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Mein Blog-ArchivMittwoch, 29. Juli 2026 19:23LöwenmutterAm Wochenende im Legoland habe ich mal wieder gemerkt, dass ich Kinder nur sehr schlecht weinen lassen kann. Meine Jungs haben von mir nie Sätze wie "Ein Indianer kennt keinen Schmerz" gehört. Vielmehr war ich entsetzt, weil eine Freundin nichtmal ihre Töchter in den Arm nahm, wenn diese sich weggetan hatten und weinten. Mir war bereits in der Grundschule klar, dass ich eines Tages Mutter werden wollte. Ich war fasziniert von Schwangerschaft und Geburt. Allerdings hatte ich noch die seltsame Vorstellung, dass frau nur S*x haben wollen würde, wenn auch der Wunsch nach einem Kind bestand. Als Teenager war ich größtenteils klug genug zu verhüten, weil es nicht der richtige Zeitpunkt war. Aber mit Anfang 20 abonnierte ich die Zeitschrift "Eltern" und wartete zunächst auf einen hoffentlich richtigen Partner und dann nur noch auf den richtigen Zeitpunkt. Als ich mit 27 dann schwanger wurde, war meine Mama sehr überrascht, weil sie gedacht hatte, dass ich mit meinen vielen Hobbies und dem eigenen Pferd davon noch weit entfernt sein würde. Anfangs empfand ich meinen Erstgeborenen auch als Eindringling in mein Leben, auch weil er eine intensive Betreuung benötigte. Er kam drei Monate zu früh auf die Welt. 33 cm kurz, 925 g leicht, kämpfte er sich ins Leben. Niemand konnte mir sagen, wie er sich entwickeln würde, schon gar nicht nach einer Hirnblutung Stufe III. Aber ich habe nie aufgegeben, alle Angebote wahrgenommen, die mir mein damaliger Kinderarzt aufzeigte, und so kam der Kleine nicht nur normal in die Schule, sondern ist heute auch im Beruf ein geschätzter Kollege. Meine Mama nannte mich deshalb "Löwenmutter". Da ich nicht wollte, dass er alleine aufwuchs, folgte nach knapp zwei Jahren Sohn Nummer zwei. Ich konnte mir den Luxus leisten, über vier Jahre in Erziehungsurlaub zu gehen, wie das damals hieß. Und von da ab waren meine beiden Jungs meine größten Hobbys. Es war nicht immer leicht, weil ich seit der zweiten Schwangerschaft auch alleinerziehend war. Ich hatte immer Fokus darauf gelegt, dass sich die Jungs entfalten und eigenständig werden sollten. Angebote habe ich eine Menge unterbreitet: Ponyreiten, Star Trek und andere Fantastik, Gitarre und E-Klavier spielen, Schach... Man weiß nie, welche Saat aufgeht. Ich hatte immer die Prämisse, dass meine Jungs nicht auf diesem Planeten sind, um meine Erwartungen zu erfüllen. Deshalb hing auch das Gedicht "Eure Kinder sind nicht eure Kinder" von Khalil Gibran im Flur, um mich stets daran zu erinnern. Man kann auch nicht alles Schlechte von den Kindern fernhalten und ich habe auch ganz sicher nicht alles richtig gemacht, aber größtenteils wohl doch. Kind zwei hatte zwar in der dritten Klasse Gitarrenunterricht - ein Spitzenangebot der Grundschule, noch dazu gratis -, aber er hatte hingeworfen und erst Jahre später mit Youtube-Videos Gitarrespielen weiter geübt. Es gab eine Zeit, da trudelten ständig Thomann-Pakete in charakteristischer Form bei uns ein. Die Gitarren, E-Gitarre und das Banjo hingen dann an speziellen Haken über seinem Bett. Eine Zeit lang hatte er auch Interesse am Filmdreh und Special Effects (Blender), aber dann studierte er doch Informatik, statt in die Medien- und Filmschule in München zu gehen. Ich mache gerne den Witz, dass er nahtlos von der Trotzphase in die Pubertät übergegangen sei. Aber um ihn musste ich mir nie Sorgen machen. Er ging einfach seinen Weg. Mittlerweile ist er auch ausgezogen. Mein Erstgeborener dagegen benötigte etwas mehr Hilfe. Nach der Schule musst er erst das eine oder andere ausprobieren, bevor er seinen Weg nach ein paar Jahren zick-zack fand. Als Leseratte mit eigenem Ohrensessel fühlte er sich schließlich in der Bibliothek am wohlsten und ist mit dem Beruf sehr glücklich und zufrieden. Und vor einem etwaigen Empty Nest Syndrom habe ich auch keine Angst. Meine Hobbys sind nach und nach wieder stärker in den Vordergrund geraten. Insgesamt bin ich aber sehr glücklich darüber, dass ich vom falschen Mann zwei wunderbare Kinder bekommen habe. Ein großes Lebensziel war somit erreicht.
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