auf harte Einschnitte vor, Konzern will Kredit innerhalb von drei Jahren zurückzahlen

Süddeutsche (11.06.2020): Lufthansa - Ein Mythos am Boden

Spiegel (22.06.2020): Ryanair-Chef kündigt Billigtickets für den Sommer an - Klimawandel egal?

Tagesspiegel (25.06.2020): Lufthansa-Aktionäre stimmen Staatseinstieg zu

ntv (26.06.2020): Die Lufthansa zahlt Steuern lieber auf Malta

Süddeutsche (28.06.2020): Der Preis der Lufthansa-Rettung

ntv (21.07.2020): Bundesweite Stellenstreichung - Ryanair macht Standort Hahn dicht

Heise (30.07.2020): Airbus fliegt mit Milliarden in die Miesen

Heise (30.07.2020): Boeing verliert viel Geld, verkündet das nahende Ende des Jumbojets 747


Updates Hotelbranche

BR (19.05.2020): Regeln für Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen


Updates Bahnreisen

NDR (28.05.2020): DLR erforscht Ausbreitung von Viren in Zügen

Tagesspiegel (16.06.2020): Untersuchung zur Verbreitung von Aerosolen in Bussen, Bahn (und Flugzeug)

Telepolis (05.07.2020): Corona macht die Bahn pünktlicher

Tagesspiegel (05.07.2020): Volle Abteile, keine Maske

Volksverpetzer (20.07.2020): Deutsche Bahn setzt Maskenpflicht nicht durch

Zeit (03.08.2020): Zugverweis und Bußgelder: So soll Maskenpflicht besser durchgesetzt werden


Updates Kreuzfahrtschiffe

Stern (05.07.2020): Milliarden-Verluste: Der Kreuzfahrtbranche steht das Wasser bis zum Hals

Ich persönlich wäre auch vor Corona nicht auf die Idee gekommen, meinen Urlaub auf einem Kreuzfahrtschiff zu verbringen. Da hätte ich mich gefangen auf einem schwimmenden Hotel gefühlt. Auch solche Hotels an Land, die die "Freizeitaktivitäten" wie grenzenlose Buffets, Kino/Theater/Show anbieten und Wellness oder Swimmingpools sind mir ein Graus. Das ist nicht die Art Urlaub, die mir gefällt. Dazu kommt, dass ich Angst auf dem Meer habe. Wahrscheinlich habe ich als Kind zu viele Titanic-Filme gesehen. Aber zwei Stunden auf einer Fähre ist glaube ich das längste, was ich psychisch durchstehen würde. Und am wohlsten würde ich mich fühlen, wenn man die Küste sehen kann. Wenn die außer Sichtweite ist, dann könnte ich mir vorstellen, dass ich in Panik gerate.

Und auch die Umwelt hat unter den Kreuzfahrtschiffen gelitten, da diese größtenteils mit umweltschädlichem Schweröl fahren. Ein weiterer Grund für mich, diese Urlaubsart zu meiden.

Mir ist es daher unbegreiflich, wie das Kreuzfahren so boomen konnte. Aber Menschen sind halt verschieden ;-)


Updates Tourismusbranche Ausland

FAZ (26.05.2020): Reisewarnung soll für 31 Länder aufgehoben werden

Heise (26.05.2020): Reisewarnung für Türkei bleibt bestehen, die Türkei ist kein Rechtsstaat, Menschenrechtsverletzungen sind an der Tagesordnung, Haft droht schon bei Likes in Facebook, trotzdem werden von Deutschland weiter Waffen geliefert und Finanzspritzen gewährt

Spiegel (03.06.2020): Reisewarnung für 31 europäische Staaten aufgehoben

Telepolis (10.06.2020): Griechenland: Skepsis gegenüber Tourismus-Experiment

Zeit (10.06.2020): Weltweite Reisewarnung für 160 Länder verlängert

ntv (13.06.2020): Corona-Rückholaktion per Flieger - Auswärtiges Amt verschickt bald Rechnungen

FAZ (14.06.2020): Was beim Reisen ins Ausland nun zu beachten ist

Tagesschau (15.06.2020): Ende der Corona-Grenzkontrollen

NachDenkSeiten (09.07.2020): Deutschland first – Urlaubs-Nationalismus in Corona-Zeiten

In diesem Artikel prangert Jens Berger an, dass ganze Länder, die abhängig sind vom Tourismus, durch die Reisewarnungen schwer geschädigt werden, auch dann, wenn die Fallzahlen die Reisewarnung eigentlich nicht rechtferigen. Als Beispiel nennt er Türkei und Thailand.

Die Türkei ist auf Rang 154 und Thailand auf Rang 140 in Sachen Pressefreiheit laut Reporter ohne Grenzen. Aufgrund der Intransparenz in diesen beiden Ländern bezweifel ich, dass sich die offiziellen Fallzahlen mit denen von Mitgliedern der EU vergleichen lassen und die Dunkelziffer entsprechend höher ist oder kritische Stimmen unterbunden werden. Thailand hat (Stand 10.07.2020, 11:28 Uhr) laut John Hopkins University bisher 58 (bei knapp 70 Mio. Einwohnern) Covid-19-Tote zu verzeichnen, die Türkei 5.300 (bei 83 Mio. Einwohnern). Zum Vergleich: Italien 34.926 Tote/60 Mio., Frankreich 29.982 Tote/67 Mio., Spanien 28.401 Tote/47 Mio., Deutschland 9.061 Tote/83 Mio., United Kingdom 44.687 Tote/66 Mio.). Es wird aber auch weniger getestet. Thailand 4,54 Tests pro 1.000 Einwohner, Türkei 44,26, Italien 96,03, Frankreich 12,73 (das ist wenig), Spanien 77,38, Deutschland 76,10, United Kingdom 166,26. Wer weniger testet, findet natürlich auch weniger Fälle. Länder, die hochgradig vom Tourismus abhängig sind, haben ein großes Interesse an harmloseren, offiziellen Zahlen. Gerade der Türkei kann ich persönlich hier leider nur wenig Vertrauen entgegenbringen.

Natürlich treffen Sanktionen gleich welcher Art die Bevölkerung immer zuerst. Trotzdem bin ich nicht bereit, mein Geld in Länder zu tragen, die von größenwahnsinnigen Menschenrechtsverletzern regiert werden, wie die Türkei. Und das war auch schon vor Corona so.

Zeit (13.07.2020): Weltärztebund-Chef fordert Quarantäne für Mallorca-Rückkehrer

NachDenkSeiten (17.07.2020): Ballermann-Hysterie – Medien und Politik drehen wild - verwendetes Bild vom Strand stammt aus 2018

Telepolis (27.07.2020): Verpflichtende Tests für Heimkehrer aus Corona-Risikogebieten

Tagesschau (27.07.2020): Corona-Pflichttests für Reiserückkehrer: eine rechtliche Beleuchtung

Ärzteblatt (03.08.2020): Hohe Trefferquote von 2,5% bei Rückkehrertests an NRW-Flughäfen

Tagesschau (07.08.2020): Wie funktioniert die Corona-Testpflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten?


Updates Tourismusbranche Deutschland

Spiegel (19.05.2020): Dilemma auf deutschen Inseln - Touristen - gebraucht und gefürchtet

Tagesspiegel (03.06.2020): Zwischen Not und Hoffnung - Deutschlands Reisebranche denkt um

ntv (29.06.2020): Helgoland leidet einsam und coronafrei

Tagesspiegel (29.06.2020): An der Ostsee wird es eng



Robert Koch Institut: Informationen zur Ausweisung internationaler Risikogebiete durch das Auswärtige Amt, BMG und BMI

Themen: Corona | Urlaub
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Dienstag, 12. Mai 2020 20:09

Twitch.tv und Youtube

Wir schauen eigentlich so gut wie nie fern. Bevor ich mit Florian zusammengekommen bin, hatte ich schon zwei fernsehfreie Abende, weil mir das Programm zu blöd geworden war. Und dann hatte ich es mir fast ganz abgewöhnt. Als der Fernseher dann kaputt ging, haben wir lange GEZ gespart, bis die Rundfunkgebühr als Haushaltsabgabe eingeführt wurde. Dann haben wir uns zwar wieder einen Fernseher gekauft, aber die Gewohnheit blieb, nicht zu gucken.

Abgesehen davon, dass fast nur Mist kommt (bis auf wenige Ausnahmen) und mir dafür meine Zeit zu schade ist, wollte ich mich auch nicht dem 20:15-Uhr-Diktat unterwerfen. Ich empfand es als Stress, dann schon mit allem fertig sein zu müssen, was man so am Tag vor hatte. Oder wenn man Nachrichten schauen wollte, noch früher. Deshalb sind wir bei Prime und Netflix, um zeitlich unabhängig zu schauen und auch zu bingewatchen. Und jetzt schaue ich auch ab und zu Sendungen auf Twitch.tv. Meine erste Begegnung war mit Tommy Krappweis, von dem ich schon seit der Schulzeit Fan bin. Die erste Begegnung mit seiner Sendung WildMics war die Folge "Pen and Paper Remote? .,. und was noch alles geht, wenn es gehen muss" mit Mháire Stritter. In der Sendung ging es ziemlich schnell auch um das Thema Depression und die Offenheit, mit der darüber gesprochen wurde, berührte mich sehr.

Wenn man die Sendung live verfolgt, kann man per Chat sogar interagieren. Allerdings geht der Chat meist so schnell, dass die Gesprächspartner kaum auf alle Fragen eingehen können. Und ich bin sowieso nicht multitaskingfähig, also kann ich entweder gucken und zuhören oder lesen.

Die zweite Sendung, die ich angeschaut habe, war "Hilfe, mein Onkel schwurbelt" mit Hoaxilla, Lydia Benecke und Bernd Harder. Das war auch sehr schön und da ich gerade so einen Fall selbst erleben musste, fühlte ich mich auch persönlich angesprochen. Hoaxilla verwendet die Mitschnitte dann auch in ihrem Podcast.

Die Sendung "Blogs, Pages & Profile - Was macht man warum im Netz?" von gestern habe ich leider verpasst, aber ich freue mich, dass man sie auf Twitch.tv noch nachträglich anschauen kann. Und das Thema "Bullshit erkennen - in der Corona Krise und danach" klingt auch interessant, da muss ich auch noch reinschauen.

Gestern kam auf Youtube die Sendung "Last Geek Tonight" mit Nessi und Tommy Krappweis Folge 2 "Wurstwasser-Schock". Ich habe in den Alexa-Stick drei Mal den Titel der Sendung reingesprochen, zuletzt in Zoomania-Faultier-Geschwindigkeit. Aber Youtube zeigte mir immer "Last Week Tonight" an. Also musste ich doch umständlich eintippen. Die Sendung war auch sehr lustig und Tommy erzählte viele Geschichten aus der Vergangenheit. Das war auch sehr berührend.

Aber das sind nicht die einzigen, die sich in Live-Streams austoben. Am Wochenende habe ich The Wil Wheaton Twitch Experience angeschaut, ein Panel von zu Hause aus, ein Geschenk an seine Fans, da die SuperCon in Florida ausgefallen war. Ich mag Wil Wheaton seit dem Buch "Just a Geek" und meiner Begegnung mit ihm auf der FedCon XXI 2011 persönlich sehr gerne und bin mit ihm auch auf Facebook "befreundet". Dort verfolge ich ein wenig sein Leben mit Anne und den Hunden Seamus und Marlowe und dem Kater Watson. Er und Anne sind wunderbare Menschen.

WildMics

Nessi in Last Geek Tonight

Tommy in Last Geek Tonight

Wil Wheaton

Themen: Star Trek | Corona | Computer und Internet | Blick in die Vergangenheit | Conventions | Tommy Krappweis
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Dienstag, 12. Mai 2020 17:01

Die USA und ihre Waffen

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Ich mache mir etwas Sorgen um die USA. Damit meine ich nicht, dass Donald Dump Trump einfach ungeeignet ist, der Corona-Katastrophe zu begegnen. Die Leute haben ihn ja gewählt, irgendwie... Das Wahlsystem in den USA finde ich sowieso vollkommen absurd. Nicht dass ich Killary besser gefunden hätte. Aber die US-Amerikaner scheinen oft nur die Wahl zwischen Pest und Cholera zu haben. Kandidaten wie Bernie Sanders, der seit Jahrzehnten u.a. für ein sozialeres Gesundheitssystem kämpft, werden als Kommunisten verunglimpft und bei den Vorwahlen der Demokraten aussortiert und irgendwelche "gemäßigten" Kandidaten treten dann tatsächlich bei den Präsidentschaftswahlen an.

Als die Corona-Katastrophe hereinbrach, kauften die US-Amerikaner nicht etwa Klopapier (naja, schon auch), nein, sie deckten sich mit Schusswaffen ein. Mein erster Gedanke war: "Oh, oh!" Zugegeben, ich habe zu viel Walking Dead geschaut. Aber ich hatte eigentlich auch immer Angst, in eine Schießerei zu geraten, wenn wir in den USA im Urlaub waren. Es ist für mich vollkommen unbegreiflich, dass trotz Sandy Hook und Never Again in den USA immer nur Thoughts and Prayers* kommen, wenn es mal wieder zu einer Massenschießerei kam. Neuseeland hat die Waffengesetze nach Christchurch verschärft. Kanada hat nach Nova Scotia Sturmgewehre verboten.

In Deutschland sind die Hürden im internationalen Vergleich für einen Waffenkauf schon sehr hoch. Das gibt ein sichereres Gefühl, allerdings sind auch hierzulande viele Waffen in den falschen Händen.

Dafür gab es im März 2020 das erste Mal seit 2002 keine Schießerei mehr an US-Schulen... weil keine Kinder/Jugendlichen in den Schulen waren, sondern wegen der Corona-Maßnahmen Homeschooling betrieben.

Angesichts der präkaren Lage vieler US-Amerikaner, dem eine ungeheure Vernichtung von Lebensmitteln aufgrund von Marktregeln gegenübersteht, könnte sich hier etwas Gewaltiges zusammenbrauen.

Wo soll das nur hinführen?

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


* So wie bei uns das Pflegepersonal nur Applaus und Schokolade bekommt, vielleicht einen Bonus, aber wahrscheinlich keine angemessene Bezahlung...


Updates

New York Times (14.05.2020): Meat Plant Closures Mean Pigs Are Gassed or Shot Instead - Schließungen von Fleischfarmen bedeutet, dass die Schweine entweder vergast oder erschossen werden

Süddeutsche (02.06.2020): Dreiklang aus tödlichem Virus, Arbeitslosigkeit und Polizeibrutalität - Bürgerkrieg nach dem Tod von George Floyd? - Zweite Welle nach Protesten? - Black Lives Matter

Bored Panda (01.06.2020): There is hope - It's Everyone vs. Racists

New York Times (01.06.2020): Lawmakers Begin Bipartisan Push to Cut Off Police Access to Military-Style Gear - Gesetzgebung gegen Ausstattung der Polizei mit militärischer Ausrüstung - Obama hatte dies eingedämmt - 2017 wurden 126 bewaffnete Fahrzeuge, 138 Granatenwerfer und 1.623 Bajonette an das Pentagon zurückgegeben - Trump anullierte Obamas Gesetzgebung

derStandard.at (03.06.2020): US-Armee arbeitet an tödlichen Drohnenschwärmen

Spiegel (21.07.2020): Vorfall in St. Louis - Waffen auf Demonstranten gerichtet - Paar angeklagt

Um ganz ehrlich zu sein bin ich wirklich froh, dass im Zusammenhang mit Corona nicht mehr passiert ist. Auch wenn es immer noch unheimlich viele Waffengewalt in den USA gibt und die Zahlen immer weiter steigen...

Thema: Corona
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Montag, 11. Mai 2020 17:01

Corona-Apps

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Südkorea hat Tracking Apps eingesetzt, die mit Hilfe des GPS auf den Mobiltelefonen gemeinsam mit Überwachungsbildern (CCTV footage) Personen mit Covid-19 zu identifizieren und Menschen in Kenntnis zu setzen, die mit ihnen in Kontakt waren und dem Risiko einer Infektion ausgesetzt waren. In China erhalten Menschen einen grünen, gelben oder roten Farbcode auf ihr Smartphone, der darüber bestimmt, ob sie sich im öffentlichen Raum bewegen können. Etwas Ähnliches, nämlich ein Immunitätsausweis, war auch bei uns kurzzeitig im Gespräch. Er barg aber die konkrete Gefahr, dass sich Leute absichtlich anstecken, um die Freiheiten, die ein solcher Ausweis mit sich bringen würde, zu erlangen. Mittlerweile ist er aber wieder vom Tisch. Oder heißt der jetzt Seuchenpass?

Die Begehrlichkeit, Bürger oder auch Arbeitnehmer nicht nur in Deutschland zu überwachen, sind groß. Das kann man auch gut in den Geschichten der Vorratsdatenspeicherung und der Maut nachvollziehen. Wir haben aber seit dem 25. Mai 2018 in der EU einen sehr starken Datenschutz, der zwar auch zu Absurditäten führt, aber im Grunde eine sehr gute Sache ist.

Trotzdem sprießen Tracing-Apps seit der Corona-Katastrophe wie Pilze aus dem Boden. Deutschland ganz vorn mit dabei, doch eine Pflicht ist hierzulande undenkbar. Opposition und Bürgerrechtler laufen Sturm. Die Digitale Gesellschaft hat hierzu einen offenen Brief verfasst.

Aber es gibt auch Befürworter, wie das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz. Und EU-Rechtspolitiker Axel Voss fordert freiwillige Nutzung von Corona-Apps.

Und aller Bedenken zum Trotz machen irgendwie alle mit: Frankreich, Österreich, Großbritannien, sogar die Schweiz, Australien... Irgendwie die ganze Welt...

Als meine Firma die Datenspende-App vom Robert Koch-Institut auf dem Firmenhandy zuließ, habe ich sie mir mal aus Neugierde installiert. Allerdings funktioniert sie nur mit den teureren Fitness-Trackern. Der günstigste, den ich gefunden habe, war von Fitbit und hat etwas mehr als 50 Euro gekostet. Ich wollte schon eine ganze Weile so ein Ding haben, aber eigentlich hätte ich nicht mehr als 25 Euro dafür ausgeben wollen. Aber gut. Jetzt werden meine Schritte gezählt, mein Schlaf wird überwacht und die Daten landen irgendwie beim RKI, wie auch immer diese helfen sollen.

Wir dürfen es auf jeden Fall nicht zulassen, dass hier der Datenschutz ausgehöhlt wird. Es gibt auch andere Methoden, zum Beispiel einfach nur ein Alarmgeber, mit dem Pushnachrichten auf die Smartphones geschickt werden, die über das lokale Risiko informieren. So können Pandemie-Maßnahmen punktuell ergriffen werden.

Orwell's 1984 war als Warnung gedacht, nicht als Gebrauchsanleitung.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Update-Liste


Updates Deutsche Corona-App

Netzpolitik.org (27.04.2020 mit Updates 16.06.2020): FAQ zu Corona-Apps

Heise (29.05.2020): Tracing-App: Bundesregierung sieht keine Notwendigkeit für ein Gesetz

Tagesschau (08.06.2020): Corona-App soll nächste Woche kommen

Süddeutsche (14.06.2020): Corona-Warn-App startet am Dienstag

Süddeutsche (16.06.2020): Oxford-Simulation: Die Corona-App fängt an zu wirken, sobald 15 Prozent mitmachen

ntv (20.06.2020): Corona-Warn-App kurz vor Meilenstein - 15% (ca. 12 Millionen Nutzer) reichen aus, 60%-Angabe veraltet

Golem (06.07.2020): Bislang 300 Infektionsmeldungen über Corona-Warn-App

Heise (16.07.2020): Corona-Warn-App knapp 16 Millionen Mal heruntergeladen – RKI ist zufrieden

Heise (21.07.2020): Corona-Warn-App jetzt auch auf Türkisch


Updates Technik

Heise (14.05.2020): SAP und Deutsche Telekom veröffentlichen Details zur Tracing- und Warn-App

Heise (16.05.2020): Corona-Tracing per App: SAP legt erste Version des Corona-Warn-Servers vor

DerStandard.at (20.05.2020): Coronavirus: Apple und Google stellen Schnittstelle für Contact-Tracing vor

Heise (30.05.2020): Look & Feel der Corona-Warn-App steht

Heise (04.06.2020): Quellcode-Analyse eines beispiellosen Open-Source-Projektes

Heise (08.06.2020): Wirkungsweise der Tracing-Apps und das Krypto-Protokolls erklärt - Wie kann man Kontakte verfolgen, ohne Menschen zu verfolgen?

c't (11.06.2020): Wie die Corona-Warn-App von SAP und Telekom funktioniert

Süddeutsche (13.06.2020): Was Sie über die Corona-App wissen müssen

ZDF (16.06.2020): Chaos Computer Club lobt deutsche Corona-App

Correctiv.org (17.06.2020): Der lange Weg zur Corona-App - der Artikel erklärt, wieso Google und Apple hier datenschutzrechtlich vorbildlich gehandelt haben

Heise (24.07.2020): So berechnet die Corona-Warn-App Ihr Ansteckungsrisiko

Heise (24.07.2020): SAP erläutert Problem mit der Hintergrundaktualisierung (zu Bild: "Bundesregierung blamiert sich")


Updates Andere Corona-Apps

Heise (13.05.2020): EU-Kommission: Corona-Apps müssen grenzüberschreitend funktionieren

Telepolis (14.05.2020): CuidAR: Argentinien überwacht mit einer App

Heise (16.05.2020): Slowakei ersetzt Staatsquarantäne durch Handy-App

Heise (26.05.2020): Schweizer Tracing-App geht in den Feldversuch

Heise (26.05.2020): Französische Datenschutzbehörde gibt App "StopCovid" mit Bauchschmerzen frei

DerStandard.at (06.06.2020): Frankreichs Corona-App "StopCovid" bricht die Millionen-Marke

Heise (09.06.2020): Schweizer Parlament billigt gesetzliche Grundlagen für Corona-Tracing-App

Heise (10.06.2020): USA: Apple schickt Corona-App-Ergebnisse an Behörden - freiwillig, aktiv und anonym

Heise (16.06.2020): Europäische Corona-Apps sollen Daten untereinander austauschen können

Netzpolitik.org (16.06.2020): Kontaktverfolgung - Wie die Corona-App Frankreich in Europa isoliert

Golem (23.06.2020): 341 Warnungen an Corona-App-Nutzer - Frankreichs App erst 14 Warnungen, von Datenschützern kritisiert

Heise (25.06.2020): Corona-Warn-App: Nun auch in ersten europäischen App-Stores verfügbar

Golem (09.07.2020): Die peinliche "Späher-App" der AfD

Heise (24.07.2020): Warum Warn-Apps schweigen - "StopCovid", "Covidsafe" oder "Corona-Warn"


Updates Missbrauch und Kritik

DerStandard.at (13.05.2020): Wenn Contact-Tracing schiefgeht: Restaurantmitarbeiter soll Kundin nachgestellt haben

Heise (04.06.2020): Mehrheit gegen die Corona-App

Telepolis (06.06.2020): Mit der Corona-App gegen US-Demonstranten?

Heise (06.06.2020): Bedrohte Pseudonymität: Hotline soll bei Corona-App Trolle stoppen

Telepolis (09.06.2020): Covid-19 und die neuen Überwachungstechniken - Zusammenarbeit der britischen Gesundheitsbehörde mit Firmen wie Palantir und Faculty

Technische Universität Darmstadt (12.06.2020): Corona-Warn-Apps: Defizite bei Sicherheit

Mimikama.at (16.06.2020): Corona-Warn-App: Ja oder Nein?!

NachDenkSeiten (17.06.2020): Corona-App – ein soziales Experiment mit Risiken und Nebenwirkungen

Meine Kritik an dem Artikel: Apple und Google werden unter Generalverdacht gestellt und User, die die App installieren, würden dies tun, weil "medialer Schützenhilfe" geleistet wurde und sie wegen "einem Angstszenario dazu getrieben" wurden, und nicht, weil sie es vielleicht für sinnvoll halten und ausnahmsweise Mal eine staatliche Software vorbildlich entwickelt wurde

Heise (17.06.2020): Corona-App muss auch auf alten Smartphones laufen

Golem (03.07.2020): Verwirrende Tagesanzeige / 14,4 Millionen Downloads (17,3%)

Heise (17.07.2020): Ein Monat Corona-Warn-App: Bisher bleibt der Effekt aus, u.a. auch weil die Labore und Gesundheitsämter nicht digital in den Melde-Prozess eingebunden sind, Postweg dauert ein oder zwei Tage

Standard (26.07.2020): Deutsche Corona-App funktioniert auf iPhones nicht richtig (zu Bild: "Bundesregierung blamiert sich")

Heise (05.08.2020): Wegen Medienbruch Datenschutzverstöße in der Meldekette von Infizierten - nicht genug QR-Code-Dokumente vorhanden, Vertrauensverlust


Updates Kosten

Heise (11.06.2020): Corona-Warn-App kostet den Bund rund 20 Millionen Euro

Heise (16.06.2020): Zero Rating: Mobilfunk-Provider berechnen keinen Traffic für Corona-Warn-App

Heise (21.07.2020): Werbung für Corona-Warn-App kostete bisher 7,5 Millionen Euro


Updates Sonstiges

Heise (21.05.2020): Großveranstaltungen mit Kontakt-Tracing-App?



GitHub: Corona-Warn-App/CWA-Documentation - official COVID-19 exposure notification app for Germany of SAP and Deutsche Telekom - open source / offizielle COVID-19-App zur Kontaktfallbenachrichtigung für Deutschland von SAP und Deutsche Telekom als Open-Source-Software

Thema: Corona
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Sonntag, 10. Mai 2020 17:01

Wunschzettel

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Als die Corona-Katastrophe begann, wurden so viele eklatante Schwächen des Turbokapitalismus, der Globalisierung und der auf Gewinnmaximierung getrimmten Gesundheitssysteme schlagartig aufgedeckt, dass manche linksgrün-verklärte Gutmenschen und Träumer schon zwangsläufig eine neue Weltordnung kommen sahen. Mittlerweile muss man das jedoch relativieren, da die Kräfte, die durch den Wunsch der Menschen nach einer vermeindlichen Normalität enorm sind. Das mag einerseits bedauerlich sein, andererseits führt das aber auch dazu, dass wir voran gehen und uns durch die Angst, die die neue Situation zunächst in vielen von uns ausgelöst hat, einem Tatendrang weicht, der die wirtschaft wieder aufleben lässt und die psychischen Folgen abmildert. Wir lernen nun, mit dem neuen Coronavirus zu leben.

Auf mich hört ja keiner, aber ich habe so ein paar Dinge auf meinem Wunschzettel stehen, die ich hier mal aufzählen möchte:

  • Der Turbokapitalismus, dieses unmenschliche System muss endlich aufhören, denn unser Planet ist endlich und ständiger Wirtschaftswachstum ist vollkommen unmöglich, ohne den Planeten zu zerstören. Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit muss auf die Agenden der Firmen. Das geht nur mit Hilfe einschlägiger Politik.
  • Damit muss sich auch die Schere zwischen arm und reich wieder mehr schließen. Statt ein hohes Bruttoinlandsprodukt muss die Lebenszufriedenheit das Ziel sein. Dazu gehört auch, Steueroasen auszutrocknen, Steuerschlupflöcher zu schließen und den Finanzmarkt zu regulieren, und zwar weltweit.
  • Die Globalisierung sollte ein neues Mittelmaß finden. Eine wirtschaftliche Verflechtung aller Länder ist einerseits gut, denn dann gibt es weniger Anlass für Kriege. Aber muss es im Winter wirklich Erdbeeren im Supermarkt geben? Muss man wirklich nach New York über ein langes Wochenende zum shoppen fliegen? Muss wirklich die gesamte Produktion von Gütern in einem einzigen Land konzentriert sein?
  • Man darf das Gesundheitssystem nicht dem Markt überlassen, sonst haben wir irgendwann keine Geburtskliniken mehr, sondern nur noch Kliniken für Gelenkprothesen. Die Fallpauschalen müssen abgeschafft werden. Die Gesundheit der Menschen muss an erster Stelle kommen. Pflegekräfte müssen angemessen bezahlt werden. Und auch in Putzkräfte muss angesichts der multiresistenten Krankenhauskeime mehr investiert werden. Das US-amerikansiche und britische Gesundheitssystem sind KEINE Vorbilder!!!
  • Infrastruktur gehört in staatliche Hand. Die macht das in Deutschland sehr gut, wie wir bei der Wasserversorgung (noch) sehen können. Die Privatisierung muss endlich aufhören, denn hier wird das Vermögen des Volkes verhökert, das dann entweder teuer zurückgekauft werden muss oder dazu führt, dass die Infrastruktur verkommt und eine Grundversorgung abartig teuer wird. Das darf ebenfalls nicht vom Markt geregelt werden, denn bei der Grundversorgung darf es nicht um Gewinnmaximierung gehen. Zur Infrastruktur gehört: Wasserversorgung, Stromversorgung, Versorgung mit Mobilfunk und Internet, das Straßen- und Schienennetz, alles auch im ländlichen Raum. Außerdem muss eine Grundversorgung mit Wohnraum und Lebensmitteln durch die heimische Landwirtschaft gewährleistet werden. Und natürlich das Gesundheitssystem (siehe oben).
  • Die Digitalisierung muss weiter vorangetrieben werden, insbesonderer in staatlichen Stellen. Es kann nicht sein, dass ich auf dem Postweg einen Antrag stelle und nach sechs Wochen (!) dann erst die Bescheinigung erhalte, auch weil die Registrierung der Bezahlung bis zu vier Wochen (!) dauert. Was gerade in den Schulen abgeht, ist ein Trauerspiel und verschlimmert noch den Unterschied zwischen Kindern aus bildungsfernen Familien und Haushalten, in denen mehr als nur ein Notebook vorhanden sind. Der E-Perso und die E-Government-Wüste...
  • Der Klimawandel gehört mit oberster Priorität auf die politische Agenda. Sonst gibt es bald nichts mehr zu regieren.
  • Und das seit Jahrzehnten bekannte Problem der Überbevölkerung muss auch endlich weltweit angegangen werden. Die steht in direktem Zusammenhang mit dem Klimawandel und dem Turbokapitalismus, der unendliches Wachstum auch in der Bevölkerung braucht. Bildung, insbesondere von Mädchen, gute, medizinischer Versorgung und Zugang zu Verhütungsmitteln weltweit!
  • Weltfrieden! Den wünsche ich mir so sehr, doch wir exportieren den Tod in alle Welt und der sogenannte "Wertewesten" mit Frankreich und USA machen dabei kräftig mit. Dabei ist Krieg eine der häufigsten Fluchtursachen. Wer Krieg sät, wird also Flüchtlinge ernten. Und wenn immer mehr Menschen in Zukunft auch noch wegen dem Klimawandel und den Dürre- und Hungerskatastrophen fliehen müssen, dann wird es ungemütlich. Und wir müssen aufpassen, dass die Rivalität zwischen USA und China nicht eskaliert.

