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Sandra's Blog-Archiv

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Freitag, 3. April 2026 20:52

Wen interessiert schon Content?

Als ich mit dem Internet angefangen habe, gab es noch die CDs von AOL als Zeitschriftenbeilage, mit denen man für ein paar Stunden kostenlos ins Internet konnte. Content war rar. Und ich habe damals einen Schock bekommen, als ich eine Telefonrechnung von 120 Mark bekommen habe, weil ich in "The Bridge" mit unbekannten Trekkies aus den USA gechattet hatte. Aber je mehr es zu sehen gab, desto begeisterter wurde ich. Jetzt musste ich nicht mehr diese blöden Überweisungsträger händisch ausfüllen und zur Bank tragen, sondern konnte das bequem von zu Hause aus mit BTX machen.

Dann kam Gugl und ich brauchte nicht mehr URLs in die Adressleiste tippen, sondern fand tatsächlich Seiten. Hin und wieder auch mit fragwürdigem Content wie von Kreationisten, aber immerhin mühsam zusammengestellten Content von echten Menschen. Eine Welt öffnete sich für mich. Nur meine ICQ-Nummer wusste ich nie auswendig.

1998 erstellte ich meine erste eigene kleine Website und machte den Kardinalfehler, dass ich Fotos von meinen Jungs online stellte. Mit eBay lernte ich dann HTML. Über den Stammtisch lernte ich Florian kennen und das Internet ermöglichte es uns eigentlich erst, uns näher kennenzulernen, weil wir uns nächtelang Mails schrieben.

Florian zeigte mir dann noch PHP, MySQL und CSS. Ich werde ihm nie das Wasser reichen können und bringe ihn mit meinen Warnmeldungen, die seine Logfiles zuspammen, zur Verzweiflung... Ich programmierte meinen Blog, ein Gästebuch, eine Kommentarfunktion und sogar ein Kondolenzbuch für Bruno, den Bären, mit dem ich es sogar mal in die Süddeutsche Zeitung (online-Version) geschafft hatte.

Damals konnte ich noch Gugl-Suchergebnisse beeinflussen. Ein Freund von uns war geknickt, weil er mit seinem Namen mit dem Xing-Profil nicht auf Platz 1 der Gugl-Suche erschien, sondern nur auf Platz 2. Also verlinkten Florian und ich ihn mit eben diesem Namen und kurz darauf war er auf Platz 1. Das können wir heute knicken.

Ich habe tätglich einige Blogs verfolgt, seltsame Menschen kennengelernt und parasoziale Beziehungen gepflegt. Aber es war überschaubar. Und vor allen Dingen kannte ich die Leute nicht im Real Life. Irgendwie war das aber auch strange.

Als die Social Media aufkamen, allen voran Fatzebuck, mussten wir uns aus Gruppenzwang dort anmelden, weil viele Mitglieder von unserem Stammtisch die Einladung lieber über dieses Netzwerk erhalten wollten, statt per Mail. Und wir erfuhren plötzlich Dinge. Von Menschen. Die wir im Real Life tatäschlich kannten. Die woanders wohnten. Ohne mit jemandem telefonieren zu müssen. Wie geil war das bitte?

Damals verlernten die Menschen allerdings bereits selbst zu recherchieren. Statt dessen wurden Fragen irgendwo gepostet und es gab eine Fülle mehr oder weniger kompetenter Antworten. Der Sinn dessen hat sich mir nie so richtig erschlossen.

Je mehr Werbung eingeblendet wurde, desto mehr nervte Fatzebook & Co.. Durch das Infinity-Scrolling war ich eigentlich nie fertig, weshalb ich mir dann Benachrichtigungen von wichtigen Personen einrichtete, damit ich nur noch deren Content anschauen brauchte, um informiert zu bleiben. Die kann ich jetzt aber nicht mehr ändern, so dass ich über den Content von Leuten informiert werde, der mich vor gefühlt 10 Jahren mal interessiert hat. Ich bin auf den Freunde-Feed umgestiegen, aber es werden nur noch Memes und Fotos geteilt, die ich schon in Instagram gesehen habe. Sobald ich auch nur ansatzweise genervt bin, schließe ich den Tab und öffne ihn für den Rest des Tages nicht mehr. Wo ist der Content geblieben?

Dann kam KI. Dass sich das Zeug "Intelligenz" nennt, ist ein Marketingtrick. Es imitiert höchstens. Nach anfänglichem Herumspielen auch mit den Bildgeneratoren verlor ich schnell das Interesse. Jetzt gugeln die Leute nicht mal mehr, sondern fragen ChatGPT (Generated Plausible Trash) und hinterfragen das Ergebnis kaum. Und auch nicht, dass sie damit einen Haufen Energie verbrauchen, obwohl es eine schlichte Gugl-Suche auch klimafreundlicher getan hätte. Ich bin ziemlich sicher, dass es eine Blase ist und sobald die "Investoren" einen "Return of Investment" haben wollen, werden wir entweder für den Shice zahlen müssen, oder wir werden mit Werbung zugek*ckt.

Wenn ich heute blogge, denke ich mir oft: "Das liest eh keiner." Wer interessiert sich schon für Content? Es wird geliked und geteilt, ohne sich mit dem Inhalt zu beschäftigen. Gefällt? Passt schon! Und weiter. Die Aufmerksamkeitsspanne der Menschen wird immer kürzer, die Informationsflut, die sie bewältigen müssen, immer größer.

Wenn ich heute blogge, denke ich, dass ich hiermit nur eine KI trainiere. Aber lieber mit meinem Content, dann werden die KIs linksgrünversifft. Langsam wird immer weniger Content von echten Menschen hergestellt, es gibt immer weniger Qualität und immer mehr KI-Slop, der die Kanäle verstopft und die Aufmerksamkeit der Menschen bindet. Wo wird das hinführen? Zu Idiocracy? Oder unterhalten sich in Zukunft im Internet nur noch Bots mit Bots?

Social Media, Werbung und KI haben irgendwie das Internet kaputt gemacht. Das Internet ist zu einer Müllhalde verkommen.

Themen: Computer und Internet | Meine Sonderanfertigung Florian
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09.01.2012 13:04 Clicks: 3341266

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