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Mein Blog-ArchivThema: Interessen/Quantentheorie
Samstag, 30. Mai 2026 21:44QuantentheorieIch hatte beim WTF in Leipzig die Gelegenheit, mich mit Florian Aigner über die Quantentheorie zu unterhalten. Wobei ich ihn eigentlich eher zugetextet hatte, um ihm meinen Werdegang zu schildern. Im Physik-Leistungskurs kam die Quantentheorie nicht dran. Ich wurde aber von einem Mitschüler mehr oder weniger geframt, dass die Quantentheorie besagen würde, dass wir Kraft unserer Gedanken die Wirklichkeit beeinflussen könnten. Für mich klang das sehr verlockend. Als ich dann die ersten beiden Bücher von John Gribbin - Schrödingers Kätzchen und die Suche nach Schrödingers Katze gelesen hatte, dachte ich ständig, dass man damit alle möglichen paranormalen Phänomene erklären könnte. Das stand da natürlich nirgends, aber mein Gehirn hat das eben so reininterpretiert. Als ich dann ein Buch von M.T. gelesen hatte - Florian meinte, dass er ihn nicht kennen würde, und ich sagte dann, dass er den auch nicht kennen muss - wurde ich in diesem Fehlglauben noch bestärkt. Damals dachte ich ja noch, dass Bücher ordentlich recherchiert sein müssten und dass in ihnen im Gegensatz zu Zeitungen auch die Wahrheit stehen müsse, schließlich gibt es so etwas wie eine Verlagsprüfung. Dass in Büchern genauso Unsinn stehen konnte, habe ich erst später verstanden. Über Zufälle habe ich auch gelesen, dass das Universum zufällig entscheiden müsse, sollten sich zu viele Menschen dasselbe wünschen, was aber nur einem erfüllt werden kann. Im Lotto gewinnen war so ein Beispiel. Das kann man sich schon wünschen, aber der unterliegt dann eben doch dem Zufall. Jedenfalls kam ich so irgendwie ein wenig zur Esoterik, dachte, dass wirklich alles mit allem zusammenhängt, zu den Bestellungen beim Universum. The Secret fand ich dann aber doch etwas zu heftig, weil ich mir da schon nicht vorstellen konnte, dass sich die Kinder in Syrien nicht stark genug Frieden wünschen würden. Da rührte sich in mir zum ersten Mal eine gewisse kognitive Dissonanz. In den Ferngesprächen auf WildMics (Twitch) wurden weitere Zweifel gesäht, wenn das Thema aufkam. Schließlich ist es wirklich perfide, wenn man dem Individuum Schuld an seinem Schicksal gibt. Niemand ist Schuld daran, wenn er/sie Krebs bekommt. Es ist Zufall. Ein kackverdammtarschiger Zufall. Das ist aber für manche Menschen nur schwer zu ertragen, dass man sein Schicksal eben leider nicht in der Hand hat. Dass wir nicht immer unseres Glückes Schmied sein können. Vor Holms Buch Relativer Quantenquark hatte ich auch ein wenig Angst, weil ich schon ahnte, dass es meine Einstellung umkrempeln könnte. Und das tat es auch gründlich. Vorher war ich eher ein Ahänger der Viele-Welten-Theorie. Ich dachte nämlich, dass die Kopenhagener Deutung besagen würde, dass es einen universellen, gottgleichen Beobachter geben müsse, der alles erst real werden lassen würde. Da ich aber damals Atheist war, bevor ich Agnostiker wurde, konnte ich mir diese Interpretation nicht aneignen. Nach Holms Darstellung war das aber falsch, die Kopenhagener Deutung besagte lediglich, dass es einen fundamentalen Zufall gibt, was Einstein nicht gefiel ("Gott würfelt nicht!"). Nach der Lektüre dieses Buches habe ich akzeptiert, dass es den echten Zufall gibt und verabschiedete mich von der Viele-Welten-Theorie. Das bedeutete aber auch, dass ich mich von dem tröstlichen Gedanken verabschieden musste, dass ich in diesem Universum vielleicht eine Chance verpasst hatte, aber dass es da draußen irgendwo ein Universum gab, in dem ich eben diese Chance ergriffen hatte. Diesen Trost habe ich jetzt nicht mehr. Die Viele-Welten-Theorie taugt nur noch für geile Science Fiction Geschichten in Paralleluniversen. Florian fragte in seinem Buch Warum wir nicht durch Wände gehen *Unsere Teilchen aber schon auch, warum man einer so komplexen Interpretation wie der Viele-Welten-Theorie anhängen sollte, wenn es doch eine viel einfacherer Erklärung mit dem fundamentalen Zufall in der Kopenhagener Deutung gibt. Das hat in mir auch den letzten Zweifel ausgeräumt. Natürlich musste ich mich von meinem magischen Denken verabschieden. Keine Bestellungen mehr beim Universum. Und ich habe auch nicht die Kinder in der Höhle in Thailand mitgeholfen zu retten, weil ich tagelang bei den Nachrichten gemeinsam mit vielen anderen mitgefiebert hatte. Und ich bin auch keine weiße Hexe. Vielleicht habe ich eine etwas überdurchschnittliche emotionale Intelligenz, weshalb ich oft als "gute Seele" bezeichnet werde. Nun bin ich doch ein sehr wissenschaftlich denkender, skeptischer Mensch geworden. Aber da Mister Spock immer mein Vorbild gewesen war, ist das nicht das Schlechteste. Und Gefühle zu haben, Empathie, Freude und Glück zu empfinden, das ist ja trotz allem immer noch möglich. Ich bin zufrieden mit meiner neuen Sicht der Dinge.