Diese Wünsche habe ich nicht erst seit der Corona-Katastrophe. Aber ich hoffe, dass durch diese Katastrophe mehr Menschen dazu veranlasst werden, sich diese Dinge ebenfalls zu wünschen und darauf hinzuarbeiten, dass sie wahr werden. Ich behalte das im Auge.

[Satire an] Und wenn wir doch eines Tages in einer neuen Weltordnung aufwachen, in der die Menschheit wieder in eine Zukunft auf einem lebenswerten Planeten blicken kann, explodiert vielleicht Beteigeuze zu einer Supernova, die man mit bloßem Auge sehen kann. Dann hat das Ende der Corona-Katastrophe auch noch einen religiösen Touch. [Satire aus]

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates

Absatzwirtschaft (20.03.2020): Die Welt nach Corona: Wie wir uns nach der Krise wundern werden - Zukunftsforschung: Wann kehrt alles zur Normalität zurück? Niemals!

DerStandard (04.04.2020): Nach der Corona-Krise: Was noch alles gehen könnte - von der Forderung, Ungleichheit, Rassismus oder Klimawandel mit der gleichen Vehemenz zu bekämpfen

Nachdenkseiten (13.05.2020): Werkverträge müssen endlich für illegal erklärt werden - Beispiel Schlachthöfe

ntv (18.05.2020): Schlachthöfe: Werkverträge, Subunternehmer, schlechte Arbeitsbedingungen, Niedriglöhner, Sammelunterkünfte - wird hier bald aufgeräumt?

ntv (19.05.2020): Corona-Krise lässt CO2-Ausstoß zwar absacken, aber die Wirtschaft hat sich strukturell (noch) nicht geändert

Heise (20.05.2020): Weniger Konsum für mehr Umweltschutz

Spiegel (23.05.2020): EU Green Deal-Entwurf, kaum zu glauben, wie in klimafreundliche Infrastruktur investiert werden soll, ohne Luftfahrtbranche strukturell (noch) nicht geändert

Tagesspiegel (22.05.2020): Europa muss jetzt die Wirtschaft der Zukunft aufbauen

Süddeutsche (25.05.2020): Einen Impfstoff gegen Coronaviren wie SARS-CoV zu entwickeln, war für die Pharmaindustrie finanziell nicht interessant - Finanzielle Interessen haben die Agenda der Wissenschaft zu stark geprägt

Zeit (25.05.2020): DLR forscht für traubhausgasneutralen Flugverkehr

Spiegel (27.05.2020): Leopoldina-Forscher fordern Umbau des Gesundheitssystems, weniger wirtschaftliche Maßstäbe, bedarfsgerechte Versorgung, Reserve von Schutzausrüstung, Medikamente und Medizinprodukte, Kritik an Fallpauschalen

Frankfurter Rundschau (31.05.2020): Vier Ideen für ein besseres Gesundheitssystem

Zeit (04.07.2020): Die Unfähigkeit der autoritären Männer - Rechtspopulismus an den Rand gedrängt?

Telepolis (06.07.2020): Die Energiewende nimmt Form an

Spiegel (07.07.2020): Widerstand gegen Bolsonaro - Brasilianische Firmen machen Druck gegen Regenwaldzerstörung

Zeit Campus (08.07.2020): Unser Wirtschaftssystem ist überhitzt und ausbeuterisch. Wir müssen den Neustart nach Corona nutzen, um das zu ändern.

ntv (11.07.2020): Wie viele Menschen können auf Erde leben?

Spiegel (13.07.2020): Millionäre fordern höhere Steuern - für sich selbst

Neue Zürcher Zeitung (14.07.2020): Deutschland auf Schweizer Spuren: Das geplante Lieferketten-Gesetz erhitzt die Gemüter - Einhaltung von Menschenrechtsstandards entlang internationaler Lieferketten einfordern

NachDenkSeiten (15.07.2020): Nicht der Verbraucher trägt die Schuld zu den katastrophalen Zuständen in der Fleischindustrie, Politik ist gefragt.

Allerdings werden die Schweine bei Tönnies nicht per Bolzenschuss getötet, sondern soviel ich weiß mit CO2-Gas.

NachDenkSeiten (04.08.2020): Werkverträge sollten für ALLE Branchen verboten werden, nicht nur für die Fleischindustrie

ntv (08.08.2020): Neue Wirtschaft nach Corona? "Müssen ungesunde Globalisierung zurückbauen"



Wikipedia: European Green Deal - Keine EU-Billionen für überholte Geschäftsmodelle

Themen: Corona | Schöne neue Welt
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Sonntag, 10. Mai 2020 10:38

Verlorene Seelen

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Meine erste Begegnung mit KenHitRadio war schon vor ein paar Monaten, als mir eine Person, mit der ich über Quantenphysik und die Macht der Gedanken geredet habe, den Ex-Mann von Barbie schmackhaft machen wollte. Die besagte Person meinte, dass er ein kritischer Denker sei, der alles hinterfragen würde. In seinen Videos würde er auf Missstände aufmerksam machen, schaut mal hier, schaut mal da, ohne daraus direkte Rückschlüsse zu ziehen. Wenn man aber "selbst nachdenkt", würde man dann eben die Wahrheit hinter all der Verschleierungstaktik des Deep States erkennen. Ich hatte irgendwie nie Zeit, mich damit näher zu beschäftigen.

Nun habe ich mir doch mal den Spaß erlaubt, das Video "Gates kapert Deutschland!" anzusehen. Gerade wenn etwas durch den Blätterwald rauscht, mache ich mir gerne selbst ein Bild und versuche, den Ursprung der Aufregung anzusehen, anzuhören oder zu lesen. Deshalb habe ich z.B. auch das Interview im Sat.1-Frühstücksfernsehen mit Boris Palmer angesehen und frage mich, was darin ernsthaft ein Parteiausschlussverfahren rechtfertigen soll, nur weil der aus dem Zusammenhang gerissene Satz lediglich auf Einzelfälle zutreffen mag. Andreas Scheuer... ach, lassen wir das... Oder ich höre sehr gerne den NDR-Podcast mit Christian Drosten, der die aktuelle Forschung rund um den neue Coronavirus relativiert. Er triff ja keine Enscheidungen, das machen die Politiker. Wissenschaft ist kompliziert und kann keine einfachen Antworten auf komplexe Situationen liefern. Damit sind meiner Beobachtung nach ziemlich viele Menschen überfordert.

Das besagte Video "Gates kapert Deutschland!" von KenHitRadio war in meinen Augen hochmanipulativ. Schon allein die Tatsache, dass er seine Hörer mit "meine Freunde" anspricht, empfinde ich als Anmaßung. Barbies Ex-Mann ist nicht mein Freund. Wenn ich journalistisch-handwerklich gut geschriebene Artikel lesen oder recherchierte Reportagen sehen möchte, dann möchte ich nicht so angesprochen werden. Ich wollte das Video schon in seine Einzelteile zerlegen, aber das hat der Volksverpetzer bereits getan. Wem der Volksverpetzer zu links ist, der kann sich über die Manipulationsmethoden von KenHitRadio bei ZDF heute Faktencheck informieren. Aber die Öffentlich-Rechtlichen gehören für Barbies Ex-Mann und Konsorten zu den "Systemmedien" und der "Lügenpresse" und werden systematisch diffamiert, statt sie als Teil einer pluralistischen, demokratischen Weltanschauung zu betrachten. Insofern brät wieder jeder in seinem eigenen Saft. Man kommt mit Argumenten gegen Impfgegner und Aluhutträger leider nicht an. Jeder glaubt, was er glauben möchte.

Ein anderes Erlebnis hatte ich in Facebook mit einer Person, die ich zu meinen "Bekannten" zähle (so auch in Facebook markiert). Diese Person hatte sich auf Gates eingeschossen und ich hatte versucht, die Argumentation zu relativiern und andere zu widerlegen, doch die Quellen, die ich angab (u.a. Süddeutsche, Tagesschau) wurden ebenfalls nicht anerkannt. Ich habe die Person entabonniert, damit sie mir nicht mehr im Stream angezeigt wird. Bringt eh nichts und kostet nur unntötig Energie.

Und dann habe ich noch den Kontakt im realen Leben zu einer Person abbrechen müssen, die Dr. Wodings, Schifferman und wie die Lungenfachärzteschaft so heißt für das Nonplusultra hält und alle anderen Wissenschaftlern und Virologen mit den Zitaten von Bertrand Russell "Wenn alle Experten sich einig sind, ist Vorsicht geboten." und "Auch wenn alle einer Meinung sind, können alle Unrecht haben." abgeschmettert. Das war bei dieser Person schon immer ein Problem, aber ich wollte nicht "dagegen" sein, nur um gegen den Strom zu schwimmen. Eine solche Haltung würde mich in meinem Denken ja ebenfalls einschränken. Mit dieser Person habe ich über Atomkraftwerke und Klimawandel schon bis zum Erbrechen diskutiert. Aber wenn man keinen gemeinsamen Nenner mehr findet, darf man auch gerne getrennte Wege gehen.

Ich diskutiere gerne und höre mir gerne andere Ansichten an. Meistens empfinde ich so einen Austausch als Bereicherung, weil man mich dadurch vielleicht auf andere Gedanken bringt, meine Sichtweise ändert und damit meinen Horizont erweitert, auch wenn dieser Prozess manchmal anstrengend ist. Meine Meinung ist schließlich nicht in Stein gemeißelt, und sie ist garantiert nicht das Nonplusultra.

Aber auf Sätze wie "Denke selbst!" reagiere ich inzwischen allergisch. Er wird gerne von Personen missbraucht, die sehr sture Ansichten haben und sich durch nichts von ihnen abbringen lassen wollen. Ich fühle mich auch beleidigt, denn ich glaube schon, dass ich ein Mensch bin, der sehr viel - manchmal wie in den letzten Wochen auch zu viel - nachdenkt. Personen, die diesen Satz benutzen, reagieren meist ungehalten, wenn man beim Nachdenken zu anderen Schlüssen kommt, als sie selbst.

Deshalb lasse ich diese verlorenen Seelen weiterwandern. Da gehe ich nicht mit.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates

T-Online (08.05.2020): Das ist dran an Ken J*****s großer Gates-Verschwörung

Süddeutsche (13.05.2020): Ich persönlich würde ja eher Thüringens FDP-Chef Thomas Kemmerich aus seiner Partei ausschließen. Naja, immerhin trägt er Maske.

Telepolis (14.05.2020): Covidioten: Die Pandemie der Infantilität

Volksverpetzer (14.05.2020): Ken J****n redet von Maulsperren, trägt aber trotzdem Maske

NachDenkSeiten (08.11.2016): Ken J****n, Anti-Zionist, Kriegsgegner, Anti-Kapitalist

Themen: Corona | Computer und Internet
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Samstag, 9. Mai 2020 17:01

Gebundenes Kapital

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Als ich beim Steuerberater für das Büromaterial zuständig war, wurde ich ermahnt, nicht zu große Vorräte anzulegen, da man damit Kapital binden würde. Also man kann dann das Geld eben nicht mehr für andere Dinge ausgeben. Dieser Denkansatz hat bei mir dann dazu geführt, dass ich später als Alleinerziehende Haushaltsbuch geführt habe. Meine Excel-Tabelle hat mir dann immer schon alle vorhersehbaren Ausgaben des Monats abgezogen und mir angezeigt, wieviel ich noch übrig habe. In der Praxis war es dann eher so, dass am Ende des Geldes noch ganz schön viel Monat übrig war.

Dieser Logik folgend und auch dem Umstand geschuldet, dass Dinge, die man als Vorrat anlegt, Lager- und Personalkosten verursachen und unter Umständen als Ladenhüter entsorgt werden müssen, hat dazu geführt, dass in der Wirtschaft Dinge erst dann produziert und geliefert werden, wenn sie auch benötigt werden. Das nennt man Just-in-time-Produktion. Man sagt auch, dass "das Lager auf die Straße verlegt" wurde. Das ist insofern auch für die Umwelt von Vorteil, da dadurch verhindert wird, dass Produkte produziert werden und damit Rohstoffe und Energie verbrauchen, die gar nicht benötigt werden. Ob das am Ende umweltfreundlicher ist, sei dahingestellt.

Das hat aber in Deutschland auch zur Folge, dass auf den Strassen sehr viele LKWs unterwegs sind und wir ständig im Stau stehen. Das hat auch damit zu tun, dass unsere halb-privatisierte Bahn es nicht schafft, den Güterverkehr attraktiv zu gestalten. In der Schweiz funktioniert das und ich empfand es als durchaus angenehm, dort Auto zu fahren. Da gab es andere Probleme. Außerdem verursachen LKWs auf den Straßen und Autobahnen deutlich mehr Schäden als PKWs. Das bemerkt man insbesondere, wenn man auf dem rechten Streifen auf den Autobahnen fährt, die häufig Spurrillen oder Flickwerk einen traurigen Anblick bieten.

Diese Infrastruktur, die meiner Meinung nach eigentlich in staatliche Hand gehört, wird nur zum Teil durch die Einnahmen durch die LKW-Maut gedeckt. Zunächst werden die "Systemkosten" abgezogen, also auch der Gewinn von Toll Collect, der Puplic Private Partnership (bei der Worthülse bekomme ich immer Schnappatmung), die intransparent und damit demokratisch nicht legitimiert ist, datenschutz- und kartellrechtlich problematisch, für die Steuerzahler eine Katastrophe (CTS Eventim und Kapsch dürften Schadensersatz in einer Höhe von mindestens 500 Mio. Euro geltend machen), trotzdem ist Andreas Scheuer immer noch Verkehrsminister, obwohl er Beweismittel vernichtet hat. Hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Puh!

Bleiben wir beim gebundenen Kapital und dem Umstand, dass Menschen mit wenig Geld auch nicht in der Lage sind, Vorräte anzulegen oder gar etwas für die private Altersvorsorge beiseite zu legen. Da bekomme ich auch Schnappatmung. Die Altersvorsorge ist nämlich in der Zusammensetzung des Hartz-IV-Regelbedarfs, das eigentlich soetwas wie das Existenzminimum darstellen soll, gar nicht enthalten. Wie zynisch müssen unsere Politiker (Gesetzgeber) sein, wenn sie allen Ernstes verlangen, dass von dem Geld, dass kaum bis zum Ende des Monats reicht, auch noch Rücklagen für das Alter gebildet werden sollen. Dabei dient die von der Brechtelsmann-Stiftung und der "Wer hat uns verraten? Die Sozialdemokraten"-SPD unter Gerhard Schröder dem Abbau des Sozialstaats. Der damalige VW-Vorstand und später wegen Veruntreuung von Firmengeldern verurteilte Lohndrücker Peter Hartz wurde von der Bundesregierung beauftragt (!), das Konzept für die Hartz-Reform zu entwickeln. Die darauf folgende Aushöhlung der Arbeitnehmerrechte wird als Retter der deutschen Wirtschaft dargestellt, auf die Gerhard Schröder noch immer stolz ist (siehe Absatz mit "Bazooka-Politik").

Dabei wäre bei einer vernünftigen Rentenpolitik eine private Altersvorsorge gar nicht notwendig. Meiner Meinung nach diente die Rentenreform in erster Linie der Versicherungswirtschaft getrieben durch perfiden Lobbyismus. In der Monitor-Sendung aus dem Jahr 2008 Arm trotz Riester: Sparen fürs Sozialamt und der ARD-Sendung "Die Riester-Lüge" von 2012 werden die Zusammenhänge erklärt, auch wieso es sich für Geringverdiener sowieso nicht lohnt zu sparen. Und jetzt, wo die Auswirkungen sichtbar werden, und immer mehr Menschen in die Altersarmut rutschen, wird mit der Grundrente geflickschustert, statt das Rentensystem solidarisch zu reformieren. Warum auch, dann müssten die Politiker da ja einzahlen. Mit einem ordentlichen Mindestlohn bliebe vielleicht etwas übrig, um für das Alter zu sparen, würde aber den Versicherungsgesellschaften weiter nutzen, statt das Grundproblem zu lösen.

Was hat das Ganze mit der Coronakrise zu tun? Seit über dreißig Jahren werden auf verschiedene Weise die Löhne gedrückt und die Einkommens- und Vermögensschere weiter geöffnet. Das kann man auch als "gebundenes Kapital" bezeichnen, denn wenn der breiten Masse immer weniger Geld zur Verfügung steht, um ihr Leben zu bestreiten, mehrt sich in der sogenannten Elite der Reichtum immer schneller. Das Geld ist sozusagen nicht weg, es hat jetzt nur ein anderer. Es ist also kein Wunder, dass die wenigsten irgendwelche Rücklagen haben bilden können, um für eine Krise gewappnet zu sein und vielleicht ein paar Wochen oder Monate ohne Einnahmen zu überstehen. Und solange die selbsternannte Elite einen Furz auf die normalen Menschen geben, wird sich das auch nicht ändern.

Aus dem Grund braucht auch niemand ein schlechtes Gewissen zu haben, wenn er jetzt Coronahilfen beantragt. So können sich die Menschen wenigstens einen Teil des gebundenen Kapitals zurückholen.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates Corona-Hilfen und Konjunkturpakete

Süddeutsche (17.05.2020): Coronahilfen werden mit 1.200 Milliarden Euro veranschlagt - Sechs Ideen, wo Geld zu holen ist

Heise (21.05.2020): Corona-Soforthilfen in der Kritik

Süddeutsche (25.05.2020): Mittelstand gut gerüstet, Verbraucher halten sich zurück

LobbyControl (26.05.2020): Belastungsmoratorium, Wirtschaftsföderung zu Lasten der Solidarität, der Bildung, der Umwelt

NachDenkSeiten (26.05.2020): Extrem wachsende Ungleichheit zerstört die Demokratie

Telepolis (27.05.2020): Hände weg vom Mindestlohn!

Spiegel (02.06.2020): Darum geht es beim geplanten Konjunkturpaket - Infrastruktur, Klimaschutz, Hilfe für Veranstaltungs- und Kulturbranche

Tagesschau (04.06.2020): Konjunkturpaket: Mehrwertsteuersenkung, Kinderbonus, Prämie für E-Autos, Strompreis, Bahnhilfe, Überbrückungshilfen für Hotels, Restaurants, Bars, Reisebüros, Schausteller, Kultur, Forschung in KI und Wasserstofftechnik

Spiegel (04.06.2020): Keine Geschenke für Spitzenverdiener oder Angriffe auf den Arbeitsschutz

Süddeutsche (04.06.2020): Das Konjunkturpaket ist eine historische Wende, Abwrackprämie hatte keine Chance

Tagesspiegel (04.06.2020): Das Konjunkturpaket überrascht - und es wirkt durchdacht

Tagesschau (04.06.2020): Die GroKo hat der Versuchung widerstanden, Klientelpolitik zu machen - Entlastungen mit kurzer Frist sind Unsinn - Ein solches Paket war schon vor Corona nötig

ntv (04.06.2020): 130 Milliarden fürs Land - Was dieses Paket historisch macht - keine Vermögensabgabe für Reiche - Paradigmenwechsel

CNN (05.06.2020): US billionaires have regained $565 billion in wealth since the pit of the crisis

Tagesspiegel (09.06.2020): Niemand kontrolliert, ob trotz Staatshilfe Boni gezahlt werden

Tagesspiegel (10.06.2020): Massiver Betrug bei Coronahilfen in Berlin

Süddeutsche (11.06.2020): Spanien bekommt eine Grundsicherung - 462 Euro

Tagesspiegel (12.06.2020): Streit um das Rettungspaket in der EU - 1,8 Billionen Euro - wer zahlt? Wer bekommt was?

T-Online (12.06.2020): Staatsverschuldung aus volkswirtschaftlicher Sicht kein Problem

Heise (12.06.2020): Vorübergehende Mehrwertsteuersenkung: Zweifel an Zeitplan zur Umsetzung - war wohl doch nicht so durchdacht

Tagesschau (14.06.2020): 500-Millionen-Schutzschirm für Lehrstellen

Zeit (14.06.2020): Das Dilemma von Künstlern - Coronahilfe nicht durchdacht

Süddeutsche (19.06.2020): EU-Hilfspaket: Worum es bei der Verteilung der 1,8 Milliarden Euro geht

ntv (14.07.2020): Nur 13,5 von 50 Milliarden Euro: Corona-Geld für Selbständige kaum abgerufen - weil sie nicht das Überleben sichern, sondern nur für Betriebsausgaben benutzt werden dürfen - gut gemeint, schlecht gemacht

Telepolis (14.07.2020): USA: Große Corona-Hilfen für "kleine" Unternehmen - Paycheck Protection Program

Heise (17.07.2020): Corona-Soforthilfen - Baden-Württemberg startet zweite Soforthilferunde. Diesmal dürfen nur Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und vereidigte Buchprüfer die Anträge stellen. Das soll Betrug verhindern.

Handelszeitung.ch (13.07.2020): Superreiche: «Besteuert uns. Besteuert uns. Besteuert uns.»

Zeit (19.07.2020): Wir müssen unsere Ziele neu denken

NachDenkSeiten (20.07.2020): Corona-Soforthilfe-Empfänger werden überprüft und müssen ggfs. ganz oder teilweise zurückzahlen

Süddeutsche (21.07.2020): EU-Sondergipfel:So werden die 1800 Milliarden verteilt - EU-Haushalt bis 2027 und das Corona-Hilfspaket - Schwacher Schutz der Rechtsstaatlichkeit (Ungarn, Polen)

Neue Zürcher Zeitung (21.07.2020): Die Einigung der EU zeigt: Der Abgesang war verfrüht

NachDenkSeiten (22.07.2020): EU-Gipfel: Die politischen Kollateralschäden - Erpresster Kompromiss

Tagesschau (28.07.2020): Plan der US-Republikaner: Eine Billion Dollar gegen die Krise

Mimikama (04.08.2020): Corona-Soforthilfe Mann zockt 7,4 Millionen Euro ab

ntv (08.08.2020): 146 Milliarden für miese Zeiten: Buffetts Geldberg wächst auch in der Krise


Updates Pkw-Maut-Desaster und Verkehrsminister Andreas Scheuer

Spiegel (09.05.2020): Scheuer und sein Berater Dieter Neumann

Heise (14.05.2020): Ungereimtheiten bei Vergabe und auffälliges Verhalten von Zeugen aus Verkehrsministerium

ntv (28.05.2020): Hat Scheuer den Rechnungshof angelogen?

Abgeordnetenwatch (04.06.2020): Andreas Scheuer und Pkw-Maut

Süddeutsche (03.07.2020): Andreas Scheuer: Schiedsverfahren um geplatzte Pkw-Maut soll Millionen kosten

Süddeutsche (04.07.2020): Wie Scheuer versuchte, kritische Medien zu torpedieren

K21 (04.07.2020): Andreas Scheuer hat auch bei Stuttgart 21 Mist gebaut

Deutschlandfunk (10.07.2020): Scheuer und die StVO-Novelle: Er wars nicht – wie immer

Tagesspiegel (20.07.2020): Nun auch noch eine Mail-Affäre - Scheuer wird zum immer größeren Problem für den CSU-Chef

Spiegel (22.07.2020): Scheuer will europäische Pkw-Maut durchsetzen

Spiegel / Sascha Lobo (30.07.2020): Warum ist Andreas Scheuer noch Bundesverkehrsminister?

Thema: Corona
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Donnerstag, 7. Mai 2020 17:01

Föderalismus

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Während der Pandemie habe ich ein paar Wörter gelernt. Manche hätte ich gerne nie gelernt, wie Triage. Bei anderen freue ich mich, dass ich endlich kapiert habe, was sie bedeuten. Zum Beispiel Föderalismus.

Vom Bildungsföderalismus halte ich nicht besonders viel, da das bayerische Abitur als viel schwieriger gilt als die anderen deutschen Abiture. Dadurch mag die Qualität zwar höher sein, aber die Latte hängt eben auch höher und dadurch sind Kinder bevorteilt, die in anderen Bundesländern leben.

Während der Corona-Pandemie halte ich den Föderalismus allerdings für eine gute Sache. Einerseits konnte dadurch Bayern die Ausgangsbeschränkung schon ein paar Tage früher verfügen, als es der Bundesregierung lieb war. Das fand ich insofern gut, weil Bayern auch am schwersten betroffen war und auch, weil es bei der Eindämmung der Ausbreitung des Virus auf Schnelligkeit ankam. Hätte Bayern noch zwei, drei Tage gewartet, sähen die Zahlen wahrscheinlich eher nicht so gut aus.

Die Karte vom Robert-Koch-Institut zeigt aber auch, dass die neuen Bundesländer nach wie vor deutlich weniger betroffen sind. Das wirft für mich die Frage auf, ob es hier überhaupt notwendig war, ebenso strenge Regelungen zu treffen, wie in den anderen Bundesländern. Meiner Meinung nach nein.

Ich hatte ja schon die Vermutung, dass eine höhere Bevölkerungsdichte eher dazu führt, dass sich der neue Coronavirus schneller ausbreiten kann. Wenn man sich die Bevölkerungsdichte der Bundesländer ansieht und mit der Karte vom RKI vergleicht, fällt auf, dass Großstädte stärker betroffen sind als dünn besiedelte Bundesländer. Das gleiche Bild zeigt sich auch in den USA, wo sich in New York gerade ein unsägliches Drama abspielt, während sich in ländlichen Gebieten Covid-19 eher weniger ausbreitet. Zwar erklärt diese Grafik vom Katapult-Magazin recht anschaulich, wie sich der Coronavirus ohne bzw. mit Social Distancing ausbreitet, dabei ist aber nicht berücksichtigt, dass sich die Menschen nicht wirklich zufällig begegnen. In großen Städten kommt es zu viel mehr Kontakten als auf dem Land. Und deshalb ist es meiner Meinung nach wichtig, hier auch zu unterscheiden bei den Maßnahmen.

Wir werden sehen, was die einzelnen Lockerungen für Folgen haben werden. Auf jeden Fall haben wir wertvolle Zeit gewonnen. Die meisten Menschen haben die Hygieneregeln verinnerlicht und sich an das Tragen einer Maske in geschlossenen Räumen mit vielen Menschen gewöhnt und akzeptieren dies auch als notwendige Maßnahmen. Dadurch sind Lockerungen möglich, die es der Wirtschaft gestatten, sich wieder langsam zu erholen.

Der Hammer hat also gewirkt, Deutschland ist von einer Katastrophe bisher verschont geblieben. Daher glauben auch viele, dass überreagiert wurde.

Ich denke, dass zumindest jetzt klar sein dürfte, wo sich der Virus am meisten ausgebreitet hat und dass jetzt lokale Maßnahmen, vielleicht auch mal etwas drastischer, ausreichen sollten, um die Pandemie im Großen und Ganzen im Griff zu behalten, bis es Medikamente und Impfungen gibt und ein weitgehend normales Leben wieder möglich sein sollte. Auch bisher war es so, dass es immer wieder nur zeitversetzt zu Hotspots kam und nicht von jetzt auf gleich der gesamte Planet erkrankt ist.

So könnte sich der Föderalismus als eine stabile und anpassungsfähige Staatsform erweisen: Maßnahmen wo nötig, so wenig wie möglich, um den Kollateralschaden an Psyche und Wirtschaft auf ein Minimun zu reduzieren.

Außer vielleicht in den USA. Dort dient er Donald Dump Trump dazu, die Schuld auf die Gouverneure abzuwälzen.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates

Süddeutsche (08.05.2020): Aufteilung in rote und grüne Zonen, hier die Modell-Karten von Frankreich

Tagesspiegel (08.05.2020): Zwei Hotspots: Coesfeld in NRW (Schlachtbetrieb) und Greiz in Thüringen, bei 50 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohner innerhalb von 7 Tagen sollen lokale Maßnahmen getroffen werden, aber Ärzte kritisieren diese Grenze

Telepolis (09.05.2020): Ansteckungsdaten anschaulich und tagesaktuell für Landkreise und Bundesländer mit Inzidenz, Prävalenz, Erwartungstag und Reproduktionsfaktor aufbereitet

Spiegel (14.05.2020): Thüringer Landesregierung greift in Greiz und Sonneberg durch

Süddeutsche (15.05.2020): Die neuen Corona-Regeln in den Bundesländern

BR (19.05.2020): Kitas, Hotels, Schlösser: Bayerns neue Corona-Beschlüsse

ntv (23.05.2020): Thüringen will Anfang Juni die allgemeinen Corona-Beschränkungen beenden und durch lokale Maßnahmen ersetzen

Neue Zürcher Zeitung (27.05.2020): Flickenteppich an Regulierungen, Ramelow rudert zurück, Verbote oder bloss Gebote?

Spiegel (01.06.2020): Corona-Regeln nach Pfingsten - Das ist in Ihrem Bundesland erlaubt

Tagesschau (09.06.2020): Thüringen kippt Kontaktbeschränkungen

NDR (09.06.2020): Niedersachsen: Kitas öffnen für alle Kinder ab 22. Juni

Süddeutsche (23.06.2020): NRW zieht die Notbremse kurz vor Ferienbeginn - Gütersloh und Warendorf nach Ausbruch bei Tönnies

ntv (28.06.2020): Bayern kündigt kostenlose Tests für jedermann an

Tagesschau (05.07.2020): Endet Maskenpflicht in Mecklenburg-Vorpommern?

NDR (14.07.2020): Kein neuer Corona-Fall in Hamburg

Zeit (31.07.2020): So fangen zweite Wellen an - Corona-Fallzahlen steigen wieder, besonders in Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern

Thema: Corona
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Mittwoch, 6. Mai 2020 17:01

Corona-Tests

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Es gibt verschiedene Testverfahren, die hier bei BR24 recht übersichtlich dargestellt sind.

  • Polymerase-Kettenreaktion (PCR), Dauer 5 Stunden im Labor, Transport zum Labor und zurück kann ein paar Tage dauern
  • Antikörper-Tests zeigen eine überstandene Infektion 2-3 Wochen danach an, schlägt aber nach einer herkömmlichen Coronainfektion falsch positiv an
  • Massentests mit Poolverfahren mit RT-PCR-Methode, mit dem 30 Proben gleichzeitig schon in Krankenhäusern und Pflegeheimen getestet werden können, bei positivem Ergebnis können die Proben ins Labor zum PCR-Test eingeschickt werden
  • Kartuschentests, Dauer eine Stunde, aber sehr teuer
  • Antikörper-Bluttests, noch unausgereift
  • Antigen-Tests, noch in Entwicklung, kann aber auch falsch positiv bei herkömmlichen Coronaviren anschlagen

Auf bayern.de gibt es eine Übersicht über die Laboruntersuchungen in Bayern. Die Positivrate schwankt derzeit zwischen 4 und 10%. In München gibt es eine Drive-In-Teststation auf der Theresienwiese. Dort darf man hin, wenn man vom Gesundheitsamt kontaktiert wurde sowie KRITIS-Personal, also Personal von kritischer Infrastruktur und medizinisches Personal. [Ironie an] Und natürlich Fussballer, die gehören wohl wegen "Brot und Spiele" auch zum KRITIS-Personal... [Ironie aus]

Wenn der Verdacht auf Corona, also Covid-19 besteht, kann man dort einen Termin für einen Test bekommen, wenn der Verdacht sich als begründet erweist. Es ist verständlich, dass eigentlich jeder, der in den letzten Wochen irgendwelche Erkältungssymptome hatte, gerne wüsste, ob er vielleicht Covid-19 schon durchgestanden hat, damit immun ist und keine Angst mehr haben braucht. Doch die Testkapazitäten in Deutschland reichen noch bei Weitem nicht aus, um flächendeckend zu testen, obwohl immer mehr Labore diese anbieten. Dabei werden die Kapazitäten gar nicht vollkommen ausgeschöpft. Außerdem können Tests auch fehlerhaft sein.

Je mehr Tests durchgeführt werden können, desto eher gibt es belastbare Zahlen zur Letalität. Außerdem kann man so etwas über die Dunkelziffer herausfinden. Allerdings ist die Studie des LMU-Klinikum in München noch nicht abgeschlossen. Das dauert wohl noch ca. ein Jahr. Hätte man hier verlässliche Daten, dann könnte man die tatsächliche Gefährlichkeit von Covid-19 besser einschätzen und auch, wie weit die Herdenimmunität schon fortgeschritten ist. Allerdings sind hier auch noch viele Fragen offen, zum Beispiel ob die Immunität nur Monate oder vielleicht sogar zwei bis drei Jahre anhält. Dass man nach überstandener Infektion überhaupt keine Immunität hat, würde mich eher wundern. Dann wäre der neue Coronavirus doch sehr ungewöhnlich. Allerdings bin ich auch kein Experte.

So lange man aber den Aspekt der Immunität noch nicht genau erforscht hat, macht auch ein Immunitätsausweis keinen Sinn. Von den verfassungs- und datenschutzrechtlichen Bedenken einmal abgesehen, würden viele Leute wohl Coronapartys feiern, um an einen solchen Ausweis zu gelangen. Aber der ist zum Glück sowieso erst einmal vom Tisch.

Es bleibt also, wie es ist. Unzureichende Daten und unzureichendes Wissen über den neuen Coronavirus lässt uns alle im Dunkeln tappen in diesem gigantischen, gesellschaftlichem Experiment mit ungewissem Ausgang.

Wir leben in spannenden Zeiten.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates

Apotheke Adhoc (06.04.2020): Antikörper-Schnelltest-Hersteller zertifizieren sich selbst

Correctiv (07.04.2020): Falsch positive und falsch negative Testergebnisse - Man kann die Fehlerquoten nicht genau benennen. 30-50% sind es aber nicht. Es kommt auch auf den Zeitpunkt des Rachenabstrichs an, weil die Viruslast ab der zweiten Woche abnimmt und der Test dann falsch negativ anzeigt, obwohl der Patient tatsächlich an Covid-19 erkrankt ist. Die aktuell gebräuchlichen PCR Tests reagieren nicht auf die vier vorher bekannten Coronaviren (außer auf 229E, siehe NachDenkSeiten (10.06.2020)). Falsch positive Ergebnisse nahezu ausgeschlossen. Es ist außerdem wichtig, den Rachenabstrich korrekt vorzunehmen, hier liegt eher der Fehlerteufel, als bei dem Test selbst.

Tagesschau (07.04.2020): Der Wettlauf der Corona-Tester - Berliner Start-Up PharmACT mit dabei

Capital (16.04.2020): Diese Firmen produzieren Corona-Tests: Bosch Healthcare Solutions (Deutschland), Roche (Schweiz) mit Cobas 6800 und 8800, Abbott (USA) mit Diagnostikgeräten ID Now, TIB Molbiol (Deutschland), Qiagen (Deutschland)

New York Times (01.05.2020): Liquid Gold, Wild West of antibody sales

Heise (07.05.2020): Apple investiert Millionen in Corona-Testkits

ntv (15.05.2020): Viele Labor-Kapazitäten bleiben ungenutzt

BBC (14.05.2020): Covid antibody test a positive development - difference between Swab test/Blood test

Neue Zürcher Zeitung (18.05.2020): USA: Testgerät von Abbott Laboratories fehleranfällig

Spektrum der Wissenschaft (06.06.2020): Streit um die Kosten - Test-Pooling die Lösung?

ntv (09.06.2020): Massentests kommen - auf Kassenkosten - auch ohne Symptome Testkapazitäten in Deutschland werden bislang nicht ausgeschöpft - bis zu 888.000 könnte es pro Woche geben.

NachDenkSeiten (10.06.2020): Covid-19-Fallzahlen – das Problem der falsch positiven Ergebnisse bei niedrigen Neuinfektionen wie beim derzeitigen Auslaufen der Pandemie, besonders, wenn auf die Gensequenz FPR getestet wird, zeigten Tests auch falsch positiv an, wenn der harmlose Coronavirus 229E in der Probe enthalten ist. Erwiesenermaßen problematisch bei Herstellern von Testkits von Seegene (Südkorea), TIB MOLBIOL (Berlin, Deutschland), Anatolia Geneworks (Türkei), Cepheid (USA) und Liferiver (China).

Spiegel (02.07.2020): Gemeinde Vò in Italien: Ein Dorf wird zum Freilichtlabor

Spektrum der Wissenschaft (30.07.2020): Wie die neuesten Testverfahren funktionieren

Süddeutsche (31.07.2020): Wer sich kostenlos auf Corona testen lassen kann und wer zahlen muss

Ärzteblatt (03.08.2020): Hohe Trefferquote von 2,5% bei Rückkehrertests an NRW-Flughäfen

Thema: Corona
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Dienstag, 5. Mai 2020 17:01

Manipulation

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Es gibt viele Möglichkeiten, jemanden zu manipulieren. Die Rhetorik ("Redekunst") ist schon eine sehr alte Methode, Zuhörer zu überzeugen oder zu einer Handlung zu bewegen. Aber es gibt noch sehr viele andere Methoden, die Menschen durch Sprache zu manipulieren. Es ist lohnenswert, sich mit den verschiedenen Methoden vertraut zu machen.

Framing und Priming haben mit der Kognition zu tun. Beim Framing wird durch die Formulierung das Verhalten des Empfängers beeinflusst. Zum Beispiel ist es ein Unterschied, ob man sagt "Du riechst aber wieder ganz schön nach Pferd. Möchtest du nicht duschen?" oder "Boah, du stinkst nach Pferd. Geh duschen!". Beim Priming wird auf eine spätere Aussage vorbereitet, indem die Stimmung des Zuhörers durch bestimmte Aussagen in die eine oder andere Richtung gelenkt werden, um darauf die gewünschte positive oder negative Reaktion hervorzurufen.

Oder die Neuro-Linguistische Programmierung, die aber auch als Pseudowissenschaft bezeichnet wird. Aber es funktioniert erstaunlich oft. Zum Beispiel das Pacing (Spiegeln). Damit kann man den Eindruck erwecken, mit seinem Gegenüber auf der gleichen Wellenlänge zu sein und ihn dazu verleiten, mehr preiszugeben, als er eigentlich möchte. Oder beim Leading (Führen) wird das Gegenüber in eine bestimmte Richtung getrieben. Das habe ich selbst schon erlebt:

  • Es klingelt. Ich öffne die Tür (hab ich früher gemacht). Jemand steht davor und fragt: "Hätten Sie drei Minuten Zeit für eine Umfrage?"
  • Man will nicht unhöflich sein und was sind schon drei Minuten. Also kommt die nächste Frage, als Umfrage getarnt (eventuell auch zwischen ein oder zwei weiteren Fragen versteckt): "Finden Sie es richtig, dass ehemalige Gefängnisinsassen/Drogensüchtige/[beliebige andere Person am Rand der Gesellschaft] eine Chance bekommen sollte, sich wieder in die Gesellschaft einzugliedern und einen Job zu bekommen?"
  • Man will nicht als assozial dastehen, zumal man die vorherige Frage ja schon mit "ja" beantwortet hat. Und schon holt der Klinkenputzer zum finalen Schlag aus: "Ich bin ein ehemaliger Gefängnisinsasse/Drogensüchtiger/[beliebige andere Person am Rand der Gesellschaft] und habe jetzt die Chance bekommen, durch den Verkauf von Abonnements wieder in das gesellschaftliche Leben zurückzukehren."
  • Schwupp ist man in die Falle getappt. Da gehört eine gehörige Portion Selbstbewusstsein dazu, um hier doch noch zurückzurudern und "nein" zu sagen, weil man doch eigentlich nicht wirklich schon wieder ein Abo braucht.
  • Beim nächsten Versuch war meine Antwort auf die Frage, ob ich an einer Umfrage teilnehmen würde: "Danke, nein, ich brauche kein Abo." Man ist ja lernfähig.

Und dann gibt es noch die Suggestion, bei der man das Gegenüber manipuliert, ohne dass die Manipulation erkannt wird. Ich habe das auch schon angewandt, als ich zu meinem kranken Sohn sagte, dass Salbeibonbons so ähnlich schmecken wie Cola-Bonbons. Seitdem lutscht er die auch, wenn er gesund ist und sie schmecken ihm sogar. All diese Verfahren sind einander ähnlich oder überschneiden sich, und es gibt sicher noch viele andere Methoden der Manipulation.

Eine Methode wende ich auch sehr gerne an. Die meisten Menschen haben nämlich eine Abneigung dagegen, eine Frage mit "nein" zu beantworten, weil dies vielleicht als unhöflich gilt. Deshalb kann man eine Frage immer so formulieren, dass "ja" die gewünschte Antwort ist und Oder-Fragen vermeiden, um dem Gegenüber keine Auswahl anzubieten. Das funktioniert erschreckend oft.

Die aggressivste Form der Manipulation ist Angstmacherei. Dieses Mittel wird gerne von Verschwörungstheoretikern angewandt. Zwar soll man keine Angst vor dem Virus haben, aber doch bitte schön vom Deep State und der weltweiten Verschwörung zur totalen Kontrolle mit Hilfe von Microchips und der Einführung einer Weltregierung. Dagegen spricht die Chaostheorie. Ich bin fest davon überzeugt, dass man niemals die gesamte Menschheit zentral steuern können wird, dazu gibt es viel zu viele gegenläufige Interessen. Das sind Allmachtsphantasien. So etwas kann einfach nicht funktionieren. Nur in der reinen Schönheit der Mathematik gibt es 0% oder 100%. Das wahre Leben ist nicht schwarz-weiß, es hat viele verschiedene Grautöne und auch die wechseln ständig. Damit können einfach gestrickte Geister nur leider nicht umgehen.

Vor ein paar Tagen haben wir ein anonymes (!) Pamphlet im Briefkasten gefunden, das mich in Erstaunen versetzt hat. Fakenews werden anscheinend nicht nur über das Internet verbreitet, sondern auch offline. In dem auf Hochglanzpapier gedruckten Wisch, das man leider nicht als Klopapier verwenden kann, wurde das übliche Geschwurbel verbreitet. Dass man vor dem neuen Coronavirus keine Angst zu haben braucht, weil der doch nur sowas wie die Grippe ist und nur älteren Menschen und Leuten mit Vorerkrankung gefährlich werden kann (was für eine menschenverachtende Aussage), dass die Pandemie schon mehrfach vorhergesagt wurde und daher geplant war von der Rockefeller Foundation (2010) und der Johns Hopkins Center for Health Security, dem World Economic Forum und der Bill & Melinda Gates Foundation im Event 201 (2019) und sogar im Bundestag (2013) angekündigt wurde. Ganz ehrlich, wenn ich so eine Verschwörung planen würde, dann hätte ich das niemals angekündigt oder in irgendeiner Form publik gemacht!

Außerdem werden Parallelen gezogen zur Schweinegruppe (2009), die glücklicherweise glimpflich verlief und die Empörung (auch von Dr. Wodings) damals groß war, dass nur die Pharmaindustrie als Profiteure der Angst daran verdienen wollte. Dr. Wodings ist davon überzeugt, dass dies auch auf die aktuelle Pandemie zutrifft. Ich angesichts der Situation in Italien und New York nicht. Und dann wird natürlich wie immer nachgetreten mit dem Aufruf, der als Trigger dient, man solle "selbst denken". Darauf antworte ich gerne, dass ich das tue, dabei nur eben zu einem anderen Ergebnis komme...

Ich habe das Titelblatt in der Messestadt-Gruppe in Facebook gepostet. Einige Leute hatten das Ding auch bekommen und weggeworfen, einer zur Polizei geschickt, dann wurde darüber diskutiert, ob an den Theorien vielleicht was dran sein könnte, weil wir doch keine "Leichenberge" sehen, dann berichteten ein paar Leute von Covid-19-Fällen in ihrem Familienkreis, dann war Ruhe.

Ich weiß gar nicht mehr, wer mich "Lemming" genannt hat, weil ich schon vor der Ausgangsbeschränkung und der Schließung von Restaurants das Trekdinner im März abgesagt hatte und ich schon vor der Einführung der Maskenpflicht mit Maske in den Supermarkt gegangen bin. Ist auch egal. Ich bin nicht Marty McFly, der sich triggern lässt, wenn man ihn "feige Sau" nennt.

Denn ich habe keine Angst!

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates

Golem (12.05.2020): Verschwörungstheorien im Mainstream

Telepolis (14.05.2020): Covidioten: Die Pandemie der Infantilität

T-Online(14.05.2020): Sekte Organische Christus-Generation (OCG) mit Sitz in der Schweiz nutzt das Coronavirus für ihre Propaganda

BR24 (16.05.2020): Was ist QAnon? - kommt mir vor, wie eine hirnwaschende Sekte...

NDR Podcast Coronavirus-Update mit Christian Drosten (19.05.2020): (42) Bei der Schweinegrippe kam alles anders, hier wird u.a. erklärt, warum die Schweinegrippe durchaus gefährlicher war als die Saisonale Grippe, wie es zu dem Vorwurf kam, dass die Regierungsbeamten den "besseren" Impfstoff bekam und das Fußvolk den Rest, und auch an der Dokumentation "Profiteure der Angst" Kritik geübt.

Correctiv (09.07.2020): Warum Demokratie Faktenchecks braucht

Volksverpetzer (09.07.2020): QAnon liegt immer falsch



Statista: Anzahl der Todesfälle durch Influenza H1N1 ("Schweinegrippe") in Deutschland nach Alter von April 2009 bis März 2010: überwiegend Menschen zwischen 35 und 39 Jahren gestorben, anders als bei "normalen" Grippewellen

Wikipedia: Influenza Case Mortality - bei der Influenza (Grippe) sterben normalerweise eher die über 65-Jährigen

Themen: Corona | Trekdinner
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Montag, 4. Mai 2020 17:01

Ein Lied vom Tod

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Es ist eine Tatsache, dass wir alle irgendwann einmal sterben müssen. Der Tod gehört zum Leben. Und wenn man Glück hat, dann tritt er erst spät und ohne langes Dahinsiechen ein. In meiner Familie sind die meisten erst im fortgeschrittenen Alter gestorben. Aber ich empfand 67 Jahre immer noch als viel zu jung. Gerade heute, wenn man sich Menschen mit 70 oder älter anschaut, die kommen einem doch vor wie 50-Jährige.

Meine Erfahrungen mit dem Tod beschränken sich eher auf das Tierreich. Seit 18 Jahren haben wir Kaninchen und manche sind jung gestorben, manche sind alt geworden, jedes ist irgendwie an etwas anderem gestorben. Oder mein erstes Pferd, das war schlimm, als ich ihn habe einschläfern lassen müssen.

Bei den ganzen Maßnahmen, die jetzt getroffen wurden, ging es aber auch nie darum, den Tod zu verhindern. Das geht gar nicht. Zu den vielfältigen Möglichkeiten abzuleben, Krebs, Herzinfarkt, Autounfall usw. kommt jetzt eben noch eine weitere Möglichkeit durch Covid-19 an oder mit hinzu. Bei den Maßnahmen ging es darum, den Zusammenbruch des Gesundheitssystems zu verhindern, um unnötiges Sterben zu verhindern. Ich wünschte, ich hätte das Wort Triage nie kennengelernt. Niemandem wünsche ich, solche Entscheidungen treffen zu müssen.

Wolfgang Schäuble und Boris Palmer haben in den letzten Tagen für ihre Aussagen viel Schelte bekommen. Auch der US-Vize-Gouverneur Dan Patrick hatte die Idee, dass sich Ältere opfern sollten. Für Viele wurde hier ein Tabu gebrochen, und auch ich finde, dass solche Aussagen ein Geschmäckle haben.

Zumal die Übersterblichkeit sehr deutlich ist und Covid-19-Opfer noch durchaus einige Jahre vor sich gehabt hätten. Covid-19 ist eine ernstzunehmende Krankheit. Aber nur die Risikogruppen zu isolieren, ist nicht praktikabel, denn dazu gehören je nach Datenlage ein Drittel der Bevölkerung. Außerdem leiden ältere Menschen unter der Isolation. Und es gibt durchaus Menschen, die gar nicht beatmet werden möchten.

Wenn man die Diagramme auf muenchen.de verfolgt, dann zeigt sich seit Wochen das gleiche Bild. Mehr als die Hälfte der Intensivbetten und Beatmungsgeräte bleiben ungenutzt. Das bedeutet, dass hier noch Luft nach oben ist, Menschen mit Covid-19 oder anderen Intensivpatienten die bestmöglichen Überlebenschancen zu bieten. Hier Patienten aus anderen Ländern aufzunehmen, ist schonmal gut. Außerdem ist auffällig, dass der orangene Teil, also der Münchner, die derzeit an Covid-19 registriert erkrankt sind, schmaler wird.

Kein Wunder also, dass die Menschen, die keine Katastrophe wie in Italien, Spanien, New York oder in dem Seniorenheim in Kanada sehen, dem Präventionsparadox aufsitzen. Die Maßnahmen wirken, die Katastrophe bleibt aus, nun denken viele, dass die Maßnahmen unnötig oder zumindest übertrieben waren. Insbesondere im Osten Deutschlands kann ich mir vorstellen, dass dies durchaus zutrifft, wie man auch auf dieser Karte vom RKI live verfolgen kann.

Letztendlich ist es aber leider so, dass die Wirtschaft sich nur dann wieder vom Hammer erholen wird, wenn man sie lässt. Nun muss abgewiegelt werden im Tanz, in wie weit die Maßnahmen gelockert werden können, inwieweit wir mit Maskenpflicht und Hygiene- und Abstandsregeln, ohne eine zweite oder weitere Wellen zu riskieren, die Wirtschaft wieder weitestgehend auf ihre eigenen Beine stellen können.

Das bedeutet, dass wir alle mit dem Risiko leben lernen müssen, dass der neue Coronavirus mit sich bringt. Auch wenn es bedeutet, dass mehr Menschen sterben werden.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates

Tagesschau (08.05.2020): Corona-Tote: Neun Lebensjahre verloren

Telepolis (07.05.2020): Wir retten Menschenleben mit Menschenleben, ohne darüber zu verhandeln, ein Kommentar zu "Wirtschaft vs. Menschenleben"

Sat.1 Frühstücksfernsehen vom 28.04.2020: Oberbürgermeister Boris Palmer spricht über die Deutsche Wirtschaft - das komplette Interview für alle, die sich selbst ein Bild machen möchten und sich nicht über einen aus dem Zusammenhang gerissenen Satz aufregen wollen

Tagesspiegel (11.05.2020): Nicht das Individuum soll durch die Maßnahmen geschützt werden...

Telepolis (28.06.2020): Eine neue Ethik durch Covid-19? - Grippetote egal?

Zeit (26.07.2020): Der Covid-19-Tanz hat begonnen

ntv (06.08.2020): Streeck spricht von Dauerwelle

Thema: Corona
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Sonntag, 3. Mai 2020 17:01

Es soll wieder alles so werden wie vorher - Die Zukunft mit Corona

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Am 16. März wurden die Kitas und Schulen geschlossen. Seit dem 21.03.2020 gelten in Bayern und im Saarland und seit dem 23.03.2020 in ganz Deutschland im Vergleich zu Italien und Frankreich relativ moderate Ausgangsbeschränkungen. Für Eltern und Kinder ist das eine unbeschreibliche Belastung und für viele Menschen, deren Arbeit nicht zu den systemrelevanten Berufen zählen, eine existenielle Bedrohung. Die Hilfsangebote von Bund und Ländern sind teils ungerecht, teils ein Tropfen auf den heißen Stein und teils auch schlicht nicht abrufbar, weil die Leute mit überforderten Jobcentermitarbeitern oder ausgefallenen Servern kämpfen. Es ist eine Katastrophe, für die Psyche und für die Existenz vieler Menschen.

Es ist also nur nachvollziehbar, wenn sich bei vielen Menschen der Wunsch äußert, dass bitte wieder alles so sein soll wie zuvor. Aber es gibt auch Leute, die vor zu schneller Lockerung warnen, denn es ist nicht vorhersehbar, wo der nächste Hotspot vom neuen Coronavirus auftauchen wird. Ranga Yogeshwar sagt, dass man die Feuerwehr auch nicht abschaffen würde, wenn es nicht gebrannt hat. Und in Facebook kursiert der Satz, dass man auch nicht aufhört zu verhüten, nur weil man drei Monate nicht schwanger geworden ist. Dennoch werden wir so nicht weitermachen können.

Die meisten Menschen und auch Firmen werden nicht monatelang ohne Einnahmen durchhalten. Daher muss es hier eine Lösung geben, damit die Wirtschaft nicht vollständig zerstört wird. Die Maskenpflicht ist hier ein guter Schritt, denn mit ihr können Lockerungen schneller erfolgen, da unentdeckte Infektionsketten seltener werden. Nur hat unsere Bundesregierung hier einen folgenschweren Fehler im Februar begangen, indem sie mehrere Tonnen Schutzkleidung und Desinfektionsmittel nach China (Außenminister Maas, nicht Gesundheitsminister Spahn!) geliefert hat, statt sie für etwaige Pandemien im Land zu halten. Hätte man es da schon wissen können? Die Risikoanalyse lag dem Bundestag bereits am 03.01.2013 nach der bzw. zur MERS-Pandemie 2012/2013 vor. Die Eintrittswahrscheinlichkeit wurde mit statistisch in einem Zeitraum von 100 bis 1.000 Jahren angegeben. Da konnte man sich schon irgendwie in Sicherheit wiegen... Ich hätte persönlich wohl auch geholfen.

Die Pandemie wurde von der WHO erst am 11.03.2020 ausgerufen. Aber nachdem die Schweinegrippe-Pandemie irgendwie ein Rohrkrepierer (Übersterblichkeit Null) war und man damals über die Impfstoffhersteller schimpfte, die sich eine goldene Nase verdienen wollten, war man wohl auch zu diesem Zeitpunkt noch am Abwiegeln. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, dass ich mich damals auch über die Pharmaindustrie aufgeregt habe und auf eine Impfung verzichtet habe. Ich kannte auch jemanden persönlich, der die Schweinegrippe durchgemacht hatte. Sie war in etwa genauso heftig, wie jede andere Grippe auch (nicht zu verwechseln mit grippalen Infekten). Insofern hatte ich keine Angst davor.

Es gibt auch jetzt noch Schwurbler, die immer noch glauben, dass es sich mit der SARS-CoV-2 Coronavirus-Pandemie ebenso verhält. Dies ist aber nicht der Fall, zumindest nicht in den stark betroffenen Gebieten Lombardei, Madrid und New York, wo eine deutliche Übersterblichkeitsrate verzeichnet wurde. Oder in Belgien, Frankreich und England ebenso. In Deutschland steigt die Übersterblichkeit langsam an und sieht derzeit noch nicht dramatisch aus. Meines Erachtens liegt es aber daran, dass die Landesregierung im stärker betroffenen Bayern und dann zwei Tage später auch die Bundesregierung den Hammer herausgeholt haben angesichts der dramatischen Bilder, die uns aus Italien erreicht haben. Aber ich glaube auch, dass der wirtschaftliche Schaden hätte viel geringer sein können, wenn einige Maßnahmen früher ergriffen worden wären. Paradoxer Weise wurde hier jedoch lange gezögert, eben um der Wirtschaft nicht zu schaden.

Die Maskenpflicht ist ein erster Schritt in den Tanz, in Richtung Normalität. Kontaktverfolgungsapps wie in Hongkong, Taiwan und Südkorea sind bei uns eher nicht denkbar, doch sie waren ein wichtiger Faktor, weshalb Taiwan ohne drastischen Lockdown klarkam. Außerdem wären flächendeckende Testkapazitäten wichtig, damit man überhaupt weiß, wo sich der neue Coronavirus unentdeckt ausbreitet - oder im Umkehrschluss wo eben gerade nicht. Da wir hier aber erst bei 141.815 Tests pro Tag sind bei einer Bevölkerung von 83 Millionen, ist das noch nicht hilfreich. Würde die Testkapazität so bleiben, wäre Deutschland in 585 Tagen, also über anderthalb Jahren einmal durchgetestet. Nun müssen wir wohl langsam lernen, irgendwie mit dem neuen Coronavirus zu leben.

Nur eines will ich ganz sicher nicht: Dass alles genauso wird wie vorher.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Update Diensttag, 5. Mai 2020:

BABS, das Bundesamt für Bevölkerungsschutz der Schweiz kam in seiner Risikobericht von 2015 zu dem Schluss, dass die Wahrscheinlichkeit einer Pandemie etwa bei alle 30 bis 100 Jahre läge.