Montag, 25. Mai 2026 20:56WTF Wissenschaft trifft Freundschaft in LeipzigAm Wochenende haben wir unsere Akkus in Leipzig beim Wissenschaft trifft Freundschaft aufgeladen. Es war während des WGTs, so dass wir auch den Flair der Schwarzen Szene genießen konnten. Natürlich haben wir wieder im Alex am Naschmarkt gegessen und gefrühstückt und leckere Cocktails getrunken. Wir haben uns mit vielen lieben Menschen aus der Zeugen Kühlwaldis-Bubble getroffen, inklusive ein überraschendes Wiedersehen mit jemanden, den wir zuletzt auf der legendären Ferngesprächs-Con gesehen hatten. Langsam kristallisiert sich ein harter Kern heraus. Aber was höre ich immer im Büro? Nichts ist so beständig wie die Veränderung. Für jemanden, der so phlegmatisch ist wie ich, immer etwas schwierig zu akzeptieren. Von mir aus führe ich Veränderungen eher selten herbei. Aber für zwei Tage und drei Nächte konnte ich mal alles vergessen, was zur Zeit an meiner Seele nagt. Wir wurden druckbetankt mit einer Reihe von äußerst interessanten Vorträgen. Am meisten gefreut habe ich mich darüber, dass Christian von Aster meinem Florian die Absolution erteilt hat und dass ich dem zweitbesten Florian der Welt, Florian Aigner, meinen Quantenphysik-Werdegang erzählen durfte. Ich bin seit Holms Relativem Quantenquark kein Anhänger der Viele-Welten-Theorie mehr. Dabei fand ich den Gedanken immer tröstlich, wenn ich mal wieder eine Chance im Leben verpasst hatte, dass es da draußen irgendwo ein Paralleluniversum gibt, in dem ich den Mut hatte, besagte Chance zu ergreifen. Diesen Trost habe ich jetzt nicht mehr, seit ich mit der Kopenhagener Deutung die Existenz des fundamentalen Zufalls akzeptiert habe. Wegen akutem Schlafmangel musste ich auf der Heimfahrt wieder häufig Pausen machen, damit ich nicht in den Sekundenschlaf falle. Vielleicht sehen wir uns nächstes Jahr dort zu Pfingsten?
Dienstag, 7. April 2026 19:23Warum wir nicht durch Wände gehen - Florian AignerWie die meisten Bücher über Quantenphysik, die ich bisher gelesen habe, beginnt auch dieses Buch Warum wir nicht durch Wände gehen - Florian Aigner mit dem Doppelspaltexperiment. Ich bedauere alle Menschen, die dieses faszinierende Experiment nicht live in der Schule erleben durften. Es hat sich in mein Gehirn eingefräßt, weil ich es einfach unglaublich faszinierend fand, dass die Welt nicht so zu sein schien, wie wir es aus unserem Alltagserleben gewohnt sind. Ich habe aber gerade eine Frage. Wenn man zwei Steine in ein Wasserbecken fallen lässt, dann werden die Wellen am Beckenrand reflektiert und nach kurzer Zeit werden die Interferenzen chaotisch, bis es sich vollkommen aufgehoben hat und die Wasseroberfläche wieder glatt ist. Das Muster an der Wand hinter dem Doppelspalt jedoch zeigt ein Muster wie die ersten Wasserwellen, die dort auftreffen, und scheinen dann eingefroren. Warum? Die Lichtquantenphotonenschwubbelwellen werden doch ebenfalls reflektiert. Weshalb bleibt das Muster an der Wand dann aber gleich? Wahrscheinlich gibt es dafür eine ganz einfache Erklärung. Vielleicht weil die Lichtquelle dauerhaft strahlt, während zwei ins Wasser geworfene Steine nur ein einmaliges Ereignis ist. Die Quantenphysik erlaubt keine Telepathie, dafür aber Quanten-Teleportation. Ich freue mich, dass Florian für die weitere Erklärung das Beamen aus Star Trek herangezogen hat. Allerdings erklärt er auch, weshalb uns das auch in Zukunft nicht gelingen wird. Er räumt auch damit auf, dass Quantenkryptographie hundertprozentig sicher sei. Florian erklärt recht einleuchtend, weshalb man doch lieber der einfacheren Theorie anhängen sollte, nämlich dass es einen fundamentalen Zufall gibt, anstatt der Viele-Welten-Theorie, die alles nur unnötig kompliziert macht. So gern ich Paralleluniversen-Geschichten in der Science Fiction habe, aber mittlerweile bin ich doch Anhängerin der Kopenhagener Deutung, des fundamentalen Zufalls. Am Ende des Buches erklärt Florian noch, wie die Quantenfluktuation für die Strukturen im Universum verantwortlich sind. Wie nach den Gesetzen der Quantenphysik überhaupt erst DNA entstehen kann. Ich hatte mich mit einem Freund (einem der wenigen, mit denen ich über Quantenphysik überhaupt diskutieren konnte) mal gestritten, weil ich glaubte, dass die Quantenstruktur für die chemischen Gesetze und damit für die Entstehung des Lebens überhaupt verantwortlich wäre. Wenn ich Florian richtig verstanden habe, dann lag ich damit gar nicht mal so verkehrt. Das Buch zu lesen war ein wenig anstrengend. Daher habe ich dafür etwas länger gebraucht, als Florian gebraucht hat, um sein neues Buch Die Wirklichkeit ist auch nicht wahr zu schreiben. Ich denke aber, dass dies eine deutlich leichtere Lektüre sein wird.
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