Updates

ntv (14.05.2020): Die WHO ist sehr skeptisch: Corona verschwindet vielleicht nie wieder

Spiegel (13.05.2020): Forscher entwickeln Szenarien So könnte die Corona-Pandemie weitergehen

Stern (27.05.2020): Warum die Corona-Neuinfektionen trotz Lockerungen nicht steigen - Kontaktbeschränkungen reichen aus

Süddeutsche (05.06.2020): Corona-Simulationen: Der Weg aus der Krise

Tagesspiegel (22.06.2020): Veranstaltungsbranche protestiert mit Lichtaktion "Night of Light"

Geld und mehr - Ein Blog von Norbert Häring (08.07.2020): Great Reset: Das Weltwirtschaftsforum plant den Großen Neustart, um ihn zu verhindern (Davos)

NachDenkSeiten / Günther Grunert und Walter Tobergte in Makroskop (14.07.2020): Warum der Neoliberalismus mit aller Macht zurückkehren wird (leider)

Thema: Corona
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Samstag, 2. Mai 2020 17:01

Das Problem mit den Preprints

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Was sind Preprints? Das sind ungeprüfte, wissenschaftliche Publikationen, die zwar auf Preprintservern veröffentlicht werden, aber keine abschließenden Studien darstellen. Sie dienen vielmehr dem Austausch von Wissenschaftlern weltweit, die diese Arbeiten nachvollziehen und gegebenenfalls korrigieren, BEVOR sie in Fachjournalen veröffentlicht werden. Durch diese weltweite Zusasmmenarbeit können Forschungen beschleunigt werden. Preprintserver erkennt man an ihrer Endung "(R)Xiv".

Aber selbst wenn Professoren etwas veröffentlichen, dann bedeutet es noch nicht, dass ihre Rechenbeispiele fundiert sind, wie dieser Beitrag im Spektrum der Wissenschaft deutlich vor Augen führt. Psychologieprofessoren haben wohl eher weniger Ahnung von Mathematik. So wenig, dass ein Bauingenieur dies leicht und nachvollziehbar widerlegt.

Es kommt jedoch vor, dass Preprints hin und wieder zurückgezogen werden. In diesem gruseligen, nicht empfehlenswerten Beitrag in Telepolis, in dem gemutmaßt wird, dass der neue Coronavirus wegen seinen HIV-ähnlichen Komponenten eventuell doch in einem Labor gezüchtet worden sein könnte, wird ganz unten auf einen Preprint verlinkt, der zurückgezogen wurde. Dies bedeutet, dass die Forschung, die hier von einem indischen Team betrieben wurde, einer genaueren wissenschaftlichen Nachprüfung nicht standgehalten hat. Dies bedeutet aber nicht (!), dass er zensiert wurde. Auch in dem Telepolisartikel steht, dass der französische Virologe Luc Montagnier eine saubere wissenschaftliche Arbeit noch schuldig ist. Daher empfehle ich nicht, diesen Artikel wirklich komplett zu lesen. Man sieht also, dass hier wild veröffentlicht wird, ohne dass dem fundierte, wissenschaftliche Arbeiten zugrunde liegen.

Und genau hier liegt das Problem. Wenn Journalisten ohne wissenschaftlichen Hintergrund diese öffentlichen Preprints in die Finger bekommen, dann können sie auf unterschiedliche Weise interpretiert werden. Aluhut-Träger sehen in zurückgezogenen Preprints Zensur oder in noch nicht überprüften Preprints wissenschaftliche Errungenschaften, die vor der Menschheit zurückgehalten werden sollen.

Aber sie können auch politisch missbraucht werden. Forscher sind leider auf Fördergelder angewiesen, ob aus privater oder öffentlicher Hand. Sie sind auch immer seltener an Universitäten fest angestellt und können seltener frei von Existenzängsten forschen. Eine Freundin kann davon ein Lied singen. Deshalb kommt es auch immer mal wieder vor, dass die Forschung in eine bestimmte Richtung geht, die der Geldgeber wünscht. Das hat dann mit wissenschaftlicher Arbeit nur noch bedingt zu tun.

Deshalb ist meine erste Frage bei Studien immer: Wer hat das finanziert? Wenn zum Beispiel die Biologische Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft in einer Studie bestätigt, dass Küchenutensilien aus Holz hygienischer sind als welche aus Kunststoff, dann bin ich natürlich skeptisch, denn die Forstwirtschaft verdient natürlich ihr Geld mit Holz.

Ich habe einmal in einer Pflanzenschutzmittelfirma gearbeitet, wo es auch um viele Studien ging. In einer Studie, die von zwei voneinander unabhängigen Forschungseinrichtungen gemacht wurde, war die Mortalität der Bienen extrem unterschiedlich. Natürlich habe ich damals auch um die vielen toten Bienen getrauert, aber als mir gesagt wurde, wie diese unterschiedlichen Ergebnisse zustande kamen, war ich verblüfft: In der einen Studie mit weniger toten Bienen wurden das Pflanzenschutzmittel mit Zuckerwasser verabreicht, in der anderen mit mehr toten Bienen mit Honig. Da die Bienen lieber Honig als Zuckerwasser konsumieren, starben hier natürlich auch mehr an dem Pflanzenschutzmittel. Wer solche Mechanismen kennt, kann natürlich auch Studien auf diese Weise manipulieren.

Deshalb ist es wichtiger denn je: Glaube nichts, hinterfrage alles!

Everything's going to be okay!
Carl Grimes

Thema: Corona
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Freitag, 1. Mai 2020 17:01

Entwicklung eines Impfstoffes

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Eines der Ziele, das bei dem Tanz zwischen Maßnahmen und Lockerungen erreicht werden muss, ist die Entwicklung eines Impfstoffes. Einen Überblick kann man sich bei Wikipedia (Stand 30.04.2020) oder beim Verband Forschender Arzneimittelhersteller e.V. Berlin verschaffen.

In den letzten Tagen sind drei Impfstoffe als heiße Kandidaten in die Presse geraten, die Hoffnung darauf machen, dass es eventuell schon dieses Jahr einen Impfstoff geben könnte. Soweit ich das verstanden habe, können manche Testreihen auch parallel laufen statt hintereinander, so dass man die Zeit bis zur Zulassung verkürzen kann.

Totimpfstoff bezeichne ich als "klassisch", da diese Art des Impfstoffs im Jahr 1796 gegen Pocken entdeckt und entwickelt wurde. Es gibt aber mittlerweile eine Reihe neuer Methoden, Impfstoffe zu entwickeln: genbasierte Impfstoffe, Vektorvirus-Impfstoff, antigenpräsentierende Zellen... Sehr spannendes Thema!

Selbstverständlich werden die ersten Firmen, die einen wirksamen Impfstoff auf den Markt bringen, richtig viel Geld verdienen können. Sieben der Produktionsanlagen werden durch die Blll & Melinda Gates Foundation mitfinanziert. Aber nicht nur, die Forschung wird auch mit öffentlichen Geldern gefördert, während die Gewinne bei den Unternehmen verbleiben. Das ärgert mich. Ich hoffe, dass die Gewinne wenigstens ordentlich versteuert werden. Hier ist Dänemark mein Held, denn dort werden Firmen mit Sitz in Steueroasen von Corona-Staatshilfen ausgeschlossen.

Noch ein Wort vielleicht zu Impfgegnern. Ich kann das nicht nachvollziehen. Wahrscheinlich wissen die Leute einfach nicht mehr, wie es ist, wenn ein Kind an Keuchhusten erstickt. Oder dass man durch eine Mumps-Erkrankung unfruchtbar werden kann. Wenn man die Risiken gegen die Vorteile abwägt, würde es mir nie in den Sinn kommen, meine Kinder nicht impfen zu wollen oder sie gar auf Masernpartys anstecken zu lassen.

Aber auch um mögliche Corona-Impfstoffe ranken einige Verschwörungstheorien. Bei dem angeblichen Microchip, der durch Impfungen implantiert werden soll, wird gerade ID2020 ins Visier genommen. (Ich habe gesehen, wie Pferden Microchips implantiert wurden. Die passen nicht in eine Impfspritze und das ist eine recht blutige Angelegenheit und erfolgt unter örtlicher Betäubung.) Einschlägige Seiten sind gruselig und spielen mit der Angst der Leute, um ihr ozonisiertes Olivenöl, kolloidales Silber und ihre Aluhüte zu verkaufen (sowas verlinke ich natürlich nicht). Bei ID2020 handelt es sich jedoch nicht um einen implantierbaren Microchip, sondern um ein Identifikationsverfahren, das mit Hilfe von biometrischen Daten in Blockchains gespeichert einen eindeutigen QR-Code auf dem Smartphone erzeugt. Das mag aus anderen Gründen gruselig sein, aber die Weltherrschaft erlangt dadurch niemand, auch kein Bill Gates.

Jedenfalls geben die Forschungseinrichtungen gerade so richtig Gas bei der Entwicklung eines Impfstoffes und auch bürokratische Hürden werden mit Augenmaß aus dem Weg geräumt, damit die entwickelten Impfstoffe dennoch möglichst sicher sind. Allerdings wird das eine gewaltige, logistische Herausforderung, den Impfstoff dann auch zu produzieren und zu verteilen, wobei trotzdem alle anderen Impfstoffe weiterhin produziert werden sollen. Wenn man sich mit Astronomie beschäftigt, ist man es gewohnt, in gigantischen Dimensionen zu denken. 5 bis 10 Millionen Impfdosen, die wie oben erwähnt bei dem vom Oxford entwickelten Präparat in Indien für möglich erachtet werden, klingen erst einmal nach viel, aber angesichts einer Weltbevölkerung von 7,75 Milliarden, davon 1,37 Milliarden allein in Indien, ist das ein Tropfen auf den heißen Stein. Es würde noch nicht einmal für die 83 Millionen Menschen in Deutschland für die Erstimmunisierung reichen. Außerdem man muss leider auch damit rechnen, dass die produzierten Impfstoffe zunächst im jeweils eigenen Land verteilt werden, bevor sie an andere Länder verkauft werden.

Wir werden also noch sehr lange mit dem neuen Coronavirus leben müssen.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates


Updates Entwicklung Covid-19-Impfstoff

StadtRadio Göttingen (04.05.2020): Forscher des Göttinger Primatenzentrums finden Ansatzpunkte für Coronavirus-Impfstoffentwicklung um das zelluläre Enzym Furin

Spiegel (06.05.2020): Rettet ein Zigarettenkonzern die Welt? Antigen wird in Tabakpflanzen zur Reproduktion eingeschleust, damit dienen diese Pflanzen als Biofabriken

FAZ (10.05.2020): Impfstoff der Uni Marburg kann in die klinische Phase gehen

Spiegel (14.05.2020): Sanofi zu potenziellem Impfstoff gegen das Coronavirus: USA bevorzugt?

ntv (15.05.2020): Sanofi will USA jetzt doch nicht bevorzugen

Spiegel (15.05.2020): Impfstoffherstellung: 110 potenzielle Impfstoffkandidaten, Zulassungsverfahren, Bezahlung

ntv (16.05.2020): CureVac, Biontech und Moderna (USA) haben bei der Entwicklung eines mRNA-Impfstoffes die Nase vorn

Tagesspiegel (18.05.2020): Covid-19-Impfstoff auf RNA-Basis von US-Firma Moderna offenbar verträglich

Tagesspiegel (18.05.2020): Vom Zufallsfund zum Impfstoff-Kandidaten, wie der mögliche RNA-Impfstoff entdeckt wurde, und welche Vorteile er hätte

ntv (02.06.2020): Dilemma der Impfstoff-Entwickler: Für den Wirksamkeitsnachweis zu den neuen Hotspots der Pandemie, Afrika und Lateinamerika / Moderna und AstraZeneca

New York Times (03.06.2020): Five Coronavirus Vaccine Candidates as Finalists Selected: Moderna, AstraZeneca/Uni Oxford, Johnson&Johnson, Merck and Pfizer/Biontech

Handelsblatt (05.06.2020): Das sind die vielversprechendsten Projekte: außerdem Sanofi, Curevac, Can Sino Biologics und Sinovac aus China

New York Times (07.06.2020): U.K. Lab to Sidestep Drug Industry to Sell Potential Virus Vaccine - Imperial College entickelt zusammen mit Morningside Ventures (Hong Kong) (gemeinsam VacEquity Global Health) einen günstigen Impfstoff auf self-amplifying RNA-Basis, der 50 bis 100 Mal geringer dosiert werden muss als der messenger RNA-Impfstoff von Moderna, und deshalb so günstig ist

Tagesschau (11.06.2019): Impfstoffentwicklung - Hoffnung überzogen

Ärzteblatt (12.06.2019): Johnson & Johnson beschleunigt Impfstoffentwicklung - Impfstoffkandidat Ad26.COV2-S Phase 3 früher starten

South China Morning Post (16.06.2019): White House pressure for coronavirus vaccine raises risk US will approve one that doesn’t work

Süddeutsche (17.06.2019): Imperial College in London beginnt mit klinischer Studie eines potentiellen Covid-19-Impfstoffs, weitere Projekte von AstraZeneca, Pfizer, BioNTech, Johnson & Johnson, Merck, Moderna, Sanofi und CanSino Biologics.

ntv (19.06.2019): Erste Freiwillige erhält CureVac-Impfstoff

Zeit (19.06.2019): Russlands Impfstoffentwicklung - der neue "Space Race"

NZZ am Sonntag (20.06.2019): So steht das Rennen um den Corona-Impfstoff

Tagesspiegel (21.06.2019): Kritik an chinesischem Corona-Impfstoff von CanSino Biologics

New York Times (06.08.2019): Researchers Debate Infecting People on Purpose to Test Coronavirus Vaccines - Forscher diskutieren darüber, Menschen absichtlich zu infizieren, um Corona-Impfstoffe zu testen

heise (02.07.2019): Pfizer und Biontech: Ergebnisse zu Corona-Impfstoff ermutigend - BNT 162b1 ist ein RNA-Impfstoff

FAZ (06.07.2019): Indien will im August mit Corona-Impfung beginnen - der Indische Rat für medizinische Forschung (ICMR) und Bharat Biotech entwickeln Impfstoff "Covaxin"

ntv (11.07.2019): Biontech-Chef macht Hoffnung: Corona-Impfstoff bis Dezember möglich

Zeit (12.07.2019): Sinkende Zahl der Corona-Antikörper dämpft Hoffnung auf Impfstoff

ntv (15.07.2019): Erste Impfstoff-Tests in den USA von Moderna (mRNA-1273) und Biontech (BNT-162b1)

South China Morning Post (16.07.2020): No easy way out of pandemic, even with a vaccine

Sumikai (18.07.2019): Japan und Deutschland vereinbaren Zusammenarbeit zur Entwicklung eines Covid-19-Impfstoffs

NDR (20.07.2019): Jagd nach dem Impfstoff - Wer befindet sich in welcher Phase?

ntv (28.07.2019): Wie steht es eigentlich um den Impfstoff? - Astrazeneca (mit Oxford) AZD1222, Biontech/Pfizer BNT162b2, Moderna, Sinovac (China), Sinopharm (China), Johnson & Johnson, Curevac, Cansino Biologics (China) Ad5-nCOV, Novavax und Inovio

ntv (01.08.2019): Russland will ab Oktober impfen

Süddeutsche (03.08.2019): Lateinamerika wird zum Testfeld bei Impfstudien für die Pharmaindustrie

Tagesspiegel (03.08.2019): Paul-Ehrlich-Institut macht Hoffnung: Corona-Impfstoff könnte zeitnah kommen - weltweit 140 bis 150 Impfstoffprojekte, 26 klinische Prüfungen

Tagesspiegel (03.08.2019): Hat Russland den Corona-Impfstoff schon? - Gam-COVID-Vac vom Gamaleya-Institut mit Hilfe des Gens für das S-Protein und Adenoviren Typ 26 und 5, Phase III soll zeitleich mit Impfung von Klinikpersonal und Lehrern starten, riskant?

Neue Zürcher Zeitung (06.08.2019): Die Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus – die wichtigsten Fragen und Antworten - 166 Impfstoffkandidaten - was ist Phase I, II und III?


Updates Tuberkulose-Impfstoff

Spiegel (02.05.2020): Der Trick mit einem Tuberkulose-Impfstoff (Niederlande)

Ärzteblatt (04.05.2020): Südafrika startet klinische Studie gegen COVID-19 mit Tuberkuloseimpfstoff BCG

CNN Health (10.07.2020): More evidence emerges that a TB vaccine might help fight coronavirus


Updates Finanzierung der Forschung

Telepolis (13.05.2020): 7,4 Milliarden Euro für Impfstoff: Kooperation mit offenen Fragen G-20 sammelt u.a. 1,4 Mrd. von der Europäischen Kommission, 500 Mio. von G-20-Staaten, 115 Mio. von Bill & Melinda Gates Foundation für WHO, CEPI, Gavi, Global Fund, UNITAID und Wellcome Trust.

Spektrum der Wissenschaft (08.06.2019): Operation Warp Speed - derzeit 133 Impfstoffprojekte und welche Probleme es bei SARS-CoV-1 gab

ntv (13.06.2019): Impf-Allianz (Deutschland, Frankreich, Italien und die Niederlande) sichern sich 300 Millionen Impfdosen von AstraZeneca - Russland: angeblich hat das staatliche Gamalaja-Institut einen Impfstoff entwickelt, der im August zugelassen werden soll

Tagesschau (15.06.2019): Bund steigt bei Impfstoffentwickler CureVac ein


Updates von Impfgegnern

Augsb.Allg. (29.04.2020): Interview mit Bernd Harder: Wie Impfgegner ticken

Mimikama (02.07.2019): mRNA-Impfung verändert die Erbsubstanz nicht

Süddeutsche (12.07.2019): Die Impfbereitschaft gegen das Coronavirus sinkt


Updates Impfpflicht

ntv (16.05.2020): Es soll keine Impfpflicht geben in Deutschland


Updates Impfung allgemein

Spektrum der Wissenschaft (24.04.2019): Wie rottet man eine Krankheit aus?

Spiegel (02.06.2020): Impfgeschichte: Die Kaiserin und die Pocken

Spektrum der Wissenschaft (08.06.2020): Acht Möglichkeiten der Impfstoffentwicklung:

  • virusbasierte Vazkzine mit abgeschwächtem Virus
  • virusbasierte Vazkzine mit inaktivem Virus
  • Impfstoffe aus viralen Vektoren, die sich in den Zellen vermehren
  • Impfstoffe aus nicht-vermehrungsfähigen viralen Vektoren
  • Impfstoffe auf der Basis von Nukleinsäuren (DNA)
  • Impfstoffe auf der Basis von Nukleinsäuren (RNA)
  • Proteinbasierte Impfstoffe mit Protein-Untereinheiten
  • Proteinbasierte Impfstoffe mit virusähnlichen Partikeln

Quarks (19.06.2019): Darum sollten wir nicht auf einen Impfstoff warten

mdr Wissen (19.06.2019): Mumps-Masern-Rötel-Impfung trainiert das Immunystem

Thema: Corona
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Mittwoch, 29. April 2020 17:01

Coronakrise und Pferdesport

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Als Reiter und Pferdebesitzer betrifft mich die Coronakrise natürlich auch in meinem Hobby. Turniere sind seit geraumer Zeit als Großveranstaltungen untersagt. Im großen Reitsport und der Zucht geht es um richtig viel Geld. Aber das interessiert mich als Freizeitreiter eher weniger. Die ersten recht lockeren Regelungen mussten dann noch einmal verschärft werden, weil sich ein paar Influencer bei ihren Ausritten im Netz präsentiert haben (das habe ich aber nur irgendwo bei Arschlochpferd auf Facebook gelesen, weil mir Influencer so ziemlich egal sind) und damit angegeben haben, wie toll es doch ist, in der Coronakrise Reiter zu sein und raus zu dürfen, ellabätsch! Danke auch!

In der Tat ist es so, dass man derzeit den Reitsport nur noch ausüben darf, wenn man Pferdebesitzer oder Reitbeteiligung ist oder dies beruflich tut. Da gab es schon Tränen bei Kindern und Jugendlichen, die nun nicht mehr in den Stall dürfen, weil sie "nur" Reitschüler sind.

Wie alle Sportstätten mussten auch die Reitschulen schließen. Wer ausschließlich auf Reitunterricht gesetzt hat, verfügt nun über keinerlei Einnahmen mehr. Die Pferde müssen aber schon allein wegen des Tierschutzgesetzes natürlich weiterhin gepflegt, gefüttert, sauber gehalten und bewegt werden. Die hohen Unterhaltskosten bringen die Betriebe in existentielle Nöte und ich weiß nicht, inwieweit die Spendenbereitschaft der Reitschüler bzw. deren Eltern und die Coronahilfen vom Bund und Land ausreichen, um diese schwere Zeit zu überbrücken. Neulich habe ich mit einer Kollegin darüber sinniert, dass jetzt wohl die Preise für Pferde in den Keller gehen und wahrscheinlich auch einige beim Schl***ter landen werden.

Die Verbände Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) und die Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland e.V. sind derzeit unsere Lobbyisten, die mit der Regierung in Kontakt stehen und beispielsweise ausgehandelt hat, dass wenigstens eine Person pro Pferd und Tag sich um das Tier kümmern kann, denn die Stallbesitzer können nicht auch noch die Bewegung und gesamte Einzelbetreuung übernehmen. Geschielt auf Österreich hatten wir die Hoffnung, dass nun ab 4. Mai eventuell wieder Reitunterricht möglich wäre, zumindest in kleinen Gruppen, damit wieder etwas Geld reinkommt. Warum dies nicht so gekommen ist und auch andere Sportarten wie Golf oder Tennis, die im Freien stattfinden und wo die Abstandsregel eigentlich problemlos eingehalten werden kann, verstehe ich nicht. Vielleicht hat es etwas mit dieser Studie zu tun. Vielleicht auch damit, dass Politiker gerne ihren eigenen Fingerabdruck hinterlassen und nicht einfach gute Konzepte aus Nachbarländern übernehmen wollen. Eitelkeit lässt grüßen!

In meiner Reitschule sind auch Einsteller, also Pferdebesitzer, die für die Unterbringung ihres Pferdes bezahlen. Das ist für solche Mischbetriebe von Vorteil, denn sie haben wenigstens einen Teil der Einnahmen noch, solange es hier nicht auch wegen Privatinsolvenzen zu Zahlungsausfällen kommt. Bei der Boxenhaltung mit Koppelgang ist die Bewegung einigermaßen gesichert. Aber trotzdem darf jeden Tag eine Person, die für die Betreuung des Pferdes zuständig ist, auf den Hof. Das bedeutet, dass ich am meinem Tag zu meiner Reitbeteiligung darf. Ich muss hierfür vorab über das Reitbuch einen Slot buchen. In dieser Zeit darf ich mich für 2½ Stunden auf dem Hof aufhalten. Normalerweise reicht diese Zeit, um das Pferd zu putzen und zu reiten. Aber in der Angrasphase war das dann schon etwas stressig, denn dann musste ich auch noch eine halbe Stunde auf die Wiese gehen.

Wo mein Pferd steht sind nur Einsteller. Dort gab es höchstens Privatunterricht, der derzeit auch nicht stattfinden darf. Um die Anzahl der Personen zu begrenzen, die sich gleichzeitig auf dem Hof aufhalten, wurde ein Ruhetag eingeführt und die verbleibenden sechs Tage der Woche alphabetisch auf die Pferde hälftig aufgeteilt. Ich darf also mein Pferd an drei Tagen die Woche betreuen. Damit an den Tagen nicht zu viele Leute gleichzeitig da sind, tragen wir uns selbstorganisatorisch in einen Online-Kalender ein. Das klappt ganz gut.

Es gibt eine Pedition, die dafür Unterschriften sammelt, dass Einzel- und Gruppenunterricht wieder erlaubt werden soll. Ich hoffe inständig, dass es hier zu einem Umdenken kommt und zumindest Unterricht in kleinen Gruppen im Freien auf Reitplätzen, -wiesen und offenen Hallen wieder erlaubt wird. In geschlossenen Hallen müssen natürlich strengere Regeln herrschen.

Ansonsten wird das Pferdefleisch am Viktualienmarkt wohl sehr billig werden :(

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates

St. Georg (03.05.2020): Ab morgen darf in Schleswig-Holstein wieder Reitunterricht stattfinden

Pferd Aktuell (FN) (06.05.2020): Training und Unterricht dürfen ab 11. Mai wieder stattfinden

Merkur (13.05.2020): Icking: „Dein Ponyhof“ muss aufgelöst werden

EQWO.net (14.05.2020): Neue Studie: Corona-Ansteckung beim Reiten beinahe unmöglich

Tagesspiegel (17.05.2020): Reitunterricht wieder erlaubt

Themen: Corona | Pferde/Reiten
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Dienstag, 28. April 2020 17:01

Grundrechte

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Meine Sichtweise ist geprägt vom Humanismus. Ich bin der tiefsten Überzeugung, dass in einer modernen Welt möglich sein muss, dass jeder Mensch genug zu Essen, Zugang zu sauberem Wasser und zu medizinischer Versorgung sowie ein Dach über dem Kopf hat. Mir ist bewusst, dass die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, insbesondere Artikel 3, aus dem ich die o.g. Menschenrechte ableite, nicht zum Völkerrecht gehört und damit nicht verbindlich ist. Was für eine Schande. Denn dann könnte es in der Welt so viel besser aussehen. Nennt mich einen linksgrün verklärten Gutmenschen oder einen Träumer. Aber ich finde, das ist ein Skandal!

Es gibt Länder wie Deutschland, da ist das im Grundgesetzt recht gut formuliert. Auch wenn wir derzeit vorübergehend (!!!) einige dieser Grundrechte eingeschränkt sehen, so geht es uns doch wirklich sehr gut hier. Wenn die Leute jetzt über die Maskenpflicht jammern, weil sie sich hier auch in ihren persönlichen Freiheitsrechten eingeschränkt sehen, dann schüttel ich nur den Kopf. Denn gerade das allgemeine Tragen von Masken würde ein eher normalen Alltag und eine normal funktionierende Wirtschaft ermöglichen. So machen es uns asiatische Länder vor, wo schon seit Jahren das Tragen von Atemschutzmasken in der Öffentlichkeit zum normalen Bild gehört. Dort sind Masken ein Zeichen von Respekt und Fürsorge den Mitmenschen gegenüber. Bei uns wurden sie immer belächelt, auch jetzt noch, auch angesichts der anfangs blödsinnigen Diskussion um deren Wirksamkeit, die meines Erachtens allein geführt wurde, weil es in Deutschland noch nicht einmal für das medizinische Personal genug gab. Ich frage mich - nur am Rande - ob Gleiches gerade mit Gummihandschuhen passiert, die ebenfalls knapp sind, und derzeit als Dreckschleudern beschimpft werden (der verlinkte Artikel ist von 2017, daher ist das wohl doch eher unwahrscheinlich).

Die Deutschen jammern mal wieder auf hohem Niveau. Wir haben keine Apokalypse und keine Anarchie. Wir leben noch immer in einem relativ gut funktionierendem Rechtsstaat. Bei uns ist es undenkbar, dass wie in China die Türen unserer Wohnungen zugenagelt werden. Es gibt auch kein Handytracking wie in Südkorea, weil bis das mit den Datenschützern ausdiskutiert oder eine Akzeptanz der Smartphonebesitzer erreicht wurde, gibt es längst einen Impfstoff. Wir haben auch keinen grünen Color Code wie in China, deren Software Daten an die Polizei sendet. Bei solchen Datenübermittlungen an die Polizei gibt es hierzulande massiven Widerstand. Bei uns wird erst eingegriffen, wenn sich Idioten nicht an Quarantäne-Regeln halten. Was nun besser ist, darüber kann man sich vorzüglich streiten.

Unsere Grundrechte sind richtig und gut und wichtig. Sie zu schützen hat oberste Priorität. Sehen wir uns Artikel 2 (2) an. Da steht geschrieben, dass jeder das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit hat. Erst in Artikel 14 wird das Recht auf Eigentum eingeräumt, was bedeutet, dass im Grundgesetz das Recht auf körperliche Unversehrtheit höher bewertet wird als das Recht auf Eigentum, das nach Art 14 (2) zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen soll.

Jetzt betrübt es mich, dass zur Debatte steht, wieviel ein Menschenleben wert sei. Von den USA ist man sowas gewohnt. Doch nun werden solche Überlegungen auch in Deutschland salonfähig. Dabei ist das eigentlich kein Gegensatz, wenn man die richtige Balance findet. Dass das mit ungenügendem Datenmaterial nicht leicht ist, kann ich verstehen. Ich bin auch froh, dass ich diese Entscheidungen nicht fällen muss. Und mir ist bewusst, dass man nicht alle Leben retten können wird. Das ist eben jetzt der Tanz.

Aber ich habe ganz sicher keine Angst davor, dass wir unsere Grundrechte nicht wieder zurückbekommen werden.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates

Tagesschau (19.05.2019): Wie kam es zum Grundgesetz?

Tagesspiegel (02.05.2020): Coronavirus-Krise bedroht Freiheitsrechte

Telepolis (13.05.2020): Spahn will auch Daten von Nicht-Infizierten / Meldepflicht "Jeder Gesetzentwurf [...] wird im Justizministerium einer Rechtsprüfung unterzogen."

Correctiv (15.05.2020): Was Juristen über die Einschränkungen denken

DerStandard.at (19.05.2020): Massenüberwachung durch deutschen BND verstößt gegen Grundrechte

Netzpolitik.org (19.05.2020): Bundesverfassungsgericht: Das neue BND-Gesetz ist verfassungswidrig

Tagesschau (12.06.2020): Regierung für Streichung von "Rasse"

ntv (14.06.2020): Rassismus-Debatte und Grundgesetz

Heise (08.07.2020): Corona-Krise: EU schaut Regierungen mit Grundrechtemonitor auf die Finger

Spiegel (11.07.2020): Spanien: Scharfe Kritik an Wahlverbot für Corona-Kranke (Regionalwahlen im Baskenland und in Galicien)

Hinter den Schlagzeilen (15.07.2020): Die 9 Sargnägel der Demokratie - bitte demonstrieren :)

Heise (18.07.2020): Reaktionen auf Urteil zu Bestandsdatenauskunft: Beratungsresistenter Gesetzgeber - Bestandsdatenauskunft: "Wem gehört diese Telefonnummer?"

Tagesschau (04.08.2020): Politik diskutiert über Demo-Verbote - Bundesjustizministerin Christine Lambrecht dagegen

Thema: Corona
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Montag, 27. April 2020 17:01

Das Unbegreifliche

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Es gibt Dinge, die entziehen sich der menschlichen Vorstellungskraft. Zum Beispiel Radioaktivität. Man kann sie nicht sehen, riechen, schmecken. Und doch kann sie, wenn sie ein gewisses Maß übersteigt, schwere Schäden hervorrufen. Meistens erkennt man soetwas aber nur an einem gewissen Anstieg von Krankheitsfällen, wie z.B. bei Fukushima. Bei Hiroshima und Nagasaki war das Ganze deutlich offensichtlicher.

Oder Viren. Da passen 50.000 auf eine Nadelspitze, die kann man mit dem bloßen Auge auch nicht sehen. Auch die mikroskopisch feinen Wassertröpfchen in der Luft, die sich in geschlossenen Räumen ansammeln können, sehen wir nicht, atmen sie aber ein. Für die menschliche Evolution reichte es aus, wenn wir uns vor überdimensionalen Viren- und Bazillenschleudern ekeln, wie grüne Schleimpfropfen, die man aushustet. Das war zum Schutz des Aussterbens der Menschheit völlig ausreichend. Die Natur interessiert sich ja nicht für Einzelschicksale.

Auch für Quantenmechanische Prozesse hat der Mensch keine natürlich Vorstellungskraft. Für uns steht ein Tisch an seinem Platz. Dass er genaugenommen nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,999999 (usw.) % an seinem Platz steht, und mit einer verschwindend geringen Wahrscheinlichkeit aber woanders ist, das ist eine Erkenntnis der Physik, die aber im praktischen Leben von uns Menschen keinerlei Rolle spielt. Wenn man den Autoschlüssel oder die Brille verlegt hat, dann ist das eher nicht auf quantenphysikalische Prozesse zurückzuführen ;-)

Oder nehmen wir Geschwindigkeiten von über 90% der Lichtgeschwindigkeit, wo die Zeitdilitation beginnt, eine Rolle zu spielen. Das berümte Beispiel des Zwillings, der nach seiner Rückkehr auf die Erde seinen Zwilling deutlich schneller gealtert vorfindet. Da wir Menschen uns natürlich nicht mit solchen Geschwindkeiten fortbewegen, fehlt es uns auch hier an Vorstellungskraft, dass dies tatsächlich so passieren würde, da es in unserem Alltag keine Rolle spielt und unser Gehirn deshalb nicht darauf ausgelegt ist, solche Phänomene intuitiv zu begreifen.

Bei der Durchschnittsbevölkerung kann ich deshalb gut nachvollziehen , dass sie die Sache mit der Coronakrise nicht richtig einschätzen können und auf Lockerungen pochen. Sicherlich auch verständlicherweise oft getrieben durch die Existenzängste, die sehr viele Menschen jetzt haben, und der Hoffnung, dass es vielleicht doch alles nicht so schlimm ist wie damals bei der Schweinegrippe, die rückblickend als mild bezeichnet wurde. Mir persönlich fällt es schwer, jetzt noch zu glauben, dass die neue Coronavirus-Pandemie so glimpflich verlaufen könnte, wie die Schweinegrippe, wenn ich sehe, wieviele ausgehobene Massengräber auf Sattelitenbildern vom Iran zu sehen sind, Tote in Norditalien vom Militär abtransportiert oder in New York in Massengräbern bestattet wurden.

Doch wenn man ein paar Prämissen aktzeptiert, dass bei 83 Mio. Menschen in Deutschland bis zum Erreichen einer Herdenimmunität, die das neue Coronavirus ausbremsen könnte, etwa eine Durchseuchung von 60 % erreicht werden müsste, das wären dann ca. 50 Mio. Menschen, die in Deutschland infiziert worden sein müssten. Wenn man dann davon ausgeht, dass davon dann ungefähr 15,6% erkranken und der Rest der Dunkelziffer bzw. der symptomlos Infizierten angehört und von diesen dann 3,63% sterben werden, dann wären das 282.000 Tote allein in Deutschland. Das sind 0,34% der Gesamtbevölkerung, also jeder Dreihundertste. Da würde dann jeder irgendjemanden im Bekanntenkreis kennen, der an oder mit Covid-19 verstorben sein würde. Wir reden also nicht von 25.000 Grippetoten, sondern von mehreren 100.000 Toten, die innerhalb der nächsten Monate sterben würden, wenn wir nichts unternehmen. Selbst wenn man die einzelnen Multiplikatoren nach unten oder oben korrigiert, sobald neue wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen, bleibt die Zahl enorm hoch.

Wir stehen noch immer am Anfang des Tsunamis. Und wir müssen jetzt die nächsten Monate zwischen Maßnahmen, Lockerungen und Beobachtung der Entwicklung der Zahlen tarieren ("The Hammer and the Dance"), um die Zahl der Toten möglichst gering zu halten bei maximal möglicher Aufrechterhaltung der Wirtschaft, bis die Pandemie nächstes Jahr, wenn es einen Impfstoff gibt, endlich besiegt wurde.

Ist das denn wirklich so schwer zu begreifen?

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates

Statista: Influenza assoziierte Übersterblichkeit in Deutschland für die Saisons von 1984 bis 2019

Thema: Corona
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Sonntag, 26. April 2020 17:01

Von Eltern und Kindern

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Ich bin heilfroh, dass meine Jungs schon groß sind und sich da nicht so viel geändert hat. Ich mache ja immer Witze, dass sie auch vorher nur aus ihren Zimmern gekommen sind, wenn es etwas zu Essen gab oder Probleme mit dem Internet.

Kleine Kinder können ziemlich nervig sein. Und ich hatte damals das Glück, dass ich sehr lange zu Hause bleiben konnte und mich um die beiden Jungs kümmern. Trotzdem war ich froh, wenn der Große vormittags in die Kita ging oder sie abends endlich im Bett waren. Oder hin und wieder auch mal Mittagsschlaf gemacht haben. Oder ich sie auch mal bei Oma lassen konnte. Allerdings hatte ich auch nichts weiter zu tun, als mich um die Jungs zu kümmern. Ich musste nicht nebenbei Homeoffice machen. Oder ihnen bei den Hausaufgaben oder sogar bei sämtlichen Lernaufgaben helfen.

Ich mag mir gar nicht ausmalen, was für eine Belastung das jetzt für Eltern ist, die nicht einmal auf die Spielplätze gehen können, weil diese gesperrt sind. Oder in den Zoo, der noch nicht geöffnet hat. Oder in die Reitschule, weil derzeit kein Unterricht stattfindet. Und, und, und...

Deshalb ist es eine riesige Erleichterung, wenn es hier endlich zu Wiedereröffnungen der Schulen und Kitas kommt. Wenigstens zum Teil.

In Sachen Digitalisierung der Schule ist Deutschland noch Entwicklungsland. Das mag auch am Föderalismus liegen, der meiner Meinung im Bildungssystem wenig Sinn macht. Finnland war uns da schon lange voraus. Kein Wunder, wenn Deutschland lieber Geld für Militär statt für Bildung ausgibt. Jetzt rächt sich das und zeigt sehr deutlich die Unterschiede zwischen ärmeren und wohlhabenderen Familien, denn nicht jeder hat einen Computer zu Hause. Ich hoffe, dass die Regelungen bezüglich Wiederholung der Klassen gelockert werden, damit die durch die Coronakrise abgehängten Schüler das Schuljahr auch dann wiederholen dürfen, wenn sie es normalerweise nicht hätten tun dürfen.

Aber es gibt noch einen viel schlimmeren und traurigeren Aspekt, weshalb es sehr wichtig ist, dass die Kitas und Schulen wieder mehr geöffnet werden: Kinder, die in zerrütteten Familien leben müssen oder gar von Missbrauch betroffen sind, können nun nicht mehr für wenigistens einige Stunden am Tag aus der Hölle fliehen. Sie sind ihren Peinigern hilflos ausgesetzt.

Noch letzten Monat galten Kinder als Superspreader, doch darüber wird derzeit wieder viel diskutiert. Jetzt soll es sogar ein Kind geben, dass keinen einzigen seiner 172 Kontaktpersonen angesteckt haben soll. Ich frage mich, wie oft dieser Junge getestet wurde und falls es nur einmal gewesen war, ob das Testergebnis nicht vielleicht auch hätte falsch sein können und er gar nicht mit dem neuen Coronavirus infiziert gewesen war.

Doch wenn an der Geschichte etwas dran ist und mehr solcher Fälle aufgedeckt werden, dann müsste man die Sache mit der Kita- und Schulschließung tatsächlich noch einmal gründlich überdenken. Und es wäre auch nicht verkehrt, den Kindern im normalen Unterricht einiges über Hygiene beizubringen.

Mein Kleiner hatte mich auch einmal gerügt, weil ich unsere Handtücher nicht jeden Tag wasche...

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates

ntv (29.04.2020): Studie: Viele Eltern am Ende ihrer Kräfte

Tagesspiegel (06.05.2020): Multisystematisches Entzündungssyndrom bei Kindern ähnlich dem Kawasaki-Syndrom wird mit dem neuen Virus Sars-CoV-2 in Verbindung gebracht

Tagesspiegel (11.05.2020): Neustart überfordert Schulen und verwirrt Eltern

Tagesspiegel (14.05.2020): Familienrichter sollten verpflichtet werden, sich fortzubilden

Tagesspiegel (15.05.2020): Mediziner berichten von massiver Gewalt gegen Kinder

Süddeutsche (18.05.2020): Studie: Corona-Krise ist eine beispiellose Herausforderung

Tagesspiegel (29.05.2020): Medizinisches Personal beklagt Mangel an Kita-Notbetreuung

Spiegel (11.06.2020): Ukraine: Dutzende Babys von Leihmüttern wegen Corona immer noch nicht abgeholt

Tagesspiegel (09.07.2020): Weinende Eltern in vollen Arztpraxen - Kitas schicken Kinder mit Schnupfen aus Angst vor Corona nach Hause

Spektrum der Wissenschaft (10.07.2020): Corona-Krise belastet Kinder überraschend stark

Süddeutsche (13.07.2020): Kinder bremsen laut Studie das Virus aus

Zeit (31.07.2020): Bayern führt Maskenpflicht an Schulen ein

Tagesspiegel (06.08.2020): Selbstproben für Tausende Schüler: Charité bereitet Corona-Tests für zu Hause vor - Gurgelwasser, Abstriche der Zunge, Innenwange und des Nasenvorhofs

Thema: Corona
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Mittwoch, 22. April 2020 17:01

Auf der Suche nach einem Medikament

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Viren mit Medikamenten zu bekämpfen ist nicht ganz einfach. Meist werden eher nur die Symptome gelindert und der Körper muss mit der Virusinfektion selbst fertig werden. Empfohlen werden beispielsweise Grippevirenmedikamente bei besonders gefährdeten Patientengruppen und sie sollten auch möglichst schnell eingenommen werden, bevor sich die Viren zu stark im Körper ausgebreitet haben. Antibiotika helfen gegen Viren überhaupt nicht, können aber die Gefahr einer Folgeinfektion mit Bakterien eindämmen, damit der Körper nicht auch noch dagegen ankämpfen muss.

Dennoch wird fieberhaft nach Medikamenten gesucht, die eventuell gegen das neue Coronavirus helfen könnten, bevor explizit hierfür zugeschneiderte Medikamente entwickelt werden oder Impfstoffe zur Verfügung stehen, weil dies natürlich länger dauert, als bereits vorhandene Medikamente in klinischen Studien abzuchecken und dann anzuwenden.

Donald Dump Trump hat ja getwittert, dass Hydrooxychloroquine u.a. ein Game Changer werden könnte. Das Malaria-Mittel war aber schon vorher für heftige Nebenwirkungen bekannt, wurden sogar einmal zur Hilfe bei Suiziden eingesetzt und eine Studie wurde deswegen inzwischen nach 11 Todesfällen bei 81 Probanden (13,6%) abgebrochen. Und ob der andere von Trump angepriesene Wirkstoff Azithromycin überhaupt geeignet ist, bezweifel ich mal, denn das ist ein Antibiotikum.

Hinzu kommt, dass auf dem hervorragend geregelten Markt dann Medikamente, die als COVID-19-Hoffnungsträger gelten, gerne mal von Geldigen aufgekauft werden und diese dann für andere Patienten (Lupus, Rheuma) knapp werden.

Aber das Stickwort heißt "andere Hoffnungsträger", und davon gibt es einige: Remdesivir (Ebola), Lopinavir/Ritonavir (HIV), Ivermectin (Kopfläuse, aber auch Influenza, Denguefieber und Zika-Virus) oder Favipiravir (Influenza), um nur einige zu nennen.

Welche Medikamente schließlich das Rennen machen und welche Pharmafirmen damit den 6er im Lotto gewinnen werden, wird sich zeigen.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates Remdesivir (Ebola)

ntv (24.04.2020): Remdesivir - Hoffnungsträger oder doch aus dem Rennen?

ntv (29.04.2020): Gilead legt "positive" Remdesivir-Studie vor - Doch die Frage, wieviele Probanden hier in der Studie erfasst wurden, wird nicht beantwortet. In der Studie aus China waren es nur 237 und damit statistisch nicht aussagekräftig. Hier soll die Genesung nach 11 Tagen statt 15 Tagen erfolgt sein und eine etwas geringere Sterblichkeitsrate aufweisen.

Spektrum der Wissenschaft (30.04.2020): Remdesivir wirkt - aber Herstellung dauert Monate

Frankfurter Rundschau (10.05.2020): Remdesivir - keine wesentlichen Nebenwirkungen bekannt, Selbstkostenpreis ca. zehn Euro für eine zehntägige Behandlung

NBC News (18.06.2020): Children with COVID-19 to be enrolled in remdesivir clinical trial, Gilead Sciences says

CNBC (29.06.2020): Gilead’s coronavirus treatment remdesivir to cost $3,120 per U.S. patient with private insurance

Telepolis (30.06.2020): Pharmakonzern legt Preis für Remdesivir auf 390 US-Dollar pro Ampulle fest

Tagesschau (01.07.2020): Wettstreit zwischen EU und USA - Das große Ringen um Remdesivir

Tagesschau (03.07.2020): Remdesivir erhält Zulassung in Europa

RND (10.07.2020): Remdesivir könnte Sterberisiko bei schwerem Covid-19-Verlauf deutlich senken

Updates Lopinavir/Ritonavir (HIV) und Ribavirin (Multiple Sklerose)

ntv (09.05.2020): Dreifach-Therapie aus Multipler Sklerose-Mittel Interferon beta-1b, HIV-Wirkstoffkombination Lopinavir/Ritonavir sowie Hepatitis-Medikament Ribavirin in Hongkong an 86 Infizierten erprobt, 7 Tage früher kein Virusnachweis

Updates Tocilizumab (RoActemra) und Sarilumab (Kevzara) (beides Rheuma)

n-tv (27.04.2020): Rheuma-Mittel Kevzara zeigt kaum Wirkung - Studie abgebrochen

Pharmazeutische Zeitung (27.05.2020): Therapiestudien mit Tocilizumab und Sarilumab

Updates Famotidin (Sodbrennen)

Süddeutsche (15.05.2020): Magenschutzmittel Famotidin gegen Sodbrennen könnte Covid-19-Symptome lindern (Preprint)

Updates Dexamethason (Entzündungshemmer)

Zeit (16.06.2020): Dexamethason (Entzündungshemmer) verringert laut Studie Todesrate bei Covid-19

Updates Fluoxetin (Antidepressivum)

Zeit (16.06.2020): Antidepressivum hemmt das Coronavirus

Updates Ruxolitinib (Krebs)

Tagesspiegel (18.06.2020): Krebsmedikament für schwer an Covid-19 erkrankte Patienten

Updates Avifavir (Antiviral)

Deutschlandfunk (17.06.2020): Russland führt antivirales Medikament Avifavir ein

Updates Imatinib (Krebs)

Spektrum der Wissenschaft (26.06.2020): Krebsmedikament Imatinib unterdrückt die Sars-CoV-2-Infektion von Lungenorganoiden (letzter Absatz)

Updates Interferon Alpha 2B (INFrec) (Antiviral)

teleSUR (15.03.2020): BioCubaFarma (Cuba) Guarantees Production of Drugs for COVID-19

Focus (05.04.2020): In China erfolgreich: Deutsche Firma will Virus-Medikament aus Kuba importieren

Updates Erythropoetin, kurz "Epo" (Wachstumshormon)

ntv (04.07.2020): Dürfte Höhen-Rätsel erklären: Hilft ein Dopingmittel gegen Covid-19?

Updates Hydroxychloroquin (Malaria)

Scinexx (17.06.2020): Hydroxychloroquine or chloroquine, geringere Überlebensrate und häufigere Herzrhytmusstörungen

Ärzteblatt (22.05.2020): COVID-19: Brasilien empfiehlt umstrittenes Hydroxychloroquin - fahrlässige Tötung?

Tagesspiegel (26.05.2020): WHO setzt Tests mit Malariamittel Hydroxychloroquin aus, da es anscheinend bei Covid-19 schadet

Ärzteblatt (05.06.2020): COVID-19: Journals ziehen umstrittene Surgis­­phere-Studien zurück

Deutschlandfunk (11.06.2020): Forschungsskandal: Daten von Surgisphere möglicherweise frei erfunden, Studie, die behauptet Hydroxychloroquin erhöhe die Sterblichkeit, zurückgezogen

Herne News (19.06.2020): Die FDA widerruft die Zulassung zur Verwendung von Hydroxychloroquin für COVID-19

Updates Antikörper-Therapie

Siehe Blogeintrag "Entwicklung eines Covid-19-Medikamentes"

Sonstige Updates

(30.04.2020) In der Philipps-Universität Marburg, Fachbereich Mathematik und Informatik wurde eine Datenbank namens CORDITE entwickelt, in der zentrale Forschungsdaten zur Entwicklung von Medikamenten gegen das neue Coronavirus gebündelt werden.

n-tv (04.05.2020): Hoffnungsträger, u.a. Camostat, ATR-002, Brilacidin, Plitidepsin, Leronlimab, APN-01, Pirfenidon, Interferone, Immunmodulatoren,und siRNA-Wirkstoffe

Neue Zürcher Zeitung (21.05.2020): Blutverdünner könnten in einem frühen Krankheitsstadium eine schwere Covid-19 verhindern

Innovation Origins (27.05.2020): Mögliche Wirkstoffe gegen gegen Coronavirus durch Simulationen am Supercomputer

Tagesspiegel (03.06.2020): Ärzte in Großbritannien testen Ibuprofen zur Covid-19-Behandlung, WHO hatte davon abgeraten

Focus (23.07.2020): Virus-Wirt-Beziehung entschlüsselt - Forscher finden Achillesferse des Coronavirus - und einen Mechanismus, um es zu zerstören - Sieben Medikamente konnten die Vermehrung der Viren hindern

Thema: Corona
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Dienstag, 21. April 2020 17:01

Die etwas andere Ölkrise

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Von der Ölkrise 1973 und den autofreien Sonntagen habe ich nicht wirklich etwas mitbekommen, da war ich noch zu klein. Aber zumindest war sie so berühmt, dass ich davon irgendwann einmal gehört habe.

Unsere Wirtschaft ist hochgradig vom Öl abhängig. Deutschland ganz besonders, da wir fast keine eigenen Erdölquellen haben. Wir importieren ca. ca. 97% unseres Ölbedarfs. Nach der Ölkrise wurden Strategische Ölreserven angelegt, damit wir einen Puffer haben, falls uns mal der Hahn abgedreht wird.

Seit Anfang April zeichnete sich aber ab, dass die Fördermenge zu groß ist, da es weltweit weniger Flüge und Autofahrten gibt. Mittlerweile haben wir die kroteske Situation, dass der Ölpreis mittlerweile im Minus ist, bei -20 Dollar (gestern) bis -40 Dollar pro Barrel (heute). Das bedeutet wohl, dass sämtliche strategischen Ölreserven bis Oberkante voll sind und die auf den Weltmeeren rumgurkenden Öltanker ihr Öl auch nicht mehr los werden.

Vielleicht der richtige Zeitpunkt, sich die Öltanks im Keller für den kommenden Winter voll zu machen. Oder für die nächsten drei milden Winter. Echt krass. Wieviel Tonne CO2 dadurch wohl eingespart werden?

Ich finde es ja niedlich, wenn sich Leute Gedanken darüber machen, wieviel Energie eine Gugl-Abfrage oder ein Netflix-Streaming verbraucht. Dabei müsste man sich viel mehr Gedanken darüber machen, wieviel Energie es kostet, um Personen von A nach B zu befördern.

Ich vermisse die Fahrten ins Büro nicht wirklich. Ich habe zwar immer eightt-to-four statt nine-to-five gearbeitet, um den Rush Hours so gut es ging zu entgehen (der Picnic brauchte so auf 100 km ca. 1 Liter weniger Benzin!). Aber jetzt sind die wenigen notwendigen Fahrten zum Pferd eigentlich eine echte Wohltat, weil die A94 einfach frei ist. Trotzdem gibt es ein paar Hanseln, die meinen, jetzt mit 200 Sachen durchsprinten zu müssen. Wenn sie meinen... Seufz!

Ich hätte jedenfalls nichts dagegen, wenn nach Corona die Flugpreise deutlich steigen würden, so dass niemand mehr auf die Idee käme, mal eben zum Shoppen nach New York oder zum Feiern nach Mallorca zu fliegen. Oder wenn Homeoffice die Regel und nicht die Ausnahme wäre und Rush Hour und Verkehrskollaps in den Städten der Vergangenheit angehören würden.

Die CO2-Bilanz würde es danken.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates

ntv (21.05.2020): Warum der Ölpreis wieder steigt

Heise (25.05.2020): Zahl der Verkehrstoten sank im März auf Tiefstand

Themen: Corona | Auto
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Montag, 20. April 2020 17:01

Ursprung des neuen Coronavirus SARS-CoV-2

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Es gibt ein paar widersprüchliche Aussagen über den Ursprung des neuen Coronavirus SARS-CoV-2.

Es scheint, dass er tatsächlich nicht in einem Labor gezüchtet wurde. Eine Freundin, die Veterinärmedizin studiert hat, hatte die Originalveröffentlichung gelesen und meint selbst, dass sie nicht glaubt, dass der neue Coronavirus im Labor hergestellt wurde. Oder doch? Es könnte aber trotzdem sein, dass es aus dem Labor in Wuhan entwichen ist, in dem an Fledermaus-Coronaviren geforscht wurde, übrigens unter Mitfinanzierung der USA. China scheint aber nicht an der Aufklärung des Ursprungs interessiert zu sein.

Es gibt jedoch zwei (S und L) oder mittlerweile drei Stämme (A, B, C). Nach diesem Stammbaum hat der neue Coronavirus seinen Ursprung in der chinesischen Provinz Hubei, wo auch Wuhan liegt.

Es gibt aber auch Quellen, die behaupten, dass die Mutation aus Wuhan die zweite wäre. Eine Spurensuche mit Überraschungen... Typ B häufiger in Wuhan zu finden als Typ A. Italien bekam das Virus aus Deutschland und Singapur. Also woher stammt der neue Coronavirus ursprünglich? Wirklich aus Wuhan?

In Yunnan, wo die erforschte Fledermaus ursprünglich herkommen soll, gab es bereits im Januar Infizierte. Verbreitete sich vielleicht Typ A, der dem ursprünglichen Fledermausvirus am ähnlichsten ist, von dort aus nach USA und Australien?

Chinesische Forscher warnten bereits im März 2019 vor einem Coronavirus aus der Fledermaus und auch dass er vermutlich in China seinen Ursprung haben könnte. Hier der Original-Artikel aus der Zeitschrift "Viruses". Die Warnung wurde dann im November 2019 von den US-Geheimdiensten ausgesprochen. Und in China kursiert die Theorie, dass das Virus während der Military World Games im Oktober 2019 in Wuhan aus den USA eingeschleppt worden sein könnte. In den USA ist die Variante A anzutreffen, die dem Fledermausvirus am nächsten verwandt ist. Ich finde aber keinen Hinweis darauf, dass es im Herbst 2019 in den USA einen Anstieg von Lungenentzündungen gegeben hätte. Daher halte ich diese Theorie für eher unwahrscheinlich.

Alles ist etwas verwirrend und auch widersprüchlich. Ich bin gespannt, ob und wie die Experten diese Widersprüche in Zukunft aufklären.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


PNAS: Phylogenetic network analysis of SARS-CoV-2 genomes (30.03.2020)

Updates

NBC (17.07.2019): USA: Cause of Respiratory Illness Still Unknown After Dozens Sickened at Virginia Retirement Community

South China Morning Post (22.03.2020): strange pneumonia seen in Lombardy in November, leading Italian doctor says

Telepolis (19.04.2020): Warnten US-Geheimdienste schon Anfang November vor einer Epidemie in Wuhan? Erste Infektionen schon im September 2019?

heise (22.04.2020): Covid-19: Über 30 Varianten mit vielen genetischen Unterschieden

Washington Post (22.04.2020): Autopsies find first U.S. coronavirus death occurred in early February, weeks earlier than previously thought

T-Online (30.04.2020): Landkreis Tirschenreuth hatte bereits im Dezember 2019 mit 115 Todesfällen eine deutliche Übersterblichkeit, ein Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie ist aber nicht belegbar.

ntv (05.05.2020): Five Eyes glauben nicht an Laborunfall

Spiegel (06.05.2020): Coronavirus hat sich wohl schon Ende 2019 weltweit verbreitet

Ärzteblatt (06.05.2020): SARS-CoV-2: Mutationen könnten Ansteckungsfähigkeit weiter erhöhen

ntv (06.05.2020): China lehnt Untersuchung der Virus-Quelle ab

ntv (07.05.2020): Erste Infektionen womöglich schon im Oktober 2019

Süddeutsche (08.05.2020): Patient Null in Frankreich und die drei Stränge A, B und C

Telepolis (08.05.2020): Forschung an Fledermaus-Coronaviren im Hochsicherheitslabor der Schutzstufe BSL-4 in Wuhan mit Geldgeber USA und Australien und die Geschichte und Quellen zur Virenforschung in Wuhan

Berliner Zeitung (11.05.2020): Faktencheck: Drei Hypothesen zum Ursprung auf dem Prüfstand und vom Urahn RaTG13

NDR Das Coronavirus-Update mit Christian Drosten (12.05.2020): Folge 40: Warum wird bei Patient Null aus Frankreich kein Antikörpertest gemacht? - siehe Süddeutsche (08.05.2020) - und wie kann es sein, dass sich Variante A in USA, Australien und Europa verbreitet hat und Variante B in Wuhan am häufigsten vorkommt?

Süddeutsche (28.05.2020): Gain-of-function-Experimente - Könnte das Virus doch aus einem Labor stammen? Rest von Zweifel

Heise Kommenatr (29.05.2020): Unterschiedliche SARS-CoV-2-Mutationen an Ost- und Westküste der USA mit Link auf National Library of Medicine "Distinct Viral Clades of SARS-CoV-2: Implications for Modeling of Viral Spread"

New York Times (01.06.2020): U.S. and Chinese Scientists Trace Evolution of Coronaviruses in Bats - SARS-CoV-2 ist nicht nah genug verwandt mit den Coronaviren in Fledermäusen, daher Zwischenwirt eher wahrscheinlich - alle Menschen, die auf Wildfarmen arbeiten, sollten regelmäßig getestet werden, nicht nur auf Covid-19

Telepolis (05.06.2020): Sars-CoV-2 scheint ein durch Rekombination entstandener Hybrid zu sein - 96 Übereinstimmung mit CoVRaTG13 aus der Fledermaus, aber auch Übereinstimmung mit Viren aus Schuppentieren (Pangolinen) aus Guangdong (91,2%) und Guangxi (85,4%)

New York Times (07.06.2020): China Vowed to Keep Wildlife Off the Menu, a Tough Promise to Keep - Hunde sollen als Haustiere und nicht als Vieh gesehen werden

Spiegel (09.06.2020): Coronavirus könnte schon im Herbst in China ausgebrochen sein (Preprint!) - Satellitenbilder von Parkplätzen vor Krankenhäusern, Begriffe "Durchfall" und "Husten" in chinesischer Suchmaschine Baidu

FutureZone (15.06.2020): Mutation D614G2 in Florida infektiöser?

Telepolis (30.06.2020): Schon in Abwasserproben vom März 2019 in Barcelona soll Sars-CoV-2 nachgewiesen worden sein

ntv (04.07.2020): UN-Unterorganisation WHO bekam erste Information über virale Lungenentzündung am 31.12.2019 von der WHO China, am 03.01.2020 von chinesischen Behörden

Telepolis (16.07.2020): WHO geht dem Ursprung der Coronavirus-Pandemie zunächst in China nach

Wissenschaft.de (28.07.2020): Den Wurzeln von Sars-CoV-2 auf der Spur

Thema: Corona
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Sonntag, 19. April 2020 17:01

Lobbyismus

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Das Problem des Lobbyismus ist eigentlich nicht, dass es ihn überhaupt gibt, sondern dass er intransparent und einseitig ist. Deshalb unterstütze ich Lobbycontrol. Ich habe den Eindruck, dass unsere Politiker insbesondere durch den massiven Lobbyismus der Industrie beeinflusst werden. Dadurch werden Stimmen, die von Gruppierungen mit einer weniger einflussreichen Stimme in der Politik auch weniger gehört und dadurch ist unsere Gesetzgebung in eine Schieflage geraten. Die Politik dient einseitig der Wirtschaft und zu wenig dem Volk.

Wenn man sich ansieht, welche Ausbildung/Studiengänge unsere Politiker so durchgemacht haben, dann liegt es auf der Hand, dass sie Beratung und Stellungnahmen von außen benötigen, um Entscheidungen treffen zu können. Sie sind einfach keine Fachmänner/-frauen in ihren Gebieten. Nehmen wir z.B. unsere Gesundheitsminister: Aktuell Jens Spahn, der ist Bankkaufmann. Der hat keine Ahnung vom Gesundheitswesen, sondern vom Finanzwesen. Sein Vorgänger Hermann Gröhe hat Rechtswissenschaften studiert. Dessen Vorgänger Daniel Bahr war ebenfalls Bankkaufmann und MBA. Dessen Vorgänger Philipp Rösler hatte vielleicht etwas mehr Ahnung, denn seine Mutter war Krankenschwester, er war Sanitätsoffiziersanwärter, hat ein ziviles Studium der Humanmedizin und war zumindest Augenarzt und Truppenarzt. Dessen Vorgängerin Ulla Schmidt war Lehrerin.

Als Paradebeispiel dafür, dass man inhaltlich keinerlei Kompetenz braucht, um für irgendetwas Minister(in) zu werden, ist Ursula von der Leyen, die Familien-, Arbeits- und Verteidigungsmenisterin war und jetzt Präsidentin der Europäischen Kommission. Studiert hat sie Volkswirtschaft und Medizin. Sie fiel als vollkommen medienINkompetent auf, als sie sich im Kampf gegen Kinderp****graphie den Spitznamen "Zensursula" erwarb. Florian hat das mit den nutzlosen DNS-Sperren mal erklärt. Dass ich von Beraterfirmen wie McKinsey, Roland Berger und Accenture absolut nichts halte, ist eine andere Geschichte, aber auch da glänzte Frau von der Leyen mit der Vernichtung von Beweismitteln, was hoffentlich noch ein rechtliches Nachspiel haben wird.

Zurück zum Lobbyismus. In meiner Firma habe ich ungefähr zwei Jahre in der Umweltschutzabteilung gearbeitet. Dabei wurde ich etwas desillusioniert, denn dort geht es nicht um den Umweltschutz (außer der Kunde wünscht das), da Umweltschutz die Produkte immer teurer machen. Vielmehr ging es darum, dass die gesetzlichen Vorschriften einzuhalten sind, da die Firma sonst Probleme bekommen könnte. Und es ging natürlich auch um Lobbyismus, indem die Politik zum Beispiel darauf hingewiesen wird, dass bestimmte Fristen real nicht einzuhalten sind, wenn Stoffe verboten werden (Stichwort REACH und RoHS). Und ich lernte die Idee der Circular Economy kennen. Insofern führt Lobbyismus dazu, dass die Politiker erfahren, wie es in der Wirtschaft/Industrie aussieht, so dass Gesetze/Verbote nicht mit der Brechstange eingeführt werden.

Das Problem ist, dass in den Lobbyisten-Drehtüren Vertreter anderer Interessengruppen als der Industrie anscheinend fehlen. Hier setzt sich LobbyControl ein. Ich fand es auch interessant, dass die Zusammensetzung der der Leopoldina-Arbeitsgruppe/Corona-Expertenrunde kritisiert wurde, die zu den seltsamen unausgegorenen wirkenden Lockerungen der Ausgangsbeschränkungen führte.

Die Corona-Studie "Heinsberg-Protokoll" wurde von einer PR-Argentur begleitet, was den wissenschaftlichen Wert dieser Studie verzerrt, da die wirtschaftlichen Interessen, die dahinter stehen, undurchsichtig sind. Von einer Maskenpflicht wurde vorerst abgesehen, und dass die WHO hier in den Chor einstimmt (wie zuvor schon diverse Virologen), verstehe ich nicht. In meinen Augen liegt das nur daran, dass aus bekannten Gründen derzeit nicht genug Masken für alle verfügbar sind. Ein Fehler, den übrigens auch die USA gemacht hat.

Und dann noch das Ende der Krankschreibungen per Telefon, wo die Arbeitgebervertretungen wohl Druck ausgeübt haben. Dabei fand ich die Idee, die Anzahl der Tage zu erhöhen, die man ohne Krankschreibung fehlen darf (2015) eigentlich gut, denn dann könnte man sich ordentlich auskurieren, ohne seine Bazillen in die Arbeit oder ins Wartezimmer zu tragen oder sich von dort andere Bazillen zu holen.

Wozu falsche Beratung führen kann, wenn sie ausschließlich aus der Sicht von BWLern und deren tödlichen Rotstiften geschieht, um hier und da noch ein paar Cent zu sparen, kann man sehr gut am Beispiel der Boing 737 Max nachvollziehen.

Meine Meinung also: Lobbyismus wäre gut, wenn er transparent und ausgeglichen wäre, indem dafür gesorgt würde, dass alle Interessengruppen Gehör finden. Berater/Consultants, die einen Haufen Geld für ihre unbrauchbaren Powerpointfolien erhalten, gehören auf die Müllhalde.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates

Berliner Zeitung (29.04.2020): Transparenz im Verhältnis von Politik und Wirtschaft liefert ein paar Argumente für ein Lobbyregister

Lobbycontrol (08.05.2020): Positionspapier: "Regulatorische Kooperation" in Handelsabkommen Gefährdete Demokratie durch TTIP 2.0, CETA, TiSA, JEFTA

ntv (13.05.2020): Virologe Hendrik Streeck zur Heinsberg-Studie: "Es ist doof gelaufen"

LobbyControl auf Facebook (13.05.2020): EU-Institutionen nehmen Verhandlungen zum Lobbyregister wieder auf

Handelsblatt (13.05.2020): Ökonomen lehnen Autokaufprämie ab, Konjunkturpaket für Klimaschutz

Heise (29.05.2020): Kompetenz in der Regierung wäre wünschenswert - Banker, Rechtsanwälte und Parteikarrieristen sollten keine Gesundheitsminister sein

Süddeutsche (19.06.2020): Causa Philipp Amthor: Die Lobbyregeln im Bundestag sind reformbedürftig

Zeit (20.06.2020): Philipp Amthors Lobbyismus-Affäre: Integrität kennt kein Alter

Netzpolitik.org (22.06.2020): Google soll sein Netzwerk in Brüssel und Berlin offenlegen

Tagesschau (28.06.2020): Verbot von Werkverträgen - Aber warum nur in der Fleischindustrie?

Tagesschau (03.07.2020): Einführung im Herbst: GroKo einigt sich auf Lobbyregister

Spiegel (16.07.2020): Lobbyarbeit für Skandalfirma: Guttenberg setzte sich bei der Bundesregierung für Wirecard ein



Transparency International Deutschland e.V. (Oktober 2014): Lobbying in Deutschland

LobbyControl – Initiative für Transparenz und Demokratie e.V.

Themen: Corona | mein Job
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Samstag, 18. April 2020 17:01

The Giving Pledge

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Kennt ihr The Giving Pledge? Das ist eine Kampagne, die 2010 von Bill Gates und Warren Buffett ins Leben gerufen wurde, um Superreiche zum Spenden für das Gemeinwohl zu animieren.

Bill Gates und seine Bill & Melinda Gates Foundation sind gerade jetzt in der Coronakrise ins Zentrum von Verschwörungstheoretikern geraten, die behaupten, er wolle mit Impfungen Menschen töten, um die Weltbevölkerung zu reduzieren, er hätte an dem neuen Coronavirus ein Patent und würde mit Zwangsimpfungen Menschen auch zwangssterilisieren wollen. Der Mann kann einem schon leid tun.

Schauen wir uns einmal die Liste der Unterzeichner des Giving Pledges an. Einige Namen kenne ich schon.

Viele von ihnen waren nicht immer superreich, sondern Kinder (v.a. Söhne) aus Arbeiterfamilien, die den amerikanischen Traum vom Tellerwäscher zum Millionär (es müsste heute Milliardär heißen) wahr gemacht haben. Bei vielen steht im Wikipedia-Artikel, dass sie "Philantropen" sind, also Menschenfreunde. Nebenbei bemerkt, auch bei George Soros steht, er sei Philantrop. Mir reicht, dass er zentrales Feindbild von Mister Orbanistan ist. Und ich glaube auch, dass sie das selbst von sich glauben.

Nur glaube ich aber auch, dass diese privatwirschaftlichen Stiftungen ohne große Regulierungen und ohne Transparenzpflicht dazu führen, dass das Geld ungerecht verteilt wird, denn es wird nur in Projekte investiert, die die Superreichen für sinnvoll erachten. Dadurch erhalten sie eine Machtfülle, die meines Erachtens eigentlich nur Staaten zustehen sollte, die im Idealfall einer demokratischen Kontrolle unterliegen. Als vehementer Gegner von Privatisierung öffentlichen Eigentums und Ausverkauf von Menschenrechten und Kritiker des ungezügelten Marktes sehe ich das äußerst skeptisch. Menschenrechte dürfen meiner Meinung nach keinen Marktregeln unterworfen werden.

Am Beispiel mit den Impfungen und Bill Gates kann ich das gut erklären: Ich finde es an und für sich gut, dass er sich seit Jahrzehnten für die Entwicklung von Impfstoffen einsetzt. Sein Ziel, die Weltbevölkerung auf lange Sicht zu reduzieren, ist ebenfalls sinnvoll. Dies kann durch eine geringere Kinder- und Müttersterblichkeit durch bessere medizinische Versorgung (wozu auch Impfungen gehören), Bildung der Frauen und Zugang zu Verhütungsmitteln langfristig erreicht werden.

Bill Gates konzentriert sich aber nur auf sein Lieblingsprojekt Impfen. Und das finde ich schlecht.

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Carl Grimes


Update 24. April 2020:

Ich habe mich diese Woche mit einer Freundin unterhalten, und sie meinte, dass angesichts der Politkasperl in den USA die Entscheidung über die Verteilung von Steuergeldern nicht wirklich nach gerechten und sinnvollen Maßnahmen getroffen würden.

Wenn ich mir so diverse Äußerungen von Donald Dump Trump anschaue, dann finde ich, sie hat Recht. Er schlägt doch tatsächlich vor, man solle testen, ob man Menschen Desinfektionsmittel direkt spritzen könnte. Bill Gates ist da in seinen Ansichten doch wesentlich vernünftiger meiner Meinung nach.

Und auch wenn es in Deutschland vielleicht noch nicht ganz so düster aussieht in Sachen Neoliberalisierung, mache ich mir schon Sorgen, wenn lieber 11 Milliarden Euro für Kampfjets ausgegeben werden sollen, und sich jetzt über die Einmalprämie für Pflegekräfte (1,14 Milliarden Euro) (und ich bin immer noch über eine dauerhaft bessere Bezahlung!!!) gestritten wird. Ich würde hier andere Prioritäten setzen. Und sicherlich viele Bundesbürger ebenfalls.


Updates

Telepolis (05.09.2001): Was ist schlecht daran, wenn Bill Gates Gutes tut?

Golem (12.05.2020): Bill Gates, das Coronavirus, und der Unsinn, der hier verbreitet wird

ntv (12.05.2020): Bill Gates macht sich Vorwürfe wegen Corona

Golem (12.05.2020): Bill Gates, das Coronavirus, und der Unsinn, der hier verbreitet wird

Telepolis (14.05.2020): Covidioten: Die Pandemie der Infantilität

Heise (15.05.2020): Warnung vor Pandemie: Bill Gates bedauert seine Zaghaftigkeit

Correctiv - Faktencheck (18.05.2020): Bill Gates' angebliche "Impfverbrechen"

Süddeutsche (30.05.2020): Bill & Melinda Gates Stiftung: Lob und Kritik

Süddeutsche (02.07.2020): Bill Gates auf der Ted Conference: Nicht mehr lustig

Standard.at (07.07.2020): Bill Gates legt sich beim Fast Company Impact Council mit Maskengegnern an und ärgert sich über Social Media

Thema: Corona
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Samstag, 18. April 2020 11:38

Gewinner der Coronakrise: Online-Handel

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Der große Gewinner der Coronakrise sind Online-Versandhäuser. Allen voran natürlich der Branchenprimus Amazing, der schon früh an seine Grenzen geriet und entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen musste. Derzeit haben sie zudem noch Nachholungsbedarf beim Arbeitsschutz in Frankreich.

Ich hatte mich sofort mit einigen notwendigen Dingen eingedeckt, wie Kontaktlinsen und -mittel, da ich schon damit gerechnet habe, dass es zu Lieferschwierigkeiten kommen würde. Sehe ich meine Bestellhistorie der letzten Wochen an, so muss ich zugeben, dass auch ich etwas mehr als sonst online bestellt habe. Zum Beispiel Spezialfutter für mein krankes Pferd. Das hätte ich normalerweise auf dem Weg zum Stall in der Filiale in Forstinning besorgt.

Andere Dinge wären vielleicht nicht notwendig gewesen, wie die Bestellungen in Andere Welten oder dem Drachenwinkel. Spezielle Staubsaugerbeutel, Ameisenköder, das hätte ich vielleicht noch im dm oder Müller in den RiemArcaden bekommen. Mein Sohn hätte vielleicht mit der Bestellung seines neuen Rechners warten können. Oder den Fitbit-Tracker, den ich für die RKI Corona-Datenspende bestellt habe. (Florian unterstützt die Forschung hier mit Folding@Home.)

Jetzt stößt aber nicht nur der Versandriese Amazing an seine Grenzen, sondern auch DHL. Diese Woche habe ich ein Paket in Aschheim holen müssen. Vermutlich habe ich aber nicht das Paket bekommen, für das ich die Abholkarte dabei gehabt habe, denn ich habe heute die Erinnerungsmail erhalten, dass das Paket (ein anderes) nur noch zwei Tage in der Filiale bleiben wird, bevor es zurückgeschickt wird. Und eine weitere Mail habe ich bekommen, dass noch ein anderes Paket in der Filiale liegt. Ich habe mich tierisch geärgert, weil es angeblich 13:49 Uhr verladen wurde und 14:02 Uhr nicht zugestellt werden konnte.

Ich wollte schon eine Beschwerdemail verfassen, als ich in Facebook las, dass in der gesamten Messestadt derzeit keine DHL-Pakete mehr zugestellt werden, sondern wir alle unsere Pakete in Aschheim abholen müssen. Damit ändert sich natürlich sofort mein Kaufverhalten und das meiner Familie schlagartig. Jetzt werden wir auch nicht mehr bei kleinen Online-Händlern bestellen, denn jedes Mal nach Aschheim fahren, will ich auch nicht.

Wir sehen, wir brauchen auch unsere lokalen Geschäfte und Händler. Ich hoffe, dass diese jetzt nach und nach mit Augenmaß auch wieder öffnen dürfen und sich die Insolvenzen in Grenzen halten.

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Carl Grimes


Updates

Süddeutsche (28.04.2020): Darum häufen sich gerade die Beschwerden bei der Paketzustellung

Golem (30.07.2020): Amazon verdoppelt Gewinn in der Coronakrise

Themen: Corona | Computer und Internet | Eigenes Pferd Felix
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Freitag, 17. April 2020 17:01

Absolute Zahlen

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Warum hat NRW die meisten Lottogewinner? Weil NRW auch die meisten Einwohner hat. Deshalb war es erst einmal nicht verwunderlich, weshalb NRW auch die meisten bestätigten Covid-19-Infizierten hatte (bis es von Bayern überholt wurde).

Die absoluten Zahlen sind beeindruckend, wenn man sich die roten Punkte auf der Johns Hopkins University täglich anschaut. Doch ich fand, dass dies wenig aussagekräftig war. Also habe ich anhand meiner Screenshots seit dem 12.03.2020 (mit Lücken) einmal die Zahlen in eine Exceltabelle geklopft und dann mit der Bevölkerungszahl laut Wikipedia in Relation gebracht, so dass ich Zahlen pro 100.000 Einwohner erhielt. Ich weiß, dass die Zahlen alle nicht aktuell und akurat sind, es ging mir eher um den allgemeinen Trend. Außerdem habe ich noch anhand einiger Zeitungsberichte seit 05.03.2020 ein paar Zahlen von New York gesammelt. Dadurch ergab sich folgendes Bild (zum vergrößern anklicken):

Tabelle nach Infinzierten pro 100.000 Einwohner

In New York explodieren die Zahlen regelrecht. Während sie in China stagnieren und Südkorea, Japan, Norwegen, Dänemark und Schweden irgendwann aus den Top 16/17 meiner Screenshots rausgeflogen sind. Woran könnte das liegen?

Ich habe einen weiteren Blick auf die Bevölkerungsdichte laut Wikipedia geworfen. Im direkten Vergleich schießt New York gerade wie ein Wolkenkratzer hervor. Ohne New York erkennen wir, dass Südkorea, Niederlande und Japan eine recht hohe Bevölkerungsdichte haben, Norwegen, Schweden und USA gesamt jedoch eine sehr niedrige.

Bevölkerungsdichte nach Ländern

Ich weiß, man muss mit Korrelationen vorsichtig sein. Doch es erscheint mir logisch, dass sich der neue Coronavirus in großen Städten mit einer hohen Bevölkerungsdichte schneller ausbreitet, als beispielsweise in ländlichen Gebieten der USA oder auch in Ostdeutschland. Ich bin gespannt auf die zukünftigen Forschungsergebnisse.

Und noch eine Korrelation ist mir aufgefallen. Die asiatischen Länder, die natürlich Erfahrungen mit SARS haben, aber wo auch das Tragen von Mundschutzmasken zum normalen Bild der Öffentlichkeit gehört, sind trotz hoher Bevölkerungsdichte rasch aus meiner Tabelle verschwunden. Vielleicht ist das Tragen von Masken doch keine so blöde Idee?

Schweden wird von Hoffnungsverbreitern und Motzern in der "Der Lockdown ist doch gar nicht notwendig"-Fraktion gerne als strahlendes Beispiel genannt, dass die das doch alles viel besser machen würden. Auch hier erscheint es mir logisch, dass in Ländern mit einer geringeren Bevölkerungsdichte die Ausbreitung des neuen Coronavirus langsamer erfolgt. Das ist ein Vorteil für Schweden, den wir in Deutschland jedoch nicht haben, deshalb würde ich hier vermuten, dass Äpfel mit Birnen verglichen werden, und dass diese Strategie für Deutschland nicht so gut funktionieren würde, außer vielleicht in den Bundesländern mit niedrigerer Bevölkerungsdichte. Auch hier bin ich gespannt auf die zukünftigen Analysen der Experten.

Und leider glaube ich auch, dass die Hoffnungsverbreiter und Motzer hinterher behaupten werden, wenn/falls Deutschland vielleicht viel weniger Tote zu beklagen hatte, als unsere armen Nachbar-Nachbarländer, dass die Maßnahmen völlig überzogen gewesen wären und dass sie alle Recht gehabt haben und die Panikmacher-Lügenpresse im Unrecht gewesen wäre.

Endlich habe ich auch kapiert, was "Föderalismus" bedeutet. Ich könnte mir vorstellen, dass schnellere Lockerungen in weniger dicht besiedelten Gebieten möglich wären, während in Großstädten strengere Regeln einzuhalten wären, und dass Großveranstaltungen noch sehr, sehr lange untersagt bleiben müssen.

Aber ich beobachte hier nur.

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Carl Grimes


Updates

Telepolis (02.07.2020): Mit wachsender urbaner Dichte sinkt die Covid-19-Todesrate

Zeit (18.07.2020): Britische Regierung setzt Veröffentlichung der Opferzahlen aus

Telepolis (21.07.2020): Keinen Bock mehr auf Corona-Zahlen?



COVID-19 Dashboard by the Center for Systems Science and Engineering (CSSE) at Johns Hopkins University (JHU) - die roten Punkte

Robert Koch-Institut: COVID-19-Dashboard Deutschland nach Bundesländern und Landkreisen

Thema: Corona
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Donnerstag, 16. April 2020 17:01

Digitalisierung

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Eines der ersten Dinge, die mir aufgefallen sind, als ich ins Homeoffice geschickt wurde: Wie wichtig die Digitalisierung ist. Wir hatten das Glück, dass wir schon gut aufgestellt waren und auch Homeoffice-erprobt, so dass es überhaupt kein Problem war, von jetzt auf gleich von zu Hause aus zu arbeiten. Zumindest technisch.

Die Anstrengungen meiner Firma, damit dies auch gut funktioniert, waren enorm. Denn als im Februar die chinesischen Kollegen schon ins Homeoffice geschickt wurden, war schnell klar, dass die IT-Infrastruktur darauf noch nicht ausgelegt war. So wurde mit Hilfe der Erfahrungen aus China innerhalb kürzester Zeit unter Verzicht der Pilotphase weitere Einwahlmöglichkeiten geschaffen und zusätzlich zu unserem ersten Videokonferenz-System noch ein weiteres ausgerollt. Eine Mammuth-Aufgabe, die sich gelohnt hat, denn die Verbesserungen des Netzwerkes war von Tag zu Tag spürbar.

Aber auch deutschlandweit war zu sehen, dass unser Internet weit mehr genutzt wurde und daher verschiedene Maßnahmen notwendig wurden, um es zu entlasten. So reduzierten Streamingdienste ihre Übertragungsraten. Ein Online-Kalender, den wir im Stall benutzen, aktualisierte nicht mehr sekündlich, sondern in größeren Zeitabständen. Restaurants, die bereits eine eigene Website hatten, konnten ihr Angebot zum Abholen sehr schnell publik machen. Eine Freundin, die Online-Werbung macht, konnte sich plötzlich vor Anfragen kaum noch retten.

Aber es zeigte natürlich auch unsere Schwachstellen. Zum Beispiel der Breitbandausbau in Deutschland. Für mich ist es völlig unverständlich, wieso diese wichtige Infrastruktur nicht grundsätzlich durch den Staat aufgebaut wird. Naja, die Privatisierung der Telekom könnte damit zusammenhängen. Da sehen wir ja, wie gut das der Markt regelt. Der Markt, für den die Zukunft beim nächsten Jahresabschluss oder schlimmer zum Quartalsende aufhört und deshalb Investitionen scheut. Denn Infrastruktur gehört meines Erachtens immer in staatliche Hand, damit diese nicht abhängig ist von wirtschaftlichen Interessen. Gleiches gilt auch für den Mobilfunk.

Und wo die Digitalisierung auch noch große Schwächen aufweist: Die Behörden. Für meine Firma muss ich diverse Unterlagen besorgen, die für öffentliche Ausschreibungen (also staatliche Aufträge) wichtig sind. Einige davon muss ich persönlich mit Vollmacht unter Vorlage meines Persos beantragen. Nun sind die Behörden aber derzeit für den Publikumsverkehr geschlossen. Wie komme ich also an diese Unterlagen? Nicht alle Behörden sind auf den Einsatz der Online-Funktion des Persos ausgerichtet. Und ehrlicherweise habe ich mir diese Funktion auch noch nicht freischalten lassen, weil ich bisher geglaubt habe, sie nicht wirklich zu brauchen, und natürlich hier dem Staat gegenüber auch ein gewisses Misstrauen hege, ob er verantwortungsbewusst mit meinen Daten umgehen kann. Allerdings hätte mir der in dem Fall auch nichts genutzt, weil auch die Vollmachtgeber sich hätten online ausweisen müssen. Das ist zur Zeit alles recht kompliziert, weil alles per Post erledigt werden muss. Das dauert natürlich auch... Aber gut.

Nachdem können wir auch kein Führungszeugnis nach § 30 Abs. 5 BZRG beantragen, das wir aber brauchen, überlege ich tatsächlich, ob ich die Funktion nicht für solche Fälle doch freischalten lassen werde. Was gut funktioniert ist aber die Elektronische Steuererklärung, auch wenn ich mich über den Namen Elster noch immer schlapplache. Und auf einen Bierdeckel passt sie auch noch immer nicht.

Was mich aber wirklich entsetzt: Die langsame Erfassung der Fallzahlen. Wieso werden die nicht digital bereitgestellt und stehen nicht sofort in Echtzeit zur Verfügung? Wie werden diese Zahlen durchgereicht, dass die Ergebnisse erst nach drei Tagen zur Verfügung stehen? In einer Pandemie, in der es zu Verdopplungszahlen der Fälle innerhalb weniger Tage kommt? Steht da noch irgendwo ein Fax rum, wo am Wochenende das Papier ausgegangen ist, oder was?

Ob sich nach der Coronakrise hier etwas ändern wird? IT-Fachkräfte werden von Firmen gerne gehalten, sogar in der Hire-and-Fire-USA. Ich bin gespannt.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates

Heise (11.05.2020): Genossenschaftsverband erwartet Schub für digitale Bankgeschäfte

Heise (16.07.2020): Künftig Krankschreibung per Videosprechstunde möglich

Thema: Corona
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Mittwoch, 15. April 2020 17:01

Dr. Wodings

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Dieser Lungenfacharzt Dr. Wodings dürfte etwa genauso berühmt sein, wie der Virologe Christian Drosten, der mit seinem Podcast auf dem Laufenden hält und sich auch nicht zu fein ist, nach aktuellem Stand der Wissenschaft zuvor Gesagtes zu revidieren. Im Gegensatz zu Dr. Wodings. Gugelt selbst, den verlinke ich nicht.

Als seine Website vorübergehend down war, dachte ich schon, dass er vielleicht seinen Irrtum eingesehen hätte... Da war der Wunsch Vater des Gedanken. Solche Sturköpfe kenne ich leider auch persönlich, da ist kein Kraut gegen gewachsen.

Ich habe mir mal den Spaß erlaubt, das neueste Video von Dr. Wodings anzusehen, der als Lungenfacharzt und ehemaliges Mitglied des Bundestags und Europarats durchaus als vertrauenswürdige Quelle durchgehen könnte. Wobei seine politische Karriere für mich persönlich eher von Inkompetenz zeugt, siehe von der Leyen und Scheuer. Da behauptet er, dass die Coronaviren mit Birkenpollen zusammenhängen würde, die weltweit ja zu unterschiedlichen Jahreszeiten fliegen. Gibt es in China oder im Iran Birken? Ja, aber unterschiedliche Gattungen und... zu welcher Jahreszeit welche Birke jetzt ihre Pollen absondert, recherchiere ich jetzt mal nicht. Sonst finde ich noch eine Korrelation mit der Ausbreitung des neuen Coronavirus.

Er behauptet, dass man den neuen Coronavirus halt findet, weil man danach sucht. Ja, deshalb gibt es inzwischen so viele Tests von vielen verschiedenen Anbietern, die sicher auch gut daran verdienen. Man sucht danach, weil man ihn erforschen möchte. Und ja, die Tests sind von unterschiedlicher Qualität und zeigen hin und wieder auch falsche Ergebnisse. Deshalb heißt das aber noch lange nicht, dass der neue Coronavirus schon seit Jahren überall vorhanden ist, nur noch niemand nach ihm gesucht hätte.

Er lenkt die Aufmerksamkeit auf die Menschen, die unter dem Lockdown leiden, z.B. weil es zu mehr häuslicher Gewalt kommt oder Menschen mit Depression und anderen psychischen Erkrankungen mit der Ausgangsbeschränkung nicht so gut klarkommen. Ja, das ist richtig.

Den neuen Coronavirus zu verharmlosen und als Panikmache abzutun, ist zynisch. Wir haben den Vorteil, dass wir in die Zukunft sehen können, nämlich dass in Italien, Spanien, New York und so weiter hunderte und tausende Menschen sterben, nachdem sie sich mit dem neuen Coronavirus infiziert haben. Wie sie sich infiziert haben, ob durch Birkenpollen oder in der U-Bahn angeniest wurden, ist dabei völlig irrelevant. Die Zahl der Infizierten steigt gewaltig, auch wenn die Zahlen nicht ganz akurat sind und auch nicht sein können.

Menschen, die nun wegen der Ausgangsbeschränkung leiden oder vorübergehend einen wirtschaftlichen Schaden hinnehmen müssen, gegen die hunderte und tausende Tote aufzuwiegen, ist menschenverachtend. Denn egal, ob die Menschen mit oder an COVID-19 gestorben sind, ob sie Vorerkrankungen gehabt haben oder einfach nur das Pech, einen schlimmen Verlauf zu erleben, die hätten bestimmt gerne noch etwas länger gelebt.

Das Traurige ist, dass durch den zeitlichen Vorsprung Deutschland anscheinend mit seinen Maßnahmen einen recht guten Weg bestreitet, also die Anzahl der Intensivbetten mit Beatmungsgerät massiv erhöht, das Personal in Kliniken aufstockt, für eigene Herstellung und Lieferung aus dem Ausland von Schutzkleidung/Atemschutzmasken sorgt, etc. und eben die nervigen, freiheitsberaubenden, andere Probleme heraufbeschwörenden Ausgangsbeschränkungen auferlegt. Und wenn wir dann nicht tausende Tote gehabt haben werden, dann werden diese Sturköpfe sagen, dass es eben doch alles nur Panikmache gewesen wäre und wir jetzt vor einem großen Scherbenhaufen der Wirtschaft und persönlichen Schicksalen stehen würden. Denn beweisen, wieviele Menschenleben durch die Maßnahmen tatsächlich gerettet wurden, wird man auch nicht können.

Herr Dr. Wodings. Reden wir doch einfach über das Wetter. Oder über Essen. Dann ist alles in Ordnung.

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Carl Grimes


Updates

Link ergänzt zu ZDF (29.04.2020) Warum ändern Virologen ständig ihre Meinung?

heise (02.05.2020): Dr. Wodings durfte sich auch in Telepolis äußern. Es ist das erste Mal, dass ich hier eine Rechtfertigung gelesen habe, weshalb ein Artikel erschien. Für mich sieht es jedoch so aus, als würde er sich die Zahlen so hinbiegen, dass sie auf sein Weltbild passt. Hier hat es sich wieder gelohnt, die Diskussion über den Artikel im Heise-Forum zu verfolgen.

Thema: Corona
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Dienstag, 14. April 2020 17:01

Verschwörungstheorien

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Ich habe mich nicht wirklich intensiv mit den Verschwörungstheorien rund um Corona beschäftigt. Es ist mir auch ziemlich egal, denn ich bin davon überzeugt, dass dahinter keinesfalls eine Verschwörung stecken kann. Warum?

Verschwörungen funktionieren nur, wenn es lediglich einen kleinen Kreis Eingeweihter gibt. Je mehr Personen in eine Verschwörung eingeweiht sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand etwas ausplaudert und die Wahrheit ans Licht kommt.

Was ich gerne als Indiz dafür hernehme, dass die Verschwörungstheorie relativ nahe an der Wahrheit ist, sind toten Zeugen, Selbstmord von Verdächtigen und - die harmloseste Variante - vernichtete Akten und Beweismittel.

Aber dann gibt es noch Verschwörungstheorien, die schon längst als solche entlarvt wurden oder zumindest erhebliche Zweifel bestehen.

Die satirische Verschwörungstheorie rund um Bielefeld ist dagegen wirklich niedlich, aber die konnten wir persönlich überprüfen.

Und die Coronavirus-Pandemie soll eine Verschwörung sein, die alle Länder dieser Erde betrifft? Und verfeindete Länder wie der Iran soll mit den USA unter einer Decke stecken? Nur Nordkorea macht nicht mit?

Und welches Ziel verfolgen die Verschwörer? Die Abschaffung des Bargeldes? Vereinzelt Diktaturen zu errichten? Um die schädliche Strahlung von 5G-Funkmasten zu kaschieren, die es aber im Gegensatz zum neuen Coronavirus gar nicht weltweit gibt? Damit die Pharmaindustrie Geld scheffeln kann? Zu welchem Preis? Dr. Wodings und andere Typen, die alles für Panikmache halten, haben da irre Thesen.

Aber die Coronakrise als weltweite Verschwörung mit Millionen Mitwissern? Die Chaostheorie spricht dagegen, dass soetwas überhaupt möglich wäre. Geht und erzählt das euren Großmüttern!

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Carl Grimes


Updates

Telepolis (15.07.2015): Die unsichtbare Superdiktatur

[Satire an] Der Postillon (06.05.2020): Verschwörungstheoretiker fordern Ende der Lockerungen, weil sonst ihre Theorien nicht mehr stimmen [Satire aus]

Tagesspiegel (07.05.2020): Fake-News über das Coronavirus - Drosten und über 100 Ärzte warnen vor Lügen-Pandemie

heise (08.05.2020): re:publica: Klimawandel-Leugner, Querfront und Corona-Verschwörer, wie der Kampf gegen Fake-News geführt werden könnte, und weshalb es auch gefährlich ist, auf diese Weise eine Zensur-Infrastruktur zu schaffen

Tagesschau (09.05.2020): Bischöfe verbreiten Verschwörungstheorien

Katharina Schulze (die Grünen) (08.05.2020): Wir müssen gemeinsam die Corona-Verschwörungsmythen bekämpfen

Süddeutsche (05.06.2020): Corona-Faktencheck

Telepolis (12.06.2020): Fakten spielen keine Rolle

Volksverpetzer (02.07.2020): Die Zerstörung des Corona-Hypes auf Youtube - meine Anmerkung: Aus virologischer Sicht und zum Schutz alles richtig. Allerdings muss man eben auch die durch Lockdown-Maßnahmen entstehnden Kollateralschäden mit einbeziehen und gegeneinander abwägen. Und ich denke nicht, dass wir wie Japan oder Neuseeland dastehen könnten, da Deutschland keine Insel ist.

New York Times (13.07.2020): Man, 30, Dies After Attending a ‘Covid Party’: "I thought this was a hoax."

Standard.at (14.07.2020): Verschwörungstheoretiker attackieren YouTuber nach Video zu schwerer Corona-Erkrankung

Heise (18.07.2020): Google will Werbeeinnahmen durch Corona-Verschwörungstheorien verhindern

[Satire an] DerStandard (30.07.2020): Stiftung Gurutest: Die zehn tollsten Heilmethoden gegen das Coronavirus [Satire aus]

Thema: Corona
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Sonntag, 12. April 2020 17:01

Der Skandal um die Masken

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Ein großes Politikversagen lässt sich anhand des Skandals um die Masken gut nachzeichnen. Als hierzulande die offiziellen Empfehlungen kamen, wie man sich vor Ansteckung schützen sollte (Abstand halten, keine Gruppenbildung, kein Händeschütteln, Husten/Niesen in Armbeuge, Hände waschen), hatte ich bereits Empfehlungen aus englisch-sprachigen Quellen gelesen, die dazu rieten, benutzte Taschentücher in verschließbare Beutel zu packen und/oder in Mülleimer mit Deckel zu entsorgen. Für mich bedeutete das glasklar, dass zu diesem Zeitpunkt bereits bekannt gewesen sein muss, dass das neue Coronavirus auch über die Luft übertragen werden kann. Auch hatte ich einen Artikel gelesen, in dem darüber berichtet wurde, wie entsetzt die asiatischen Länder, die bereits Erfahrung mit SARS hatten, darüber sind, dass man hierzulande in der Öffentlichkeit keine Masken tragen würde.

Als ich dann las, wie unsere Regierung einige staatliche Vorräte an Atemschutzmasken und andere Güter an China gab (was ich verstehe, denn im Februar ging es noch darum, die Pandemie zu verhindern), zählte ich eins und eins zusammen und kam zu dem Schluss, dass bei uns Atemschutzmasken nur deshalb als gegen Viren nutzlos verunglimpft wurden und das generelle Tragen nicht empfohlen wurde, weil es nicht genügend von ihnen im Land (mehr) gab und die Vorräte selbst für medizinisches Fachpersonal in Kürze zur Neige gehen würden. Auch bei unseren Nachbarn sieht es schlecht aus, so tragen NHS Angestellte in Großbritannien Plastiktüten statt medizinische Schutzkleidung.

Viele Leute erkannten, dass eine einfache Maske besser ist als nichts und die Wahrscheinlichkeit einer Verbreitung des Virus wenigstens vermindern kann. Natürlich schützen selbstgenähte Masken nicht so wie FFP2 oder FFP3 Masken. Aber dennoch sehe ich immer häufiger Leute beim Einkaufen, die selbstgenähte Masken tragen. Über etsy werden diese mittlerweile zu Hauf angeboten, wenn auch unter diversen anderen Namen, um sich vor angeblichen Abmahnanwälten zu schützen.

Durch unseren Zeitvorsprung scheint es mittlerweile relativ gut zu gelingen, Masken für das medizinische Personal zu beschaffen bzw. in Deutschland selbst herzustellen (ein gutes Beispiel für die Flexibilität unserer Wirtschaft) und eventuell bleibt auch genug für die Bevölkerung übrig, so dass man sich vielleicht doch noch zu einer Maskenpflicht durchringen kann. Doch auch das geht nicht ohne politisches Haifischbecken und Gerangel ab. In der Politik geht es eben selten um die Sache an sich, sondern es geht leider immer auch um Machtspielchen und Profilierung der Platzhirsche.

Man kann hier auch sehr gut beobachten, wer gerade demaskiert wird. Chapeaux!

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Update 27.04.2020

Seit heute gibt es eine Maskenpflicht. Es sind aber trotz diverser Bemühungen noch immer nicht genügend Masken in Deutschland vorhanden. Außerdem ist es nur logisch, dass diese erst einmal dem medizinischen und pflegenden Personal zur Verfügung gestellt werden muss, bevor die normale Bevölkerung damit versorgt werden kann. Wer nicht selbst nähen kann, kann sie in diversen Portalen wie etsy bestellen. Aber für Menschen mit kleinem Geldbeutel ist das schon eine Belastung. An einer Tankstelle habe ich eine ganz schlichte, medizinische Einmalmaske für 2,95 Euro pro Stück gesehen, die man maximal 2 Stunden tragen sollte. Wie soll sich das ein Geringverdienter leisten? Italien versucht der Preistreiberei gerade einen Riegel vorzuschieben.

Wenn wir früher schon eine Maskenpflicht hätten einführen können, weil wir vielleicht aufgrund der seitens Politik aber auch der Experten unterschätzten Gefahr vor Pandemien seit 2012 (Anhang 4) einen entsprechenden Vorrat in der Bundesrepublik gehabt hätten, wäre der wirschaftliche Schaden wesentlich geringer ausgefallen, da die Maßnahmen dann nicht hätten so hart sein müssen. Hätte, hätte, Fahrradkette...

Ich bin auf meinen nächsten Einkauf gespannt. Schön zu sehen, wie das der Markt so regelt...


Update-Liste


Updates Masken und Bundesregierung

Heise (29.05.2020): Wären Pandemie-Warnungen von einem kompetenten Gesundheitsministerium ernster genommen worden, hätte es einen milderen, früheren Lockdown mit weniger Kollateralschäden gegeben

Spektrum der Wissenschaft (12.06.2020): Späte Kehrtwende der WHO und des RKI

Correctiv (23.06.2020): Deutschland war schlecht auf Pandemie vorbereitet: Digitalisierung in den Gesundheitsämtern - Fehlanzeige, es wird noch mit Faxgeräten gearbeitet, Masken und Schutzkleidung wurde nicht bevorratet, weil Arztpraxen und Krankenhäuser Wirtschaftsunternehmen sind und sparen müssen

Süddeutsche (10.07.2020): Gesundheitsbehörden ignorierten lange Hinweise auf die Wirksamkeit von Mund-Nasen-Bedeckungen. Das dürfte viele Leben gekostet haben.

Tagesschau (15.07.2020): EU-Reaktion auf Coronavirus: Zu spät, zu langsam, nicht nur Deutschland schickte Schutzausrüstung nach China, sondern die gesamte EU.

Tagessspiegel (07.08.2020): Beschaffung von Schutzmasken: Bundesgesundheitsministerium will raus aus Beratervertrag mit Ernst & Young

ntv (09.08.2020): 400 Millionen Euro nicht gezahlt: Maskenlieferanten verklagen den Bund


Updates Masken im Ausland

Tagesschau (14.07.2020): England führt Maskenpflicht in Läden ein

CDC (Centers for Disease Control and Prevention) (14.07.2020): CDC calls on Americans to wear masks to prevent COVID-19 spread

Newswire Canada (14.07.2020): University of Toronto Tests Confirm First Mask That Deactivates Coronavirus

Tagessspiegel (16.07.2020): USA: Zwei Friseurinnen arbeiteten trotz Corona-Infektion mit Maske und steckten keinen der 139 Kunden an


Updates Studien zu Masken/Aerosolen

Heise (15.05.2020): Aerosole in der Luft - so wird das Coronavirus durch Sprechen übertragen und in geschlossenen Räumen mit schlechter Belüftung zum Problem wird

Spiegel (15.05.2020): Studie zu Aerosol-Viruswolken

Spiegel (31.05.2020): Trotz Corona-Lockerungen niedrige Fallzahlen - auch Dank Maskenpflicht

ntv (08.06.2020): Forscher bestätigen Wirkung von Masken

Stern (02.07.2020): Forscher prüfen Alltagsmasken

Tagesschau (07.08.2020): Simulation der Universität Washington: Die Opferzahl wäre bei Masken-Disziplin geringer


Updates Maskenpflicht

Volksverpetzer (27.04.2020): Maskenpflicht - eine der besten Maßnahmen gegen Corona

Spiegel (07.05.2020): Streit über Maskenpflicht anno 1918 - Als die Spanische Grippe San Francisco erwischte

Tagesspiegel (15.05.2020): Bahnschaffner an Verschwörungstheoretiker "Denken Sie bitte daran, dass die Bundesregierung heimlich Speichelproben sammelt!"

ntv (11.06.2020): Masken - korrekt tragen und ab wann die Pflicht wieder aufgehoben werden kann

Spiegel (06.07.2020): Debatte über Maskenpflicht

Spektrum der Wissenschaft (07.07.2020): Dunkle Triade: Machiavellisten, Psychopathen und Narzissten halten sich nicht an Regeln

SWR REPORT-MAINZ (07.07.2020): Warum Ärzte die Corona-Gefahr herunterspielen - Atteste gegen Maskenpflicht auszustellen, verstößt laut Landesärztekammer in Rheinland-Pfalz gegen die Berufsordnung

Tagesschau (07.07.2020): Ärzte hebeln Maskenpflicht aus

Standard.at (09.07.2020): Maulkorb: wie gegen die Maske organisiert Stimmung gemacht wird

Tagesschau (11.07.2020): Keine Maske bei weniger als 100 Fällen?

Tagesschau (24.07.2020): Mehrheit hat sich an Maske gewöhnt

New York Times (03.08.2020): The Mask Slackers of 1918


Updates Masken als Umweltproblem

Der Westen (24.04.2020): Einwegmasken, Handschuhe und Desinfektionsmittelflaschen werden für die Umwelt ein Problem

Utopia (22.07.2020): Einwegmasken werden zum Umweltproblem


Updates Sonstiges

Zeit (13.05.2020): Geschichte einer Autorin, die jetzt Masken näht

Thema: Corona
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Samstag, 11. April 2020 17:01

Systemrelevante Berufe - Kranken- und Altenpfleger

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Ich habe mich schon sehr lange gefragt, wieso Krankenschwestern und Altenpfleger viel weniger verdienen als ich Sekretärin/Teamassistentin. Sie arbeiten im Schicht- und Wochenenddienst, müssen zum Teil schwere, körperliche Arbeit leisten, wenn sie bettlägrige Patienten versorgen und tragen die Verantwortung für Gesundheit und manchmal auch für Leben und Tod. Was mache ich? Ich formatiere Verträge, male fancy Powerpointfolien, klopfe Zahlen in Exceltabellen, buche Reisen und rechne diese ab. Nine to five. Sehr komfortabel.

Der Aufwand für Krankenpfleger wurde in den letzten Jahrzehnen immer größer. Sie mussten alles dokumentieren, die Nacht- und Wochenendzuschläge wurden gekürzt. Um diesen Beruf überhaupt noch ausüben zu wollen, braucht man eine gehörige Portion Idealismus. Auch die unsäglichen Fallpauschalen haben zu obstrusen Verschiebungen geführt. Wie weltfremd diese sind, zeigt sich an den Intensivbetten. Eines zu beschaffen kostet 85.000 Euro, die Fallpauschale sieht hierfür aber nur 50.000 Euro vor. Daher sind die Kliniken gezwungen, woanders zu sparen, zum Beispiel am Pflegepersonal. Kaiserschnitte lohnen sich, natürliche Geburten nicht, weshalb viele Kliniken ihre Kreissäle schließen und mancherorts Mütter in den Wehen sehr weit zur Entbindung fahren müssen. Und das Problem mit den Hebammen und ihren absurd hohen Versicherungsbeiträgen ist da noch gar nicht mit drin. Orthopädische Operationen - großartig, legen Sie sich bitte sofort unter das Messer! Das lohnt sich für die Klinik. Ich gehe grundsätzlich zu keinem "Belegarzt", der seine Betten rentabel halten muss.

Jetzt in der Coronakrise zeigt sich deutlich, was dieser Sparkurs unserem Gesundheitssystem angetan hat. Dabei stehen wir im internationalen Vergleich noch ganz gut da. Insofern ist es vielleicht ganz gut, dass uns die Krise schon jetzt trifft, bevor unser Gesundheitssystem das Niveau von Italien, Spanien, Großbritannien oder den USA erreicht hat. Es ist ja nicht so, dass das hier nicht auch in diese Richtung gegangen wäre, siehe beispielhaft diese ominöse Brechtelsmann-Studie (oder wie diese neoliberalen Schmierfinken heißen).

Ich habe einmal über Twitter verfolgt, wie ein US-Amerikaner die Diagnose Darmkrebs erhielt, seinen Job und damit seine Krankenversicherung verlor und versuchte, die Behandlungskosten über Fundrainsing zusammenzubekommen. Er hat den Wettlauf mit der Zeit verloren und starb, hinterließ Frau und Kinder. Für mich einfach unbegreiflich, wie ein moderner Staat es zulassen kann, dass das Gesundheitssystem nur den Leuten zugänglich ist, die Geld haben. Das ist in meinen Augen unmenschlich.

In Artikel 2 Grundgesetz wird uns das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit zugesprochen, und in Artikel 20 wird behauptet, die BRD sei ein demokratischer und sozialer Bundesstaat. Daraus ergibt sich, dass unser Staat verpflichtet ist, ein funktionsfähiges Gesundheitssystem zu errichten (siehe Punkt 4 Fazit).

Vor Wochen schon haben Bekannte im Pflegedienst berichtet, dass Besucher Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel gestohlen haben, teils sogar inklusive Wandhalterung. Das war die Panikphase. Mittlerweile gibt es ein Besuchsverbot in Altenheimen und Intensivstationen, um Angehörige der Risikogruppen nicht zu gefährden. Andere Bekannte im Gesundheitswesen berichten darüber, dass sie auch dann noch weiterarbeiten sollen, wenn sie infiziert sind, aber noch keine Symptome zeigen, und die strengen Hygienevorschriften gelockert wurden, damit die Schutzkleidung länger eingesetzt werden kann, da es hier einen eklatanten Mangel gibt. Dadurch sind sie extrem gefährdet, an COVID-19 zu erkranken und zu sterben.

Außerdem suchen die Krankenhäuser händeringend Personal, das einfache Arbeiten verrichten kann (zum Beispiel Transport/Begleitung von Patienten zum Röntgen), damit die Pfleger ihre eigentliche Arbeit machen können. Geplante aber nicht dringende Operationen werden verschoben, damit die Kapazitäten für Corona-Patienten ausgebaut werden können. Die Intensivbetten mit Beatmungsgeräten werden derzeit in plötzlich weiser Voraussicht massiv aufgestockt, um die zu erwartende Patientenschwemme aufzufangen. Ob das reicht, wird sich zeigen. Wir befinden uns gerade in der Phase, in der das Wasser zurückweicht, bevor der Tsunami zuschlägt.

Es ist niedlich, wie dann teilweise von Balkons aus für das Klinikpersonal geklatscht wurde. Welch ein Hohn! Die Bonuszahlungen sind da schon eher ein Schritt in die richtige Richtung. Aber viel besser wäre es, wenn Pflegekräfte endlich die Bezahlung bekämen, die sie verdienen.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates

Tagesspiegel (28.03.2020): Euren Applaus könnt ihr euch sonstwohin stecken

Süddeutsche (05.04.2020): Sonderzahlung für Pflegekräfte: Eine richtige Geste, aber keine Lösung

Redaktionsnetzwerk Deutschland (29.04.2020): Bonus für Pfleger? Wer soll das bezahlen?

Spiegel (29.04.2020): Pflegebonus in der Coronakrise: Und wer soll das bezahlen?

DIE LINKE. im Bundestag (18.03.2020): Pflegepersonal dauerhaft spürbar besser bezahlen

Süddeutsche (01.05.2020): Entlohnung in Pflegeberufen: Die geringe Organisation in Gewerkschaften ist ein Problem

Zeit (15.05.2020): Die Zukunft der Arbeit nach Corona: demokratisch, vor unregulierten Marktkräften schützen, nachhaltig (Manifest u.a. von Thomas Piketty)

Spiegel (16.05.2020): Bonus wegen Corona-Belastung - Und was ist mit den Krankenpflegern?

Twitter/Video (18.05.2020): Mann ist traurig, weil seine Frau im Pflegeheim ist, und er sie acht Wochen nicht mehr sehen durfte. Seelische Folter und er wird angemotzt von anderem Demonstranten, der über Grippewelle, ARD und ZDF, schwurbelt. Doch er meint, mann muss vernünftig bleiben. Mein Held des Tages!

Süddeutsche (19.05.2020): Risiko für Klinik- und Heimpersonal: Es fehlen Schutzausrüstung und Tests

Tagesspiegel (29.05.2020): Medizinisches Personal beklagt Mangel an Kita-Notbetreuung

Telepolis (04.06.2020): Spanien: Applaus in Verbesserungen im Gesundheitswesen verwandeln - gegen Privatisierungen und prekäre Arbeitsbedingungen

Correctiv (05.06.2020): Fünf Geschichten vom März und vom Mai: eine Pflegerin, eine Hebamme, eine Grundschullehrerin, eine Alleinerziehende, eine Grafikerin

ntv (04.07.2020): Es bleibt beim Applaus - Bonus nur für Altenpflegekräfte

Zeit (07.07.2020): Ausgeklatscht

Tagesspiegel (10.07.2020): Über unsere Arbeitsbedingungen will niemand mehr sprechen

Zeit (09.07.2020): Corona-Retter unterbezahlt, doch keine Prämie?

Tagesspiegel (11.07.2020): Wie Corona für soziale Berufe zur Chance werden kann

Spiegel (13.07.2020): Krankenpflegerin über Coronakrise: "Wir haben uns wie Kanonenfutter gefühlt" - Onlinepetitionen unterschreiben und Parteien wählen, die sich für Pflegepersonal einsetzen!

NachDenkSeiten / Jürgen Klute in Europa.blog (14.07.2020): Vom Umgang mit Pflegepersonal in Belgien und Deutschland - in Belgien ist die Gewerkschaft stärker

Tagesschau (14.07.2020): Trotz neuer Gesetzeslage kaum neues Personal in der Altenpflege - erster Schritt weg von den Fallpauschalen

Spiegel (24.07.2020): Verband kritisiert Arbeitsbedingungen osteuropäischer Pflegekräfte

T-Online (31.07.2020): Pfleger kritisieren Corona-Prämie: "Das ist wie eine Art Schweigegeld"

NachDenkSeiten (04.08.2020): Es fehlt 30% Personal in Pflegeheimen

Thema: Corona
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Mittwoch, 8. April 2020 17:01

Corona und Religion

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Ich bin kein Freund von Religionen. Religionen verhindern die Entwicklung eines gesunden Menschenverstandes. Und die Indoktrination von Kindern ist meiner Meinung nach Missbrauch der Elternschaft. Darüber kann man vortrefflich lachen, wenn man den Film "Paul - Ein Alien auf der Flucht" sieht, einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Menschen, die ohne Sinn und Verstand einer Religion anhängen, nennt man im heise-Forum auch gerne mal "Religioten".

Statt Social Distancing zu betreiben, um die exponentielle Ausbreitung des Virus, den man nicht sehen, nicht riechen, nicht schmecken kann, aber die man dennoch begreifen kann, wenn man ein wenig nachdenkt, treffen sich Christen in der Kirche, küssen Muslime die Heiligtümer und ultraorthodoxen Juden strömen zum Gebet, alle in dem Vertrauen, dass ihr Herr alles Böse von ihnen fernhält.

Ich bin kein Atheist. Auch ich habe meine spirituelle Seite. Aber ein Wort an alle Gläubigen da draußen, egal ob ihr an Gott, Allah, den Herrn oder das fliegende Spaghettimonster glaubt. Eines möchte ich hier einmal feststellen:

Gott hat den neuen Coronavirus erfunden!

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates

Spiegel (14.05.2020): Die Heilige Corona - Namenstag 14. Mai

T-Online (14.05.2020): Sekte Organische Christus-Generation (OCG) mit Sitz in der Schweiz nutzt das Coronavirus für ihre Propaganda

Süddeutsche (23.05.2020): Mehr als 40 Corona-Infizierte nach Gottesdienst in Frankfurt

Humanistischer Pressedienst (26.05.2020): Kamerun: Vermeintlicher Prophet und Heiler von Covid-19 stirbt am Virus - Heilung mittels Handauflegen?

CNN (23.05.2020): Convent outside Detroit lost 13 nuns to Covid-19 with 12 dying in one month

Thema: Corona
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Montag, 6. April 2020 17:01

Entschleunigung

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Eigentlich habe ich mein Leben schon drastisch entschleunigt. Massenaufläufe wie das Oktoberfest waren mir schon seit Ewigkeiten ein Graus, nicht erst seit dem Anschlag 1980. Als Kind liebte ich die blinkenden Lichter nachts und den Geruch von Zuckerwatte und gebrannten Mandeln. Später arbeitete ich zwischen Theresienwiese und Goetheplatz und hatte das Gefühl, die Achterbahn fährt durch mein Büro. Von den Tretminen auf dem Weg von der U-Bahn ganz zu schweigen. Die Bierleichen. Einfach nur gruselig.

Auch Sportveranstaltungen haben mich nie interessiert. Fußball. Tennis. Springreiten. War mir schon immer völlig egal. Auch im Fernsehen.

Ich glaube, die größte Massenveranstaltung, die ich jemals gerne besucht habe, war die ComicCon in Stuttgart mit ca. 40.000 - 50.000 Besuchern. Aber das ist schon hart an der Grenze und brauche ich auch nicht unbedingt jedes Jahr.

2012 war das Jahr, in dem ich erkannte, dass Freizeitstress auch Stress ist, den es zu reduzieren galt. Man musste nicht jedes Jahr auf jede Con. Oder jedes lange Wochenende irgendwo hinfahren. Oder auch noch in den Pfingstferien irgendwo Urlaub machen. Carpe Diem hieß auch, zur Ruhe kommen, relaxen, herumlümmeln, die Batterien wieder auftanken.

2014 stand ich dann mal beim Chef heulend im Büro. Kurz vorm Burnout machte ich ein Coaching und lernte, dass ich auch delegieren darf, im Job genauso wie in der Familie. Und dass ich dabei kein schlechtes Gewissen haben brauchte. Und dass ich nicht dringende Dinge auch mal vor mir herschieben darf. Und auch hier kein schlechtes Gewissen haben brauchte. Diese Erkenntnis tat gut.

2013 habe ich wieder zu reiten angefangen. Seit dem habe ich immer mehr Geld in dieses Hobby investiert. In die lokale Realwirtschaft, wenn man es so sehen mag. Und die Ruhe, die einen umgibt, wenn man allein mit dem Pferd den Wald durchstreift, oder mit ein paar wenigen Freunden. Das hatte auch etwas Entschleunigendes.

Konsumverweigerer bin ich schon länger. Manchmal aus wirtschaftlicher Not, wie als ich studiert habe oder alleinerziehend war. Manchmal auch, weil ich die vollgestopften Schränke sehe oder den Krempl, den ich in regelmäßigen Abständen beim Wertstoffhof entsorge. Da frage ich mich manchmal, wieso ich das überhaupt gekauft habe. Was braucht man eigentlich zum Leben? Essen. Kleidung. Ja, klar, aber alles andere? Ich will gar nichts mehr haben, das man irgendwo hinstellt und dann abstauben muss. Natürlich werde ich öfter auch mal schwach. Aber das hat auch mehr mit der lokalen Realwirtschaft zu tun.

"Shoppen" war für mich nie eine erstrebenswerte Freizeitgestaltung, sondern eher notwendiges Übel. Deshalb haben wir aus dem Urlaub auch eher selten etwas mit nach Hause gebracht, außer vielleicht Super Soakers aus den USA und Honig aus Neuseeland. Deshalb war es für mich auch nie ein Problem, direkt neben den Konsumtempeln PEP oder den RiemArcaden zu wohnen. Der einzige Shop, den wir im Moment vermissen, ist der Lego-Store.

Und ich möchte eigentlich immer lieber reparieren als wegwerfen und neu kaufen. Im Erziehungsurlaub hatte ich Zeit, die Kleidung der Kinder auch mal zu flicken. Später dann nicht mehr, dann habe ich sie doch eher weggeworfen. Aber wenn ich z.B. mal wieder ein Smartphone, dessen Akku noch zwei Tage hält und einwandfrei funktioniert, wegen fehlender Sicherheitsupdates austauschen MUSS, dann blutet mir das Herz. Ebenso wenn ich die vielen Leute in den Malls sehe mit ihren Primark-Tüten. Dann denke ich immer: "Da geht er dahin, der Planet."

Die Bosch-Waschmaschine meiner Eltern hat über 20 Jahre gehalten. Heute muss man froh sein, wenn die Haushaltsgeräte 10 Jahre durchhalten. Reparaturen lohnen sich zumindest finanziell eher selten, dabei wäre das so gut für den Planeten, wenn es umgekehrt wäre. Ich hoffe inständig, dass sich hier etwas Grundlegendes ändert nach der Coronakatastrophe.

Aber ich schweife vom Thema ab. Entschleunigung.

Wir haben erstaunlich wenig ändern müssen. Kein rumstehen mit dem Auto in der Rush Hour mehr. Ich gehe zu Fuß zum einkaufen. Zum Pferd darf ich noch immer, wenn auch unter strengen Auflagen. Ich koche mehr, auch weil ich die Zeit habe, weil die Heimfahrt wegfällt. Und wir haben jetzt schon den zweiten echten Lazy Sunday erlebt, an dem wir uns mal in den Garten setzen konnten. Dafür blieb sonst nur wenig Zeit.

Das sind Aspekte, die ich gerade sehr genieße. Aber mir ist auch bewusst, wie privilegiert wir hier sind, dass wir überhaupt einen kleinen Garten haben, eine glückliche Ehe führen, finanziell ein kleines Polsterchen haben, das Haus groß genug ist, dass sich jeder zurückziehen kann. Ich persönlich könnte es also noch eine ganze Weile mit dieser Ausgangsbeschränkung aushalten.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes

Themen: Corona | Sonnenstrahl | Meine Sonderanfertigung Florian | Conventions | Blick in die Vergangenheit | Pferde/Reiten | Traumhaus | 1001 Steine | Urlaub
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Freitag, 3. April 2020 17:01

Austeritätspolitik tötet

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Die Austeritätspolitik der EU hat unseren südlichen Mitgliedsstaaten sehr geschadet. Die Sparzwänge haben zu einer deutlichen Verschlechterung der Sozialsysteme geführt, allen voran das heute in der Coronakrise so benötigte Gesundheitssystem. Italien und Spanien haben viel weniger Intensivbetten als Deutschland pro 100.000 Einwohner. Nun rächt sich das und Menschen müssen sterben, weil die Kapazitäten nicht ausreichen, um die vielen COVID-19-Patienten zu beatmen.

In New York sterben ebenso hunderte von Menschen, dort hat das Gesundheitssystem andere Schwächen. Solidarität wird in den USA gerne als Kommunismus missverstanden. Egoismus ist dort eine Tugend. First come, first serve! Wer zu spät kommt, bekommt kein Klopapier mehr. Es herrscht das Recht des Stärkeren, und das ist meist derjenige, der auch mehr Geld hat. Mit Sorge beobachte ich, dass sich die Amis derzeit mit Waffen eindecken. Wo soll das noch hinführen?

Kehren wir nach Europa zurück, wo der Staat etwas stärker ist und das auch nicht als Einschränkung der Freiheit verstanden wird (außer vielleicht im Moment). Mein Geschichtslehrer hat mal gesagt, dass Staaten eigentlich unbegrenzt Schulden machen könnten (außer sie machen den Fehler, die Hoheit über das Finanzsystem in private Hand zu geben). Und dass sie dies in konjunkturschwachen Zeiten auch tun, um die Wirtschaft anzukurbeln. Und in konjunkturstärkeren Zeiten tragen sie die Schulden eben wieder etwas ab durch erhöhte Steuereinnahmen. Und wenn Staaten mal ihre Schulden nicht bezahlen können, dann werden sie eben erlassen. So zumindest hatte ich es in Erinnerung.

Ich kann mich nicht erinnern, davon jemals gehört zu haben, dass irgendeinem Staat die Schulden erlassen worden wären. Davon kann Argentinien ein Lied singen. Statt dessen wurde unserem europäischen Süden durch die Troika der Sparzwang auferlegt. Die Folge waren hohe Arbeitslosigkeit insbesondere bei der Jugend. Und wie wir jetzt bitter sehen können, das kaputtgesparte Gesundheitssystem.

Dabei ging es unseren europäischen Nachbarn im Süden schon immer etwas schlechter als dem Norden. Aber vor der Euro-Einführung gab es noch die Möglichkeit der Geldabwertung und Anpassung des Wechselkurses. Diese Möglichkeit gibt es mit dem Euro nicht mehr.

Ich frage mich, welche Schlüsse die Politik in Zukunft, auf Bundes- und auf EU-Ebene ziehen wird. Wird man einsehen, was für ein fataler Fehler diese Sparpolitik war? Wird man einsehen, dass Menschenleben mehr Wert sind als irgendwelche Einsparungen?

Ich würde mir wünschen, dass die UN-Menschenrechtscharta nicht nur eine Sammlung von Bestimmungen und Absichtserklärungen wäre, sondern so eine Art Verfassung für die gesamte Menschheit, für jeden einzelnen Staat auf diesem Planeten. Und wer sich nicht für die Grundrechte der Menschen in seinem Land einsetzt, wird mit wirtschaftlichen Sanktionen bestraft, wobei Lebensmittel und Medizin aber ausgenommen sein müssen, siehe Menschenrechte.

Man wird doch noch träumen dürfen.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates

NachDenkSeiten (01.08.2020): Weshalb Großbritanniens Leiden an Covid ein Menschheitsverbrechen ist

Themen: Corona | Blick in die Vergangenheit
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Sonntag, 29. März 2020 17:01

Wirtschaft vs. Menschenleben

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Der Shutdown ist für unsere Wirtschaft eine absolute Katastrophe, obwohl er in Deutschland noch relativ milde praktiziert wird, nicht so wie in einem totalitären Staat wie China. Die Arbeitslosenzahl geht sprunghaft in die Höhe. Dafür haben sich die Arbeitsämter gewappnet, indem die Bedarfsprüfung vorläufig nach hinten verschoben wurde, um der Flut der Anträge erst einmal Herr zu werden und schnell Gelder fließen lassen zu können. Und es wird auch viele Insolvenzen geben, insbesondere bei den kleinen Betrieben und Selbständigen, die es jetzt als erstes trifft. Es ist eine Katastrophe!

Aber der Preis dafür, den Virus nicht durch diese harten Maßnahmen eindämmen zu wollen, damit die Wirtschaft keinen so großen Schaden nimmt, wäre in meinen Augen zu hoch. Denn dem Virus einfach seiner Natur gemäß freien Lauf zu lassen, würde 100.000den, wenn nicht sogar Millionen Menschenleben fordern. Mein moralischer Kompass sagt mir, dass das falsch wäre. Und wenn sogar Leute wie Boris Mr. Brexit Johnson oder Donald Dump Trump sowas einsehen und nicht mehr von Herdenimmunität faseln, die zu einer humanitären Katastrophe undenkbaren Ausmaßes führen würde, und sogar 1000-Dollar-Checks regnen lassen wollen... Würde sich das neue Coronavirus ungebremst ausbreiten, würde auch das einen immensen wirtschaftlichen Schaden nach sich ziehen. Um den kommen wir also gar nicht herum.

Der Turbokapitalismus und seine Globalisierung gepeitscht durch das Kredo des Neoliberalismus hat zu einem weltweiten Wirtschaftssystem geführt, das im Diktat der Gewinnmaximierung und Kostenoptimierung nichts anderes wurde als ein weltumspannendes, auf Kante genähtes Luftschloss. Dieses Kartenhaus wurde jetzt zum Einsturz gebracht. Und ich bin überzeugt, dass dies in absehbarer Zeit auch so passiert wäre. Der neue Coronavirus war hier nur ein Brandbeschleuniger.

Wir haben also die Wahl zwischen einer schlimmen wirtschaftlichen Katastrophe mit einer abgemilderten humanitären Katastrophe oder zwischen einer abgemilderten wirschaftlichen Katastrophe mit einer schlimmen humanitären Katastrophe. Aber die Katastrophe wird so oder so kommen.

Menschenleben retten hat für mich oberste Priorität!

Weil unser Staat seit Jahrzehnten auch diesem neoliberalem Kredo folgt, gleich welcher Parteifarbe, wurde unser Gesundheitssystem kaputtgespart. Das fliegt und jetzt sowas von um die Ohren. Trotz aller Anstrengungen, sich jetzt noch auf die zu erwartende Flut von COVID-19-Patienten zu wappnen, fehlt es an Material, an Beatmungsgeräten, an Pflegepersonal. Es ist zum Kotzen! Das bedeutet, dass wir sehr, sehr, sehr viele Tote zu beklagen haben werden, egal, was wir jetzt noch unternehmen. Aber jedes Leben, das wir durch geeignete Maßnahmen retten können, ist ein Gewinn für unsere Gesellschaft, für unsere Herzen, für unsere Zukunft!

Die Wirtschaft wird das überleben. Sie wird sich erholen. Es wird ähnlich sein, wie nach einem Krieg. Die Leute streben nach Normalität, mutige Menschen werden wieder Geschäfte eröffnen, es wird wieder aufwärts gehen. Vielleicht spricht man eines Tags vom zweiten Wirtschaftswunder.

Das beginnt ja schon jetzt, bevor uns der Tsunami in Zeitlupe trifft. Menschen nähen Atemmasken und verkaufen sie über etsy. Brauereien stellen plötzlich Desinfektionsmittel her. Firmen, die vorher etwas anderes hergestellt haben, produzieren plötzlich medizinische Atemschutzmasken oder (Teile von) Beatmungsgeräten. So flexibel und leistungsfähig ist unsere Realwirtschaft. Ich bin nur noch am Staunen, was alles möglich ist!

Um was es nicht schade wäre: Das unsägliche Finanzsystem, bei dem sich einige wenige Egomanen die Taschen voll stopfen. Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich kotzen möchte!

Für mich ist das Finanz- und Bankensystem eine riesige, zum Platzen vollgesaugte Zecke, die sich an der Realwirtschaft festgebissen hat. Und vielleicht ist jetzt der Augenblick gekommen, an dem diese Zecke endlich platzt. Ich würde ihr keine Träne hinterherweinen.

Also durchhalten! Nach Regen folgt immer Sonnenschein. Und hey, wir haben Strom, Wasser, Internet! Immer das Positive sehen!

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Updates

Tagesspiegel (01.05.2020): Schwedens Wirtschaft leidet auch ohne Lockdown, vermutlich weil Menschen wegen der ungewissen Zukunft sich beim Konsum stark zurückhalten

Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (13.05.2020): Studie mit dem ifo Institut "Gemeinsame Studie berechnet gesundheitliche und wirtschaftliche Szenarien zur Lockerung der pandemiebedingten Beschränkungen"

Telepolis (27.05.2020): Zwischen Pest und Cholera

Süddeutsche (20.06.2020): Corona-Schäden: Wo es der Wirtschaft besonders wehtut

Telepolis (13.07.2020): Wirtschaftliche Auswirkungen der Corona-Lockdowns (Meiner Meinung nach wird die Krankheit hier aber verharmlost.)

Spiegel (23.07.2020): GfK-Konsumbarometer steigt deutlich - Verbraucher lassen Corona-Schock hinter sich - die Wirtschaft wird sich wieder erholen

Zeit (30.07.2020): Deutsche Konjunktur bricht um 10,1 Prozent ein

Zeit (30.07.2020): US-Wirtschaft schrumpft um 32,9 Prozent

Heise (31.07.2020): Corona-Krise: Drastischer Konjunktureinbruch in der Eurozone

Süddeutsche (31.07.2020): Wirtschaftszahlen für Deutschland sind katastrophal, dennoch besteht Hoffnung

Telepolis - Kommentar von Sikkimoto (01.08.2020): Dolchstoßlegende: Die Wirtschaft hing auch vor Corona schon an seidenem Faden. Dass der Corona-Shutdown die Wirtschaft abwürgt, lenkt von dem tatsächlichen Versagen des neoliberalen Wirtschaftssystems / des Turbokapitalismus ab.

Telepolis - Kommentar von Artur_B (01.08.2020): Keynesianismus gefragt: In Infrastruktur, erneuerbare Energie und sozialen Wohnungsbau investieren!

Telepolis (08.08.2020): Covid-19 und Lockdown: Was war Regierungen die Rettung von Menschenleben wert? Studie von Britischen Ökonomen von der University of Exeter Business School: theoretisch wurden in Deutschland bis zu 540.000 Menschenleben gerettet, Hinauszögern des Lockdowns in Großbritannien hat viele Menschenleben gekostet

Thema: Corona
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Sonntag, 29. März 2020 10:25

Die Wahrheit

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Mit der Wahrheit ist das so eine Sache. Was ist die Wahrheit eigentlich? Ein Abbild von der Realität? Können wir die Realität überhaupt erfassen? Die Wahrheit ist, wir können es nicht. Das wussten schon die alten Philosophen.

Heute verbreiten sich Nachrichten, Wissen, Halbwissen und Falschinformationen in Echtzeit über den Globus. Es gibt eine Informationsflut, die kein Mensch in seiner Fülle erfassen kann. Auch kein superintelligenter Wissenschaftler. Selbst wenn man 24 Stunden am Tag Nachrichten schauen oder lesen würde, wüsste man die Wahrheit trotzdem nicht.

Das liegt zum einen auch daran, dass wir nur Zugang zu Informationen haben, die wir verstehen. Bei mir ist das Deutsch und Englisch, notfalls auch etwas Französisch und Holländisch. Die am meisten auf diesem Planeten gesprochenen Sprachen Chinesisch (Mandarin), Spanisch, Hindi und Arabisch verstehe ich nicht. Englisch steht auf Platz drei, soviel ich weiß.

Und dann ist es leider so, dass wir dazu neigen, Informationen eher zu glauben, die eher in unser bereits vorhandenes Weltbild passen. Dass dieses grundeigene Weltbild aber kein Abbild der Realität ist, müsste eigentlich jedem vernünfitgen Menschen klar sein. Nur leider ist diese Vernunft nicht so weit verbreitet, wie es wünschenswert wäre.

Dann kommt hinzu: Woher haben Journalisten ihre Informationen? Aber darüber möchte ich gar nicht spekulieren. Nur weiß ich, dass die Pressefreiheit und der Schutz von Whistleblowern ein unendlich kostbares Gut ist, um das die Menschheit auch nach der Coronakrise weiter kämpfen muss.

Und was passiert, wenn sich die Realität sekündlich ändert? Welchen Wert hat dann ein Zeitungsartikel, selbst wenn er online ist und nicht gedruckt am nächsten Tag erscheint? Wenn da steht "In Hintertupfing gibt es 53 Infizierte." Dann ist der Satz schon in dem Moment falsch, in dem er geschrieben wurde. Denn die Wahrscheinlichkeit ist doch, dass es noch mehr Infizierte gibt, die sogenannte Dunkelziffer. Und da nicht alle Personenn in Hintertupfing getestet wurden (gleichzeitig getestet werden können) und die Tests auch einen gewissen Grad der Ungenauigkeit haben, müsste der Satz eigentlich lauten "In Hintertupfing sind derzeit (Datum, Uhrzeit) 53 Personen positiv auf Corona getestet worden, die wahrscheinliche Zahl der Infizierten liegt jedoch darüber, aber niemand weiß, wieviele das tatsächlich sind." Solche Spaghetti-Sätze will man nicht lesen. Das würde alles nur noch mehr verkomplizieren.

Die Wahrheit ist: Da rollte gerade ein Tsunami über uns hinweg in Form eines sich rasant schnell ausbreitenden Virus, von dem wir fast noch nichts wissen, dem wir bloß noch hinterherhinken und zu spät reagieren können und was da genau passiert ist, werden wir erst in Zukunft rückblickend wissen.

Und damit müssen wir im Augenblick leben.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


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Telepolis (28.05.2020): Wer die Bekämpfung von "Fake-News" finanziert

Telepolis (06.06.2020): Wissen, glauben, zweifeln, hoffen - Wissenschaftler können irren, aber sie können auch Recht haben - Abschied von der Illusion einer begreiflichen Welt

Thema: Corona
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Freitag, 27. März 2020 17:52

Pandemie - Andreas Eschbach

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Nein, keine Buchrezession. Denn diesen Roman gibt es gar nicht. Aber ich fühle mich gerade so, als würde ich inmitten dieses Romans leben. Andreas Eschbach hat schonmal eine disruptive Situation beschrieben, die die Weltordnung geändert hat. Zum Beispiel in "Ausgebrannt" (Link geht zum Drachenwinkel, meine Lieblingsbuchhandlung, weil Amazing ja gerade keine Bücher liefert). Da spielt er durch, was passieren könnte, wenn das Erdöl ausgeht. Und man mal nicht eben nach USA fliegen kann. Und das Plastikgeschirr plötzlich das gute Geschirr ist.

Oder "Eine Billion Dollar", wo er erklärt, dass Geld nicht arbeitet. Meiner Meinung nach sollte das Pflichtlektüre für jeden BWL-Studenten sein. Vielleicht wechseln sie dann und studieren doch was sinnvolles.

Jetzt erleben wir jedenfalls gerade so eine disruptive Zeit. Die wenigstens von uns hätten sich das wohl vorstellen können, dass soetwas jemals passieren könnte. Ich hatte vor wenigen Tagen auch noch gehofft, dass sich die Pandemie aufhalten lassen könnte, schließlich hat man das bei SARS und MERS auch geschafft. Oder dass es vielleicht gar nicht so schlimm ist wie befürchtet, wie die Schweinegrippe.

Aber das ist jetzt unsere neue Realität. Eine unsichtbare Gefahr, die uns eine Heidenangst macht. Aber statistisch betrachtet, ist unser individuelles Risiko sehr gering. Die spanische Grippe hat die Menschheit auch nicht ausgerottet (zwischen 0,015 und 0,03% der Weltbevölkerung sind schätzungsweise daran gestorben). Genausowenig wird es der neue Coronavirus tun. Wir werden uns daran gewöhnen (müssen), genau wie an die Radioaktivität von Tschernobyl und Fukushima, den Krebs und die Autounfälle. Das hat uns auch nicht daran gehindert weiterzuleben.

Ich war in den letzten Tagen etwas in Panik. Vielleicht habe ich zu viel Walking Dead geschaut. Aber ich habe mich irgendwie gefühlt, wie Prinzessin Lea in dem Augenblick, als der Todesstern Alderaan zerstört hat. Aber jetzt geht es mir wieder besser. Auch, weil ich meine Gedanken einfach in meinen Blog klopfen kann. Ich hoffe, euch geht es auch wieder besser! Dann brechen wir mal auf in eine neue Welt nach Corona :)

Everything's going to be okay!
Carl Grimes

Themen: Corona | Bücher | Star Wars | Zombies | Andreas Eschbach
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Donnerstag, 26. März 2020 19:43

Warum der Abstand so wichtig ist

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Wo man hinschaut herrscht Verunsicherung. Man weiß ja auch gar nicht mehr, was wahr ist und was nicht. Es fängt ja schon damit an, dass die offiziellen Zahlen eine hohe Fehlerquote aufweisen, einerseits, weil die Meldungen der Fälle sich eben verzögern (z.B. weil Wochenende ist und die Gesundheitsämter nix melden, andererseits weil Fälle auch noch per Fax gemeldet werden *kopfklatsch*), andererseits weil es auch so eine Dunkelziffer in unbekannter Höhe gibt, weil nicht alle Menschen gleichzeitig getestet werden (können) und die Ergebnisse der Tests ebenfalls Tage brauchen. Da haben wir wohl in Sachen Digitalisierung geschlafen. In Wirklichkeit sind die Zahlen also sehr viel höher. Das kann ganz schön Angst machen.

Was mich gerade sehr traurig macht: Es trifft die Ärmsten und Schwächsten zuerst und am schlimmsten. Menschen in Kriegsgebieten, Flüchtlinge, Obdachlose, Menschen in Ländern mit viel schlechterem Gesundheitswesen als bei uns. Und das weltweit! Es ist so furchtbar!

Wenn mich die Coronakrise erwischt hätte, als ich damals alleinerziehend war, als am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig war, hätte ich dann auch heulend vor dem leergekauften Windelregal gestanden? Wie lange hätte ich das durchgehalten?

Und Freunde, die schon vorher depressiv waren, haben es auch sehr viel schwerer als Menschen wie ich, die chronisch optimistisch sind und in allem immer die positiven Seiten suchen (und auch finden).

Wie geht es mit meiner Reitschule weiter? Mit meinen Lieblingslokalen? Mit meinen Freunden, die selbständig sind? Kann ihnen das massive Geldverteilungssystem, das da gerade aus dem Boden gestampft wurde, irgendwie über die Krise helfen? Wir wissen es nicht.

Aber in der Krise offenbart sich der Charakter. Es gibt Menschen, die sich als Egoisten entlarven. Aber es gibt auch Empathen, die für andere Menschen da sind. Es gründen sich Nachbarschaftshilfen oder auch in der Reitschule gibt es viele Reitschüler, die zwar gerade nicht zu den Pferden dürfen, die aber versuchen, so gut es geht finanziell zu helfen.

Und jeder sucht wohl ein Stück der Normalität, die plötzlich irgendwie verschwunden ist. Nichts ist mehr so, wie es war. Kein Stein mehr auf dem anderen. Alles wird in den nächsten Wochen und Monaten neu geordnet werden. Die Einschränkungen, die wir gerade erfahren, sind notwendig, um tausende Menschenleben zu retten. Um Zeit zu gewinnen, damit

  • viel mehr Menschen getestet werden können.
  • bereits vorhandene Medikamente, die aber gegen diesen neuen Coronavirus helfen, gefunden und sofort angewendet werden können.
  • die Krankenhäuser ihre Kapazität erhöhen können und mehr Menschen das Leben retten können.
  • mehr Beatmungsgeräte, medizinische Atemschutzmasken, Desinfektionsmittel und Gummihandschuhe (besteht da auch schon ein Mangel?) hergestellt und verteilt werden können.
  • damit neue Medikamente gefunden werden können, die gegen diesen neuen Coronavirus helfen.
  • zu guter Letzt damit ein Impfstoff gegen diesen neuen Coronavirus gefunden, produziert und verteilt werden kann.

Diese Themen werden uns noch lange beschäftigen und uns auch vorübergehend einen Teil unserer Freiheitsrechte rauben. Aber die bekommen wir wieder zurück. Und wenn nicht, werden wir sie uns zurückholen!

Wie immer gibt es aber nicht nur Verlierer, sondern auch Gewinner. Eine Freundin kann sich gerade kaum vor Online-Aufträgen retten, da viele Lokale auf Liefer- und Abholbetrieb umstellen und auch Kleinbetriebe nun vermehrt Werbung schalten. Die Laufkundschaft ist weg, jetzt muss beworben werden. Das war mir schon in meiner Facebook-Filterblase aufgefallen. Ich glaube, dass alle, die in der IT- und Internet-Branche arbeiten, in Zukunft bessere Karten haben. Weil die Coronakrise uns auch eins deutlich vor Augen führt: Die Digitalisierung darf man nicht verschlafen!

Das alles ist natürlich nur meine persönliche Wahrnehmung ;-) Darf alles nachgegugelt werden.

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


Update Sonntag, 3. Mai 2020:

Ein weiteres Ziel möcht ich hinzufügen: Die Durchseuchung der Bevölkerung bis zu 60-70%, damit eine natürliche Herdenimmunität erreicht wird, sollte dies schneller erfolgen als die Verfügbarkeit eines Impfstoffes.

Themen: Corona | Pferde/Reiten
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Sonntag, 22. März 2020 14:56

Corona-Soforthilfen vom Staat

Am Ende wird alles gut... und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.
Oscar Wilde

Wie ich die letzten beiden Wochen erlebt habe. Es war beängstigend, als in der Firma plötzlich alle ins Homeoffice geschickt wurden. Und die Salz- und Pfefferstreuer in der Kantine weggeräumt wurden, die hälfte der Stühle weggestellt und man sein Tablett mit Besteck und Serviette ausgehändigt bekam, weil wir nicht mehr selbst in die Besteckkästen greifen durften. Seit ein paar Tagen ist die Kantine komplett geschlossen, es gibt nicht mal mehr To-Go-Speisen. Was passiert da gerade?

Homeoffice war irgendwie komisch. Jetzt komme ich an kein Fax mehr. Und die Post? Ich brauche dringend Unterlagen von Behörden für meine Firma. Was mache ich denn jetzt? Vorsichtig frage ich nach und erhalte die Antwort, das die Beantragung nun auch per Mail geht. Ich muss nicht mehr persönlich im Amt antanzen. Wurde die Bürokratie abgeschafft?

Am Donnerstag hatte ich schon Probleme zu wissen, welcher Wochentag ist. Unsere IT hat Höchstleistung vollbracht. Ohne Pilotphase wurde ein zweites Einwahlsystem ausgerollt, damit unser Netzwerk der Belastung standhält, wenn plötzlich alle vom Homeoffice aus arbeiten. Der Wahnsinn!

Ich musste mich auch zu Hause umstellen. Nachdem meine Familie plötzlich nicht mehr unterwegs ist, brauche ich deutlich mehr Nahrungsmittel. Früher habe ich einen großen Wochenendeinkauf am Freitag nachmittag gemacht und bin noch einmal zu einem anderen Supermarkt gefahren, um noch ein paar Kleinigkeiten zu holen. Jetzt gehe ich alle zwei Tage mit dem Bollerwagen zu Fuß und hoffe, dass ich die wenigen Sachen bekomme, die auf dem Einkaufszettel stehen. Die Regale mit Klopapier sind seit Tagen komplett leer, aber darüber und über Panikmacher macht sich kaum noch jemand lustig. Es ist auch nicht lustig.

Ich stehe eine halbe Stunde später auf, weil ich nicht mehr ins Büro fahren muss. Das tut irgendwie gut. Mittags kümmere ich mich dann um den Einkauf oder andere Dinge, die schon ewig liegengeblieben sind. Und abends koche ich. Die Familie sitzt gemeinsam am Tisch und wir beschließen, ein paar Hygieneregeln aufzustellen. Wer das Haus verlässt, soll seine Temperatur messen und in eine Liste eintragen. Wer Fieber hätte, soll das Haus nicht mehr verlassen. Hände waschen ist Pflicht, wer heim kommt, muss ebenso sofort Hände waschen. Alle Türklinken und Lichtschalter habe ich mal geputzt, macht man sonst ja nie. Und unsere Tastaturen, Mäuse und Handys haben wir sogar desinfiziert.

Am Freitag kam dann die Ausgangsbeschränkung, die Ministerpräsident Markus Söder 12.30 Uhr im Radio verkündet hat. Er hat großen Gegenwind von anderen Politikern, aber in meiner Facebook-Filterblase liest es sich, als hätte die vorgezogene Ausgangsbeschränkung Rückendeckung vom Großteil der Bevölkerung. Auch ich denke, dass diese schwere Entscheidung das einzig richtige ist, denn um das Virus aufzuhalten, das man ebenso wie Radioaktivität weder riechen, sehen, noch schmecken kann, müssen die größtmöglichen Vorkehrungen getroffen werden. Und zwar jetzt, weil jeder Tag zählt.

Ich habe Angst. Wir haben alle Angst. Aber ich glaube, dass die Regierung (und ich war bestimmt immer ein Kritiker, insbesondere der CSU) alles nur Mögliche tun wird, um die harten Auswirkungen auf die Bevölkerung so gering wie möglich zu halten. Es gibt schon konkrete Hilfsangebote, die aus dem Boden gestampft wurden:

Ich bin beeindruckt. Holen Sie sich die Hilfe, die Ihnen zusteht. Und immer daran denken: Das ist alles nur vorübergehend. Gemeinsam schaffen wir das!

Everything's going to be okay!
Carl Grimes


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Spiegel (19.04.2020): Warum der Staat plötzlich so viel Geld ausgibt

Heise (07.05.2020): Corona-Konjunkturpakete müssen grün und digital sein

Tagesspiegel (07.06.2020): Bund fürchtet großen Corona-Betrug in Berlin - für Kulturschaffende und andere Selbstständige sind keine effektiven Hilfen im Paket enthalten

Thema: Corona
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Montag, 16. März 2020 21:40

Coronavirus - Den Schuss nicht gehört

Ich bin irgendwie entsetzt. Klopapier und Nudeln kaufen sie alle, aber trotz Schulschließung treffen sich die Leute mit ihren Kindern am Spielplatz und feiern Coronapartys. Anders kann ich mir das nicht erklären.

Leute, wenn ihr auf das "Bitte, meidet Kontakte und wascht eure Hände" nicht hört, dann werden wir in ein paar Tagen den nächsten Schritt des Katastrophenplans zu spüren bekommen, nämlich die totale Ausgangssperre. Aber euch ist der Ernst der Lage wohl noch nicht bewusst. Wenn ihr so weiter macht, dann wird unser kaputtgespartes Gesundheitssystem völlig zusammenbrechen! Es gibt nicht genug Beatmungsgeräte für alle!

Mit den Viren ist es wie mit Radioaktivität. Hört, riecht, schmeckt man nicht, die Gefahr…

Themen: News | Corona
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09.01.2012 13:04 Clicks: 1230348

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